Hamlet Hamster testet für Euch Personalberatungen (1)

Eine überzeugend vorgebrachte Initiativbewerbung ist meistens schon die halbe Miete! Aber machen Sie sich bitte in Ihrem eigenen Interesse über einen möglicherweise drohenden Identitätsverlust nicht allzu viele Gedanken, denn Sie stehen mit Ihren Ängsten, Sorgen und Nöten nicht allein da, sind definitiv kein Einzelfall! (Foto: Vorbildlich funktionierender Headhunter!)
Es ist klar: wir alle brauchen irgendwann irgendwo einen neuen Job, und sei es nur aus kosmetischen Gründen. Die Frage: „Was, Du bist immer noch bei Deinem alten Arbeitgeber beschäftigt? Machst Du niemals Urlaub?“ ist naturgemäß keine angenehme. Doch woher einen neuen Job nehmen, wenn nicht stehlen? Auf dem Arbeitsamt etwa eine Nummer ziehen? Das geht oftmals schon aus technischen Gründen nicht. Bleibt über kurz oder lang also nur der Weg zu einem Personalberater, oder schlicht: Headhunter. Doch welche dieser Arten sind gut, welche sind nicht so gut, welche sind empfehlenswert, und welche hätten besser niemals geboren werden dürfen? Das sind alles Überlegungen und Fragen, die auf eine natürliche Einzelperson einen unübersichtlichen Eindruck machen müssen. Deshalb ist es gut, daß es mich gibt. Mich: Hamlet Hamster! Für Euch, meine liebe Fangemeinde, scheue ich weder Kosten noch Mühen. Stürze ich mich in jedes nur erdenkliche Personalberatungstopgesprächsabenteuer – und das ausschließlich, um die Besten der Besten zu testen. Die Spreu vom Weizen zu trennen, usw., usf., … denn dank eines guten Freundes stieß ich neulich auf ein wahres Personalberatungsweltweitqualitätseliteimperium, so eine Art Matrix der Mutter aller Headhunterwurzeln: „Welcome to the real world of Headhunting… “
Allein das theoretische Navigationsmenü, das sich diskret ober- und unterhalb der Grenzen eines erhabenen Greifvogelfotos auf der Startseite entlangschmiegt, läßt einem das Wasser im Munde zusammenlaufen, verheißt eindrucksvoll Großes, zeigt auf, wie sehr sich der Begriff „Headhunter“ diversifizieren läßt: „headhunter, headhunting, headhunter-News, headhunter-Info, headhunter Stellenangebot, headhunting-Philosophie, headhunter zu Headhunter Institut, hunting heads, executive Search International, …“ Nach dem Komma bricht die Informationsflut punktlos ab, und so wird jedem Besucher schnell klar, daß im Hause huntingheads.de niemand wertvolle Zeit mit sinnlosen Interpunktionsübungen vergeudet, denn: „DIE JAGD NACH DER ELITE ! click here“ hat begonnen. Um die positive Zukunftstimmung unter den Lesern auch weiterhin konsequent aufrechtzuerhalten, zitiert der Autor des folgenden (und auch weiterer Texte dieser Seite) nicht etwa Albert Einstein – so wie das jeder Anständige und am Leben fast Zerbrochene tut, der glaubt, Einstein habe mit seiner Relativitätstheorie das Relative im Leben gemeint -, sondern höchst qualitätsrichterisch sich selbst: “wer erfolgreich sein will muss die Besten auswählen. Deshalb bewerben Sie sich bei hunting heads um bei den Besten zu sein.” Einerseits klingt das unkompliziert formuliert und inhaltlich vernünftig. Andererseits steckt man immer nie so ganz drin im Kopf eines jeden potentiellen Rezipienten, und so werden jetzt vom Elitequalitätsautoren sicherheitshalber die Mediadatenfakten des Jahres 2006 offengelegt: „10.452.235 registrierte Besucher, ca . 40.000 Bewerber-Anfragen (wahrscheinlich mehr, als alle 1.800 Gesellschaften zusammen !) 90% der Bewerber erhalten eine Absage! Nur 4.038 Bewerber wurden in die Elite aufgenommen.