Hannah Richards: «Your Opinion Is Irrelevant»

3 Sep

Die britische Künstlerin Hannah Richards setzt sich mit Geistesphänomenen intensiv auseinander. So auch mit dem, was erfahrene Nervenärzte mit «Negation der eigenen Selbsterkenntnis» beschreiben. Bei diesem Krankheitsbild ist der erkrankte Geist zwar einerseits in der Lage, eine Situation korrekt zu beurteilen, andererseits jedoch unfähig, dem ihm zugeordneten menschlichen Körper die notwendigen – und üblichen – Verhaltensbefehle zu erteilen. Das führt zur hartnäckigen Weigerung, sich mit der Wirklichkeit und deren sachlichen Argumenten auseinanderzusetzen, weil plumpen emotionalen Schüben mit destruktivem Charakter der Vorzug eingeräumt wird. Siehe auch Cognitive Verstopfung.

Allerdings gibt es für diese Patienten einen Lichtblick: In der Fachmedizin ist man sich einig, daß dies die letzte Stufe auf dem Weg in den irreversiblen Irrsinn ist, bei der der erkrankte Geist mit einem bißchen guten Willen vollständige Gesundung erfahren kann. So hat sich zum Beispiel die tägliche Zufuhr von mindestens einem Liter frisch gepresstem Orangensaft mit etwas Champagner vermischt als sehr hilfreich erwiesen. Außerdem müssen Facebook- und Twitter-Accounts unwiederherstellbar gelöscht, sowie die Tierpatenschaft für einen echten deutschen Deich-Bieber übernommen werden. Schließlich muß vom zu Behandelnden Samuel Becketts «Warten auf Godot» konsequent auswendig gelernt werden. Wird der Therapieplan strikt eingehalten, so ist normalerweise nach vier Jahren, sechs Monaten und einunddreißig Tagen nachhaltige Heilung zu erwarten. Der Patient darf nun bedenkenlos aus der Gummizelle direkt ins reale Leben entlassen werden. Er benötigt keine weitere ärztliche Betreuung mehr. Siehe auch Romantik und Art Brut.

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***