Camera Work: «Arnold Crane»

6 Sep

Hinter-der-Kamera-ist-vor-der-Kamera
Arnold Crane: «Arnold-Crane-with-Mirrors»

Eigentlich wollte ich meinen Bericht über die sehenswerte Arnold Crane Ausstellung in der Berliner Galerie Camera Work in meine allgemeine Reportage über die Berliner Kantstrasse integrieren, aber wieder einmal ist die Zeit wie im Fluge vergangen, wieder einmal war monopol schneller, wieder einmal muß die Paris Bar unverarztet bleiben, wieder einmal ist die Zeit wie im Fluge vergangen, wieder einmal muß Zwiebelfisch Zwiebelfisch bleiben, wieder einmal muß PlanB greifen: (Fast) rechtzeitig zur Finissage unser Meerschweinchenreportreport über Arnold Crane. Hier ist er:

Als bisher unbedingter Nichtkenner der Berliner Fotokunstgalerie Camera Work war ich ob des professionellen Erscheinungsbildes der Galerie hinreichend geplättet und angenehm überrascht: Von der Kantstrasse passiert man zunächst einen Gang, der einen mit großformatig gerahmten Ausstellungsplakaten auf die Bilderschau vorbereitet. Der mediterran gehaltene Innenhof erinnert auch bei kälteren Außentemperaturen emotional an das legendäre Hotel d’Arlatan in Arles: Der gewisenhafte Geist Jean-Claude Lemagnys sitzt am von einem weißen Kieselsteinmeer umgebenen Holztisch, begutachtet Fotografenportfolio um Fotografenportfolio, beratschlagt sich mal mit Ralph Gibson, mal mit Jeff Dunas, mal mit Hans-Eberhard Hess und plötzlich steht sein Ausstellungsprogramm für die nächste Saison.

Kaum hat man jedoch das Hauptgebäude der Galerie betreten, so fühlt man sich direkt ins New Yorker SOHO versetzt. Kann es sein, daß die Reinemachefrau da hinten in der Ecke gerade die letzten Überreste eines Mapplethorpe’schen Samenergußes sorgfältig entfernt? Restlos auszuschließen ist das natürlich nicht… Eine großzügige Loftatmosphäre vermittelt dem Ausstellungsbesucher jenes untrügliche Gefühl, zu dem beispielsweise die Architektur des Bundeskanzleramtes oder die des kompletten Potsdamer Platzes nichts beitragen kann: Berlin ist eine Weltstadt.

Arnold Crane sah sich deshalb in der Lage, seine Kollegen so ungewöhlich entspannt und überaus sehenswert darzustellen, weil er von seinen Kollegen als gleichwertig anerkannt war. Seine Kollegen? Das waren und sind: Edward Steichen, Paul Strand, Garry Winogrand, Walker Evans, Brassaï, Man Ray, Ansel Adams, um nur einige zu nennen, denn Robert Doisneau, Alfred Stieglitz, Arnold Newman (auch nur einige) gehören ebenfalls mit zu diesem Kreis.

Aber, und das ist fraglos der Natursüßeanteil an dieser Ausstellung: Es sind nicht nur einfach die großartigen Portraits Arnold Cranes ausgestellt, sondern jeder «Foto-Superstar» zusammen mit einigen seiner eigenen herausragenden Arbeiten – wobei es sich hierbei immer um Fotografien handelt, die auf der Top-Ebene in der zweiten Reihe stehen. Und das ist in diesem Kontext sehr angenehm, denn man hat sich an diesen dargebotenen Werken noch nicht sattgesehen. Ein Beispiel: Nicht «Moonrise over Hernandez; 1941», sondern zwei Bilder aus der berühmten aber längst nicht so gnadenlos totgedruckten «Birken-Serie» waren von Ansel Adams zu sehen. So bleibt man locker eine Stunde in der Ausstellung, ohne zu bemerken, daß die Zeit wieder einmal wie im Fluge vergeht.

Mehr über diese schöne Ausstellung auf monopol, PROFI Foto oder ein Interview mit Arnold Crane auf zeit.de.

Die nächste von Camera Work präsentierte Ausstellung: STEVE SCHAPIRO. Eröffnung ist am 10. September 2011.

Post Scriptum: Ceterum censeo Potsdamerplatzinem esse delendam!

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