“ Gleichfalls nüchtern die sich daran anschließende Gesamtstandort- und Schwerpunktebestimmung: „Unsere Niederlassungen und Schwerpunkte: Headhunter Stuttgart, Headhunter Dortmund, Headhunter Hannover, Headhunter Aschaffenburg, Headhunter Karlsruhe, Headhunter Hamburg, Headhunter Bremen, Headhunter Freiburg, Headhunter Kassel, Headhunter Ulm, Headhunter Darmstadt, Headhunter Passau, Headhunter Regensburg, Headhunter Saarbrücken, Headhunter Düsseldorf, Headhunter Bochum, Headhunter Hagen, Headhunter Kaiserslautern, Headhunter Ludwigshafen, Headhunter München, Headhunter Berlin, Headhunter Nürnberg, Headhunter Essen, Headhunter Gütersloh, Headhunter Würzburg, Headhunter Paderborn, Headhunter Frankfurt, Headhunter Köln, Headhunter Speyer, Headhunter Mannheim, Headhunter Bonn, Headhunter Dresden, Headhunter Wetter, Headhunter Duisburg,“. Das war aber erst die Vorspeise, denn nun geht es auf einer Unterseite unter Hinzuziehung diverser Nationalflaggen in die Vollen: „Headhunter Deutschland, Headhunter Polen, Headhunter Tschechien, Headhunter Ungarn, Headhunter Belgien, Headhunter Slowakei, Headhunter Niederland, Headhunter Österreich, Headhunter England, Headhunter Schweiz, Headhunter International, Headhunter Asien, Headhunter Nordamerika, Headhunter Indien, Headhunter Frankreich, Headhunter Spanien, Headhunter Italien, Headhunter Portugal, …“; hier endet die Auflistung abrupt, was die eine oder andere Frage aufwirft. Zum Beispiel diese: Warum?

Erstklassige Personalberatungsfirmen erkennt man an einem schier unkaputtbaren Leistungswillen, international operierender Kooperationspartner sowie mehreren Flugzeugträgern, die mit ihren magischen Überredungskünsten jede Spitzenfachkraft dieser Welt (z.B.: Vorstandsvorsitzende, C.E.O.s, Staatspräsidenten, Supermarktfilialleiter, etc. …) zum sofortigen Wechsel des Arbeitsplatzes bewegen können, wenn sie es denn nur wollen – und sie wollen (eigentlich fast) immer.
In D-58300 Wetter wirkt U.Zirbes zum Beispiel nachweisbar ganz real und konkret, der (laut selbstloser Selbstauskunft) „einzige Headhunter in Europa mit Senatoren-Sitz im Europäischen Wirtschaftssenat. Hierin finden sich hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Damit verfügen wir zusätzlich über ein Netzwerk, das anderen Headhuntern oder herkömmlichen Personalberatern verwehrt ist.“ Das verdient meinen uneingeschränkten Respekt! Respekt, den mir ebenfalls dieses überaus sehenswerte und ganz spezielle huntingheads.de-Tierfilmchen in nachgerade ZEN-buddhistischer Manier abverlangt. (Filmchen muß zum Betrachten leider erst auf Platte geladen werden, aber es lohnt sich wirklich!) Respekt verdient C.E.O. Uwe Zirbes aber auch ob seiner klaren Worte, die er seinen „10.452.235 registrierten Websitebesuchern“ des letzten Jahres konservativ strukturiert ins Stammhirn schrieb – und entgegenkommenderweise noch immer schreibt:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
Ich habe ein ganz persönliches Anliegen:
Headhunting – Direktsuche – Direct Search.
Es kommt leider immer wieder vor , dass dieses äußerst professionelle Verfahren mit der sogenannten Personalberatung gleichgesetzt wird.
Ich kann Ihnen versichern, dass diese Gleichsetzung für unser Haus nicht nur unzutreffend ist, sondern auch nicht unseren Ansprüchen gerecht wird. Wenn man von Berufsehre spräche, hier sähen wir diese als verletzt an. Denn wer von uns z.B. erwartet, dass wir teure Insertionen mit Ihrem Geld schalten, um dann zuzuwarten, wer sich vielleicht darauf meldet, ist bei uns völlig deplaziert.“ Das Gefühl habe ich übrigens auch. Doch weiter im Text und „Rund heraus: Wenn Sie in ein Maybach-Autohaus gehen, erwarten Sie dort zurecht, auch einen Maybach kaufen zu können und nicht etwa ein Billigauto. Wir verzichten zwar ungern auf Sie, aber wir werden unsere sehr erfolgreichen Prinzipien nicht aufgeben.“ Aufgeben ist unter wünschenswerten Würden, Hochwürden, nicht wahr? „Wenn Sie dies also wünschen würden, könnten wir Sie nur höflichst bitten, sich an eben solche Personalberatungsunternehmen zu wenden. Ich hoffe, unsere Homepage kann Sie umfassend und detailliert über unsere Geschäftsphilosophie und unsere hohen Ansprüche informieren (Ja, das tut sie!), die für uns die Grundlage für eine professionelle Direktsuche (direct search) sind. Verschaffen Sie sich bitte selbst einen Eindruck, was professionelles Headhunting ausmacht.
