Tag Archives: FLUXUS

Joseph Beuys mittels Werbung ins Mainstreamige übersetzt: «Big Fat Sound»

5 Jan

Denn sie wussten nicht, was sie tun: Auf einer SPD-Feier im Schloß Morsbroich geriet die mit Filz, Fett und Pflaster versehene «Badewanne» von Joseph Beuys zufällig in die Hände von zwei Genossinnen. Die schrubbten den versifften Zuber, bis er glänzte. Der Zorn über den Kunstfrevel traf jedoch nicht die Täter.

Der komplette Text von Johanna Lutteroth auf einestages.

P.S.: Es wundert uns ja schon schwer, daß dieser Artikel nicht umgehend von Eva Beuys per «Einstweiliger Verfügung» vom Netz genommen wurde. Was ist los? Ist sie gerade krank? Oder hat ihr Oda Jaune inzwischen den Rang abgelaufen?

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***

Rückblick: «Die große Bambi-Verleihung 2011 im Wiesbadener Kurhaus bzw. in den Rhein-Main-Hallen»

3 Jan

Alle Fotos von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Das neue «Wiesbaden-Magazin» lag im Dezember letzten Jahres bundesweit der FAZ bei. Das oben abgebildete Titelbild durfte unser Redaktionsfotograf Andreas Baier beisteuern. Er freut sich darüber sehr.

Der rote Teppich führt direkt durch das Kurhaus hindurch. Der frühere Sprintweltmeister und FLUXUS-Künstler Lennox Lewis schaffte die Strecke einst in unter zehn Sekunden. Heute gilt jedoch: «Wie schaffe ich es, mich so lange wie möglich auf dem roten Läufer zu halten?»

Der rote Teppich aus der Vogelperspektive. Unten sieht man gerade wie der Moderator Kai Pflaume den Teppich einläuft. Auf dem Podest versetzt sich das Kamerateam in Schwingung.

Auf dem großen Display im Foyer des Wiesbadener Kurhauses kann man gut erkennen: Soeben ist der hessische Landesvater, Ministerpräsident Volker Bouffier, gemeinsam mit seiner Frau eingetroffen.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier im Interview.

Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller (links) und Frau Bouffier (rechts).

Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller auf dem Display eines iBooks im Gespräch.

Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller, Verleger Dr. Hubert Burda im Radio-FFH-Interview.

Gruppenbild der vorstehend bereits erwähnten Stadt- und Landesoberhäupter.

Der Verleger Dr. Hubert Burda beantwortet Fragen zur Ausrichtung der Bambi-Verleihung coram publico.

Einen erstklassigen Verleger erkennt man an seinem überproportional mit Terminen gefüllten Kalender. Da bleibt niemals nie viel Zeit. Schon ist er auf dem Weg zur nächsten Verabredung.

Der Verleger Dr. Hubert Burda läßt dezent durchblicken, daß er sich trotz selbstgefertigtem Bambi für erfolgreich verlaufende Zahnbehandlungen nur bedingt zuständig fühlt.

«Fällt man vor einem anbetungswürdigen Menschen auf die Knie und fotografiert ihn unmittelbar aus der Froschperspektive, so erhält man ein anbetungswürdiges Gesamtkunstwerk – sofern man die Aufnahme weiterführend künstlerisch nachbearbeitet.» (Zitat von James Joyce)

«Wie schwierig war es denn für Sie, Ihren richtigen Style für den heutigen Abend gefunden zu haben?»

FOCUS-Chef Helmut Markwort und BUNTE-Chefin Patricia Riekel.

Monsieur Le Sky duMont gemeinsam mit seiner Tochter im medialen Kreuzverhör: «Wann haben Sie das letzte Mal etwas gegessen?»

Diese beiden Gentlemen bekommen auch einen Bambi verliehen. Leider konnten wir vor Redaktionsschluß nicht in Erfahrung bringen, um wen es sich handelt.

Warten auf Sky duMont.

