DDC-Tribüne in der Frankfurter Romanfabrik

22 Sep

Der DDC in der Frankfurter Romanfabrik. Es war ein schöner dreigeteilter Abend. Peter Zizka stellte «Metamorphosen. Design zwischen Erneuerung und Anpassung» vor. Der Band erschien soeben in der Taschenbuchreihe DDC Designbibliothek. Gefolgt von einer irrsinnigen Performance der beiden Herren Claus A. Froh und Frank Wolff. Danach gab DDC Ehrenmitglied Prof. Olaf Leu gemeinsam mit Ingrid El Sigai per Lesung einen Einblick in seine Berufsjahre von 1971-2011. Ach ja, der anschließende Gedankenaustausch kam ebenfalls nicht zu kurz. Und nun: Ab ins Präsens:

Das Bekleidungsunternehmen «Dolzer» direkt neben der «Romanfabrik»

Bevor wir uns inhaltlich vorstehend skizzierter «Speisekarte» widmen, wäre es möglicherweise durchaus von Vorteil, sich kurz Gedanken über das Verhältnis von innen und außen zu machen. Über das berühmte Zitat «Mens sana in corpore sano» beispielsweise. Und in welchem Kontext es zur Literatur stehen könnte; denn: Kann ein gesunder Körper samt gesundem Geist von einem ungebügelten Hemd umgeben sein? Oder: Wie fühlt sich ein mit viel Liebe zusammengestellter Textband, der Aufsätze bekannter Spitzengeister enthält, in einer zerknautschten Maul-, quatsch, Manteltasche?

Für alle, die nicht genau wissen, wie sich ihr Körper zum jeweiligen Ereignis fühlen soll, hält Dolzer im Netz den ultimativen Dolzer Dresscode parat. Denn, so der digitale Beipackzettel: «Ob Büroalltag, Cocktail-Party oder offizieller Geschäftsanlass: Mit unserem Dresscode erhalten Sie eine zeitlose Orientierung zur anlass- und typgerechten Auswahl Ihrer Garderobe. Die wichtigste Grundregel: Die Auswahl des angemessenen Outfits bestimmen der Anlass, die Tageszeit und die Angabe auf der Einladung, die Sie erhalten haben. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und natürlich beim Gutaussehen!» Und weil das renomierte Premiumbekleidungsunternehmen es trefflich versteht, das aktive Lesen mit dem passiven Gutaussehen harmonisch in Verbindung zu bringen, ist es konsequenterweise neben der «Romanfabrik» bestens plaziert. Den Herren mit dem ungebügelten Hemd in Vordergrund des Bildes haben wir vor- und fürsorglich unkenntlich gemacht. Um den Schuldigen zu beschützen. Und Dolzer natürlich auch. Und den Rest der Welt ebenfalls. So sind wir nunmal.

«Mit sonnigen Grüßen!»: Anna Tanriverdi und Anne Tecklenburg.

Anna Tanriverdi begrüßt einen weiteren Gast. Im Hintergrund Prof. Olaf Leu und Werner Ruwald.

Im Gespräch: Werner Ruwald und DDC-Gründungsmitglied Prof. Olaf Leu.

Gekonnter Fingerzeig: Prof. Olaf Leu (links) und Prof. Friedrich Friedl (rechts). Ins Buch vertieft: Peter Zizka (links) und Ingrid El Sigai (rechts).

Auch hier vorbildliche Handhaltungen, die jeweils auf eine ausgeglichene Gesprächsführung schließen lassen. Vordergrund, von links nach rechts: Prof. Olaf Leu, Eva Leu und Prof. Friedrich Friedl. Im Hintergrund, von links nach rechts: Erhard Sobeck und Peter Zizka.

Prof: Olaf Leu begrüßt Erika Müller. Im Hintergrund: Erhard Sobeck (Hansen Werbetechnik) im Gespräch mit Peter Zizka.

Kniebeugen? Dirigieren? Beim Fotografieren versehentlich das iPhone fallengelassen? Meerschweinchenreport weiß es besser: Die Begrüßung eines guten Freundes steht kurz bevor.

Wenn rot gestrichene Wände zu Vorhängen werden: Erhard Sobeck im Gespräch mit Peter Zizka.

«Die Blitzlichtwürfellichtästhetik der 1960er Jahre ist in meinen Schädelwänden derzeit das ganz große Ding!». Klar, daß wir bei diesem Sachverhalt gar nicht anders können, als dem Drängen unseres Redaktionsfotografen Andreas Baier (DDC) nachzugeben – und dieses Bild ebenfalls publizieren. «Außerdem», so fügt er hinzu, «erinnert mich speziell dieses Foto irgendwie an das Arbeitszimmer von Frank Lloyd Wright, ohne jedoch genau begründen zu können, warum dem so ist.» A-ha! Hinter den beiden Lampenschirmen, von links nach rechts: Prof. Olaf Leu und Prof. Dr. Rösch. Und auf dem Tisch in der Bildmitte die beiden Leu’schen «Bilanz»-Bände 1 (rot) + 2 (blau).

