Phax Poldth: «Romananfangsfragmente und andere Unzulänglichkeiten»

30 May

Bildquelle: Miki gefangen im Netz

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Früher, ja früher, da war er ein angesehener Schriftsteller. Man bewunderte ihn für seinen intellektuell lasziv-dandyesken Schreibstil, der beim Leser den Eindruck erweckte, als mangele es ihm, dem großen Schreibergeist, einfach an gar nichts. Er leistete sich den Luxus, Kaffee mit Salz und Zimt zu würzen – und dieses Konsumverhalten seinen Gegnern, quatsch, Lesern zu empfehlen. Doch seit geraumer Zeit zittern ihm die Finger, leidet er an einer Schreibsperre, kommt er über das Verfassen fragmentarischer Textfetzen nicht mehr hinaus, verbringt er viel zu viel Zeit im Zwischennetz und verbeißt sich in selbstgerechter Manier gnadenlos in Spiegelfechtereien mit einem «bösen» Geist, der ihn eigentlich nur mal hin und wieder freundlich grüßen wollte. Er stumpft emotional ab, ist immer seltener er selbst. Inzwischen von der fixen Idee beseelt, den Auftrag zur Weltrettung erhalten zu haben, geht er kaum noch vor die Tür. Sogar seine Comictextideen nehmen Schaden. Drogen? Das an der Unbeschwertheit nagende Älterwerden? Nein, intellektuelle Verblendung. Schade um das bewährte Phaxgerät.

Er steckte seinen Schlüssel ins Schloß, drehte ihn entschlossenen Geistes um – und dachte dabei an einen Elefanten, der unter der von seiner Großmutter gehäkelten Tagesbettdecke «La mer» von Charles Trenet trompeten konnte. Das Leben könnte ganz schön schön sein. Man müsste es nur wollen!

Das Leben ist ein großer Kindergarten.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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