Tag Archives: Satire

Europäischer Rettungsschirm ungültig: «Merkel gedopt»

29 Sep

Die neue Titanic.

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Religiöses Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Jonathan Meese: «Ich leide an Hitlergrußismus»

29 Aug

Der Künstler Adolf Hitler: Erfinder des Hitlergrußes

Das Original: Der Künstler Adolf Hitler zieht im Jahre 1928, nachdem man ihn, ähnlich wie später auch Joseph Beuys, nicht an einer regulären Kunsthochschule hatte das Fach Freie Kunst studieren lassen, durch die Lande und propagiert, ähnlich wie später auch Joseph Beuys: «Jeder Mensch ist ein Künstler!»

Die Idee seiner Performance: Möglichst viele Mitstreiter zu gewinnen, die es ihm gleichtun und jene Ganzkörperpose – die des später nach ihm benannten Hitlergrußes – möglichst überzeugend einnehmen.

Kein Zweifel: Der Künstler Adolf Hitler ist kein Freund halber Sachen.

Die inzwischen ebenfalls gegründete und landesweit aktive Künstlernachwuchselitetruppe Hitler Jugend mit einem gemeinsam mit SA-Mitgliedern am 1. Mai 1933 im Berliner Lustgarten eindrucksvoll zur Schau gestellten Leistungsnachweis.

Besonders talentierter Nachwuchs wird vom Führerkünstler persönlich unter die Fittiche genommen und geschlechterspezifisch unterrichtet:

Aus den Buben formt der Lifestyle-Künstler Hitler lebens- und systembejahendes Kanonenfutter; die Mädchen werden von ihm hingegen auf das Flechten von Zöpfen, das Sammeln von Kartoffelkäfern (mit der Signatur Arno Brekers) sowie dem nachhaltigen Beseitigen von großformatigen Stadtteil-Trümmer-Installationen (immer nach Beendigung der jeweiligen Freiluftausstellungen) – eine Tätigkeit für deren Verrichtung es später die so überlebenswichtigen Lebensmittelkarten geben wird – nahezu spielerisch und behutsam vorbereitet.

 

Freiwillige Deportation nach Auschwitz dank schwermetallfreier Ölfarben

Ende April 1945 besteigt der Größte Führerkünstler Aller Zeiten einen Zug, mit dem er sich freiwillig nach Auschwitz deportieren und dort durch die sorgfältig agierenden Hände eines Joseph Mengeles und Adolf Eichmanns sach- und fachgerecht in einem Pseudoduschraum vergasen läßt. Er tut dies, um das ihm durch Gott anvertraute Volk vor dem restlosen Untergang zu bewahren. Der Hitlergruß wäre hier pietätlos. Die vielen Kinder spüren das instinktiv.

Daß es sich bei Adolf Hitler in aller Tatsächlichkeit um einen brillant getarnten Widerstandskämpfer reinsten Wassers handelt, haben wir im Meerschweinchenreport bereits vor einigen Jahren in unserem Beitrag «War Nazi-Hitler Widerstandskämpfer im 3. Reich?» bewiesen, der übrigens zugriffszahlentechnisch nach wie vor zu unseren Bestsellern gehört.

 

Stalin wird Hitlergrußkünstler

Am 23. August 1939 nimmt der damalige Galerist Adolf Hitlers Joachim von Ribbentrop in Moskau den Künstlerkollegen Josef Stalin unter Vertrag, anschließend führend an die Hand und unterweist ihn im Auftrage seines Herrn in die Herstellungsgeheimnisse des Hitlergrußes.

Sprechen wir von Aktionskunst im Hitlerschen sowie im Beuysschen Sinne, so muß zwangsläufig auch über Josef Stalin reflektiert werden, der es in nicht minder talentiertem Sinne versteht, Kraft perfekt inszenierten Hitlergrußes gesellschaftliche Umstrukturierungsprozesse großen Stils mit einem Just-in-time-workflow zu versehen, der selbst eingefleischten Vegetariern, pardon, Vertretern und Protagonisten der vielgepriesenen deutschen Gründlichkeit den allergrößten Respekt abnötigt.

Die Leistungsbilanz der beiden vorstehenden Ausnahmekünstler ist mehr als beeindruckend: Gemeinsam kommen sie auf eine Zahl von ca. 54 bis 59 Millionen Sammler sogenannter toter Kunst, wobei man sich bei Stalin noch nicht ganz sicher ist, ob er für 20 oder gar 30 Millionen gesammelter Kunstgegenstände während seiner Regentschaft als künstlerischer Leiter der Sowjetrevolution verantwortlich zeichnet.

Ab den 1950er-Jahren gilt in der Bundesrepublik Deutschland die künstlerische Darbietung des Hitlergrußes vorübergehend als unschicklich und wird sogar offiziell durch die Paragraphen 86a sowie 130 des StGB strafrechtlich sanktioniert.

 

Der Künstler Anselm Kiefer verspeist ein Jonathan-Meese-Wurstscheibengesicht und entdeckt in sich den neuen Hitler

1971 wird der spätere Hitlergrußperformancekünstler Jonathan Meese (2. Reihe, Mitte) geboren. Die Abbildung zeigt ihn gemeinsam mit Edvard Munch kurz nach seiner Geburt zusammen mit vier anderen Babies, die in dieser Image-Anzeige für die Vorzüge des Kühlhauskettenkrankenhauses, in dem sie das Licht der Welt erblicken, als Sympathieträger werben.

Das soll sich jedoch Ende der 1960er- Anfang der 1970er-Jahre ändern: Anselm Kiefer ist 23 Jahre alt und Kunststudent. Um ihn herum werden Lenin, Mao oder Ho Chi Minh verehrt. Die meisten seiner fortschrittlichen Zeitgenossen wollen im Mai 1968 die Welt aus den Angeln heben. Egal wie linksliberal oder linksextrem, wie anarchisch oder maoistisch-orthodox, die Studenten eint ihr auf vegetarischer Basis gezüchtete Selbstverständnis als antisemitische Antifaschisten. Dem jungen und senilen, pardon, sensiblen Künstler Kiefer fällt jedoch auf, daß weder Mao Tse Tung noch Ho Chi Minh in die Künste der adäquaten Hitlergrußperformance eingeweiht sind und weiß folglich «daß das mit deren Diktaturen auf Dauer nichts werden kann».

Im Jahre 1971 die Wende: Der Beuys-Schüler Anselm Kiefer kauft sich am Kiosk die taz und ein Wurstbrötchen, das – Zufall hin, göttliche Fügung her – mit dem grinsenden nebst eine hinreichend große Portion Wahnsinn verströmenden Dauerwurstgesicht Jonathan Meeses belegt ist. Kiefer beißt beherzt hinein – und von da an ist nichts mehr so, wie es mal war: Anselm Kiefer bekommt zeitnah eine Schallplatte mit Hitlerreden zwischen die Finger, hört sie an, ist schockiert beziehungsweise standesgemäß auch irgendwie beeindruckt: Plötzlich kann er sich vorstellen, warum so viele Menschen an Hitler geglaubt haben. Er beschließt, damals gerade mal 26 Jahre alt, etwas zu tun, stante pede mit einer Uniform, die er auf dem Dachboden seiner Eltern findet, nach Frankreich und Italien zu fahren, um dort «das Unfaßbare zu begreifen, das in der Nazizeit geschehen war». «Besetzungen» nennt er seine Aktionen, bei denen er sich mit dem Faschistengruß in die Landschaft stellt und ablichten läßt. Nach der Rückkehr von seiner Reise malt er acht «Heroische Sinnbilder», die ihn in genau dieser Pose zeigen:

«Heroisches Sinnbild» von Anselm Kiefer

 

Joseph Beuys’ unheilbarer Kopfschuß durch sowjetische Fremdeinwirkung

Sein Lehrer Joseph Beuys erkennt die formale Spannung zwischen dem Motiv und der Form der Darstellung sofort: «Weißt Du, wie Du so da stehst, das kann kein Nazi sein», erklärte der Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse und des Goldenen Verwundetenabzeichens, und fährt mit fachmännischem Insider-Wissen fort: «dafür ist Deine Körperhaltung einfach viel zu lasch». Hierzu muß man wissen, daß einem das Goldene Verwundetenabzeichen erst ab einem «unheilbaren Kopfschuß durch sowjetische Feindeinwirkung» verliehen wurde. Weshalb Beuys auch immer seinen Filzhut trägt, sogar abends im Bett, um sein Einschußloch zu verbergen. Trägt er ihn mal nicht und im Beuysschen Schlafzimmer ist das Fenster noch geöffnet – so weiß ein Galerist, der namentlich nicht näher genannt werden möchte, zu berichten –, so kann man bei einem aufkeimenden Luftzug, der seinen knochigen Schädel umspielt, auch mal ein leicht ächzendes Pfeifen vernehmen.

Es erklärt aber auch das Zustandekommen der von Beuys Zeit seines Lebens kolportierten Legende, nämlich daß er «als abgeschossenes Besatzungsmitglied eines Kampffliegers von grimmigen Krimtartaren mit Fett eingerieben und in Filz eingewickelt überlebt – und aus dieser traumatischen Erfahrung den Kern seiner Materialästhetik entwickelt habe». Denn inzwischen ist dank HP Riegels Beuys-Biografie hieb- und stichfest erwiesen, daß diese Geschichte von Joseph Beuys frei erfunden wurde. Aber wie bereits gesagt: Das Goldene Verwundetenabzeichen wurde einem erst ab einem «unheilbaren Kopfschuß usw. usf.» verliehen.

Die Frage ist nur, ob das von und durch Joseph Beuys transportierte Gedankengut deutschnationaler bzw. nationalsozialistischer Couleur, mit dem er übrigens bei der damals Anfang der 1980er-Jahre frisch gegründeten Partei «Die Grünen» so prima reüssierte, ob dieses schon vor seinem «unheilbaren Kopfschuß usw. usf.» präsent war – oder sich erst danach entwickelte. Sicherlich nicht nur für Juristen eine interessante Überlegung…

 

Kiefer! Grüß mir die Nazis, grüß mir den Adolf und grüß mir das Meer …

Nicht Caspar David Friedrich sondern
Anselm Kiefer grüßt bzw. «besetzt» das Meer.

Für den Beuys-Schüler Kiefer ist Adolf Hitler folgerichtig ein «harmloser Biedermann» gewesen, der sich vor allem Operetten angesehen hat, was aus Anselm Kiefers Sicht mit dem gesamten nationalsozialistischen Kunstbetrieb korreliert, da ihm dieser «völlig mittelmäßig, langweilig und abstoßend» erscheint. Sonst noch Probleme? Klar: Während seines Studiums der NS-Kunst findet Kiefer kein einziges Bild, das er nicht als «elend» einstuft. Daß dem Faschismus ein «pseudokünstlerisches System zugrunde lag» berührt und verletzt Kiefer zutiefst. Auch die Tatsache, daß Hitler selbst als Künstler begann und sich in den 1920er-Jahren anhand von inszenierten Fotografien zum Führer stilisierte und trainierte, führte nach Kiefers Ansicht zu einem heiligen Ernst in der Suche nach den Wurzeln der Identität: nicht nur als Deutscher, sondern als Künstler. – Absatz leicht modifiziert zitiert aus Berliner Morgenpost (8. 5. 2008): «Anselm Kiefer macht den Hitlergruß zu Kunst» von Ulf Poschardt.

Über Künstlerkollegen, auch über sein großes Vorbild, den Hitlergrußkünstler Adolf Hitler selbst, die sich vor und nach ihm am Hitlergruß versucht haben, möchte Kiefer am liebsten nichts sagen. «Das ist Redundanz, es ist überflüssig», erregt er sich. «Das war früher und ist heute nur noch ein Kitzel. Ich meine, welche Türen wollen wir da noch eintreten?» Naja, vielleicht mal wieder französische? Oder österreichische? Oder polnische? Oder gar welche von auf deutschem Grund und Boden lebenden Ausländern? Hm? Um mit besagten Ausländern dann vielleicht genau das anzustellen, wozu wir Kraft Hitlergruß und in aller Konsequenz von selbstgefälligen Dummschwätzern und geistigen Brandstiftern, die sich persönlich fälschlicherweise für Hitler, quatsch, Künstler halten, aufgefordert werden, genau jenes zu tun, nämlich sie zu ermorden? Hm? Wäre das nicht ein adäquater «Kiefer-Kitzel-Kick», Herr Besetzungskünstler-Kiefer?

 

Wer Kultur schaffen will,
muß Kultur zerstören!

Nicht zu vergessen sind in diesem Zusammenhang beispielsweise die Künstlerkollegen Fritz Teufel und Dieter Kunzelmann (Letzterer ist Mitglied der Münchner Künstlergruppe SPUR, in der u.a. ebenfalls Heimrad Prem, HP Zimmer, Helmut Sturm, Gretel Stadler, Lothar Fischer, Asger Jorn, Dieter Rempt, Erwin Eisch und G. Britt vertreten sind), die sich zu gleicher Zeit wie Anselm Kiefer mit «heiligem Ernst» auf gesamtdeutscher Sinnsuche nach den Wurzeln unserer/ihrer nationalen Identität befinden und die sie mit dem vorläufigen Befund «Der Deutsche muß von seinem Judenknax befreit werden» (Originalzitat Dieter Kunzelmann) dahingehend zum Abschluß bringen, indem sie am 13. Februar 1970 nachts ein von Juden bewohntes Seniorenheim in der Münchner Reichenbachstraße 27 anzünden, was insgesamt sieben Bewohnern, bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreiche Holocaust-Überlebende, das Leben kostet.

Eine der markigen Thesen der Gruppe SPUR ist: «Wer Kultur schaffen will, muß Kultur zerstören».

