Der direkte Film: Paul Watzlawick ist tot.

12 Apr

filbinger

Der am 1. April diesen Jahres verstorbene Autor, Philosoph, Soziologe, Psychotherapeut, Kommunikationswissenschaftler und weltweit durch seine Geschichte mit dem Richterhammer bekannt gewordene Psychoanalytiker Paul Watzlawick überlegte es sich kurz vor seinem Tode anders und verstarb bereits einen Tag früher, nämlich am 31. März diesen Jahres in Palo Alto, CA.

Seine Kindheit verlief tragisch, faustisch, deutsch-österreichisch, aber Anfang der 1940er Jahre machte er in seiner Eigenschaft als verkannter Widerstandskämpfer vier begriffsstutzige Marinesoldaten in liebevoll gestalteten Nachhilfestunden mit den Geheimnissen seiner Anleitung zum Unglücklichsein vertraut; und bewies – eher nebenbei – die Kraft verklärter Sozialromantik im Selbstbezug. Aber auch seine Dialektische Dualistik der Tragödie bzw. Tragische Dualistik als Dialekt sehnte sich nach gesellschaftlicher Anerkennung, so daß er abermals mit gutem Beispiel voranschritt und sich vor knapp zwei Wochen die Kugel gab, indem er sie sich nicht gab; wobei er sie sich gerne gegeben hätte, wäre er im Besitz einer solchen gewesen. Denn was damals recht gut funktionierte, muß auch heute recht gut funktionieren dürfen.

Vor so viel aufrichtiger Konsequenz kann man nur seinen Hochhuth (aus dem Verkehr) ziehen.

Photograph: Hans Filbinger

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Len Lye: Der direkte Film

Auszug aus Wikipedia: “Lye wurde in den 1930er Jahren ein früher Pionier des künstlerischen Experimental- und Farbfilms; er setzte das Gaspar-Color-Verfahren ein, das der ungarische Chemiker Bela Gaspar erfunden hatte. Zentral für dieses Verfahren war ein Spektrograf, eine Kamera, die das Licht in sein Spektrum zerlegt und für jede Lichtfarbe ein monchromes Bild erzeugt. Drei monochrome Bilder wurden dann zu einem neuen Farbbild kombiniert. Lye hat das Verfahren verwendet, um existierendes Schwarz-Weiß-Filmmaterial und Fotoschablonen in brillanter Farbensymbolik zu kombinieren.

Als Filmemacher schuf Len Lye „direkte Filme“, die ohne Kamera auskamen: In Free Radicals (1958) oder etwa Colour Flight – sponsored by Imperial Airways (zweiter, hier vorgestellter Film) benutzte er etwa schwarzes Filmmaterial und bekratzte die Beschichtung. Das Ergebnis war ein tanzendes Muster aufleuchtender Linien und Strukturen, die an dramatische Blitze in nächtlichen Himmel erinnern.” (…) “Lye war ein Einzelgänger, der schwer in die üblichen kunsthistorischen Kategorien und Stile einzuordnen ist. Obwohl er nicht berühmt geworden ist, kannten seine Arbeit viele Filmemacher und kinetische Bildhauer – er kann als ein „Künstler für Künstler“ gelten, und seine Neuerungen übten internationalen Einfluss aus. Seine Zeitgenossen erinnern sich an eine farbenfreudige Persönlichkeit, die überraschende Kleidung trug, und seinen unorthodoxen Vortragsstil (er lehrte drei Jahre lang an der New York University).”

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