Andy Warhol über Partnerschaft, Liebe und Sex

14 Apr


„Liebesaffären nehmen einen völlig in Anspruch, obwohl sie es eigentlich gar nicht wert sind. Aber wenn man aus irgendeinem Grund glaubt, daß sie es doch sind, sollte man genauso viel Zeit und Energie einbringen wie der Partner. Mit anderen Worten: ‚Wie du mir, so ich dir.’
Man hat so seine Probleme mit der Liebe, wenn man immer nur auf der Suche nach einer Via Veneto ist und nach dem Soufflé, das nie zusammenfällt. Es sollte einen Grundkurs über Liebe geben. Mit den Themen Schönheit, Liebe und Sex. Und das Thema Liebe sollte am ausführlichsten behandelt werden.
(…) Aber dann glaube ich auch wieder, es funktioniert vielleicht genauso gut, wenn man über alles im dunkeln gelassen wird, denn wenn man wirklich genauestens Bescheid wüsste, hätte man für den Rest des Lebens nichts mehr, worüber man nachdenken und wovon man träumen könnte, und man würde vielleicht verrückt, wenn man über nichts mehr nachzudenken hätte, weil man jetzt so lange lebt und einem nach der Pubertät so viel Zeit für Sex bleibt.
(…) Die längeren Lebensspannen sind der Grund dafür, daß die alten Wertvorstellungen über Bord geworfen werden und sich kein Mensch mehr nach ihnen richtet. Als die Leute früher mit fünfzehn aufgeklärt wurden und mit fünfunddreißig starben, dürften sie naturgemäß weniger Probleme gehabt haben, als die Leute heute, die mit, sagen wir mal, acht Jahren über Sex aufgeklärt werden und dann achtzig Jahre alt werden. Das ist eine lange Zeit, wenn man immer mit demselben Konzept herumwerkeln muß. Mit demselben langweiligen Konzept.
Eltern, die ihre Kinder wirklich lieben und die möchten, daß sie im Leben sowenig unzufrieden sind wie nur irgend möglich und daß sie sich sowenig wie möglich langweilen, sollten auf die Praxis zurückgreifen und Verabredungen mit dem anderen Geschlecht erst möglichst spät erlauben, damit ihre Kinder über lange Zeit etwas haben, worauf sie sich freuen können.“
(…)
Aus „Die Philosophie des Andy Warhol von A nach B und zurück“; © 1975 Andy Warhol

Nun wissen wir, was der Citizen Kane der Kunstwelt, dessen Vermögen nach seinem Ableben auf 600 Millionen US-Dollar geschätzt wurde, über Liebe und Sex offiziell dachte. Was er wirklich über dieses Thema dachte, das wissen wir nicht, denn zu Andy Warhols Kommunikationstechniken gehörte die vorsätzliche Verwirrung der Rezipienten. So sagte er über sich selbst: „Ich war stets der richtige Mann am falschen Ort oder der falsche Mann am richtige Ort. Das hat etwas mit Karriere zu tun. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, aber davon verstehe ich etwas!“

So beeindruckend dieses Filmchen auch ist, so sehr wirft es in mir die Frage auf, ob unsere Gesellschaft nicht langsam aber sicher dazu übergehen sollte, Kleinkinder wieder früher ins Bett zu schicken.

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  1. DOCUMENTA12 – Der Künstler Lee Paige schießt sich direkt und aufklärerisch ins Bein! « meerschweinchenreport.de - June 2, 2007

    […] betreffend ihre Transparenz erfahren. Mit letzteren huldigt Paige auch ganz direkt Andy Warhols Krankenhausaufenthalt, der im Anschluß an das auf ihn verübte Schußwaffenattentat von den […]

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