Wir sehen: Anselm Kiefers künstlerische Vorreiterrolle in Sachen «Wie mache ich den Hitlergruß – und die damit zwingend im Zusammenhang stehende Ideologie – in Deutschland wieder salonfähig?» trägt erste vollreife Früchte, weshalb er, der Neonazikünstler und Beuys-Schüler Kiefer dafür nicht etwa vor Gericht gestellt wird, sondern im Jahre 2008 als erster bildender Künstler überhaupt und konsequenterweise mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt wird. Wir lernen: Solange der Straftatbestand der Volksverhetzung sowie der des unerlaubten Handtierens mit Nazisymbolen in der Öffentlichkeit mit dem Vorzeichen der künstlerischen Redefreiheit versehen wird, bleiben Staatsanwälte machtlos – und es regnet sogar noch angesehene Kulturpreise obendrauf.

Der Autor Martin Büsser schreibt am 8. Oktober 2010 in seinem Blog unter der Überschrift Anselm Kiefer – der Künstler als Deutschlandinsichtragender: «Anfang der Neunziger stand der Autor dieses Artikels verdutzt daneben, als sich zwei Besucher im San Francisco Museum of Modern Art über ein Kiefer-Exponat unterhielten, das ein jüngerer, durchaus weltläufig aussehender Mann seinem Kollegen schwärmerisch mit den Worten anpries: It’s Kiefer, the new nazi artist from Germany!»

Anselm Kiefer wird seine Vergangenheit inzwischen selbst zu brenzlig. Neuerdings verteidigt er sich, daß er selbst ja nichts dafür könne. Das alles läge nur an dem verdammten Jonathan-Meese-Wurstscheibengesicht-Brötchen. Seither leide er an diesen entsetzlichen geistigen Verdauungsproblemen.

 

Ist Juan Antonio Samaranch ein Nazi?

Hitlerbezwinger Nummer eins ist und bleibt Sir Winston Churchill. Von ihm stammt nicht von ungefähr das legendäre und zukunftsweisende Zitat «No sports!» Wenn man sich vorstehendes Bild, das u.a. den Hitlergrußkünstler und langjährigen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Juan Antonio Samaranch (Vierter von rechts) im Jahre 1974 bei einer feierlichen Performance in Barcelona zeigt, so ansieht, so wird einem das Zitat Winston Churchills auf besondere Weise verständlich. Einerseits.

Andererseits ist es jedoch bedauerlicherweise so, daß der Olympische Gruß oftmals mit dem Hitlergruß verwechselt wird. Das Webmedium Literaturkritik schreibt hierzu: «Der von den Franzosen 1936 gezeigte Olympische Gruß wurde von Beginn an als Hitlergruß interpretiert. Sowohl das anwesende Publikum an diesem Tag als auch die Regisseurin Leni Riefenstahl verstanden die Geste so, beziehungsweise wollten sie als Unterwerfungsgeste verstehen. Diese unkritische Lesart setzte sich nicht nur in populärwissenschaftlichen Werken, sondern auch bei zahlreichen Wissenschaftlern durch. Zu hinterfragen wäre dagegen vielmehr, ob seitens der Franzosen eine Fehldeutung des Grußes in Kauf genommen wurde, da bereits bei den vorangegangenen Winterspielen der gezeigte Gruß entsprechend missverstanden wurde.»

Darüber hinaus sey der Olympische Gruß, so steht es hin und wieder zu lesen, eine Ableitung des Römischen Grußes, des Saluto Romano. Wikipedia schreibt dazu: «Der Historiker und Professor Martin M. Winkler hält dazu fest: Kein einziges römisches Kunstwerk – Skulptur, Münze oder Malerei – zeigt einen Gruß von der Art, die sich im Faschismus, Nationalsozialismus oder einer verwandten Ideologie findet. Er ist auch der römischen Literatur unbekannt und wird nie von antiken Historikern erwähnt, weder von denen des republikanischen noch denen des kaiserzeitlichen Roms.»

Fragt sich eigentlich nur, was den Aktions- und Hitlergrußkünstler Juan Antonio Samaranch dazu treibt, diese mißverständliche Geste zu gebrauchen? Vor allem nur zwei Jahre nach dem antisemitischen Terroranschlag auf israelische Sportler während der Olympischen Sommerspiele 1972 in München? Ein erster zaghafter Vorstoß, verbunden mit der Zielsetzung die Einrichtung Olympisches Dorf zukünftig in Olympisches Konzentrationslager oder gleich die gesamte Veranstaltung in Olympische Gaskammerspiele umzubenennen? Restlos auszuschließen ist das bei einem Vollblutspanier wie Juan Antonio Samaranch, der prima mit Franco und seinem Regime zurechtkam, leider nicht.

 

Hitler, ein Fußballtrainer?

Der griechische (sic!) Fußballkünstler Giorgos Katidis fliegt aus der Nationalmannschaft, weil er ein Tor mit dem Hitlergruß feiert. Außerdem ist er lebenslang gesperrt. Welches tragische Mißverständnis, wollte Giorgos Katidis doch lediglich seinen alten Fußballtrainer auf der Tribüne grüßen:

 

Die vielen unterschiedlichen Wurstscheibengesichter
Jonathan Meeses

Der Ende August 1992 noch schüchterne Hitlergrußnachwuchskünstler Jonathan Meese (rechts im Bild) beschließt, an einen Ort mit «politischem Brennpunktcharakter» (Meese über Meese) zu reisen, um dort spontan bereits Erlerntes auf seine Praxistauglichkeit hin zu überprüfen. Die Zentrale Anlaufstelle für Asylbewerber (ZASt) in Rostock-Lichtenhagen scheint ihm hierfür ein geeigneter Ort. Medientechnisch noch hinreichend unerfahren, unterläßt es der künstlerische Nachwuchsnazi Meese sträflichst, einen eigenen Fotografen mitzubringen und so hat er Glück, daß der Fotograf Martin Langer zugegen ist, der seine nationalsozialistisch ausgerichtete Bettnässer-Performance einem internationalen Medienecho zuführt.

Zu diesem Zeitpunkt trägt Jonathan Meese zwar nicht wie Anselm Kiefer «Deutschland in sich» – aber immerhin schon mal «auf sich». Steht dieses «auf sich» etwa für die gesamtdeutsche Schuld?

Inzwischen ist Jonathan Meese ein ausgereifter und ausgebuffter Serienhitlergrußkünstler, der auf seinem Spezialgebiet so schnell nichts mehr anbrennen läßt, wie beispielsweise am 26. Juni 2013 im Nationaltheater Mannheim wo er anläßlich der 17. Internationalen Schillertage das Meese-Stück «Generaltanz den Erzschiller» aufführt. (Foto: ©Uli Deck/dpa)

Jonathan Meese entdemokratisiert sich während seiner Rede auf offener Bühne vor dem erlauchten Publikum: «Demokratie wird nicht mehr benötigt, sie ist nunmal nicht zukunftsfähig!» ‪O si tacuisses, philosophus mansisses‬… (Foto: ©Jan Bauer.net)

Beschäftigt man sich eingehend mit den Äußerungen Meeses und mit ihm als Person, so werden zwei Dinge sehr schnell klar: 1) Jonathan Meese ist weder Nazi noch Antisemit. 2) Jonathan Meese hat verschärft einen an der Waffel, sein Intellekt ist nicht in der Lage, die Auswirkungen seiner Äußerungen und seines Handelns auf die Gesellschaft auch nur annähernd einzuschätzen. Stattdessen fühlt er sich in seinem Handeln auch dadurch bestärkt, weil man es ihm gestattet, in einer Tour Unfaßliches abzusondern, wie beispielsweise in der ansonsten doch recht ordentlich gemachten Kunstzeitschrift monopol, und zwar im Netz mit Datum vom 11. 07. 2013: «Die Nationalsozialisten waren brutal und radikal – aber nicht radikal genug. Hätte sich Adolf Hitler rechtzeitig auf seine künstlerischen Anfänge besonnen, hätte sich der Diktator also „totalst“ von der Kunst okkupieren lassen, wäre der Menschheit Furchtbares erspart geblieben. Totalkunst statt Krieg.»

 

… hätte sich der Diktator also «totalst»
von der Kunst okkupieren lassen …

Bei genauer Analyse der vorstehenden Aussage des hitlergrußaffinen Meese würde dies im logischen Umkehrschluß zwangsläufig bedeuten, daß Jonathan Meese, würde man ihm die Möglichkeit nehmen, sich wie bisher «totalst» von der Kunst okkupieren zu lassen, umgehend wie sein alter ego Adolf Hitler zu einem unberechenbaren Massenmörder mutierte. Die Abschaffung der Demokratie fordert Meese ja bereits mannigfach und vehement! Handelt es sich hierbei also möglicherweise um eine versteckte Erpressung Jonathan Meeses gegenüber unserer Gesellschaft? A là: Wenn Ihr mich nicht weiterhin «totalst» von der Kunst okkupieren laßt wie bisher, dann werde ich quasi automatisch ein zweiter «richtiger» Hitler, und das mit allen einhergehenden Konsequenzen, die Ihr aus der Vergangenheit bereits bestens kennt? Falls ja, so gehört der Knabe aus unserer Sicht umgehend weggeschlossen.

Gerade in einer Zeit, in der durch den Fall der Mauer, quatsch, den Fall des Gustl Mollath transparent wird, daß er ganz offensichtlich als jahrelanges Opfer einiger nicht sonderlich kompetent agierender Juristen um die Ausübung seiner bügerlichen Freiheitsrechte gebracht wurde, darf es keinesfalls heißen, daß wir im Gegenzug jene Gesellschaftsmitglieder, die der dringenden nervenärztlichen Betreuung und Fürsorge bedürfen, verängstigt und irritiert im Regen stehen lassen. Damit wäre niemandem geholfen.

Ist denn nicht irgend jemand in seiner näheren Umgebung, der sich für ihn zuständig oder gar verantwortlich fühlt?

Again, auch wenn es uns nicht ganz einfach in die Tastatur fließen will: Jonathan Meese ist kein Nazi. Er ist weit weg davon entfernt:

Mal angenommen, er wäre einer: Wen oder was würde er denn dann mit der vorstehenden szenischen Darstellung zum Ausdruck bringen wollen? Hitlers Ermächtigungsgesetz? Eine außerirdische Wünschelrute? (Foto: ©Uli Deck/dpa)

 

Der Kunstdiktator wegen
Größenwahn vor Gericht

Bei einer Debatte über «Größenwahn in der Kunst» im Juni 2012 in Kassel zeigt der Berliner Künstler Jonathan Meese einmal mehr den verbotenen Hitlergruß. Deshalb muß er sich in Kassel vor einem Gericht dafür verantworten. Am 14. August 2013 wird er freigesprochen: Meese erklärt in seiner gut halbstündigen Verteidigungsrede, daß er mit Ideologien nichts am Hut habe und, not to forget: «Ich kann einen Apfel malen, ohne je einen Apfel gegessen zu haben. Ich kann den Hitlergruß machen, ohne etwas damit zu tun zu haben. Das geht.» Das genügt dem Gericht für einen Freispruch.

Uns genügt das aber nicht. Denn man kann auch einen Menschen beleidigen und ihn trotzdem sympathisch finden, ihn, ähm räusper, umbringen, ohne ihn vorher überhaupt gekannt zu haben. Das geht. Ja, man kann sogar einen Lottoschein ausfüllen, ohne ihn vorher abzugeben. Das geht auch. Und weil dem so ist, will Staatsanwalt Dr. Enrico Weigelt prüfen, ob er in Berufung geht, Revision einlegt, oder die Sache nunmehr auf sich beruhen läßt.

 

Starben Künstler in den
Gaskammern der Documenta?

Was wir in unserer Redaktion einfach nicht verstehen wollen oder können, ist der Handlungsgrund Jonathan Meeses. Was will er uns erzählen? Daß der Kunstmarkt diktatorisch ist? Was er übrigens nicht ist. Daß die letzte Documenta-Chefin diktatorisch agierte? Stimmt. Aber das tun überall auf der Welt Millionen von Menschen tagtäglich. Daß die beiden Macher der vorletzten Documenta diktatorisch agierten? Stimmt. Aber das tun überall auf der Welt Millionen von Menschen tagtäglich. Daß der Macher der vorvorletzten Documenta diktatorisch agierte? Stimmt. Aber das tun überall auf der Welt Millionen von Menschen tagtäglich. Nur: Was hat das mit Hitler, mit dem von ihm entwickelten Hitlergruß sowie mit dem von ihm inszenierten Völkermord zu tun? Wurden denn die Künstler, die nicht auf den letzten drei Documenta-Ausstellungen vertreten sein durften, in Gaskammern ermordet? Abgesehen davon: Welches Greenhorn möchte denn noch auf dieser völligst heruntergekommenen Veranstaltung namens Documenta ausstellen? Die weltweit wichtigste Kunstausstellung? Hihi, das war mal – und ist schon lange her. Die Documenta besuchen nur noch Leute, die sich zwar für Kunst interessieren, aber mit dem Erkennen und der Beantwortung inhaltlicher Fragestellungen noch nicht so bewandert sind – oder Fachleute, denen das Unbehagen deutlich im Gesicht geschrieben steht. Das erklärt auch, warum mit zunehmender inhaltlicher Verschlechterung der Documenta die Zahl ihrer Besucher jedoch stetig weiter steigt.

Und wie, bitteschön, kann man sich nur bemüßigt fühlen, nachfolgendes Meese-Zitat unkommentiert zu publizieren? Here it is: «Demokratie wird nicht mehr benötigt, sie ist nunmal nicht zukunftsfähig!» Das sind lebensgefährliche Äußerungen. Deshalb muß für einen, sich auf geistiger Ebene immer noch in der pränatalen Entwicklungsphase Befindender, unseres Erachtens möglichst umgehend folgende Erziehungsregel zwingend zur Anwendung kommen: «Messer, Gabel, Scher’ und Licht sind für kleine Kinder nicht!»

