Glenn Gould spielt Bach!

24 Aug

Ein Auszug aus der Dokumentation The Art of Piano, in dem Glenn Gould Bachs Partita Nr.2 spielt. Die Amazon-Redaktion nennt Glenn Gould unerschrocken den unerschrockenen Innovator Glenn Gould”.

Es dämmerte bereits abendlich, eigentlich wollte ich noch in die Stadt, quälte mich aus den Federn, suchte im Radio nach geeigneter Duschmusik, blieb jedoch bei einer seltsamen Lesung hängen, deren eigenwillige Tonalität mich dazu veranlaßte, nicht zu duschen und nicht in die Stadt zu gehen, sondern mich wieder ins Bett zu legen, um gebannt der kein Ende findenden Textverarbeitungsmaschine zuzuhören. Nach fünf, oder vielleicht auch sechs Stunden schloß der Lesende sinngemäß mit den Worten: “So, das war’s. Ich möchte mich dafür entschuldigen, daß ich mich ein paar Mal verlesen habe, aber ich war vorher 16 Stunden in der Gastronomie tätig. Ich hoffe, daß es Euch gefallen hat.” Was war das? Ganz einfach: das war mein damaliger Erstkontakt mit Radio RheinWelle 92,5. Und von da ab mein Sender.

Es ging um “Wertheimer, Glenn und ich”, die alle drei in Salzburg am Klavier studieren. “Wertheimer und ich” zerbrechen beide, als sie durch das Genie Goulds ihre eigene Mittelmäßigkeit erkennen müssen, was es ihnen verunmöglicht, ihr Klaviersstudium fortzusetzen. Und wenn man Glenn Gould so spielen sieht, dann ist das auch nicht weiter verwunderlich. Eine Wahnsinnsgeschichte. Leider hatte ich nicht mitbekommen, wie das Stück heißt und wer es schrieb. Einige Jahre später saß ich der Schweizer Galeristin Esther Woerdehoff gegenüber, erzählte ihr davon und sie sagte spontan: “Der Untergeher” von Thomas Bernhard (Kurzrezension hier).

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2 Responses to “Glenn Gould spielt Bach!”

  1. Wolf August 25, 2007 at 4:25 pm #

    Glenn Gould hat man normalerweise zu Hause, weil’s die Aufnahmen zu einem verbraucherfreundlichen Preis-Leistungs-Verhältnis im lokalen Zweitausendeins gibt. Drei Minuten visueller Eindruck vom Künstler bei der Arbeit, und es erhellt, dass der Mann nicht deswegen Rock&Roll ist, weil er so toll lustig irgendwas parodieren kann, sondern weil er sein Zeug ernst nimmt. Wird der eigentlich noch der Jugend zum Vorbild gestellt?

  2. Hamlet Hamster August 27, 2007 at 12:14 am #

    Hi Wolf,

    schön, mal wieder was von Dir zu hören. Ich denke nicht, daß Glenn Gould jemanden parodiert. Das Fernsehen war da, und er stellte sich und seine Arbeitsweise möglicherweise etwas akzentuierter als sonst dar. Auf den meisten seiner Aufnahmen, wenn es nicht gerade Klavierkonzerte sind, ist sein Gesumme und Gesinge auch deutlich zu vernehmen.

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