Zum 75. Geburtstag von Olaf Leu: Eine Bootstour auf dem Main

7 Oct

Einige Bilder sehen in der Vergrößerung viel besser aus. Dies läßt sich durch Anklicken der entsprechenden Bilddatei erreichen.

Auf dem Weg von der U-Bahnstation zum Landungssteg der «MS Gaby» überquert man, so man will, den Frankfurter Rathausplatz. Nicht zu übersehen: der nach dem Krieg wiederaufgebaute Römer. Eingefleischte Historismusgegner, eingewickelt im Schafspelz moderner Architekturliebhaber, hätten dort lieber eine schmucke 1950er-Jahre-Betonparkplatzgaragenanlage gesehen.

Malte Kindt bleibt lieber «Landratte» und wünscht uns eine gute Reise.

Die aus Hamburg überführte «MS Gaby» (Baujahr 1921) setzt sich in Richtung einer der vielen Mainschleusen in Bewegung. Von links nach rechts: Michael Eibes, Peter Zizka, Rainer Gehrisch, Gudrun Martens-Gottschall (Rücken) und Prof. Olaf Leu.

Im Hintergrund entwickelt und verdichtet sich die Skyline des Frankfurter Westends. Von links nach rechts: Peter Zizka, Rainer Gehrisch, Ingrid El Sigai, Prof. Olaf Leu sowie Gudrun Martens-Gottschall.

Das Frankfurter Bankenviertel, dargestellt durch die verdichtende Perspektive eines starken Teleobjektivs. Im Hintergrund der Messeturm, für dessen Gestalt der amerikanische Architekt Helmut Jahn verantwortlich zeichnet.

Einmal kurz abgebogen, das Weitwinkelobjektiv aufgeschraubt – und schon sieht alles ganz anders aus. Vorne rechts ist die neue DDC-Geschäftsstelle zu sehen, die voraussichtlich im Jahre 2014 fertiggestellt sein wird. Wegen der europäischen Vorbildfunktion, die der DDC in Designfragen fraglos ausübt, hat sich die EZB, großzügig wie sie sich im Moment allen denkbaren Finanzfragen gegenüber aufgeschlossen zeigt, bereiterklärt, das Sponsoring für die nicht ganz unerheblichen Baukosten zu 100% zu übernehmen. Herzlichen Dank! «Danichfür!» konntert die rechte Hand Jean-Claude Trichets gekonnt. Bescheidenheit ist eben eine typisch französische Attitude.

Am Wegesrande kurz aufgegabelt: Eine generationenübergreifende Getränkeübergabe.

A: «Ein harmonisches Farbspiel der Naturgewalten!» B: «Bitte?» A: «Naja, so ungefähr. Also mehr im literarischen Sinne.» B: «Aha.»

Der Fotograf, Filmer und Regisseur Rainer Gehrisch produziert das Geburtstagsfilmchen für Olaf Leu, das auch das Interview mit ihm beinhalten wird.

Apropos Interview: Da hinten wäre doch ein prima Platz zum Anlegen. Indeed.

«MS Gaby» nähert sich der Anlegestelle gemächlichen Dieselschrittes. Über dieses Foto selbst: Unter bestimmten Voraussetzungen kann man der Bauhaus-Ästhetik durchaus eine zarte und sinnliche Komponente abgewinnen.

Das Gespräch mit Olaf Leu kann beginnen. Von links nach rechts: Peter Zizka (Ton), Michael Eibes (Aufhellung), Rainer Gehrisch (Kamera), Prof. Olaf Leu (Gesprächspartner) sowie Gudrun Martens-Gottschall (Interview). Im Hintergrund «Das Gerippte», eine Architektur unseres DDC-Mitglieds Till Schneider (schneider+schumacher).

Das Gespräch ist im Kasten. Wir haben soeben u.a. erfahren, daß das Logo der Deutschen Bank von Anton Stankowski von ihm ursprünglich für den Stuttgarter Flughafen entwickelt wurde, es aber von den damaligen Betreibern nicht eingesetzt wurde, worauf er es einfach beim Deutsche-Bank-Logo-Wettbewerb erneut einreichte. Stankowski belegte nach Prof. Leu den zweiten Platz – bekam aber dennoch vom damaligen Sprecher des Deutsche-Bank-Vorstands den Zuschlag. Reihenfolge der abgebildeten Personen wie vorstehend.