 

Jonathan Meese ist schuldig
im Sinne der Anklage!

Wir halten Jonathan Meese zwar für schuldig im Sinne der Anklage, ihn selbst jedoch für schuldunfähig, da er offenkundig unfähig ist, die Konsequenzen, die aus seinem Handeln resultieren, auch nur annähernd adäquat einzuschätzen. Konsequenzen? Welche Konsequenzen? Well, da hätten wir beispielsweise diese Nummer, die sich nur vier Monate nach Meeses medienpräsenter Hitlergrußperformance in Kassel nun ihrerseits den Weg in die Öffentlichkeit bahnt:

Augenzeugen bestätigen gegenüber Die Stimme, daß am 10. Oktober 2012 am Hohenstaufen-Gymnasium in Bad Wimpfen nicht wenige, sondern zumindest einige Schüler den Hitlergruß zeigten. Diese hätten die Aufforderung ihres Schulleiters bewußt falsch verstehen wollen. Es sei wohl als ein Spaß gedacht gewesen. Auf dem umstrittenen Foto sind auch viele Schüler zu sehen, die den Arm ohne Hitlergruß-Absicht oder auch gar nicht heben. Die Hitlergruß-Szene festgehalten hat ein Schüler, der sich mit seinem Handy in einem Stockwerk über dem Kreuzgang aufhielt. Anschließend veröffentlichte er das Foto im sozialen Netzwerk Facebook. Ein anderer Schüler ergänzte die Szene mit Nazi-Symbolik – Hakenkreuz und Reichsadler. So nahm alles binnen kürzester Zeit seinen Lauf…

 

Zero-Mack über Zero-Zero-Meese

Der Maler, Bildhauer und Zero-Künstler Prof. Heinz Mack (82) findet die Hitlergruß-Aktionen Jonathan Meeses schlicht «dumm». Seine Begründung: «Da fehlt jede Art von intellektuellem, künstlerischem oder spirituellem Anspruch. Zwar gehöre Provokation zum Wesen des Künstlers. Meeses Aktionen seien aber keine intelligenten Provokationen. Angesichts des monströsen Massenmordes der Nationalsozialisten erscheinen einige eitle Selbstdarstellungen und Klamauk-Rituale oft nur beschämend und auch sehr jämmerlich.» Außerdem findet Mack es «peinlich», daß Meese damit so viel Aufmerksamkeit erlangt habe.

Eine unglaublich intelligente Umgangsweise mit der hier gegenständlichen Nazi-Problematik kommt vom Ludwigsburger Regisseur Tobias Haase, der jüngst mit seinem Sachvortrag die internationale Presse aufmischt: Da fährt in der Optik eines aufwendigen Werbespots ein mit neuester Sensorik-Technologie ausgestatteter Luxus-Mercedes durch ein kleines österreichisches Dorf namens Braunau am Inn und bremst rechtzeitig vor zwei jungen Mädchen, die etwas unvorsichtig auf der Straße spielen. Dann fährt der Wagen weiter, und weil es sich beim nächsten Kind rein zufällig um Adolf Hitler im zarten Kindesalter handelt, bremst der moralisch denkende und handelnde Luxus-Mercedes nicht etwa ab, sondern überfährt zielstrebig den angehenden Diktator. Aus der Vogelperspektive wird ersichtlich, daß der tote Adolf Hitler in Hakenkreuzformation auf dem Asphalt liegt. Dazu der entsetzte Schrei der Mutter: «A-D-O-L-F!!!» Der nun eingeblendete Killer-Claim lautet: «Erkennt Gefahren, bevor sie entstehen»:

Das ist ziemlich strenger Stoff, zumal er gleich auf mehreren Ebenen das Thema auf unterschiedliche Weise angeht und gekonnt provoziert. Ein Jonathan Meese ist zu solchen Geistesleistungen nicht mal ansatzweise fähig. Er interessiert sich in seiner grenzenlosen Ich-Bezogenheit auch nicht dafür, ob er durch sein Agieren möglicherweise dazu beiträgt, daß die Hemmschwelle, sich mit den Symbolen und letztlich auch mit den Greultaten der NS-Diktatur zu identifizieren, in der Gesellschaft immer weiter sinkt, beziehungsweise durch seine vermeintliche Vorbildfunktion als Künstler nicht dazu sogar regelrecht ermuntert. Ein weiteres Beispiel, diesmal aus dem Reich der katholischen Kirche:

Zwei angehende Pfarrer müssen das Würzburger Priester-Seminar verlassen, einem dritten droht ebenfalls der Ausschluß. Das erklären der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick und der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann am Mittwoch, den 31. Juli 2013 in Würzburg. Es sind keine Lappalien, die eine dreiköpfige Untersuchungskommission in einem mehr als 200 Seiten dicken Bericht zusammengefaßt hat. Demnach parodierte der nun ausgeschlossene Seminarist aus dem Erzbistum Bamberg im Bierkeller des Priesterseminars zusammen mit einem weiteren Alumnen Adolf Hitler und zeigte mindestens einmal den Hitlergruß. Außerdem erzählte er mindestens drei Judenwitze. Dabei handelte es sich «um völlig unakzeptable und unerträgliche KZ-Witze, womit die fabrikmäßige Ermordung unzähliger jüdischer Kinder, Frauen und Männer im Dritten Reich zum Gegenstand von Spott und Hohn gemacht wurde», sagte Norbert Baumann, der Vorsitzende der Untersuchungskommission. Norbert Baumann ist Richter am Oberlandesgericht Bamberg. Beim Mittagessen sei nach einen «Neger zum Abräumen» gerufen worden, was die Kommission als eine «nicht hinnehmbare rassistische Äußerung» wertet. – Absatz komplett aus einem Artikel der Süddeutsche.de. Ergänzung: Der 204 Seiten dicke Bericht liegt nunmehr auch der Staatsanwaltschaft Würzburg vor, die die Vorgänge auf ihre strafrechtliche Relevanz überprüfen will.

 

Jonathan-Meese-Gefolgspartei in Griechenland mit 21 Abgeordneten im Parlament

In Griechenland gründen Kunststudenten die Jonathan-Meese-Gefolgspartei, die unter dem Decknamen Golden Dawn firmiert. Es gelang der künstlerisch ausgerichteten Meese-Hetz-Partei sofort im ersten Anlauf bei den jüngsten griechischen Parlamentswahlen einen Stimmenanteil von 7% zu erringen, was ihnen 21 Abgeordnetensitze im Parlament einbringt. Aber wie sagte doch Mark Twain einst so treffend: «It’s easier to fool people than to convince them that they have been fooled».

Vorstehend ein brillanter Klassiker, der vielleicht auch dank seines intelligenten Umgangs mit der Thematik Hitlergruß für die Strafverfolgungsbehörden nie ein Thema war.

 

Fußball-Nazis berufen sich auf Jonathan Meese und sagen, daß auch Nazis Künstler seien.

Am 3. Juli 2010 berufen sich inmitten geschätzter 25.000 Fußballfans, die im Frankfurter Waldstadion im Rahmen eines sogenannten Public Viewings das WM-Spiel Argentinien gegen Deutschland verfolgen, einige auf die besondere Rede- und Performancefreiheit der Kunst, und zwar weil nach Joseph Beuys jeder Mensch ein Künstler sei. Und weil zudem laut Jonathan Meese jeder Künstler für jede Tat, egal welche, grundsätzlich straffrei ausgeht, beschließen sie, es Meese heimzuzahlen, quatsch, gleichzutun und den Hitlergruß zu zeigen. Ferner, so führen sie aus, gehe es ihnen darum, optisch den Herrenmenschen vom Untermenschen klar zu trennen, denn auch das sei schließlich «durch die Meinungsfreiheit der Kunst abgedeckt», so vermuten sie jedenfalls. (Foto: ©peter-juelich.com)

Ein weiterer Aspekt, der bei eingehender Würdigung des bisherigen Œvres Jonathan Meeses transparent wird, ist sein starker Hang zur Nachahmerei. Wir haben nicht eine einzige Arbeit Jonathan Meeses finden können, die, salopp gesagt, «auf seinem eigenen Mist gewachsen ist». Ein Beispiel:

Jeder, der nur ein bißchen Ahnung von Kunst und dessen Geschichte hat, wird diese Arbeit Jonathan Meeses mit dem Titel «Gelber Baron» dem Werk Jean Dubuffets zuordnen wollen. Nur ein klitzekleines Beispiel. Egal, welche Arbeit Meeses man sich auch vorknöpft, es läuft immer auf ein Plagiat bzw. eine Epigone hinaus.

In einer Nazidiktatur wäre Meese also kein Macher, als der er sich immer wieder (wie eben auch Adolf Hitler selbst) gerne stilisiert, sondern einer jener vielen Millionen Feiglinge, die als Mitläufer für das gros der in Auschwitz oder anderen Nazi-Konzentrationslagen ermordeter Juden verantwortlich waren, weil sie durch sie denunziert und somit ans Messer der NS-Schergen geliefert wurden. Hier eine Zusammenstellung der ‪Todesopfer rechtsextremer Gewalt in Deutschland‬.

In dem Strafprozeß gegen Jonathan Meese vor dem Kasseler Amtsgericht, das am 14. August für Jonathan Meese vorläufig mit einem Freispruch endet, betont sein Anwalt Dr. Pascal Decker: «Es handelt sich unzweifelhaft um ein Werk der Kunst». Damit soll suggeriert werden, daß die Taten oder die Aktionen eines Künstlers quasi grundsätzlich über dem Gesetz stünden. Nur, wenn dem so wäre, dann dürfte ein brillanter Künstler wie Wolfgang Beltracchi derzeit nicht in Haft sitzen, dann dürfte ein ebenso brillanter Künstler wie Konrad Kujau niemals in Haft gesessen haben – und die Verbrechen Adolf Hitlers sowie die aller Mitwirkenden der gesamten NS-Diktatur dürften niemals als Verbrecher gebrandmarkt und als solche sanktioniert werden, weil sie ursprünglich von dem Künstler Hitler konzipiert und initiiert wurden. Und das kann es ja wohl nicht sein. Zusätzlich führt Meeses Rechtsanwältin Dr. Heide Sandkuhl aus: «Man muß das, was Jonathan Meese macht, nicht mögen, aber man darf es nicht verurteilen.» Wer sagt das? Ach ja, da steht’s ja: Rechtsanwältin Dr. Heide Sandkuhl.

Und mal ein bißchen was Fiktives zum Abschluß: Wie wäre eine eventuelle und angeblich künstlerische Arbeit Jonathan Meeses juristisch zu bewerten, die das Foto einer Gaskammer in Auschwitz zeigte und in typisch Meesescher Runenschrift darüber stünde: «Den Holocaust hat es nie gegeben»? Kunst? Keine Kunst? Volksverhetzung? Keine Volksverhetzung? Holocaustleugnung? Keine Holocaustleugnung? Kindergarten? Kein Kindergarten? Millionen Tote? Keine Millionen Tote?

Auf die Gefahr hin, daß wir uns wiederholen: Es gibt eine Reihe starker Anhaltspunkte, die die Annahme, daß Jonathan Meese möglicherweise schuldunfähig ist, hinreichend begründen. Aber auch darum geht es eigentlich nicht. Es kann nur darum gehen, einen rechtlich abgesicherten Weg zu finden, Jonathan Meese davon abzubringen, zukünftig auch nur im entferntesten an Hitler zu denken. Unseres Erachtens müßte so eine Art geistige Entziehungskur zur Anwendung kommen. Vielleicht mit Waldmeister-Einläufen und Waldspaziergängen und Waldheim-Lektüre-Verbot und so…

 

Hege und Pflege
nationalsozialistischer Allmachtsphantasien

Außerdem muß klar werden, daß jede Privatperson und jeder Veranstalter, der einem Jonathan Meese in seiner jetzigen geistigen Verfassung eine Bühne für seine sinnlosen, überflüssigen und eben doch strafrechtlich relevanten, weil volksverhetzenden Auftritte bietet, am Wiedererstarken antisemitischer Tendenzen in unserer Gesellschaft nicht nur eine moralische sondern auch eine rechtliche Mitverantwortung trägt. Vor dem Kasseler Amtsgericht bestätigt Meese: «Und jeder, der mich einläd, weiß, wen er sich da auf die Bühne holt. Bei mir kann immer alles zur Performance werden – außer jetzt hier oder im Restaurant». Deshalb müßten eigentlich auch die jeweiligen Veranstalter juristisch zur Rechenschaft gezogen werden. Es kann nicht sein, daß zur Hege und Pflege nationalsozialistischer Allmachtsphantasien vor einem breiten Publikum, ein hitlerfixierter Kunstspinner als williger Strohmann auf die Bühne gestellt wird, der im Falle des Falles vor dem Gesetz als einziger den Kopf hinhalten muß.

Meeses Spiel mit Symbolen und dem Jargon des «Dritten Reichs» bedeutet mindestens die billigende Inkaufnahme eines wachsenden Antisemitismus (Meerschweinchenreport berichtete hier) und den damit im Zusammenhang stehenden Morden an Ausländern, wie beispielsweise auch die, die durch die sogenannte NSU verübt wurden.

