James Ronisetti: «Russischer Tischtanz»

11 Dec

Der Künstler James Ronisetti kommt mit seiner «Faszination des Trivialen» im privaten Bereich, zum Beispiel im Rahmen seiner fast täglich vollzogenen Supermarktbesuche, nicht zwingend weiter, aber dafür auf internationalem Kunstparkett, wo er sich auch schon mal an einem Angelhaken hängend durch das Guggenheim-Museum hatte schleifen lassen.

Er stellt sich quer, schwimmt aber dennoch im Mainsream. Er backt leidenschaftlich gerne Kuchen, bevorzugt jedoch eindeutig Salzheringe. Er füllt den Lottozettel aus, gibt ihn – gewitzt wie er ist – nicht ab. «Künstler», so sagt Ronisetti, «dürfen niemals wissen, was sie tun». Joseph Beuys hingegen sah das naturgemäß etwas anders. Er postulierte stets: «Was ein Künstler weiß oder nicht weiß, ist uninteressant. Wichtig ist nur, daß er dabei die Hände faltet».

Seine hier abgebildete Arbeit Russischer Tischtanz schlägt unschwer erkennbar eine völkerverständigende Brücke zwischen Hände falten, Hände zusammenlegen und dem Fall der deutsch-deutschen Mauer Ende 1989 in Berlin. Sie galt als wichtiger Kompensationsregulator im mentalen Motor der Wiedervereinigung, der sich vor etwas mehr als zwanzig Jahren nur bedingt starten ließ. Allein deshalb gebührt James Ronisetti ein bequemes Plätzchen in der jüngsten, von führenden Sozialpädagogen aufbereiteten deutsch-deutschen Kunst- und Kulturgeschichte.

DRonisetti sein Werk ursprünglich Honeckers großer Freiheitskampf Nummer 7 nennen wollte, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt; und tut aber sonst nichts zur Sache.

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