Zu Guttenberg: Facebook-Fans über das Wochenende hektisch zusammengekauft?

22 Feb

Am Donnerstagabend eröffnete laut Zeit.de der Mainzer Medienunternehmer Tobias Huch im Alter von 29 Jahren, der sich in seinem normalen Berufsleben auf Altersverifikationssysteme für Erotik- und Porno-Seiten im Web spezialisiert hat, auf Facebook die Fanseite «Gegen die Jagd auf Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg». Bis Montagmittag wies besagte Guttenberg-Fanseite auf Facebook bereits über 110 000 Unterstützer, eben sogenannte Fans aus. Während ich diesen Artikel verfasse sind es bereits präzise 194.730, also knappe 200.000 Unterstützer bzw. Fans.

Frage: Wie geht sowas? Möglicherweise genauso wie Sarah Palin und andere Mitmenschen, die hoffen, glauben und beten, ihren Hals innerhalb kürzester Zeit mittels einer starken öffentlichen Meinung – und sei sie auch nur zusammengekauft – aus der Schlinge ziehen zu können, hat eben auch Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg bzw. ein «Fan» von ihm, möglicherweise die «Stimmen» schlicht gekauft.

Widmen wir uns also nun vor diesem Hintergrund dem modernen Online-Mehrheitsbeschaffer uSocial.net: Auf dem ersten nachfolgenden Screenshot können wir sehen, daß der Zukauf von 100.000 Facebook-Fans im Rahmen einer bis zum 14. Februar gültigen Sonderwerbeaktion präzise $4947.30 gekostet hat. Der Erwerb von gleich 200.000 Facebook-Fans schlägt unter den gleichen Voraussetzungen mit $8997.30 zu Buche:

Über welche «Qualitäten» verfügen diese Facebook-Fans? Der zweite Screenshot von der uSocial.net-Seite gibt darüber Aufschluß:

Daß die neuen Facebook-Qualitätsfans auch aktiv in das Fanseitengeschehen eingreifen, darüber steht auf der uSocial.net-Website offiziell nichts zu lesen, aber ein Telefonat mit einer Mitarbeiterin brachte dahingehend Licht in die Sache, daß man mit einem «VIP-Status» weiterführende Leistungen via uSocial.net einkaufen könne.

So viel dazu.

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U*P*D*A*T*E |24.2.2011|U*P*D*A*T*E
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gefunden auf Focus.de

Außerdem stellt der Spiegelfechter fest fest: «Es ist zwar richtig, dass es im Netz dubiose Anbieter gibt, die versprechen für rund 5.000 US$ 100.000 Facebook-Unterstützer zu mobilisieren – jedoch gestehen diese Anbieter, dass sie auch nicht mehr als rund 1.000 Unterstützer pro Woche liefern können.»

Das ist einerseits richtig. Andererseits steht bei uSocial.net in den FAQs explizit ebenfalls: «Generally it takes us around one week to deliver every 1000, however this should be taken as a guide only. In some cases we may deliver much faster than this and very rarely, sometimes slower. Though in most cases, a week per 1000 is a good guide.» Das heißt, daß es im Falle eines Falles um einiges schneller geht. Insbesondere – wie von mir telefonisch in Erfahrung gebracht – mit VIP-Status. Und es gibt eine ganze Reihe weiterer Agenturen, die diesen Service anbieten. Die Anfrage nach künstlichen Facebook-Fans ließe sich also entspannt splitten.

Last but not least veröffentlichte das bekannte US-Blog Daily Kos den Inhalt einer geleakten Mailkorrespondenz zwischen ranghohen Mitarbeitern von HB Gary über die Konzeption eines IT-Projekts, mit dem Kunden zahlreiche virtuelle Identitäten (Personas) zentral verwalten können.

Diese Personas sind dabei nicht nur einzelne Nutzer mit einem anonymen Mail-Account und einem anonymisierten Internetzugang, sondern ausgefeilte Komplettlösungen mit dazugehörigen Identitäten in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter, eigenen Blogs und simulierter Interaktivität untereinander und mit anderen – realen – Nutzern. Feinheiten, wie unauffällige statische und dynamische IP-Nummern und «echte» Mail-Accounts gehören ebenfalls zum Konzept von HB Gary.