***Materialien für den erweiterten Diskurs***
Hitlers dritte Zähne – ein Drehbuch

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Großer Leserwettbewerb: «Freundliche Taxierscheinungen in Wiesbaden»

5 Aug

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Taxis gehören laut einer von Wikipedia initiierten Umfrage eindeutig zur Gattung der agilen Leuchtkopffledermäuse. Eigentlich. Taxis sind aber auch, so man bereit ist, den Ergebnissen einer Analyse über deren Inhaltsstoffe, die das Institut Fresenius im Auftrag der Bundesregierung kürzlich durchführte, zu folgen, so sind Taxis auf dieser Betrachtungsebene eher als nahe Artverwandte des einsatzfreudigen Containerschiffs einzustufen – und zu begreifen. Ebenfalls eigentlich. Geschäftsleute hingegen bezeichnen sie gerne als Rechenmaschine auf Rädern. Was zwangsläufig dazu führt, daß wir uns jetzt als leicht irritiert bezeichnen müssen.

Das ist aber nicht der Punkt. Der Punkt ist, daß es Taxis vortrefflich verstehen, subtil auf sich aufmerksam zu machen. Unser Redaktionsfotograf kann ein hübsches Lied davon singen. Kaum, daß er die Kamera im Anschlag hat, um beispielsweise die «Griechische Kapelle», den Michelsberg, die Webergasse oder das Opelbad abzulichten, so macht es «brooooom» – und ein Taxi fährt quer durchs Bild.

Daß dies jedoch keinesfalls plump, sondern mit einem hohen Maß an ästhetischem Gefühl und Sinn für eine gute Bildgestaltung geschieht, davon zeugen die hier abgebildeten Aufnahmen. Dieser Umstand beflügelte uns, über die Veranstaltung einer entsprechenden Lesereinbindemaßnahme nachzudenken.

Das Ergebnis: Wir bieten sie gelumbeckt oder als Fadenheftung an. Ergo: Alles, was Sie tun müssen, ist, uns Ihre Taxierlebnisse in Wort und/oder Bild mitzuteilen.

Nachfolgende Fragen sollen Ihnen bei Ihrer Textentwicklung eine kleine Hilfestellung bieten: «Haben auch Sie schon mal ein Taxi gesehen? Und falls ja: in welchem Kontext? Oder sind Sie gar schon mal mit einem mitgefahren? Falls ja: Wie war die Verpflegung an Bord? Gab es zeitliche Abweichungen vom Fahrplan? In welchem Land bzw. welcher Stadt waren Sie da gerade unterwegs? (Nordenstadt, Amöneburg, Biebrich, Kohlheck, New York, …?) Worüber referierte der Fahrer, die Fahrerin? Über Mathematik? Winston Churchill? Die Schwierigkeit, bei Staatsbesuchen Kanaldeckel anständig zu verschweißen? Oder gar das Wetter?»

Aber auch Taxifahrerinnen und Taxifahrer können sich an unserer Leserinnen- und Leseraktion beteiligen: Schreiben Sie uns zum Beispiel, was Ihnen schon einmal Gewöhnliches oder gar Ungewöhnliches mit Ihren Fahrgästen passiert ist: «Trugen sie eine Brille? Waren sie in Eile? Wurde Ihnen schon einmal ein treuherziger Vierbeiner als Zahlungsmittel angeboten?»

Die besten Geschichten werden wir im Meerschweinchenreport veröffentlichen. Einsendeschluß ist der 31. November 2013.

Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen, es sei denn, Sie drohen uns bei drohender Nichtveröffentlichung mit Ihrem Anwalt. In solchen Fällen werden wir routiniert kleinbeigeben – und nahezu alles veröffentlichen. (Wichtig: Fällt die Frist des Einsendeschlusses zufälligerweise auf einen Sonn- oder Feiertag, so verlängert sie sich automatisch auf den darauffolgenden Werktag.)

Möchten Sie in absehbarer Zeit auf die Dienste eines Wiesbadener Taxiunternehmens zurückgreifen? So können Sie beispielsweise unter diesen Telefonnummern entsprechende Vorkehrungen treffen. Allerdings gibt es auch noch weitere Wiesbadener Taxi-Unternehmen, die nicht in den Gelben Seiten stehen und ebenfalls auf ihren Websites einen freundlichen, netten, tüchtigen und hilfsbereiten Eindruck machen.

Möchten Sie in absehbarer Zeit wissen, wie es ist, mit einem Taxi quer durch den Wiesbadener Regen zu streifen, so mag Ihnen dieses Digitalheftchen unseres Redaktionsfotografen einen entsprechenden Eindruck vermitteln.

Für Ihre Wettbewerbseinreichungen, die Sie bitte bis zum 31. November 2013 in absehbarer Zeit vornehmen möchten, nutzen Sie bitte dieses Kontaktformular:

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«Frühstücksfernsehen» von Olli Dittrich

25 May

Die konsequenterweise zu fast mitternächtlicher Zeit ausgestrahlte Erstsendung von Olli Dittrichs begnadeter Satiresendung «Frühstücksfernsehen» ist schlicht unfaßlich. Sie hat mit den normalen Genres «Comedy», «Kabarett» oder herkömmlicher Satire nichts zu tun. Und strenggenommen ist seine Sendung auch nicht richtig lustig, sie verdeutlicht auf unglaublich intelligente Weise ziemlich drastisch die Armseligkeit des Formates «Frühstücksfernsehen». Ohne ein Ausnahmetalent wie Olli Dittrich wäre diese Art der Umsetzung undenkbar.

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Satire: Von «Oh! Là! Le polar!» hin zu «L’art pour l’art» – Ein faszinierender Kurzreisebericht durch die Welt menschlicher Synapsen

2 May

Gustave Flauvages (1667 – 1944) Gemälde «Etwas Warmes braucht der Bär» (Ausschnitt) aus dem Jahre 1848 gilt in Fachkreisen nicht nur als Meilenstein auf dem Gebiet des «rational verlebten bzw. verklebten Impressionismus» sondern diente in den 1970er Jahren ebenfalls als Vorlage für die mittlerweile als legendär zu bezeichnenden Maggi-Suppen-Werbespots «Etwas Warmes braucht der Mensch». Zu Beginn des 21. Jahrhunderts könnte es als ausgleichendes Korrektiv im Kampf um die Meinungsvorherrschaft in Sachen Klimawandel Wirkung zeigen – und so verdient Einzug in die Hall of Fame paradox agierender Wogenglätter halten. Wir sind gespannt, ob es dazu kommen wird.

Stand am Anfang der Ausruf «Oh! Là! Le polar!» (Oh! Seht! Ein Polarbär!) noch für die Sichtung eines Polarbären (französische Bezeichnung für Kühlschrank in den eigenen vier Wänden), so mutierte er im Laufe der Zeit über «Là! Le Polar!» (Polente, oder auch: Polenta) und «Là! Polar!» (Abk. für Polaroidfoto) hin zu «L’art pour l’art», also zum reinen künstlerischen Selbstzweck, der die Entfremdung der Mittel zu heiligen schien. Heiligenschein? Vielleicht auch das. In anderen Worten: Die Anwesenheit eines Kühlschranks war also gar nicht mehr zwingend erforderlich, um ihn dennoch in seiner Nähe zu wissen. Eigentlich ein erster Schritt in die richtige Richtung. Aaber: Dieser Mechanismus griff auch als Leonardo da Vincis «Mona Lisa» aus dem Louvre entwendet wurde: Da vertraten nicht eben wenige Kunstkenner die Ansicht, daß sie gar nicht verschwunden sondern immer noch an ihrem angestammten Platze anzutreffen sei. Sie tanzten soo lange barfuß in ihren Woodoo-Wickelröcken vor der kahlen Ausstellungswand zu einem imaginären Lagerfeuer auf kältestem Marmorfußboden bis, ja bis zum einen die «Mona Lisa» auch für den Rest der Welt wieder sichtbar (transparent, visuell erfahrbar, etc. pp.) wurde; und zum anderen unsere Woodoo-Helden mit einem ordentlichen Schnupfen das Bett hüten mußten. In dieser «emotionalen Kälte des kulturellen Gewissens» (Mutter Theresa) bzw. «kulturellen Emotionalität als kaltes Schrankgesicht» (Baroness Thatcher of Kesteven) implementierte sich folgerichtig die Geburtsstunde des «L’art pour l’art».

Das damalige ärztliche Fachpersonal analysierte intellektuell artverwandt und sprach in solchen Fällen einhellig von einer «gesunden Unterkühlung des menschlichen Gehirns, das nur in diesem Zustand zur Entwicklung faszinierender Gedankengänge befähigt sei». Kein Wunder also, daß in der heutigen Zeit Unterkühlte die Unterkühlung suchen – und beispielsweise bemüht sind, mit Kaltlichtlichterketten in Herzform kollektiv das arme Nordpoleis vor seinem vermeintlich sicheren Untergang zu bewahren. Aber sind es nicht dieselben Leute, die noch vor zwanzig Jahren gemütererhitzt «Freiheit für Grönland! Nieder mit dem Packeis!» forderten?

Latürnich sind sie das; und das macht die Sache ja so ungemein spannend. Wir schließen unsere Redaktionsaugen und sehen im Geiste John Wayne öffentlichen Sex mit einem Pinguin praktizieren, um auf das bedrohte Antarktiseis hinzuweisen. Auch ein klarer Fall von «L’art pour l’art», weil Wayne, auch wenn er noch lebte, mit Klimaschutz nichts am Hut haben wollte, er aber dennoch durch vorstehend beschriebene Performance auf die bestehenden Verhältnisse selbstlos hinweisen würde. «Uneigennützigkeit im Dienste der Wissenschaft sowie der globalen Volksgesundheit», so definierte es einst der Fußballspieler Günther Netzer in folgerichtiger Vorhersehung, als er den Bundesligaklub 1. FC Köln nach einem Zerwürfnis mit Trainerlegende Hennes Weisweiler zum Saisonende verließ, um so als Frühmahnender auf die Endlichkeit der Dinge hinzuweisen. Außerdem nutzte er die so gewonnene Mehrfreizeit sinnvoll, indem er im heimischen Reiche den Kühlschrank abtaute und ihn im Anschluß durch das geschlossene Fenster ins Freie beförderte. «Die echten L’art-pour-l’art-Künstler», so erklärte es in seiner Hochphase der Kunstkenner und Documenta-Macher Lothar Romain «hat nicht die geringste Ahnung, daß er selbst einer ist – außer natürlich Timm Ulrichs. Der weiß immer ganz genau über sich und die Dinge, die ihn umgeben, Bescheid».

Timm Ulrichs: «Timm Ulrichs den Blitz auf sich lenkend, 1977»

Die sich im Rahmen dieses kleinen Besinnungsaufsatzes immer mehr herauskristallisierende These ist doch die, daß sich die Anzeichen dafür, daß der Klimawandel höchstrichterlich selbst als L’art-pour-l’art-Künstler zu erkennen und zu achten sei, verdichten; und daß die überall auf dem Globus tausendfach verteilten und in ihrer Eigenschaft als selbsternannte Klimaschützer Agierenden, nichts anderes als vom L’art-pour-l’art-Künstler, nennen wir ihn mal «Johann Ke(l)vin Gottfried Klimawandel», persönlich Bestellte sind, die sich noch nicht so richtig mit ihrer Rolle als willfähriges Marionettenspielzeug eines wahren Freigeistes abgefunden und sich in ihr eingelebt haben. «Das jedoch», so der frühere Direktor der Berliner National Galerie Dieter Honisch bereits in den frühen 1980er Jahren in ebenfalls folgerichtiger Vorhersehung, «komme aber noch». Wollen wir es stark hoffen.

Frühere Artikel im Meerschweinchenreport zu diesem Thema:
Alfred Hitchcock: «The Living Fridge (2)»

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ZDF: «Lerchenberg»

29 Mar

(v.l.n.r) Philipp (Matthias Lier), Judith (Cornelia Gröschel),
Billie (Eva Löbau), Sascha (Sascha Hehn),
Dr. Wolter (Karin Giegerich), Frau Merzig (Anke Sevenich)

Das ZDF (Zweite Deutsche Fernsehen) spendierte sich zum 50-jährigen Betriebsjubiläum eine (leider nur) vierteilige Sitcom namens Lerchenberg, von der man in Kenntnis der Zustände im Senderalltag nicht glauben mag, daß das ZDF (Zweite Deutsche Fernsehen) fähig wäre und ist, sich auf diese gekonnte Weise selbst durch den Kakao ziehen zu lassen. Chapeau!

Die hinreichend verschnarchte Tante ZEIT schreibt in ihrem überflüssigen Beitrag u.a.: «Dass die satirischen Momente der Serie keinem wehtun, dass die wirklichen Probleme des ZDF nicht benannt werden, dass das ZDF in Lerchenberg wie eine ein bisschen verrückte, aber doch sympathische, fast familiäre Institution rüber kommt, liegt in der Natur der Sache.» Wer so schreibt, der kennt offensichtlich kein anderes Leben. Chapeau!

Der seltsame der freitag konstatiert: «Auch wenn die Miniserie “Lerchenberg” nicht zu Unrecht gelobt wird – der Versuch, ironisch bis sarkastisch mit sich selbst umzugehen, gelingt dem ZDF nicht richtig.» Offensichtlich stört Jakob Augstein die Abwesenheit von antisemitischem Gedankengut, sodaß er diese durchunddurch gelungene Satire von einem seiner Redaktionsgehilfen als ungelungen einstufen läßt. Chapeau!

Glücklicherweise sitzen in der mittelbayerische-Redaktion vernüftige Leute, die unter der Überschrift «Neues aus der Satire-Anstalt» vernüftiges schreiben.

Die Meerschweinchenreportredaktion wünscht sich geschlossen eine schöne und kräftige Fortsetzung von «Lerchenberg». Allein schon, damit die vielen, deren Ideen und Konzepte von Rundfunk- und Fernsehanstalten abgelehnt wurden, wissen, daß es nichts mit der Qualität ihrer Arbeit zu tun hat.

Die Qualität der schauspielerischen Darbietung Sascha Hehns erinnert uns im übertragenen Sinne übrigens an die Performance Sky du Monts im Film Der Schuh des Manitu.