Monsieur Le Sky duMont – ganz Kavalier – winkt den Mantel in einer leichten körperlichen Schräglage (für die er weltberühmt ist) für seine weibliche Begleitung herbei.

Und nun richten sich die Blicke auf Christine Neubauer.

Christine Neubauer tut alles, um die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten ihres Preisverleihungsoutfits ergonomisch in Szene zu setzen. Hier: Der doppelte Schleppeneinschlagwurf aus der halboffenen Handumdrehung. Ist auch der hessische Ministerpräsident von dieser Vorführung beeindruckt?

Ja, auch der hessische Ministerpräsident ist von dieser Vorführung beeindruckt.

Im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses wird die Bambi-Verleihung live aus den Rhein-Main-Hallen übertragen. Gerade zu sehen: Lady Gaga.

Die personifizierte Form des lateinischen Lichts.

Atmosphärisch begeisternde Randnotiz.

Kurdirektor und Geschäftsführer der «Kurhaus Wiesbaden GmbH» Henning Wossidlo bestellt routiniert «Fünf Bier für die Männer vom Sägewerk!»

Das Bambi-Maskottchen auf die Fassade des ehemaligen «R+V Gebäudes» projiziert.

Konzert- und Veranstaltungsbeleuchter Jan Kyritz macht es möglich: Eine in gleißendes Rotlicht getauchte Wilhelmstrasse.

Die Rhein-Main-Halle ist der höchst gelegene Punkt Wiesbadens und war schon immer ein besonderer Wallfahrtsort gesellschaftlich Bessergestellter. Sageundschreibe 6500 Treppenstufen (traditionell mit buntem Kerzenlicht beleuchtet) sind auf den Knien und dem Weg nach oben zu bewältigen – will man alles richtig machen. Zum Vergleich: Das Niederwald-Denkmal im Rheingau liegt nur 15 Meter höher. Anläßlich der Bambi-Verleihung durften die Stars jedoch ausnahmsweise mit der Limousine vorfahren, da man verhindern wollte, daß die teure Garderobe Schaden nimmt.

So wie einst der Schriftsteller Heinrich Böll von der Fotografin Barbara Klemm während einer Demonstration in Mutlangen als mahnender Denker malerisch in den emotionalen Mittelpunkt ihres Bildes gerückt wurde, so unterstützt nun der in Speckstein verewigte Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe die breite Masse der Bambiverleihungsinteressierten bei ihrem noblen Anliegen, sich auch ein kleines Scheibchen vom Medienkuchen abschneiden zu wollen: «Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten, die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt. Versuch ich wohl, Euch diesmal festzuhalten?

Wie vorstehend, diesmal jedoch mit mehr musealem Charakter.

Überpünktlichkeit hat einen Namen: Lady Gaga: Gestützt von ihrem Leibwächter macht sie vor den Objektiven der Weltpresse einen gesunden und selbstbewußten Eindruck.

Hier sehen Sie die «Besten der Besten der Besten, Sir!». Nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch eine gesunde Portion Demut ist gefragt, will man sich zur Elite der Elitefotografen zählen: Leicht nach oben geknickte Lackschuhspitzen zeugen von der unbedingten Bereitschaft, vor jedem Star sofort auf die Knie zu sinken – und abzudrücken. Dicke Akkupakete ermöglichen es den Bildbeschaffern zudem, bis zu 48 Stunden gegebenenfalls sogar bei klirrender Kälte vor den Empfangstüren unserer bunten Preisverleihungswelt ausharren zu können, ohne zum lästigen Nachladen wärmere Räumlichkeiten aufsuchen zu müssen.

Das Spiel «Wer verläßt mit welcher Strategie das Auto?» wird in den unterschiedlichsten Variationen durchgespielt. Hier entsteigt die Sängerin Jasmin Wagner, vormals Blümchen, die Limousine auf der Passivseite – und leitet somit geschickt zur Grünfeld-Verteidigung über.

