Oscar Wilde: «Sealed With A Kiss»

6 Dec

Warum die Menschen einen Hang und Drang dazu haben, gerade auf Friedhöfen für eine möglichst lebensunfreundliche Gesamtatmosphäre zu sorgen – und diese auf Biegen und Brechen durchzusetzen und aufrechtzuerhalten, das haben wir noch nie verstanden. Hiervon gilt es, zwei Ausnahmen zu erwähnen: Monumental Cemetery of Staglieno in Genua sowie Père Lachaise Cemetery in Paris. Auf letzterem liegt neben Jim Morrison und Edith Piaf auch Oscar Wilde begraben. Es ist seine bis dato zweite Ruhestätte.

Aber wie kommt ein solcher Oberästhet zu einem solch oberhässlichen Grabstein, von dessen visuellem Grundkonzept sich gerade jener Menschentypus angesprochen fühlte, der sich ungefähr fünfundzwanzig Jahre später nach Fertigstellung (im Jahre 1909) anschickte, unter dem Banner des Hakenkreuzes die halbe Welt in Schutt und Asche zu legen? Der Name des verantwortlichen Bildhauers: Sir Jacob Epstein. The answer is easy: «Oscar Wilde’s tomb was designed by Sir Jacob Epstein, commissioned by Robert Ross, who asked for a small compartment to be made for his own ashes which were duly transferred in 1950. The modernist angel depicted as a relief on the tomb was originally complete with male genitalia which have since been vandalised; their current whereabouts are unknown. In 2000, Leon Johnson, a multimedia artist, installed a silver prosthesis to replace them.» Quote from Wikipedia. Aha, wieder einmal ein treffliches Beispiel für die Gnadenlosigkeit, mit der mitunter persönliche Eitelkeiten unterwegs sind. The British would say: «Someone took a free ride on someone else’s back». Irre nur, daß dieser Mechanismus den Tod überdauert.

Ehm, where were we? Ahja: Waren es nicht gerade die – well, let’s be generous – Millionen an Kußmundhinterlassenschaften, die die archaische Grabsteinoptik gekonnt konterkarierten und somit für einen Oscar Wilde erst akzeptabel machten? Und: Waren sie nicht auch ein Zeichen für die in letzter Zeit so viel zitierte Schwarmintelligenz? Nun gibt es schlechte Nachrichten für den britischen Schriftsteller und Lebemann: Sein Grabmal ist auf behördliche Anordnung komplett entkußmundet worden und nun nur noch durch eine dicke Glasschutzschicht zu besichtigen.

Was ist bloß mit diesen Menschen los?

via: Crackajack’s Nerdcore.

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