Peter Zizka fotografiert Ingrid El Sigai.

Ingrid El Sigai, Peter Zizka, Rainer Gehrisch, Elisabeth Budde, Prof. Olaf Leu sowie Gudrun Martens-Gottschall (weiße Jacke).

Michael Eibes wirft seine Wasserangel aus. Erst wenn Wasserglas, Wasserangelrute sowie Wasserangelschnur nebst Wasserangelköder zuvor im Wasserglas vereint eine spirituelle Einheit haben bilden können wird der Fang von Wasserangelfischen gelingen.

Wasserangelfische, die der Freiheit übergeben wurden, streben in der Regel als erstes eine Brücke an, auf der sie sich in der für sie so wichtigen Gebärdensprache üben.

Steuermann und Fotograf Ralf Braum im Dialog mit Eva Leu. Links hinter der Kamera: Rainer Gehrisch.

Einmal mehr «Das Gerippte».

Eine Sensation, weil niemand mehr damit gerechnet hatte – am aller wenigsten unsere in aller Welt führenden Schriftgelehrten: Die römische «Winkelschrift» in der architektonischen Anwendung. Um Mißverständnisse zu vermeiden: Die «Winkelschrift» hat nichts mit der uns bekannten römischen oder auch lateinischen Schrift zu tun. Sie basiert vielmehr auf einem intellektuellen Zusammenschluß von «Keilschrift» und der römischen Darstellungsweisen von Zahlen.

Die obere Zeile auf der linken Seite des römischen Hauses besagt beispielsweise, daß im Jahre 3421 der letzte Mensch die Erde verlassen haben wird. Populationswissenschaftler zeigen sich erstaunt, daß es doch noch soo lange dauern wird. Die mittlere Etage stellt eine alte römische Redensweise dar, nämlich: «Ceterum censeo diesgebäudinem esse delendam!» Und was die letzte und unterste Etagenzeile besagt, ist nicht ganz zu klären, weil einige Buchstabenumschaltfunktionen bedauerlicherweise von der davor verlaufenden Brücke verdeckt werden. Es geht aber im Kern der Aussage – so viel läßt sich mit Sicherheit feststellen – zum einen um Eisbären und zum anderen um wärmende Handschuhe.

Im Inneren des Gebäude, dem «Domus Ictus», wurden die von den Römern im Main gefangenen Wasserangelfische zum Trocknen aufgehängt – und später auf dem Markt verkauft.

Die Bootstour ist beendet. Olaf Leu bedankt sich bei Ralf Braum für den schönen Trip.

Auf dem Boot, filmenderweise, Rainer Gehrisch. Vom Ufer aus winken die anderen Bootstourteilnehmer zum Abschied.

Auch hier begegnen wir Überresten der römischen «Winkelschrift», die von uns Bootstourteilnehmern vorbeigehenderweise aufmerksam begutachtet wird. Es ist weltweit der bekannteste Fundort. Zunächst vermutete man auf dem Kopfsteinpflaster eine rudimentäre Vorform des «Sudoku»-Spiels, was allerdings von Otl Aicher, der als eingefleischter Schriftgestalter nicht eben wenig Zeit mit «seiner» Winkelschrift verbrachte, eindrucksvoll widerlegt werden konnte. Aicher wies nach, daß es sich um ein frühes «Ampersand»-Zeichen handelt, das er mit Genehmigung der Frankfurter Stadtverwaltung in seiner von ihm gestalteten «Rotis» auf der Innenseite des dem Fundort gegenüberliegenden Brückenpfeilers anbringen durfte.

Lieber Herr Prof. Leu, um es mit einem Zitat aus dem Roman «Per Anhalter durch die Galaxis» zu sagen: «Danke für den vielen Fisch!» Und natürlich: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

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