Die Moderatorin Sylvie van der Vaart in ihrem falbalaesken Fischnixenkleid.

Das orgiastische Justin-Bieber-Probekreischen setzt bei jeder eintreffenden Limousine reflexartig ein, denn: Sicher ist schließlich sicher.

Möglicherweise Bill Kaulitz, möglicherweise aber auch nicht.

Er ist geboren, um zu leben: Der Graf von Unheilig.

Die aufgeweckte Jugend von heute leidet an bestechender Beobachtungsgabe: «Schwulenhass ist keine Integrationsleistung» stellt sie treffend fest. Bushido bekommt trotz heftiger Bedenken genau jenen Integrationsbambi von Burda Media ausgehändigt, worauf beispielsweise der große Ausnahmekünstler Heino seinen goldenen Bambi wiederum zurückgab, ein Ereignis, das rückblickend betrachtet die Bambiverleihung an Bushido unter bestimmten intellektuellen Voraussetzungen dann doch irgendwie rechtfertigt.

Der Starmoderator Thomas Gottschalk zeigt sich ungebrochen honneckeresk: «Es lebe der Sozialismus mit seiner integrativen Gummibärchenkraft für alle!». Nach dieser klaren Ansage betritt er gemeinsam mit seiner Frau das Preisverleihungsgebäude.

Big Brother is watching you: Während die Party in vollem Gange ist, warten draußen vor der Tür immer noch die Fans auf Justin Bieber.

So here he is. Alles jubelt, schreit, kreischt – und vollzieht unter dem Schutz des Menschengedränges stante pede den mehrfachen Geschlechtsverkehr.

Justin Bieber (roter Kreis) gibt die Marschroute vor – und alle folgen ihm. Hier auf dem Weg zu einer noch unsignierten Autogrammkarte.

Während Justin Bieber im Hintergrund der Presse Rede und Antwort steht, raucht die Verwandlungskünstlerin Lady Gaga im Bildmittelpunkt genüßlich eine Zigarette mit Mentholgeschmack, die sie umgehend in eine leichte körperliche Schräglage versetzt; jene unkonventionelle Körperhaltung, der sie ihren Weltruhm verdankt.

Die Menschentraube vor der Rhein-Main-Halle löst sich langsam auf. Im Hintergrund sind die berühmten Strickereien aus dem Erzgebirge zu sehen, die momentan zwei verschnupfte steinerne Säulen wärmen.

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***

Interessante Dialogstruktur

20 Dec

Neues aus dem derzeit höchsten Hochhaus der Welt:

Mädchen 1: «Ich sehe zwei liebe Flugzeuge, die auf riesigen Wolkensesseln sitzen und sich einen Film mit George Clooney ansehen. Cool!»

Mädchen 2:«Und ich sehe eine Schildkröte, die gerade ihren Kopf durch die Decke in unseren Raum gegraben hat, um uns zu fragen, ob wir noch etwas zu trinken haben wollen. Auch cool!»

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***

Der rosarote Phantenreiter

27 Nov

Ein schönes Sonntagsgedicht, gefertigt nach den gestrengen Regeln der
FLUXUS-Bewegung, die ebenfalls für die Erfindung der chinesischen
Stäbchen in ihrer beweglichen Urform verantwortlich zeichnet.

***

Oh rosaroter Phantenreiter,
Bist mir mein treuer Wegbegleiter,
Mein Streiter für das große Sehen.
Doch läßt Beton sich leider nicht vernähen.

Das Hören mit den Augen ist wie das Laufen
mit den Ohren. Laugenbretzelbrillen will ich kaufen;
Habe mir geschworen: «In der Stille
kommt’s auf Stil an. – Brille. Fielmann.
»

Aber das ist nur: «Aspekt, der erste!»
Denn der zweite steckt in jeder Seite
Einer Autotür; und so erfährste:
«Phantenreiter sucht das Weite!»

