Critical thinking Part 2: «Broken Logic»

12 Feb

Ein nicht ganz uninteressantes Filmchen, das sich unserer Ansicht nach jedoch weniger mit dem logischen Denken, denn mit dem kritischen Hinterfragen sich aus einem bestimmten Sachverhalt heraus ergebender und somit naheliegender Schlußfolgerungen befaßt. Wobei: Bedeutet critical thinking nicht kritisches Hinterfragen? Immer diese broken logic

In anderen Worten: Wenn 1+2=3 ist; und 2+3=5, so heißt das noch lange nicht, daß 1+3=4 ist; auch wenn diese Annahme nicht ganz unbegründet ist. Mathematisch bewiesen ist sie deshalb noch lange nicht. Genauso wenig wie die beiden voranstehenden Gleichungen übrigens auch.

Geht es aber um Mathematik? Nein, nur bedingt. Es geht darum, daß der Mensch dazu neigt, Erfahrungen, die er einmal in einem ganz bestimmten Zusammenhang gemacht hat, auf einen anderen Sachverhalt zu übertragen, weil ihm beide Sachverhalte ähnlich oder gar gleich erscheinen. In den meisten Fällen ist das jedoch nicht gegeben. Man nennt so etwas auch: Das Herstellen von falschen Analogien. Hier gibt es einiges darüber zu lesen. Die klassische Konditionierung nach dem Prinzip des pawlowschen Hundes funktioniert nach denselben Mechanismen.

Vielleicht ein griffiges Beispiel aus der Praxis: Das Weblog neatorama, das obenstehendes Filmchen ebenfalls präsentiert, unterhält auch ein umfangreiches Netzladengeschäft namens neatoshop. Innerhalb dieses neatoshops gibt es einen Bacon Store. Dieser Bacon Store bietet eine breite Palette von Produkten an, die irgendwie mit Speckgeschmack oder – geruch ausgestattet sind: Speckzahnpasta, Raumbelüfter mit Speckgeruch, Atemerfrischungspastillen mit, genau, Speckgeschmack, usw. usf. Dieser Umstand läßt die Schlußfolgerung zu, daß besagter Webstore ebenfalls T-Shirts mit Speckgeruch im Angebot hat. Aber genau das ist nicht der Fall. Jedenfalls, räusper, bis jetzt nicht.

Die Krucks ist jedoch, daß wir nach genau diesem Denkmuster permanent Überlegungen anstrengen – und Entscheidungen treffen. Ein letztes Beispiel: Wenn unsere Abgeordneten in Berlin mal wieder eine Gesetzesänderung diskutieren (sofern sie überhaupt anwesend sind), dann wird nicht selten zur argumentativen Untermauerung des eigenen Standpunktes geschaut «wie es andere Länder machen», wobei regelmäßig übersehen wird, daß andere Länder in Gänze anders sind – und sich deshalb bestimmte Vorgehensweisen eines anderen Landes nicht so ohne weiteres auf unsere Verhältnisse übertragen lassen. Am besten läßt es sich mit einer menschlichen Organtransplantation vergleichen: Der Empfänger eines fremden Organs muß Zeit seines restlichen Lebens jede Menge Medikamente schlucken, um die natürlichen Abwehrmechanismen des eigenen Körpers zu unterdrücken. Es wächst eben nicht so leicht zusammen, was nicht zusammengehört – auch wenn es formal ähnlich oder gar gleich erscheint.

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