Noch ist Zeit, gemeinsam die spätere Lesung zu besprechen. Von links nach rechts: Ingrid El Sigai sowie Olaf und Eva Leu.

Eva Leu begrüßt Prof. Dr. Rösch.

Der Saal füllt sich Zug um Zug. Einige DDC-Mitglieder tragen stolz ihren Gelbepunktereißverschluß zur Schau.

Ein weiterer Gast ist soeben eingetroffen: Sven Leu.

Architektin Nicole Kerstin Berganski.

DDC-Vorstandsmitglied Niko Gültig.

Als sich das Bullaugentor ein weiteres Mal öffnet, durchschreitet Valentin Heisters das gleißende Gegenlicht und verkündet via seines gut gestalteten Grinsens, daß Arbeiten per se mit Freude behaftet ist. Von links nach rechts: Sven Leu (mit Motorradhelm), Valentin Heisters (mit Pilotenkoffer) und ein Literaturinteressierter, mit ich dem mich den Abend über prima unterhalten habe.

DDC-Vorstandssprecher Michael Eibes begrüßt die anwesenden DDC-Mitglieder sowie die zahlreichen Gäste, zu denen auch einige Rotarier gehören.

DDC-Vorstandssprecher Michael Eibes über die Bedeutung der gelben Farbe …

sowie über gute Taten aus dem Verborgenen heraus. Beziehungsweise umgekehrt.

DDC-Vorstandsmitglied Peter Zizka betritt die Bühne. Es geht unter anderem um die gute alte – und eigentlich nicht zu beantwortende – Frage, ob zuerst das Design-Ei oder gar das Design-Huhn das Licht der Design-Welt erblickte. Ich persönlich vertrete die Ansicht, daß es der Design-Taschenrechner von DDC-Ehrenmitglied Dieter Rams war. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Die DDC-Vorstandsmitgliedmetamorphose beginnt. Bis sie abgeschlossen ist, will ich Euch einen kleinen Ausschnitt aus dem Vorwort von Andreas Platthaus, FAZ, zitieren: «Mit seiner Publikationsreihe strebt der DDC die Schaffung eines Sammelbeckens für interessante Beiträge zum Design an. In ihm soll theoretisch, begrifflich wie ideologisch das aufgefangen und konkretisiert werden, was betreffs Gestaltung häufig zu sehr im Allgemeinen bleibt. Daß gleich für die erste Ausgabe eine Gruppe solch hochqualifizierter wie prominenter Autoren gewonnen werden konnte, zeigt den Anspruch und setzt Maßstäbe für die Fortführung der DDC Design Bibliothek.» Na bitte!

In ihrer Perfomance treffen der Lyriker Claus A. Froh und der Cellist Frank Wolff (auch als «Stadtstreicher von Frankfurt» bekannt) erstmals mit ihrem Programm «text & töne» auf einer Bühne zusammen. Eine literarisch-musikalische Jam-Session im improvisierten Miteinander und Gegeneinander von Textstimme und Cello. Ein Ereignis von so hoher Qualität und Güte, daß es unser Redaktionsfotograf vorzog, während der künstlerischen Darbietung gar nicht oder nur mit zugekniffenen Augen zu fotografieren; beziehungsweise hierfür die kleinen Zwischenpausen abzuwarten.

Um die Künstler nicht ein weiteres Mal zu stören, bleibt nachfolgende Bildstrecke unkommentiert.

Nochmal zum Mitschreiben: Wir können nicht anders, als das künstlerische Wirken der Herren Claus A.Froh und Frank Wolff unbedingt weiterzuempfehlen.

Prof. Olaf Leu vor einem Tableau mit seinen eigenen Arbeiten, die in der nun folgenden «Bilanz»-Lesung unter der Mitwirkung von Ingrid El Sigai eine zentrale Rolle spielen. Den ersten Teil seiner Autobiografie, die seine Zeit von 1951 bis 1970 beschreibt, stellte Olaf Leu bereits 2009 in der Romanfabrik vor. Sein zweiter Teil befaßt sich nun mit der Zeit von 1971 bis 2011.

Wir freuen uns auf Geschichten und Erlebnisse von Olaf Leu als Packungs- und Kalendergestalter, als «Goethe»-Reisender in Sachen Design, als Typograf, als Corporate Designer, als Design Juror, als Design Consultant, als Design Professor. Lebensnah, lehrreich, unterhaltsam, zuweilen launig und sehr persönlich. Die schöne Stimme von Ingrid El Sigai macht diese Lesung zu einem besonderen Hörerlebnis.