Weil die Gebühr für Autobahnbenutzung
Nicht mehr finanzierbar ist. Weil der Stier,
Quatsch, Stür, den Matsch samt Nachbeputzung
Nicht mehr als sein Bier erachtet.

Weil Getier am Fahrbahnrande
An der Mahnwahnbande übernachtet.
Weil der Mensch als solches danach trachtet,
Dem Verstande manchmal nicht zu folgen.

Deshalb gibt es Phantenreiter, rosarote,
Die mit Pflichtbewußtsein wohl gedeihen
– und mit Verve(*) Ihrem Handeln eine rosarote
Note anverleihen – optisch eine Schärfe.

Doch was haben wir davon?
Was ist der hohe Sinn der Sache?
Ersetzt der Phantenreiter Telefon?
Oder ist er nur «Der ewig Wache»?

Entdeckte er für uns das Te-fe-lon?
Für rückstandfreies Bratgehabe?
Für einen glutenfreien Elfenton?
Für eine honigfreie Bienenwabe?

Welche Gabe wird denn hier beschrieben?
Viertel sieben? Drei nach achet?
Wer kleingekauert nach Belieben
Phantenreiter bauert, der erwachet!

(*) sprich: «Werfe»

***

Picture via: Kitschy Living

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***

Ben Vautier: «Let’s Fuck.»

20 Oct

Fluxus and the Essential Questions of Life», a major traveling exhibition based on the Hood Museum of Art’s George Maciunas Memorial Collection of Fluxus art, is «designed for visitors to experience the radical and influential cultural development that Fluxus was, and maybe learn something about themselves along the way.»

Yes, we can but we need not to say so.

via: Pas Un Autre

***
Sensitive topic. Therefore comments off.
***

Gutes Essen

9 Aug

Das Memorandum geistert durch
Die süße Schornsteinethik.
Dessen wohl bewußt ist sich der Lurch;
Schönes Wetter hilft beim Pressen.

Auf die Bretter warf es Mais und Linse,
Die, die es nicht konnten.
Dessen wohl bewußt ist sich die Minze;
Es bleibt die Frage: Wessen

Geist sich hier nach Künsten wohl versuchte?
Ist es denn vergebens?
Nein, denn ein Leben als «Der Gutbetuchte»
Beinhaltet halt eben: gutes Essen.

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***

Ben Vautier (sort of): «Palace Hotel, Norfolk»

25 May

Website Ben Vautier

***
Sensitive topic. Therefore comments off.
***

Wasser marsch!

21 Oct

So stand das Glas, es zitterte
der Tisch, weil frisch, und es gewitterte
der Fisch, der als Tischbeinstopper
plötzlich Dennis Hopper wohl ersetzte;
jedenfalls zerfetzte das Glas hohl
das Pfand, die Idylle, denn der Kellner war schon knülle.
Obwohl sein Verstand: Einmal mehr fülle
ich das Glas erneut mit dem, was Mund
und Magen gut vertäut. Sein Muttermund
spricht: Wasser – bei Bedarf – marsch.

Youssuf Karsh(*) war ein guter Fotograf!

Keine Frage, doch die karge Lage bleibe wage,
weil die Waage der Baleks ein Klecks in der Geschichte,
die im Lichte mit dem Mantel kämpfte;
die Birne in der Sänfte erbrach sich,
der Schlichte mit dem schlichten Hirne sprach:
Nachtisch! Nachtisch!
Eine Sänftenstange erstach den Sänftenstangenträger,
er war kein guter Nebenkläger – leider nicht.

(*) Dieser Text ist jenem freundlich betrunkenem Herren gewidmet, der vor reichlich langer Zeit in der Frankfurter U-Bahn fluxusesk dichtend den Last-Minute-Zug betrat und unter anderem den amerikanischen Öl-Konzern EXXON auf Cartier-Bresson reimte.

—————————————-

To viral, or not to viral…

17 Jul

After watching Flugzeugträger Ronald Reagan on Phoenix for – just let me be generous – two or three dozens of times; after watching Sink the Bismark on Phoenix for – just let me be generous again – two or three dozens of times, I thought that it might be a perfect idea to take care a little bit more about me, myself and my work.

