
Nachdem der katalanische Starkochkünstler Ferran Adrià sein Erscheinen zur DOCUMENTA 12 plötzlich als „nicht mehr sicher“, „unwahrscheinlich“ oder gar „wenig vorstellbar“ bezeichnete, weil er lieber doch hinterm heimischen Herd bleiben möchte, disponierten die beiden unversierten aber dennoch rührigen Ausstellungsmacher Roger M. Buergel und Ruth Noack spontan um, und ersetzten den hitzblütigen Südländer ruckzuck durch Frau Dr. Ruth Westheimer, von der die Weltöffentlichkeit schon lange nichts mehr gehört hat – jedenfalls nicht so richtig -, und deshalb „auch mal wieder dran ist“, wie das Kuratorenehepaar mit unbestechlichem Selbstgerechtigkeitgefühl, nebst einer erstaunlichen Vorliebe für kalorienhaltige Fußgebete, ausführt. Von Frau Dr. Westheimer sind sicherlich keine löffelweise verabreichten Speisen à la Algenkrokant, Tabakblättersud, mit Bärenblutwurst gefüllte Giraffenhälse aus Palästina oder gar Marshmallows zu erwarten. Nein, sie arbeitet feiner, elitärer, sublimer, nicht zuletzt: muslimer. Das ist das, was sie ausmacht, das ist das, was wir an ihr schätzen: ihre Vorliebe für eine klare, unmißverständliche Kochsprache im Kontext einer attraktiven Körperansprache, die man nur sprechen kann, wenn man weiß, wie man am besten auf sich aufpaßt und sich so wenig wie möglich die Finger verbrennt.
Wer keine Zeit hat, nach Kassel zu fahren, der kann sich die wichtigsten Kochkunst-Aspekte Dr. Ruth Westheimers nach Hause holen. Ihr Buch “Fruits, Nuts & Cakes – Die Geheimnisse religiöser Fußmassagen” ist just als Multiple im Kölner Sahnefuß-Verlag erschienen und kostet ca. 87,50 EURO.