Auch hier bleiben die nachfolgenden Bilder dieser Performance weitestgehend unkommentiert.

Die Frankfurter Romanfabrik verfügt über ein erstaunliches Fassungsvermögen an Zuschauern. Dank seiner hügeligen Landschaften und großzügigen Park- und Zapfhahnanlagen innerhalb des Gebäudes ist sie in der Lage, mehrere tausend kulturinteressierte Gäste zu empfangen und artgerecht zu bewirten. Kenner der Location sprechen inzwischen voller Hochachtung von «Little Woodstock». Das Foto entstand vom Mischpult des Toningenieurs aus. Deutlich zu erkennen sind die Regler im Vordergrund, die bei fachgerechter Bedienung den Veranstaltungsort mit einer beeindruckenden Klangkulisse versorgen.

Mischpultregler in Großaufnahme, in dem sich die zahlreichen Lichter von Fanfeuerzeugen widerspiegeln. Unser Redaktionsfotograf möchte darauf hingewiesen wissen, daß bei diesem Bildnis ein Werk Edward Westons Pate gestanden habe, nämlich jenes, das eine aufrecht stehende Meeresmuschel zeigt. Die Meerschweinchenreportredaktion kann das jedoch nicht nachvollziehen. Die eine Hälfte der Redakteure sieht eher Edward Westons nicht minder berühmte «Paprika» als Vorbild, während die andere Hälfte mehr den startenden (oder gerade landenden) Helikopter vor der nächtlichen Kulisse New York Citys von Andreas Feininger sieht. So richtig Genaues weiß aber letztlich niemand.

Die unmißverständliche Visualisierung des alten Kommunikationsprinzips «Hören. Sehen. Sagen.»

DDC-Vorstandsmitglied Niko Gültig: «Sind wir nicht alle ein bißchen Sin City?»

Von links nach rechts: Ein erstklassiger Gestalter, der in seiner erstklassigen Gestalt nicht gezeigt werden möchte, und Patricia Eibes.

Dasselbe gestalterische Prinzip wie im vorangegangenen Bild. Aber diesmal bei mehr Licht.

Von links nach rechts: Frank Wagner, Prof. Olaf Leu und – ganz signaturempfangsbereit: Silvia Werfel.

Von links nach rechts: Erhard Sobeck, Frank Wagner sowie Prof. Olaf Leu mit einem Mitbringselschal von Oliver Hesse.

Nach der Performance: Der Cellist Frank Wolff im Gespräch mit Gästen.

Konstruktive Mischpultgespräche. Von links nach rechts: Achim Heine, Frank Wagner, Peter Zizka und Oliver Hesse.

Von links nach rechts: DDC-Vorstandsmitglied Niko Gültig im Gespräch mit Elisabeth Budde.

Die beiden Herren Achim Heine sowie Oliver Hesse gibt es heute in zwei Ausführungen. Hier: «Ausführung I»

Und hier: «Ausführung II»

Oliver Hesse.

Oliver Hesse und Lisa Schulze Oechtering. Im Hintergrund einmal mehr Dolzer. Diesmal in romantisches Filmlicht getaucht: Während auf der linken Seite Humphrey Bogart seine Geliebte mit frisch gefertigtem Feuerzeugfeuer versorgt und sie bedrängt, doch bitte ohne ihn das bereitstehende Taxi zu besteigen, besingt zur Rechten unter der Laterne Lale Andersen Lili Marlen. Eine Möglichkeit. Eine andere Alternative: Ein nach frischen Tättowierungen dürstender Abgeordneter des Deutschen Bundestages untermauert sein Verlangen durch westsidestoryeske Gesangeseinlagen, die er die Stufen fast komplett hinaufkriechend laut vor sich hin knödelt. Oben öffnen sich die Pforten der heiligen Hallen: Der erste Mitarbeiter des Hauses, der voller Stolz das neue Schuhwerk seines Herrn einläuft, nähert sich dem Verwirrten mit einem Silbertablett, um ihn einerseits mit etwas frisch aufgebrühtem Tee sowie einigen Keksen zu besänftigen, andererseits jedoch nachhaltig darüber aufzuklären, daß er sich in der Tür geirrt habe. Das Vorhaben gelingt. Der Suchende will umgehend sein Mandat zurückgeben und schwört, sofort mit dem Sammeln von Spendengeldern zu beginnen, die dem Bau eines Opernhauses in der Serengeti zugute kommen sollen. Beide singen im Duett «O Isis und Osiris» beziehungsweise «Rule Britannia», was sich in beiden Fällen überraschend gut anhört. Der Vorhang fällt. Das Publikum spendet begeistert Applaus. Und das beste: Die beiden abgebildeten Personen heißen immer noch Oliver Hesse und Lisa Schulze Oechtering.

Alles in allem war es einmal mehr eine gelungene DDC-Veranstaltung.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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