So I entered the magic term Meerschweinchenreport into this veryveryvery magic and quite unique search engine and found myself totally thrilled. What an experience! In addition I found some blog entries from collegues about Meerschweinchenreport I wasn’t aware of, and then, I found my mental full stop on newyorkfestivals.posterous.com. The author is publishing one of my photographs I took from a great FLUXUS-Performance by Ben Patterson in Wiesbaden’s Schlachthof earlier this year; organised by Michael Eibes. (Here is the complete photo essay)

Ok, so here we are and there above you are warmely invited to spend two minutes of your most valuable lifetime. In return you become entertained. Sounds like a fair deal? It is a fair deal. The question that should arise now: To viral, or not to viral?

However, before you’re about to make up your mind you should better read this. No answer is guaranteed.

via: newyorkfestivals.posterous.com

—————————————-

Das Theater ist auf der Straße – Die Happenings von Wolf Vostell

2 Jun

Aufklärungsscheck des Deutschen Künstlerbunds: Ich erkläre hiermit das Sein und die Umgebung in den Bonner Ministerwohnungen als Happening. (FLUXUS-Künstler Wolf Vostell; Bank für Gemeinwirtschaft, 17. 9. 1970, Bonn)

————————————–

Wolf Vostell während der Dreharbeiten zu Berlin Alexanderplatz  (1979/80)

© Rainer Werner Fassbinder Foundation

———————————————

Wolf Vostell (Leverkusen 1932–1998 Berlin) realisierte zwischen 1954 und 1988 über 50 Happenings, die die Zuschauer zu Beteiligten machten: Mal betonierte er Kunstinteressierte auf der Straße kurzer Hand eine Hand oder einen Unterarm oder einen Unterschenkel ein, fotografierte sie und machte sie so zum Mitwirkenden in seinen Olympiade-Grafiken,

mal betonierte er Cadillacs ein und stellte sie am Berliner Ku’damm zur Schau,

Uploaded flickr on May 31, 2008
(C) by semlerh

mal unterstellte er dem Bomber B52 seinen Job nicht richtig zu machen, indem er dafür sorgte, daß es so aussähe als würfen sie über Vietnam Lippenstifte ab:

Das Thema Vietnam beschäftigte zu dieser Zeit nicht nur auch andere Künstler, sondern ihn mehrfach und in mehrfacher Hinsicht, was zur Folge hatte, daß mehrere Arbeiten zu diesem Thema entstanden, wie zum Beispiel der Zyklus Vietnamsinfonie:

Happenings waren für Wolf Vostell Instrumente der Bewusstmachung von Zeitphänomenen. Vostell setzte dem objet trouvée der Dadaisten sein Konzept des vie trouvée entgegen. Nicht nur den Kunstbegriff mit seinen starren und tradierten Formen, sondern vor allem auch das Leben müsse man erweitern: „Duchamp hat das Objekt zur Kunst erklärt, ich habe das Leben selbst zur Kunst erklärt.“ So realisierte Vostell mit Das Theater ist auf der Straße 1958 in den Straßen von Paris das erste europäische Happening, 1961 in Köln mit Cityrama (1) das erste Happening auf deutschem Boden. (Zitat aus dem Pressetext zur aktuellen Ausstellung Das Theater ist auf der Straße – Die Happenings von Wolf Vostell im Museum Morsbroich, veröffentlicht auf kunstaspekte.de).

Meine persönlichen Erinnerungen an Wolf Vostell sind nur noch von diffuser Natur. Er war häufiger zu Gast im Hause meiner Eltern und signierte, an einem großen Küchentisch sitzend, seine Grafiken. Zum Beispiel seine beiden Zyklen Olympiade und Vietnamsinfonie. Ich war da so fünf oder sechs Jahre alt und ihm zu Füßen saß stundenlang ein Schäferhund, dem der Sabber auf den Boden floß, ganz so, als habe er in seinem Leben noch nie frisch gefertigte Siebdrucke gefressen.

