Marketing Services – Das Schöne ist auch immer zugleich das Gute und das Nützliche.

18 Jun

Besucher der Marketing Services sind für gewöhnlich gut drauf, überblicken so einiges und sind neuen Dingen gegenüber ungemein hoch- und inhaltlich aufgeschlossen.

Marketing Services – das Schlaraffenland entschlaffter Karaffen. Marketing Services – das wundersame Wunderlampenland. Marketing Services – das notwendige Etwas mit dem gewissen Etwas, mit dem gewissen Biß, erhältlich im bißfesten Bißcount – Letzteres eine neue Wortschöpfungskombination, das gebe ich unumwunden zu, aber genauso muß und sollte man sich die gängigen, ungängigen und unumgänglichen Kundenumwerbungsprodukte vorstellen. Sie sind von Nutzen oder auch nicht; sie helfen beim Putzen oder auch nicht. Aber die meisten von ihnen sind schön, appellieren an die Verspieltheit ihrer Ansprechpartner aus längst vergangener Kindheitstage: der bedruckte Kugelschreiber oder das kugelnd Bedruckte ist aus dieser unserer Welt gar nicht mehr wegzudenken. Und das ist gut so. Wer Werbegeschenke sammelt, ihnen huldigt oder schlicht gut findet, der führt keine ergebnisorientierten Bleikugelkriege mehr; er umkämpft vielmehr neue und alte Absatzmärkte, Maßeinheiten im Kühlregal des Handels, Speicherplatz in den Köpfen der Weltkonsumenten oder hat nur schlicht und einfach und auf überaus erfreuliche Art und Weise einen an der Waffel.

Hier entsteht ein grundsolider Messestand von Flags and Displays. Das Aufbauteam wird in Kürze ruckzuck fertig sein.

Und so trifft man sie hier alle, die scheinbar traumatisierten Traumartisten, die in Wirklichkeit Einkehr in ihr Inneres halten, über sich selbst reflektieren, sich in diesem Umfeld sogar gelegentlich völlig neu selbst erfinden. Oder die raumaromatisierten Aromafrisierten, die als geerdete Astronauten ihre irdische Raumstationen ausschließlich aus Giveaways zusammenbasteln. Ist das nicht schön? Ja, das ist es. Keine Frage. Aber dafür eine ganz andere: Ist das auch wirklich so? Naja, Charles Paul Wilp schaut sich seit dem 2. Januar 2005 die Radieschen von unten an, Hansruedi Giger ist auch nicht mehr der Jüngste und an Gutfried Helnwein kann sich glücklicherweise kaum noch jemand erinnern. Die meisten der jetzigen Besucher sind nüchtern interessiert, jederzeit ansprechbar, immer mal zu einem kleinen Scherz bereit und verfügen über ein breit aufgestelltes Auffassungsvermögen. Das alles läßt sich locker von den Inhalten der prall gefüllten Show+Sell+Papiertaschen ableiten, die die Messegesellschaft jedem Besucher der Marketing Services kostenfrei am Eingang zur Verfügung stellt.

Sieht alles nach einem gelungenen Richtfest bei Flags and Displays aus…

Die diesjährige Marketing Services in Halle 8 auf dem Messegelände der Messe Frankfurt ist formal betrachtet ein bißchen klein ausgefallen. Das letzte Mal besuchte ich sie vor reichlichen zwanzig Jahren. Das war ein rauschendes Fest. Mehrere Hallen zum Bersten und Platzen gefüllt. Sogar André Kostolany war gebucht, kam und sprach auf einem Stand zu schätzungsweise 400 Zuhörern: „Die Wirtschaft und den Börsenkurs muß man sich ungefähr so vorstellen: Stellen Sie sich eine alte Dame vor, die ihren Hund ausführt. Der Hund läuft vor und zurück, während die alte Dame langsam ihren Weg zurücklegt. Die alte Dame, das ist die Wirtschaft, und der Hund, der vor und zurück läuft, das ist die Börse.

André Kostolany gleich zweimal wiedergeboren? Falls ja, so besucht er gerade den besten Messestand der diesjährigen Marketing Services, nämlich den von Flags and Displays.

Dann warf ich noch irgendwo in einen rotierenden Plexiglaswürfel meine frisch gefertigte Visitenkarte und gewann später bei besagter Verlosung ein kleines rotes Plastikköfferchen, das ich heute noch habe. Parallel dazu fand der Erste Deutsche Marketingtag statt, mit einem Vortrag von Günther Fielmann, der es in sich hatte, und der mir immer noch lebhaft in Erinnerung geblieben ist. Damals war er der erste Brillendiscounter am Markt und wurde von den eher traditionell ausgerichteten Optikerkollegen erheblich bekämpft. Sie sorgten u.a. mit unlauteren Mitteln dafür, daß er nicht mit Brillengestellen beliefert wurde, es gab unerlaubte Preisabsprachen, etc. pp. Günther Fielmann zeigte während seines Vortrages auch einen Filmausschnitt, in dem er in einer Talkshow zu sehen war. Dort saß er inmitten seiner Gegner, die ihm ebenfalls vorhielten, Fielmanns Brillengestelle seien so konstruiert, daß sie sich nicht reparieren ließen. Fielmann präsentierte daraufhin zunächst eines jener Brillengestelle, die von seinen Kritikern verkauft wurden und brach kurzerhand einen der Brillenbügel ab. Sodann schnappte er sich eines seiner eigenen Brillengestelle, verbog es nach bestem Wissen und Gewissen, versah es abschließend noch mit einem Knoten und stellte vor laufender Kamera resümierend fest: „Natürlich lassen sich Brillengestelle von Fielmann nicht reparieren – weil sie nicht kaputtgehen!

Noch einmal richtet sich mein Augenmerk auf Flags and Displays. Harmonisch umgarnen die Farbstreifen die Aufmerksamkeit des farblich Umgarnten, die ihn beiseite und an die Hand nehmen, sein Erinnerungsvermögen auffrischen und schärfen und ihm bei seiner Entscheidungsfindung behilflich sind. Jeder marketingorientierte Kommunikationsexperte, der diesen Stand verläßt, weiß, daß er ihn nicht so schnell vergessen wird – Bridget Riley nebst erstklassigem Thermosublimationsdruck sei Dank.

Und noch ein kurzer Blick auf mein Wolkenhoroskop für die nächsten Tage, das sich mir auf dem Frankfurter Messeparkplatz präsentiert; und eventuell folgende Frage aufwirft: Werde ich auf der Art Basel einem Elefanten begegnen?

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