Ihr
Uwe Zirbes“

Früher war Spiderman dank seines gigantischen Netzwerks in der internationalen Headhunterszene ein gefragtes Teammitglied. Doch der Megaerfolg und die damit verbundenen Mehreinnahmen in Milliardenhöhe machten ihn rund, dick, fett, dekadent und leider auch: erfolglos. Vollkommen gefrustet setzte er sich letzte Woche in ein Taxi und verließ die Stadt gen JFK – für immer. Foto: istolethetv
Nun, dann will ich mir doch mal einen professionellen Eindruck darüber verschaffen, „was professionelles Headhunting ausmacht“ – und fülle brav und artig das dafür vorgesehene Kontaktformular aus:
„Sehr geehrte Damen und Herren,
ich muß Ihnen ein Kompliment machen. Ihre Website ist so dermaßen einzigartig, daß ich nicht anders umhinkonnte, als mich initiativ bei Ihnen für übergeordnete Eliteaufgaben zu bewerben.
Ich bin mir sicher, daß meine Erfahrungen, mein Temperament und ausgesprochener Sinn für akkurates Sprachverhalten ausschlaggebend sein werden, in Ihre ach so hochgeschätzten Datei Aufnahme zu finden.
Mit freundlichen Grüßen
Hamlet Hamster“
Das Textfeld „Lebenslauf“ erhält von mir folgenden Eintrag, der meine berufsbildoptimierte Ausrichtung “Marketingvorstand Müllbranche – Jahresgehalt: 500.000,- EURO plus x” klar erkennen läßt: „Frisch in allen Lebenslagen. Ansonsten Kreativdirektor in London (1993 bis 2003). Danach umfangreiches Reisen zum Zwecke der Selbstfindung.“ Den Satz „Mein Zeugnis habe ich leider beim letzten Umzug verloren.“ löschte ich nach kurzem Überdenken wieder, da es in Bewerbungsprozessen hilfreich ist, den Eindruck zu vermeiden, unsortiert zu sein. Bereits am nächsten Tage erhielt ich eine sortierte Absagemail:
„Sehr geehrter Herr Hamlet,
wir bedanken uns für Ihr entgegengebrachtes Vertrauen in unser
Institut.
Nachdem wir Ihren Lebenslauf ausführlich geprüft haben, müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir Ihnen leider keine adäquate für Ihre Skills zugeschnittene Position aus unseren Kundenaufträgen anbieten können, obwohl Sie über interessante und “marktfähige” Qualifikationen verfügen da wir als Headhunter, uns auf andere Managementpositionen spezialisiert haben.
Wir möchten Ihnen jedoch empfehlen, zu einer Personalberatungsgesellschaft wie Baumann, Kienbaum, Personal-Total oder Adecco vor Ort anzufragen, die Ihnen im Bereich der Vermittlung von Fachkräften oder auch von Kandidaten mit Ihrem Profil im regionalen Bereich wahrscheinlich weiterhelfen können.
Ich hoffe, wir konnten Ihnen mit diesem Tipp zumindest einen wertvollen Hinweis geben und verbleibe mit den besten Karrierewünschen
Uwe Zirbes
- CEO -“
Für die Müllbranche ist das ein herber Rückschlag, denn dort ist man auf einen versierten Marketinghamster wie mich zwingend angewiesen. Allerdings kam die Absage vom C.E.O. persönlich. Irgendwie fühle ich mich dadurch geadelt und beschließe, huntingheads.de mit meinen unaufgeforderten Bewerbungsbemühungen eine zweite Chance einzuräumen. Allein: Ich weiß nur noch nicht so genau, wann das sein wird.