Und dann begegnete ich ihm viele, viele, viele Jahre später, als ich für den STERN in Paris die Ausstellung Les Magiciens de la terre fotografierte. Im Centre Pompidou lief ich ihm über den Weg.

“Na, Herr Vostell, hat Ihr Hund eigenlich damals die Grafiken gefressen?” “Wie bitte?” Ok, ich vergaß, mich ihm vorzustellen. War ja auch schließlich ein Weilchen her, daß wir das letzte Mal miteinander zu tun hatten. Danach verstand er und so versorgte er mich mit einem spontanen Vorzugsvortrag über sein Leben, sein Werk und danach beides zur Sicherheit nochmal zusammen, der schätzungsweise eine halbe Stunde oder so andauerte. Dann verabschiedeten wir uns. Ich frage mich seither, wer unter rhetorischen Gesichtspunkten besser seinen silberbeknauften Spazierstock handhabt: Vostell oder Lüpertz?

Wolf Vostell, Der Flugplatz als Konzertsaal, 1964; Aktion des Happenings In Ulm, um Ulm und um Ulm herum; Fotografie, s/w; Junta de Extremadura. Consorcio Museo Vostell Malpartida

So, meine lieben Meerschweinchenreportleserinnen und Meerschweinchenreportleser, ich denke, es ist klar, worauf ich hinaus will: Die Ausstellung, die am Wochenende im Museum Morsbroich eröffnet wird, ist bestimmt eine prima Sache.

Abschließend zitiere ich einmal mehr aus dem Pressetext zur Ausstellung, der auf kunstaspekte.de veröffentlicht wurde:

“Es erscheint ein Katalog im Kerber Verlag in deutscher und spanischer Sprache mit vier einleitenden Essays, einem Interview mit Mercedes Vostell und einem Anhang mit Bild- und Textdokumenten zu sämtlichen Happenings (ca. 336 S. mit ca. 700 Abbildungen; ISBN 978-3-86678-431-4). Die Auswertung des Happening-Archivs und seine Publikation sollen eine neue, wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Happening fördern. 

Das Theater ist auf der Straße wird von Dr. Fritz Emslander (Museum Morsbroich) und José Antonio Agúndez García (Consorcio Museo Vostell Malpartida) kuratiert. 

Ausstellung und Publikation werden gefördert durch die Kunststiftung NRW und das Goethe-Institut.”

Dauer der Ausstellung: 6. Juni 2010 bis 15. August 2010

Museum Morsbroich
Städtisches Museum Leverkusen Schloss Morsbroich
Gustav-Heinemann-Strasse 80 
51377 Leverkusen
Deutschland
fon 02 14 – 8 55 56-0 
museum-morsbroich@kulturstadtlev.de

FLUXUS Performance by Ben Patterson

20 Apr

Ben Patterson instructing his crew members. (Click to enlarge)

All crew members are getting dressed.

Ben Patterson’s crew members are about to enter the famous Schlachthof halls in Wiesbaden.

Animals are about to make their way to the bonfire situation.

The bonfire situation; later participated by some sweet little Knickerfrösche making lots of interessting noises.

Religiously motivated music appears; our animals are handing over much more sweet little Knickerfrösche to the audience. May be an art communion, well, let’s say: sort of…

… see?

Ben Patterson (right) Link to kunstaspekte

——————————————————-

DJs Ponderosa, Big Mike E and Mr. Fisher are gaining ground…

… see?

… see?

Airbrush Army, see?

A proper confession, see?

… see?

Resumtion: It was a great event, great to having have had Mr Ben Patterson with us, not to say, inside of us – well, inside all of us, just to be perfectly precise – the mental food was – so to speak – more than just nutritious; and the copywriter of these lines is quite aware of the fact that Ben Patterson should better never ever get aware of them…see?