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MAD Magazine: «Advertisements»

22 Mar

Click to enlarge mad@li

When William M. Gaines was the publisher and owner of MAD Magazine, he refused to accept any form of advertising. This allowed him to spoof anyone and anything he desired. Some of the magazine’s best satire was in the form of a fake ad placed on the back cover, and occasionally inside the front cover. This collection showcases many of the best satirical ads from the mid 1950′s thru the early 1970′s.

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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Bob Rivers: «Walking Around In Women’s Underwear»

18 Dec



Lacey things, the wife is missing.
Didn’t ask, for her permission
I’m wearing her clothes,
her silk panty hose.
Walking around in women’s underwear.

In the store, there’s a teddy.
With little straps, like spagetti.
It holds me so tight,
like handcuffs at night.
Walking around in womens underwear

In the office there’s a guy named Melvin.
He pretends that I am Murphy Brown.
He’ll say «Are you ready?»
I’ll say, «Woah man! Lets wait untill the wife is out of town.»
Later on, if you wanna,
We can dress, like Madonna.
Put on some eye shade, and join the parade.
Walking around in women’s underwear.

Lacey things, missing.
Didn’t ask, permission.
Wearing her clothes, silk panty hose.
Walking around in women’s underwear.
Walking around in women’s underwear.
Walking around in women’s underwear

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Bob Rivers CD «I am Santa Claus» can be purchased here.

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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Norbert Lammert: «Strange Domination»

9 Dec

Wir erinnern uns an eine vor vielen, vielen Jahren in der Satirezeitschrift Titanic veröffentlichte kleine Zeichnung, auf der ein Maikäfer in einem Dominastudio zu sehen war, wie er mit Kopf, Armen und Beinen in einem Pranger steckend die verduzte Domina anflehte, doch bitte, bitte, bitte seine Leibspeise, nämlich einen Berg frischer Laubbaumblätter, vor seinen Augen genüßlich zu verspeisen.

Was wir auf oben eingebundenem Filmchen zu sehen bekommen, das sind die spitzbeschuhten Beine einer Domina, wie sie offenbar genüßlich vor den Augen eines leibhaftigen und schließlich auch leicht wimmernd winsenlnden Hundes, einige Stückchen Hundefutter doch recht sorgfältig mit ihren spitzen Absätzen zerkleinert.

Was wir leider nicht zu sehen bekommen, das ist, wie sich der derzeit amtierende Bundestagspräsident Norbert Lammert mit einem riesigen Vorschlagshammer seinen Fingerkuppen ein überaus blaues Erscheinungsbild verschafft, um damit in aller Öffentlichkeit für seine inakzeptable Rückenstärkung der NPD angemessen Buße zu tun.

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John Cage: «4’33” for piano» – Eine juristische Delikatesse

8 Dec

An einer anderen Stelle auf dem YouTubePortal war das Stück des Fluxus-Künstlers John Cage «4’33” for piano» angeblich auf Veranlassung der deutschen GEMA über einen längeren Zeitraum gesperrt gewesen. Wir wollen mal davon ausgehen, daß es sich hierbei nicht um einen Marketinggag des Accountinhabers handelte, der zumindest uns beim Besuch bereits froh verkündete, daß die «Sperre» zwischenzeitlich wieder aufgehoben worden sei.

Das besondere an Cages musikalischer Darbietung ist, daß eben über die Zeitspanne von vier Minuten und dreiunddreißig Sekunden so rein gar nichts zu hören ist. Dennoch ist dieses Stück auch bei der GEMA als Musik registriert.

Aber welche von der GEMA bisher ungenutzte Möglichkeiten, den Rest der Welt einmal mehr nachhaltig auf ihre eigene Unsterblichkeit hinzuweisen, ergeben sich hieraus? Vom Prozeß des sogenannten Sample-Clearings wissen wir, wie nervenaufreibend das Einholen fremder Urheber- und Leistungsschutzrechte ist, zum Beispiel, wenn man sich zur Herstellung einer eigenen Komposition und/oder Musikproduktion der Werke und Produktionen Dritter bediente.

Um es einfacher zu sagen: Wollen wir beispielsweise eine selbst produzierte Sprachaufnahme mit Musik eines fremden Komponisten unterlegen, so müssen wir ihn selbstverständlich um Erlaubnis bitten und mit ihm ebenfalls die Zahlungsmodalitäten aushandeln.

Jetzt könnte die GEMA und könnten natürlich auch die jetzigen Rechteinhaber des am 12. August 1992 in New York City verstorbenen Fluxus-Künstlers jeder Sprachproduktion, in der nichts als die reine Sprache zu hören ist, unterstellen, daß besagte Sprach- und Hörbuchproduktionen sämtlichst unerlaubterweise mit der musikalischen Komposition «4’33” for piano» von John Cage unterlegt worden – und deshalb entsprechende Lizenzgebühren angefallen seien.

Die Tatsache, daß die GEMA in dieser Sache nicht schon längst medienwirksam tätig geworden ist, zeigt, wie amateurhaft diese Organisation im tiefsten Inneren ihres Herzens und in aller Tatsächlichkeit aufgestellt ist.

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John Cleese and Rowan Atkinson: «Beekeeping»

2 Nov

Hysterical sketch with John Cleese as a beekeeping expert and Rowan Atkinson as a terrible television show host. Recorded live in 1981.

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Nick Stern: «You Are Not Bansky»

1 Nov

As it appears adapting, copying, quoting and re-enactments are The Big Thing, not to forget blaming China and their inhabitants for doing the same, which is – as we think – a quite unique and highly sophisticated way of making up one’s mind. Are we supposed to ask ourselves: «Why?» Honestly, we don’t think so. This is not the ballpark we should waste our time and energy on.

The newest and hottest issue: Innocent bees are dying rapidly! So, let’s protest on facebook and avoid eating honey! So, let’s chop off our feet and legs with chainsaws in order to disconnect ourselves from the option of disturbing the poor bees in their original living spaces. So, let’s burn down our cars, houses and bicycles just to set an impressive sign against copyright infringement. So, let’s spread our wings and jump off from the 15th floor of any office building in the world in order to bite the bitter pill of life, and show solidarity with our slowly vanishing natural sweetener producers. But whatever we do: we should do something. And this something could even lead us into reproducing Bansky’s work. Well, just a thought…

Website Nick Stern
via LikeCool

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Reefer Madness

31 Oct

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Originally financed by a church group under the title Tell Your Children, the film Reefer Madness was intended to be shown to parents as a morality tale attempting to teach them about the dangers of cannabis use. However, soon after the film was shot, it was purchased by producer Dwain Esper, who re-cut the film for distribution on the exploitation film circuit. The film did not gain an audience until it was rediscovered in the 1970s and gained new life as a piece of unintentional comedy among advocates of cannabis policy reform. Today, it is in the public domain in the United States and is considered a cult film which is to be downloaded here. It inspired a musical satire, which premiered off-Broadway in 2001, and a film based on the musical in 2005.

Continue reading on Wikipedia.

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Greenhouse: «The Weekend Has Just Landed»

14 Oct

Björn and Benny are back from outer-space in order to save the world.

Do you remember Björn and Benny from the legendary pop-group ABBA? After spending some glorious time-out in outer space they now returned as marsian monks to provide us with the luxurious advantage of getting in touch with their new album ARRIVAL which is nothing but a perfectly carried out musical re-design of their former album ARRIVAL featuring a helicopter and all four band members on the cover. Do you remember?

The time when ABBA saved our childhood.

Do you remember chalk hearts melting on a playground wall? Do you remember dawn escapes from moon washed college halls? Do you remember the cherry blossom in the market square? Do you remember I thought it was confetti in our hair? Ehm, sorry: wrong chapter.

Do you remember how the original album started with the track When I kissed the teacher? They changed the title into When I kissed the preacher. The rest of the lyrics, however, remained originally. Due to the fact that since their separation from each other Björn and Benny are now forced to do their home cleanings without any female support; a circumstance that influenced their style of musical arrangements: less high hats, more bass drums. It’s so disturbing but so effective as well, isn’t it?

In addition, to them, everything in general and in public’s mind seem to be based on topics such as climate change and the rescue of the world’s most important tree hugger number one: the poor, poor polar bear. Consequently, they re-formed themselves, new branded as Greenhouse – with greater success if we are willing to take a fantastic look at the charts:

Björn’s and Benny’s tremendous chart success as Greenhouse

Almost every radio and tv channel all over the planet put Greenhouse on their list of heavily rotating music tracks and clips. This is what Björn and Benny call The never ending greenhouse effect. So, the force may be with them. For the rest of all times.

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Manchmal ist Kurzsichtigkeit mit Annehmlichkeiten verbunden. Aber nur manchmal.

8 Oct

Brille: Fielmann.

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Weihnachtsartikel- marketingabteilungen dieser wunderschönen und mitunter munter geschwindigkeits- kranken Republik!

4 Sep

Foto: Pickerd.de – Hier: Butterweihnachtsplätzchen

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Dachten wir im letzten Jahr zu etwa gleicher Jahreszeit, daß die ersten verspeisbaren Weihnachtscerealien aus Euren Backhäusern nunmehr Mitte August von uns in den Verkaufsregalen gesichtet werden würden, aber: Fehlanzeige! Aus welchen Gründen auch immer, so scheint es uns und so scheint Ihr Euch, oh Ihr brillanten Weihnachtsmannstrategen, für Eure Weihnachtsgebäckerstschlagplazierung zwar bis an den winterlich extremkalten 1. September vorzu-, nicht jedoch in den (noch) sommerlich warmen August hineinzutrauen.

Nur, warum denn nicht? Angst, daß Euch eine Horde hysterieaffiner Ökomamis sprachlich vermöbelt und Euch was von Körperverletzung an der Kinderpsyche oder so vors Hirn brabbelt? Ist das so? Angst? Echt?

Aber das muß doch nicht sein, denn dank des unaufhaltsam voranschreitenden Klimawandels wird der erste Schnee schon bald im Juli oder gar im Juni erwartet. Man wird dann zu Fuß von Hamburg bis nach New York laufen können; und da wäre es doch ganz nett, ein paar saftig nahrhafte Luisenlebkuchen bei sich zu haben. Außerdem müssten wir dann auch nicht die ewig und immer irgendwie und irgendwo hinterher- und mitlaufende Claudia Roth zum Robbenbaby umdeklarieren, um sich so ihres wunderbar warmhaltenden Biopelzes zu versichern.

Also, überlegt’s Euch: Ganz im Interesse des Tierschutzes; und selbstredenderweise Eurer Karriere natürlich auch.

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Werbejingles, die leider nie produziert wurden (1)

30 Jul

O sole mio, oh mio sol;
Das klingt nach Rio und Atom-Atoll;
Oh mio, oh mio hips:
Das klingt nach Bio und Chio-Chips.

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Peripher Gestreiftes

28 Jul

Da stand er einst am Wittgenpranger (*)
Und band sich seine Schuhe zu.
Er machte gern auch Witwen schwanger,
Nur ungern gab er Ruh’.

Nun fragt sich manch ein Leser:
«Wittgenpranger? Was ist das?»
So hilft Spock mit seinem Faser
Nach – Und das kommt krass.

Ein dickes Buch schwebt durch den Raum,
Dank Warp und weil: Ionen.
Darin passiert, man glaubt es kaum:
Nichts mit grünen Bohnen.

«Wittgenprangers Essweltschrift» –
Ein Buchraumschiff mit 20 Knoten.
Wenn die Grenze auf das Denken trifft,
Dann sei dies stets hoch zu benoten.

(*) eigentlich Wittenberg

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ADC-Festival 2012: «Ils sont passés notre rédaction virtuelle»

17 May

Das ADC-Empfangspult. Nadelöhr und Helpdesk. Wer es schafft, hier durchzukommen, ist richtig gut!

Gute Kommunikationsarbeit, so referiert die Körpersprache, will wohl überlegt sein.

Einer der richtig guten Nadelöhrbezwinger ist Oliver Hesse, der zudem einen ausgeprägten Nerv für dynamische Bewegungsabläufe hat.

Vor der Kamera ist immer auch irgendwie vor der Kamera. Wohl dem, der mit diesem Umstand umzugehen weiß: Arthur Potts Dawson betreibt in London die beiden Restaurants «Acorn House» und «Water House», sowie den genossenschaftlich geführten «The people’s supermarket». Die Verwendung regionaler und saisonaler Lebensmittel und damit die Verringerung von food miles sind seine Themen. Und ganz nebenbei sieht er Mick Jagger irgendwie ähnlich. Also mit ein bißchen Phantasie jedenfalls. Ob das daran liegt, daß er sein Neffe ist?

Schmackhaftes Catering auf dem ADC-Holodeck.

Er zu ihr: Kennst Du den Film «Theo gegen den Rest der Welt»? Sie zu ihm: Nein. Aber ich hab es flüstern hören, daß Du heute abend «Gold» bekommst. Ist doch auch was, oder?

Das corpus delicti: Diese Kaffeetasse stand kurz vor der Entgegennahme einer großen Auszeichnung, nämlich durch Herrn Prof. Günther Klein beehrt geleert zu werden. Dann aber streifte unser Rucksack sein Trinkgefäß, es entstand ein kleines Fußbad, welches wir, mittlerweile besagtes Trinkgefäß samt Untersetzer mit beiden Händen fest umklammernd haltend, und in Begleitung der verbalen Anmerkung «Friedrich Dürrenmatt sagte mal: Je genauer man plant, desto härter trifft einen das Schicksal» auch noch ordentlich durchschüttelten, wodurch sich das hier gegenständliche Fußbad erheblich vergrößerte, was wiederum dazu führte, daß der Herr Professor unsere spontan geäußerte Offerte «Oh, vielleicht ist es besser, wenn wir uns dieser Tasse jetzt annehmen» durchaus positiv und gelassen lebenserfahren auf- und annahm.

