Sind Autogrammkarten eine Lebensnotwendigkeit?

26 Aug

Meine bisher einzige und nur für kurze Zeit besessene Autogrammkarte war eine Autogrammkarte vom damaligen fünffachen Wimbledon-Sieger Björn Borg. Ich bekam sie von ihm persönlich ausgehändigt – nachdem er sie vor meinen Augen ebenso persönlich signiert hatte. Im juristischen Sinne gehörte mir nun ein echtes Stück Björn Borg. Er saß im Clubhaus des Wiesbadener Tennis- und Hockeyclubs (WTHC) im Nerotal, umrungen und umschlungen von einer Menschentraube, die ihm Tennishemden, Tennisschlägerhüllen, Tennisschuhe, Sportmagazine mit seinem Titelbild usw. usf. anreichte – und er signierte brav und artig eine volle Stunde lang. Nur nicht meinen Hockeyschläger. Das lehnte er ab. So mußte ich mich mit einer original Björn-Borg-Autogrammkarte begnügen.

Bereits auf dem Heimweg betrachtete ich immer und immer wieder mein persönliches Stück Björn Borg, fing an, es dahingehend kritisch zu hinterfragen, wie sich ein damals 14-jähriger eben in der Lage sah, verzwickten Sachverhalten kritisch zu begegnen: «Konnte man sich mit ihr etwa etwas zu essen kaufen?» Nein! Auch sonst erschien mir mein persönliches Stück Björn Borg plötzlich als vollkommen sinn- und wertlos. Kaltblütig versenkte ich es in der nächsten wiesbadenorangefarbenen Mülltonne. Eigentlich erschreckend. Zur Bundeswehr bin ich aber trotzdem nicht gegangen.

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