Denken wir an die Entstehungsgeschichte der Kunstgeschichte, so denken wir zwangsläufig an die Entstehungsgeschichte der Händegeschichte. Wenn sich die Geschichte der Hände mit der Geschichte der Kunst kreuzt, dann entstehen mitunter geradezu großartige Werke. Denken wir nur an Albrecht Dürers Betende Hände, die an dieser Stelle nicht mal abgebildet werden müssen, weil wir diese Arbeit ohnehin fest mit unserem Bewußtsein verankert im Geiste gespeichert haben. Aber nicht nur das! Sind es nicht die Hände, die manigfaltige Pinsel über manigfaltige Leinwände schwingen, schleifen, bewegen? Die Leinwände gar erst spannen, zurechtrücken? Reimt sich das Wort Leinwände nicht auf Kleinhände? Da darf man nicht drauf schlagen, denn die Mauer ist ja längst weg, und Wegener nach geglückter Befreiung der Landshut-Geiseln gut bezahlter Sicherheitchef bei des Saudis…, auch und gerade ohne Hände: unvorstellbar!
Doch zurück zum Thema: Roger M. Buergel und Ruth Noack, das sympathische Kuratorenehepaar der DOCUMENTA 12, brauchten sich nur ihre eigenen Hände zu betrachten, um zu wissen, wieviel Arbeit da auf sie zukäme, nähmen sie die Herausforderung des besonnenen und empfindsamen Kuratierens an – was sie zum Leidwesen nicht gerade weniger auch taten. Natürlich besagt ein chinesisches Sprichwort: Wer nicht lernt, mit den Ohren zu laufen, der wird niemals seinen Händen das Sehen ermöglichen! Aber was besagt das schon? Eben. Deshalb bringt der chinesische Künstler Ai Weiwei 1000 zusätzliche Chinesen ins Documenta12Land, um sie ihre Eindrücke mittels 2000 zusätzlicher chinesischer Hände filmen, fotografieren und aufschreiben zu lassen. In viele gespuckte Hände produzieren und beantworten viele relevant flüssige und überflüssig relevante Fragen. Damit entsteht ein präzises Sinnbild, das für die gesamte DOCUMENTA 12 relevant ist. Hände sei Dank!
Hände gut, alles gut!