Allerdings war der Kaffee von solch abscheulicher Machart, daß wir den Herrn Professor umgehend via Voicemailboxaufzeichnung davon im Kenntnis setzten, daß es sehr gut möglich gewesen sein könnte, völlig uneigennützig gerade sein Leben gerettet zu haben.

Im richtigen Leben zeichnet Günther Klein als Regisseur u.a. für diese ungemein hochwertigen Geschichtsproduktionen verantwortlich, durch die Maximilian Schell moderierend führt. Sie werden u.a. von arte und dem ZDF-Kultur-Kanal ausgestrahlt.

Zwei uns unbekannte Cuties, von denen eine auf den sweeten Namen Ulrike Krämer vom (Institute Of Design – Hamburg*Berlin*Düsseldorf) hört.

Wenn Werbe Weischer nicht gerade in Sachen Cannes Rolle busy ist, dann fällt das Unternehmen allein schon rein optisch mit seinem Minikino aus dem Rahmen.

Typisch DDC: Eine gesunde Atmosphäre kann nur unter einem gesunden Claim-Dach gedeihen. Von beidem hat der Deutsche Designer Club reichlich zu bieten.

Zwei runde Tische im konstruktiven Dialog.

Die beiden ADC, quatsch, DDC-Vorstände Gregor Ade und Michael Eibes.

Prof. Gregor Krisztian (HSRM + DDC) zusammen mit Studierenden von der Hochschule RheinMain am DDC-Stand. Der nachfolgende Link führt zu unserer Rezension seines Buches «Wie visualisiere ich einen Bestseller?»

Wäre die Hammer-Skulptur im Hintergrund dem italienischen Künstler Enzo Cucci, der der italienischen Transavantgarde zuzuordnen ist, zuzuordnen; und würde diese Arbeit zudem während der kommenden ART | Basel von Bruno Bischofberger präsentiert, so läge der Verkaufspreis ohne zu übertreiben bei mindestens einer halben Million Euro. Aber sooo?

Aber sooo wartet der kreativ-geniale Leuchtkopf Rüdiger Pichler immer noch auf die adäquate Synchronisation seiner Leistungen mit den unerklärlichen Gesetzmäßigkeiten des internationalen Kunstmarkts. Aber mußte Louise Bourgois nicht auch eine kleine Ewigkeit warten, bis man ihr die ihr längst zustehenden Lorbeeren zugestand? Und ist das Warten sowie das Warten-Können nicht ein Ausdruck purer Romantik? Und ist richtig verstandene Romantik nicht die Grundlage einer minimalistischen Lebensführung? Und steht eine minimalistische Lebensführung nicht im direkten Zusammenhang mit dem Gebrauch eines Hammers? Und wo steckt eigentlich Paul Waztlawick? Ach ja, unter der Erde. Aber seine Geschichte mit dem Hammer lebt weiter!

Anja Henningsmeyer von der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA).

Immer mehr Menschen praktizieren auch im realen Leben ganz entspannte Online-Kommunikation.

Mittagspause auf dem Holo-Holodeck der beiden hessischen Ministerien für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung sowie für Wissenschaft und Kunst.

Prof. Jörg Waldschütz von der Hochschule RheinMain ist zugleich ADC-Mitglied und ausgewiesener Spezialist für Online-Kommunikation. Stolz präsentiert er uns gerade seine beiden neuen USB-Anschlüsse.

Will man Dietmar Henneka tief in die Augen blicken, so wird man feststellen müssen, daß das mitunter ein ganz schön beschwerliches Unterfangen sein kann.

Zwei hoffnungsfrohe Designtalente praktizieren regelkonformes form follows function acting: Der Löffel steckt vorbildlich im Latte-Glas, während sich die Gabel im Begriff befindet, die Außenhaut des Käsekuchenstückchens ohne größeren Widerstand zu durchdringen – und nicht etwa umgekehrt. Prädikat: Sehr vorbildlich!

Im Gespräch: Jochen Rädecker, Präsidiumssprecher des Art Directors Club für Deutschland (ADC) (Bildmitte) und Claus Fischer, Mitglied des ADC-Präsidiums (rechts).

Über den eigenwilligen TV-Sender Rhein-Main-TV gäbe es einiges zu sagen. Hier beschränken wir uns darauf, daß es schön ist, diese Wahnsinnigen mal aus nächster Nähe beobachten zu können.

Eye catching moment: James Hilton erfüllt den Jugendtraum zweier seiner Groupies – und fotografiert sie.

Ulrike Krämer (Institute Of Design – Hamburg*Berlin*Düsseldorf) in das Gespräch mit einem runden Tisch vertieft.

Zwei Kommunikationsgenies im Gespräch: James Hilton und Michael Volkmer.

(…) und da kramte also mein Freund Henk in der Mercer Street mitten in der Nacht in irgendwelchen Pappkartons, die da zuhauf rumlagen, herum und zieht am Ende eine Schachtel mit alten Umatic-Bändern hervor; und was soll ich Dir sagen, da war auch ein Showreel von Albert Watson dabei. Klar, daß wir unbedingt wissen mußten, was da drauf war. Am nächsten Tag also eine Edit-Suite angemietet, Du kannst Dir ja vorstellen, was das in New York bedeutet, und einen tiefen Blick in die Arbeitswelt von Albert Watson genommen. Hammer, sage ich Dir. Der glatte Hammer! Obercooles Zeug! Also, die Schwarzweiß-Spots, die er für einen großen Papierhersteller gemacht hat, also soo feinfühlig, wie er da mit dem Thema und den jungen Setzlingen umgegangen ist, also da können die sich von heute locker noch eine ordentliche Scheibe von abschneiden (…)

Where ever you are, people are celebrating their communication skills: «People who look for the best coffee you can get in Messehalle 5, this is the place they know they have to come to!» Also wir wären an der Brühe fast verreckt.

Die beiden Damen wollten unbedingt fotografiert werden. Das haben sie jetzt davon: ganz blau im Gesicht!

Kreativer Generationenkonflikt: Digitales Laptop gegen analoges Laptop. Welches Gerät, welche Lebensphilosophie macht das Rennen? Der junge Mann mit dem Zweifel im Gesichtsausdruck scheint sich seiner Sache nämlich gar nicht so sicher zu sein…

Der zentrale Dreh-, Angel- und Treffpunkt ist und bleibt nunmal das Holo-Holodeck der beiden hessischen Ministerien. Mit sicherem Gespür für die richtige Lichtsetzung entsteht hier eine lockere Gesamtatmosphäre die entspannte Gespräche ermöglicht.

Ganz im Mittelpunkt: Dr. Stephan Vogel, seines Zeichens Chief Creative Officer (CCO) im Hause Ogilvy & Mather.

Pure iPad-Meditation vom Feinsten!

James Hilton ist einer der am meisten geachtetsten und respektiertesten Kreativdirektoren der Welt. Schon kurz nach der Gründung von AKQA im Jahr 1995 ist das Unternehmen an die Spitze der Branche gestiegen und inzwischen die weltweit größte unabhängige Agentur. AKQA verfügt über Niederlassungen in London, Paris, Berlin, Amsterdam, New York, Washington DC, San Francisco und Shanghai.

Leider war bis zu Redaktionsschluß nichts über die Identitäten der vier hier abgebildeten Gentlemen in Erfahrung zu bringen. Gerne würden wir wissen, welche Kindheitserlebnisse für Ihre spätere Berufswahl verantwortlich waren. Wie sie mit dem Studentenleben klargekommen sind. Worüber sie gerade reden. Und warum nur einer der drei Herren einen Hut trägt. Wer mehr weiß, der mag sich gerne bei uns melden.

James Hilton gehört zu den führenden Kreativen und hat eine Vielzahl von globalen Auszeichnungen, darunter den Grand Prix und Gold Cannes Lions, gewonnen. Außerdem war er Juror für die Cannes Lions, Webby Awards, D & AD und Vorsitzender der Jury für die Clio Awards und Eurobest.

Michael Schirner fotografiert.

Michael Eibes fotografiert.

Redaktionsfotograf Andreas Baier fotografiert.

As we already pointed out: the ADC-Holodeck is always a nice place to be.

Steven Spielberg schreibt in seiner Autobiografie, daß er schon als Schüler ständig bemüht war, möglichst ungewöhnliche Kameraeinstellungen zu finden. So habe er auch Menschen durch Armbeugen hindurch fotografiert. Heute, so Spielberg, würde er das nicht mehr tun. Aber dafür wir. Im Zentrum des Bildgeschehens: Michael Volkmer.

James Hilton wurde vor kurzem, neben Jonathan Ive von Apple, in die „Creativity 50“ aufgenommen, eine Liste der 50 most influential and inspiring creative personalities of the world. Er ist Redner bei internationalen Veranstaltungen und Gastdozent an weltweit anerkannten Kreativschulen. Das Campaign Magazin ernannte ihn zu Englands Number One der Digital Creative Directors der letzten zwei Jahre.

Diese Kreative haben wir bis Redaktionsschluß nicht identifizieren können. Allerdings unterhielt sie sich eine halbe Ewigkeit am Telefon angeregt mit George Clooney, was, wie wir finden, eine nachahmenswerte Attitude darstellt.

Diesen Kreativen haben wir bis Redaktionsschluß nicht identifizieren können. Allerdings unterhielt er sich eine halbe Ewigkeit angeregt mit James Hilton, was, wie wir finden, eine gesunde Attitude ist.

Warum dieser Irrsinnskalender keinen Preis bekommen hat, werden wir wohl nie verstehen.

Und wie war die Preisverleihung? Also, das DFB-Pokal-Finale zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Bayern München ging 5:2 aus. Es war ein sagenhaftes Spiel. Die im Hotel «Maritim» kredenzten Nürnberger Rostbratwürstchen waren hingegen weniger sagenhaft, viel mehr von solch abscheulicher Machart, daß sie auf der stark ins Minus gerichteten Geschmacksskala selbst den von uns zuvor angeprangerten «besten Kaffee in Messehalle 5» locker in den Schatten stellten.

Aber die letzten zehn Minuten ADC-Preisverleihungsfestlichkeit haben wir dennoch mitgenommen. Schön voll, nicht?

Wer wissen will, wie Werbung wirklich funktioniert, der braucht sich nur mal ein halbes Stündchen lang mit Dörte Spengler-Ahrens zu unterhalten – danach weiß er es. Versprochen.

Einer der begnadetesten Konstrukteure und Autobauer war zweifellos André Citroën. In jedem anderen Auto wäre Charles de Gaulle seinen damaligen Attentätern zum Opfer gefallen. Nicht jedoch in einem Citroën DS Présidentielle. Mit keinem anderen Auto wäre die Flucht bei Vollgas und mit einem zerschossenen Reifen möglich gewesen. Die Hydropneumatik ist bis zum heutigen Tage das weltweit beste Federungssystem für Automobile. Schön, daß Citroën sie immer noch einsetzt!

V. l. n. r.: Jennifer Gauselmann, Felix Glauner und Martin Breuer mit Frau Eva (Euro RSCG).

The Gruppenfoto.

Diese beiden Gentlemen finden David Ogilvys Puerto-Rico-Anzeigen nach wie vor am besten. Wir können das nachvollziehen.

Das hat es bisher so auch noch nicht gegeben: Zwei Sieger aus demselben Kreativteam geben sich unmittelbar nach der Preisverleihung vor laufender Kamera das Ja-Wort. Sen-sa-tio-nell!

Laura Fischer von kempertrautmann.

Das ADC-Holodeck-Büffet.

Unermüdlich und bis zur letzten Sekunde sind die hFMA-Netzreporter im Einsatz.

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Michael Weber – WSP Design, Heidelberg

Auf dem diesjährigen ADC-Festival war Geld das ganz große Thema. Befindet sich die Kreativität im Würgegriff international agierender Finanzhaie? Oder sind es einfach nur mal wieder die Mandeln? Meerschweinchenreport geht dieser Frage auf den Grund.

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Nachtrag vom 2. Juni 2012:

Wer unseren Meerschweinchenreport kennt und liest und genießt und verbrennt, der weiß auch, daß wir besonders zu huldigende Persönlichkeiten immer etwas hervorgehoben ehren. Genoß Christian Daul in unserem ADC-Bericht aus dem Jahre 2010 den Vorzug, als Tischkärtchen in Erscheinung zu treten, so belegt er in unserer diesjährigen ADC-Abschlußweinprobe naturgemäß den besten Platz, nämlich diesen hier.

Wir präsentieren seine Kurz-Vita: Christian Daul ist seit September 2009 Geschäftsführer der Agentur Scholz & Volkmer und betreut unter anderem den Bereich Campaigning. Nach einer Lehre zum Bankkaufmann studierte er Werbewirtschaft an der FH Pforzheim. Im Anschluss arbeitete er als Texter bei den Frankfurter Agenturen Michael Conrad & Leo Burnett und Lowe & Partners, die er ab 1998 außerdem als Geschäftsführer Creation leitete. In diesem Jahr verzeichnete Christian Daul auch das einschneidenste Erlebnis seiner bisherigen Kreativlaufbahn: Ein intensives Gespräch mit unserem Chefreporter und damaligen Creative Director (hamster&james) Hamlet Hamster in der Bar-Martinez. Das brachte ihn selbstredenderweise weiter, führte ihn schnurstracks als Creative Director von Jung von Matt an die Alster und wurde im Anschluß Geschäftsführer Creation bei McCann-Erickson in Hamburg und Frankfurt. 2003 übernahm er als Chief Creative Officer die kreative Führung von Y&R Germany.

