Museum Ludwig: «Ichundichundich. Picasso im fotografischen Portrait»

7 Oct

Im Museum Ludwig ist noch bis zum 15. Januar 2012 die Ausstellung «Ichundichundich. Picasso im fotografischen Portrait.» zu sehen.

Pablo Picasso war neben Andy Warhol, Salvador Dali und Joseph Beuys einer der größten Selbstinszenierer seiner Zeit. Kein Zweifel. Die hier gegenständliche Ausstellung will sich mit der Frage auseinandersetzen, wie hoch der Anteil des jeweiligen Fotografen am Zustandekommen der Fotoportraits vom spanischen (Super)-Künstler war, da Picasso aus Sicht der Kuratorin Dr. Kerstin Stremmel offensichtlich unter Generalverdacht steht, die ihn so hingebungsvoll Portraitierenden, allesamt Fotografen von Weltruhm, gnadenlos manipuliert zu haben. Eine, wie wir finden, völlig überflüssige Fragestellung. Was allerdings alles andere als überflüssig ist, das ist besagte Ausstellung als solches. Wir empfehlen, sich unvoreingenommen diese sagenhafte Bilderschau zu Gemüte zu führen, und das «warum, wieso und weshalb» einfach mal zu vergessen, denn es muß auch hier nach wie vor der alte Grundsatz gelten: «Der gute Künstler unterhält sich mit sich selbst – und der schlechte mit dem Publikum».

Zum obigen Film: «Le mystère Picasso» aus dem Jahre 1956 zeigt den Künstler beim Malen. In diesem kurzen Filmausschnitt ist sehr schön zu sehen, wie Picasso zunächst ein paar Blümchen malt, dann einen Fisch darum herum, dahinter dann eine Henne, letztlich verschwindet der größte Teil des soeben Gemalten dann wieder hinter einer geschlossenen schwarzen Fläche – und man bekommt eine sehr schöne Idee von der Vorgehensweise Picassos, nämlich, daß er möglicherweise zu Arbeitsbeginn nicht die geringste Idee hat, was er malen möchte, sich dann jedoch, nachdem die ersten Formen geschaffen sind, assoziativ damit auseinandersetzt und wie ein kleines Kind herumspielt – und irgendwann beschließt, mit dieser Arbeit fertig zu sein. Dem Schachgenie Bobby Fisher sagte man beispielsweise nach, er hätte sich mit seinen ersten Zügen nie richtig auseinandergesetzt, sondern zunächst eine Grundsituation geschaffen – und dann erst mit dem Nachdenken begonnen. Picasso scheint ähnlich gearbeitet zu haben.

Menschen, die unter Aufopferung ihrer selbst und schön brav ein Kunstgeschichtsstudium nach dem anderen hinter sich gebracht haben, werden vorstehende Überlegungen möglicherweise nicht gänzlich nachvollziehen können. Wir sollten ihnen das nachsehen.

Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag
10 – 18 Uhr
jeden ersten Donnerstag im Monat: 10 – 22 Uhr

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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