Ein solches Konzept erlaubt es beispielsweise dem Kunden, ein ganzes Heer von virtuellen Identitäten zentral zu steuern, sie in Foren, Blogs und sozialen Netzwerken interagieren zu lassen und so den Eindruck zu erwecken, es handele sich um eine ganze Schar von Nutzern, die eine bestimmte Meinung vertreten.

Wer sagt uns, daß eine solche Software, zumindest eine Vorstufe von ihr, nicht schon längst erfolgreich im Einsatz ist…

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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19 Responses to “Zu Guttenberg: Facebook-Fans über das Wochenende hektisch zusammengekauft?”

Trackbacks/Pingbacks

  1. Uneingeschränkte Solidarität mit Dr. zu Guttenberg! « bluthilde - February 22, 2011

    […] Meerschweinchen-Report lobt die strategische Ausrichtung – was Maschmeyer für Schröder ist Tobias Huch für Dr. zu Guttenberg. Nicht alles, was käuflich ist, ist deshalb auch schlecht! […]

  2. Max Steinbeis über Guttenbergs anti-elitäres Ticket « Kritik und Kunst - February 22, 2011

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    […] bei ein paar Facebook klicks gleich glaubte, das Netz stehe hinter Guttenberg? So wie´s aussieht kann man die klicks tatsächlich über Agenturen kaufen und irgendwie werde ich das schale Gefühl n… Jetzt weiss ich wieder nicht was ich schlimmer finden soll, dass die Medien auf sowas reinfallen […]

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    […] toumai1470 Uncategorized Einen Kommentar hinterlassen Am Donnerstagabend eröffnete laut Zeit.de der Mainzer Medienunternehmer Tobias Huch im Alter von 29 Jahren, der sich in seinem normalen Berufsleben auf Altersverifikationssysteme für Erotik- und Porno-Seiten im Web spezialisiert hat, auf Facebook die Fanseite «Gegen die Jagd auf Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg». Bis Montagmittag wies besagte Guttenberg-Fanseite auf Facebook bereits über 110 000 Unterstützer, eben sogenannte Fans aus. Während ich d … Read More […]

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  11. Ich bin ein Minister – HOLT MICH HIER RAUS!!! | Unsterblichkeit - February 23, 2011

    […] passieren, dass keiner durchkommt), mir selbst ist das Geld zu schade. Wenn man heutzutage schon Facebook-Fans kaufen kann … Dieser Beitrag wurde unter Klatsch und Tratsch, Politik, Tagesaktuell abgelegt und […]

  12. Die Pro-Guttenberg-Kampagne im Zwielicht » Spiegelfechter - February 23, 2011

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  13. Dr. Googleberg und seine Facebook Freunde - February 23, 2011

    […] die Kampagne vielleicht über Ads bzw. uSocial geseeded wurde, wie hier von hamlethamster vermutet, klingt logisch, irgendwie muss man den Stein ja zum Rollen […]

  14. Zu Guttenberg: Facebook-Fans über das Wochenende hektisch zusammengekauft? (via meerschweinchenreport) « Paul Jakob van Roerijk - February 24, 2011

    […] Interessanter Artikel, der die ProGuttenberg-Kampagne auf Facebook enttarnt: Am Donnerstagabend eröffnete laut Zeit.de der Mainzer Medienunternehmer Tobias Huch im Alter von 29 Jahren, der sich in seinem normalen Berufsleben auf Altersverifikationssysteme für Erotik- und Porno-Seiten im Web spezialisiert hat, auf Facebook die Fanseite «Gegen die Jagd auf Dr. Karl-Theodor zu Guttenberg». Bis Montagmittag wies besagte Guttenberg-Fanseite auf Facebook bereits über 110 000 Unterstützer, eben sogenannte Fans aus. Während ich d … Mehr […]

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