Christian Daul ist Mitglied des ADC Deutschland und im Vorstand des Deutschen Designer Clubs. Er war in zahlreichen nationalen und internationalen Jurys tätig, darunter bei den Cannes Lions, New York Festivals und Golden Hammer.

Während seiner geistigen Freizeitphasen widmet sich Christian Daul gerne den surrealen und fluxusesken Aspekten des Lebens sowie (siehe Foto: links und rechts von CD) dem Prinzip der «Dualität des Paradoxen». Hier wirkt er übrigens leibhaftig in einer Performance des Fluxus-Künstlers Ben Patterson mit, die dieser anläßlich der Wiesbadener Designtage 2010 «Access All Areas» realisierte.

Auf dem diesjährigen ADC-Festival präsentierte er James Hilton.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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ADC-Festival 2012: «Kriegsberichterstattung aus dem Land des knappen Geldes»

15 May

Auf dem diesjährigen ADC-Festival ist Geld das ganz große Thema. Befindet sich die Kreativität im Würgegriff international agierender Finanzhaie?
Oder sind es einfach nur mal wieder die Mandeln?
Meerschweinchenreport geht dieser Frage auf den Grund.

Gerade mal ein Jahr ist es her, seit dem letzten ADC-Spitzenkräftegipfeltreffen – und nun folgt schon das nächste. In einer immer schnelllebigeren Zeit nur allzu konsequent. So bewegen auch wir uns einmal mehr in Richtung Halle 5 des Frankfurter Messegeländes, um allen zu zeigen, daß sich der unbeschreiblich unbestechliche Meerschweinchenreport nach wie vor regt und seine Texte pflegt.

Zu selbstreferentiell? Nein. Wer sich auf Blick-, Sprach- und womöglich sogar Körperkontakte mit waschechten Vollblutwerbern vorzubereiten hat, der sollte sich vorab mit ihrem Selbstverständnis aus der intellektuell unbequemen Ich-Perspektive hinreichend auseinandersetzen. Wir tun das.

Durch immer knapper bemessene Topkreativenhonorare droht die Unterernährung. Das Gegenmittel: Meditieren, meditieren, meditieren – bis die Tischplatte durch das Gehirn gewachsen ist. Nur fünf Minuten auf dem ADC-Holodeck und die Patienten fühlen sich anschließend wie neugeboren.

Und zwar mit dem größten Vergnügen. Denn wie stellt das Vorstandsmitglied Hans-Peter Albrecht (ADC) doch so hübsch und treffend fest: «Der ADC ist eine unglaubliche Institution. Er vereint 560 Egoisten – und es funktioniert.» And, most importantly: Er trägt dasselbe T-Shirt, das er schon anläßlich der President’s Lecture von Sir John Hegarty im Hause Berlin School of Creative Leadership trug. Professionell wie wir sind, sprechen wir ihn darauf an. Versuchsergebnis: Der Mann ist glücklich, hat Spaß mit sich selbst; bei ihm ist von Schmerz weit und breit nichts zu spüren.

Damit hatten wir nicht gerechnet. Hm. Gibt es etwa einen unterbewußten und somit unfühlbaren aber dennoch existenten Schmerz, der die ADC-Themenwahl «Geld» trotzdem legitimieren würde – so wie Gottfried Benn etwa über die Existenz des unterbewußten Glücks nachdachte? Falls ja, so dürfte Geld doch überhaupt kein Thema sein. Ist es aber. Und über Glück wird seit einiger Zeit auch an jeder Ecke philosophiert. Gibt es also doch kein unterbewußtes Glück? Oder ist das unterbewußte Glück in persona so unglücklich über seine Schattenexistenz, daß es in das Unterbewußtsein des Menschen immer und immer wieder eindringt und es dazu nötig, in aller Öffentlichkeit über das Glück nachzudenken, damit es sich selbst auch mal im Lichte der Medien sonnen – und endlich auch mal glücklich sein darf? Und schließlich: Besteht zwischen Glück und Geld möglicherweise doch ein noch genauer zu definierender Zusammenhang? Wir werden es herausfinden. Vielleicht nicht heute. Aber wir werden es.

Die wahren Avantgardisten sind die, die ihrer Zeit so weit hinterherhinken, daß sie ihr schon wieder meilenweit voraus sind: So wie Diogenes einst in seiner Tonne, so macht es sich dieser Kreative auf einem Sitzsack im Schutze einer sorgfältig verarbeiteten Tischplattenunterseite gemütlich – und beobachtet verständnislos das geschäftige Treiben. Diogeneses Idee war denkbar einfach: Wenn alle Menschen arbeiten, um so viel Geld zu verdienen, daß sie nie wieder würden arbeiten müssen, so sei es doch wesentlich konsequenter – und auch effizienter –, von vorne herein nicht zu arbeiten.

So kritzelte es denn auch konsequenterweise ein Ideengeber- und -brütler auf die ADC-Ideenwand: «Geld ist die Idee von gestern.» Aber ist sie das wirklich?

Kein Wunder, daß den Regierenden seit Diogenes der Gedanke, daß das Volk genug Zeit zum Nachdenken haben könnte, mehr als nur einfach ein Dorn im Auge war. Die Nazis propagierten erfolgreich: «Müßiggang ist aller Laster Anfang.» Ein seltsamer Sinnspruch, der sich erfolgreich bis in die meisten Gehirne der heutigen Generation durchgefräst hat. «Ora et labora» nannte die Kirche bereits ihr Haltet-die-Schäfchen-vom-Denken-ab-Programm. Und falls solche einfachen Rezepte nicht ausreichten, wurde mal eben ein fremdes Land unter Beschlag genommen, um von innenpolitischen Problemchen abzulenken.

Die ADC-App kommuniziert mit seinen geldkranken Patienten durch vom menschlichen Auge kaum wahrnehmbare Leuchtintervalle. «Das Leben ist schön. Das Leben ist rosa. Das Leben ist ADC!» morst das Hightech-Taschentelefon – und der zu Gesundende genießt die heilende Wirkung plötzlich aufkeimender Regungslosigkeit.

Auch auf dem Holo-Holodeck der beiden hessischen Ministerien für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung sowie für Wissenschaft und Kunst sind die Festivalsbesucher der Wirkung einer kontinuierlichen Glücksbehandlung in wohltuender- und kostenloser Weise ebenfalls konsequent ausgesetzt.

Aber wie hält man Menschen vom Nachdenken ab, wenn Sie mit Arbeiten nicht mehr ruhig zu stellen sind, weil es immer weniger Arbeit zu verteilen gibt? Und wie fällt man in fremde Länder ein, wenn das In-fremde-Länder-einfallen für Staatschefs auch immer risikoreicher wird? Richtig! Eine neue große mediale Beruhigungspille Marke iPhone mit seinen Millionen von Apps muß her. Das große Gesamtziel: Dem Menschen sämtliche Tätigkeiten, für die er normalerweise sein eigenes Gehirn einsetzt, durch den Ersatz sogenannter App-Funktionen abzunehmen.

Erste Erfolge konnten bereits verbucht werden: So fuhren mehrfach Trucker mit ihren Vehikeln in den Straßengraben oder sogar in einen parallel zur Straße verlaufenden Fluß, nur weil sie ihr Navigationsgerät aus einer nicht nachvollziehbaren Laune heraus dazu aufforderte: «Jetzt rechts abbiegen!» Der Endsieg wäre erreicht, wenn dem Menschen der Gebrauch des eigenen Gehirns so fremd geworden ist, daß er es sich aus eigenem Wunsch herausnehmen läßt, um den freigewordenen Platz sinnvoller zu nutzen, beispielsweise als Aufbewahrungsort für sein neues iPhone: No brain, no pain.

Wie? Sie können mit unserer düsteren Prognose nichts anfangen? Unter uns: Wir auch nicht. Aber es schreibt sich so schön. Und was den Erfolg von Prognosen angeht, so hat kürzlich die großartige Redaktion von «hr2 – Der Tag» eine sagenhaft gute Sendung mit dem Arbeitstitel «Es wird böse enden: Vom Unfug der Prognosen» kreiert. Wir sprechen explizit eine Download-Empfehlung aus.

Kein Zweifel: Die gesamte Weltbevölkerungsgesellschaft steht vor einem riesigen Umbruch. Nur der Club of Rome nicht. Der düsterlt munter weiter vor sich hin, so als ob es kein Morgen gäbe. Um zu eroieren, welchen «Morgen» es diesmal betreffen könnte, finden überall auf dem ADC-Kongress eilig einberufene «Mobile Runde-Tisch-Gespräche» statt. Meerschweinchenreport tipt auf die Montag- möglicherweise aber auch Freitagmorgende, die in absehbarer Zeit aufhören werden zu existieren. Schade eigentlich.

Doch weiter im Kontext: Steuert unsere globale Gesellschaft tatsächlich einer Lebensform entgegen, so wie sie H.G. Wells in seiner Zeitmaschine beschrieb? Oder doch mehr so, wie es eine Sequenz aus dem Walt-Disney-Streifen WALL-E darstellt: Überfettete Menschen, die jegliche Körperbewegung unfähig zu Vollziehenden, schweben auf aufblasbaren Gummi-Donuts über das Deck eines Gigakreuzfahrt-Liners, vertilgen Super-Size-Me-Portionen an Fastfood; und der einzige emotionale Höhepunkt des Tages besteht darin, daß «Rot ist jetzt blau» über die Lautsprecheranlage erklingt, worauf sich alle rote Flächen in blaue verwandeln. Brauchen solche Kreaturen eigentlich noch Geld? Und wer wäre in einer solchen Welt für die Werbung verantwortlich? Oder wird es doch eine Mischung aus den literarischen Prognosen der beiden Herren George Orwell und Aldous Huxley geben, nur alles noch viel bunter, noch viel toller und noch viel spaßiger? Wenn man sich das Treiben der Herren Facebook, Google & Friends ansieht, so ist auch das durchaus vorstellbar. Oder, und auch das ist unserer Ansicht nach nicht gänzlich auszuschließen: Bleiben wir zukünftig alle zu Hause, weil ein revolutionäres Gen-Patent entwickelt wurde, das es uns erlaubt, morgens zum Frühstück unsere eigenen Gliedmaßen zu verspeisen, weil sie noch am selben Nachmittag wieder vollständig nachgewachsen sein werden? Well, zumindest das wird ein engagierter EU-Kommissar rechtzeitig zu verhindern wissen…

Der ADC sagt: «Ideen sind das Geld von morgen. Deshalb wird ein Tragebeutel, in dem Ideenprodukte spazieren geführt werden, automatisch zu einem Geldbeutel» Die Polizei vertritt jedoch immer noch die Auffassung, daß es ganz schön fahrlässig ist, sein Geld so offen und ungeschützt mitsichzuführen. Vielleicht sollte man beide Parteien mal zu einer Podiumsdiskussion einladen…

Mal was Grundsätzliches zum Thema Geld: Wir alle kennen das Spiel Monopoly? Klar. Es geht so aus, das am Schluß einer immer alles hat, und alle anderen nichts. Dann wird ein neues Spiel angefangen – und alle haben wieder dieselben Startvoraussetzungen. Solche Vorgänge hat es auch schon in der ganz realen Menschheitsgeschichte mehrfach gegeben, nur daß dabei unangenehme Begleiterscheinungen mit einhergingen; beim letzten Mal waren beispielsweise zwanzig Millionen Tote zu verbuchen. Wäre es also nicht schön und sinnvoll, zur Abwechslung mal zu einem möglichst frühen Zeitpunkt unvermeidbare Entscheidungen zu treffen und die daraus resultierenden Maßnahmen einzuleiten, da es dem gros der Bevölkerung noch nicht nötig erscheint, sich dabei auch noch gegenseitig die Fresse polieren zu müssen?

Wir fragen das ideologisch ganz unverbohrt, haben weder sozialistische, kommunistische oder imperialistische Thesen als hehre Ideale im Sinn. Grundsätzlich ist Geld etwas sehr Schönes. Man kann sich davon einen Kühlschrank kaufen. Oder ein neues Lattenrost fürs Bett. Außerdem sähe unsere Redaktionsyacht mit einem Mahaghonifußboden konsequent schicker aus. Ohne Geld lassen sich solche Anschaffungen erfahrungsgemäß leider nicht realisieren. Allerdings ist es auch nicht so schön, als Wohlhabender zum Einkauf weite Teile des Stadtgebietes mit einem Helikopter überfliegen zu müssen, weil man andernfalls Gefahr liefe, überfallen, ausgeraubt oder gar gelyncht zu werden.

Schon John F. Kennedy wußte: «Wenn wir den Ärmsten in unserer Bevölkerung nicht eine Mindestmaß an Einkommen zusichern, das ihnen erlaubt, ein ganz normales Leben zu führen, so werden die Reichen weder ihr Eigentum noch ihr Leben mit keinem Geld dieser Welt schützen können.» Was auch immer die Kennedys waren, oder auch nicht waren, mit Sicherheit waren sie jedoch keine Kommunisten.

Sind Wolken die geldgesegneten Segel der kreativen Vernunft von morgen?
Eine Frage, die uns zur Abwechslung mal nicht interessiert.

Irgendwie sind «Gott, Hammer & Co.» dieses Jahr das ganz semi-große Thema: In einem aufwendigen Hornbach-Spot im Look der (goldenen) 1920er Jahre baut Noah seine Arche und die Hochschule RheinMain textet martialisch in direkter Nachbarschaft von möglicherweise noch zu zertrümmernden Paradiesäpfeln und unter der akribischen Aufsicht von Prof. Rüdiger Pichler: «Du mußt herrschen und gewinnen», «Du mußt steigen und sinken» bzw. «Du mußt zuschlagen und heulen». Vielleicht haben wir nur deshalb noch keine ernstzunehmende Revolte auf der Straße, weil die vielen Unzufriedenen ihre Aggression und ihren Frust heimlich beim Eigenheimfreislern abbauen und wegflennen. Aber, ähm räusper, wollten wir nicht eigentlich mehr weg vom Krieg und dafür mehr hin zur hippen, schicken Üper-Hüper-App mit eingebauter Glücksgarantie?

Der Referent auf dem ADC-Holodeck weiß ganz genau: «Über Geld spricht man nicht. Geld hat man.» Aber er sagt es nicht. Stattdessen reflektiert er darüber, daß der Mensch mit ca. 20 Jahren körperlich ausgewachsen sei, diese Körpergröße bis etwa zu seinem 65. Lebensjahr beibehalten werde – und dann langsam zu schrumpfen beginne. Aber, so führt der Weitsichtwissenschaftler aus, auch da fühle sich der Mensch noch mächtig und prächtig. Und so verhalte es sich – das ist seine begnadete Schlußfolgerung – derzeit mit unserer globalen Wirtschaft auch. Grund zur Panik gäbe es also keine.

Wer so viel durchreflektierte Weißheit zu versprühen weiß, dem bleibt das Schicksal, in seinem nächsten Leben als Spraydose wiedergeboren zu werden, schlicht erspart.

Was uns ein bißchen am diesjährigen ADC-Festival irritiert, ist, das ein Thema gewählt wurde, das man in dieser Form eigentlich nicht öffentlich thematisieren sollte, es sei denn es geht um die Erhöhung des Entwicklungshilfe-Etats der Bundesregierung: Geld. Denn wer öffentlich über mangelnde Bezahlung klagt, der ordnet sich selbst der Gruppe von Erfolglosen zu. Und mit denen will niemand etwas zu tun haben. Jedenfalls keine vom Erfolg Gesegneten. Und: Darf man von Führungskräften, die immer noch ihre geschätzten 30.000,- bis 40.000,- Euro im Monat an Gehalt einstreichen, nicht erwarten, daß sie in der Lage sind, ihren Kunden klar zu machen, daß Qualität immer noch anständig zu bezahlen ist? Oder müssen wir erst George Bernhard Shaw bemühen? Er stellte fest: «About quality you are worried only once – when you pay. About mediocrity every day.»

Mit der Qualität und dem Geld ist das allerdings schon immer so eine Sache gewesen. War die KLF-Aktion, am 23. August 1994 auf der schottischen Insel Jura genau eine Million Pfund Sterling verbrannt zu haben, eine qualitativ gehaltvoll Performance – oder eher weniger? Fakt ist, daß es eine Menge Wohltätigkeitsorganisationen gegeben hätte, die genau gewußt hätten, wo man das Geld sinnvoller hätte einsetzen können. Fakt ist aber ebenso, daß es Bill Drummond und Jimmy Cauty zunächst um eine Geldausstellung ging, die jedoch von verschiedenen Ausstellungshäusern, u.a. auch von der Tate Gallery, abgelehnt wurde, wodurch sich die beiden Egozentriker möglicherweise emotional in die Enge getrieben fühlten – und eine der bemerkenswertesten Trotzreaktionen in der Geschichte menschlicher Trotzreaktionen durchführten: sie verbrannten tatsächlich ihr letztes Geld: eine Million Pfund Sterling. Jeder spätere Versuch, die aschlichen Überreste zu einem einzigen Ziegelstein zusammengefaßt und komprimiert für eben jene eine Million Pfund Sterling als Kunstobjekt an einen potenten Sammler zu verkaufen, schlug fehl.

Hat man als Rezipient erst einmal die verschiedenen Stadien der Kunstreflexion in dieser Sache durchlaufen, so steht am – zumindest unserem vorläufigen –Kunstreflexionsendergebnis fest, daß diese Performance eines verdeutlicht: Die einen sehen in Geld lediglich ein Mittel zum Zweck, für andere wiederum ist Geld nichts als Selbstzweck.

Und so sind wir dem Art Director’s Club dann doch dankbar für die Themenwahl, da sie es uns erlaubt, nicht vorwiegend über Werbung oder Gestaltung sondern primär über das Pekuniäre nachzudenken. Deshalb interessiert uns eigentlich nur die Beantwortung einer einzigen Frage: Warum war dem vorstehend beschriebenen «Geldbeutel» eigentlich kein auf das Haus des Hauptsponsors bezogenes Sparbuch mit einem Startguthaben von, sindwirmalgroßzügig, Euro 100,- pro Kopf und Nase beigefügt? Oder war es das tatsächlich? Wir haben den Beutel nicht untersucht, geschweige denn einen angefordert. Aber jetzt, da uns der Gedanke kommt: Wir hätten gerne auch so einen «Geldbeutel»! Falsch: zwei!! Nein, drei!!! Quatsch: vier!!!! Wobei: Sind wir nicht fünf Redaktionsmitglieder? Unter Miteinbeziehung unserer ehemaligen Lieblingsvermieterin sind wir sogar zu sechst!!!!!!

Es ist das Vorrecht rebellischer Jugend, in der Öffentlichkeit als gelduninteressiertes, widerspenstiges Etwas wahrgenommen zu werden. Hier das Kommunikationsprinzip Totale Verweigerung im Schafspelz der vorgespiegelten Systemkritik: «Schaut nicht auf das, was Euch kaputt macht!» Vielleicht ist es aber auch mehr die hinterfragende Nummer: «Hat nicht jeder Mensch irgendwie einen Balken im, am oder zumindest vorm Kopf?» Möglicherweise handelt es sich aber auch um einen Appell an das menschliche Unterbewußtsein, zukünftig weniger Bäume zu fällen. Wir wissen es, ehrlich gesagt, nicht so genau.

Verkaufsförderung aktiv: Wer ein Nobelautomobil an einen Nobelkunden verkaufen möchte, der kann sich besonders glücklich schätzen, wenn er dabei ein Mannequin zum Einsatz bringen kann, dessen kraftvolle Körpersprache überzeugend zu vermitteln vermag, daß es beim Erwerb eines fahrbaren Untersatzes eigentlich um ganz andere Dinge geht.

Durch die sich weltweit verändernden Finanzsituationen im Sekundentakt drängt es viele in den Kunstmarkt, auch wenn sie dafür nie studiert haben. So beispielsweise auch den schweizer Ausnahmekünstler Josef Ackermann, der mit seiner intellektuell gehaltvollen Skulptur «Anton Stankowski meets Ellsworth Kelly» brilliert. Sotheby’s schätzt den Wert des kürzlich erst entstandenen Exponates auf mehrere Millionen Pfund Sterling. Damit blieb die Einschätzung der Kunstsachverständigen allerdings deutlich hinter der Erwartung Ackermanns zurück, wobei dieser es gelassen nimmt, konnte er doch schon in der Vergangenheit souverän zeigen, daß er Schicksalsschläge dieser Art gut wegstecken kann.

Bleiben wir noch für den Hauch einer Zeiteinheit bei der Kunst: Jüngst ging «Der Schrei» von Edward Munch in New York bei Sotheby’s für sageundschreibe $ 120m über die Theke. Das beeindruckt die kreative Jugend von heute natürlich schon irgendwie – und so fühlt sich verständlicherweise manch einer von ihnen zur Nachahmung eingeladen. Ob die hier dargebotene Arbeit «Der Geld-Schrei» allerdings eine ähnlich hohe Summe zu erzielen vermag? Das Gesicht des Auktionators (rechts neben der Arbeit) scheint die Antwort bereits zu kennen.

Während unserer Recherche begegnen wir auch dem Jury-Vorsitzenden Hartmut Esslinger von der legendären Designschmiede Frogdesign bzw. von design mind. Er möchte aber nicht zwingend und schon gar nicht gerne fotografiert werden. «Da sind zu viele Fältchen unterwegs» sagt er und grinst vielsagend. Entgegen seiner eigentlichen Erwartung beherzigen wir seine Bitte und verwickeln ihn stattdessen in ein kurzes Gespräch:

Hamlet Hamster
Wie? Ist Ihnen etwa Ihre Hormocenta ausgegangen?

Hartmut Esslinger
Wie? Placenta? (er grinst)

Hamlet Hamster
Hor-mo-cen-ta! Marika Rökk machte einst Werbung für sie. Eine Antifaltencrème. Außerdem sang sie «Ich brauche keine Millionen. Mir fehlt kein Pfennig zum Glück. Ich brauche weiter nichts, als nur Musik, Musik, Musik, Musik.» Eigentlich DIE große ADC-Festivals-Hymne für dieses Jahr. Ma-ri-ka Rökk! Das müßte so Ihre Generation sein. Erinnern Sie sich nicht mehr?

Hartmut Esslinger
(dann doch etwas irritiert)

Hamlet Hamster
Mal was ganz anderes: Auf einer der vielen Schrifttafeln steht zu lesen: «Gestalter sind die Vitamine der Zukunft». Bisher sind wir immer felsenfest davon ausgegangen, daß der Gestalter so eine Art Freinrippunterhemd in einer barock anmutenden Waschmaschinenladung darstellt, also, um es konkreter zu formulieren, daß das Feinrippunterhemd sozusagen als der Otl Aicher unter den barocken Unterhemdbekleidungsmöglichkeiten für Herren anzusehen ist – womit im logischen Umkehrschluß der Gestalter bzw. speziell Otl Aicher in Gleichnissen eher als Feinrippunterhemd denn als Vitaminpille zu bezeichnen wäre. Haben wir in der Vergangenheit da etwas falsch verstanden, oder sind die Zeiten, in denen wir jetzt leben, schlicht andere geworden?

Hartmut Esslinger
Sehen Sie, ich habe es eilig. Verstehen Sie mich nicht falsch. Das ist ein interessanter Gesprächsansatz. Ich muß aber jetzt weg. Können wir uns übermorgen wieder treffen. Nach der Preisverleihung vielleicht? Das käme mir sehr entgegen.

Hamlet Hamster
Herr Prof. Esslinger, alles, was wir in Erfahrung bringen wollten, haben wir in Erfahrung gebracht. Wir bedanken uns bei Ihnen recht herzlich für das spontane Kurzgespräch und wünschen Ihnen für die Zukunft nur das erdenklich Beste!

Mit den Gestaltern ist es doch immer wieder das Gleiche: Kaum einer von ihnen ist bereit, sich spontan auf pseudo-logisch klingenden Schwachsinn einzulassen. Und von denen, die es tun, haben am Markt die meisten bedauerlicherweise keinen Bestand. Hätte er doch wenigstens «Wenn das so ist, dann ist aber Max Bill viel mehr Feinripp als es Otl Aicher jemals gewesen ist», oder so, vor sich hin gemurmelt, wir wären entzückt gewesen, ihm die vollen 100 Punkte zuzugestehen. Aber so?

Aber so können sich Herr Prof. Hartmut Esslinger entspannt zurücklehnen, da das vorstehende Gespräch in Wahrheit nie stattgefunden hat.

Wo waren wir eigentlich nochmal stehen geblieben? Ach ja, beim lieben Geld. Gab es eigentlich jemals eine einzige Situation in der Geschichte der Menschheit, da es sich in letzter Konsequenz nicht um das geschätzte Zahlungsmittel drehte? Und wird es jemals eine Situation in der Menschheitsgeschichte geben, in der das nicht der Fall sein wird? Hm?

Auch ein Weg, eine sparsamere Lebensweise zu propagieren.

Schließlich und endlich kommen wir nicht umhin, festzustellen: Wenn die derzeit angebliche Geldknappheit dazu führen sollte, daß Werbeleute von bestimmten Unarten aus dem Reich der unbestimmten Lebensführung endgültig Abschied nehmen, so hätte das möglicherweise genau den Vorteil, daß mit den dadurch wiedererlangten Zugängen zu längst totgeglaubten Gehirnregionen und -kapazitäten die Qualität von Kommunikationsvorschlägen steigen wird. Vorstellbar ist das.

Einerseits. Andererseits sollte aus dieser Annahme kein Automatismus erwachsen, denn der hier gegenständliche Entwurf ist nur scheinbar gut, so wie Seniorenprodukte, die von so-called Twenty-Somethings entwickelt wurden, die man zuvor (hoffentlich gegen ihren Willen) in einen sogenannten Alterungssimulationsanzug gezwängt hat, eben nur bedingt gut sein können. Auf dem Titelbild sind beispielsweise keine Krücken sondern ganz normale Spazierstöcke abgebildet, die von Vertretern quer durch sämtliche Altersgruppen, beispielsweise bei Gebirgswanderungen, genutzt werden.

Außerdem ist das Magazin «Die Krücke» so in den Gehstock eingespannt, daß es auf dem Kopf hinge, würde das Gesamtwerk dem potentiellen Leser korrekt am Haken hängend präsentiert. Dem Prinzip «Form Follows Function» folgend, können Produkte für Senioren nur von Senioren entwickelt und gestaltet werden. Das hat u.a. etwas mit der entsprechenden Lebenserfahrung zu tun, die in den Produkten mitzuschwingen hat. Auch würden von Senioren gewöhnliche Spazierstöcke sprachlich nicht mal eben zu Krücken umgeformt werden.

Alles in allem war es ein nützliches und informatives Werbe-Festival, wobei wir es lieber gesehen hätten, der ADC würde sich mehr für die Interessen von Erdbeeren engagieren, damit diese in ferner oder naher Zukunft nicht irgendwann einmal vom Aussterben bedroht sein werden. Wobei wir Birnen und Kirschen als ebenso schützenswert erachten. Keine Frage. Wir erwarten, daß der ADC mal in diese Richtung denkt und uns in absehbarer Zeit unaufgefordert ein entsprechendes Exposé mit zu ergreifenden Maßnahmen vorlegt. Schließlich sind wir ja gar nicht so, man kann mit uns über alles reden.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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