DDC-Mitarbeiterschulung: «Olaf Leus Neue Amerikanische Schule im Hause häfelinger+wagner design»

18 Jul

«Form Follows Function», ein Prinzip das einst von Rationalisten geprägt inzwischen seinen Fingerabdruck jedoch überall dem täglichen Erscheinungsbild unserer Gesellschaft in wohltuender Weise aufdrückt. Auch auf unvorhergesehene Art, wie das kleine blaue Küchekaffeekuchen-LKWchen beweist. Fazit: Die Befolgung des hier gegenständlichen Prinzips muß nicht immer eintönige Lösungen und Kreationen zur Folge haben.

Gemeinsam mit Prof. Olaf Leu befinden wir uns am Morgen nach seiner Bilanz-Lesung abermals auf dem Weg zu häfelinger+wagner design in der Münchner Türkenstrasse: Die Mitarbeiterschulung Neue Amerikanische Schule steht auf dem Programm.

Pünktlich betritt Frank Wagner den Innenhof zu seiner Agentur. Typisch für eine Just-in-time-production.

Ein kurzer und gekonnter Blick nach oben.

Kurzer und gekonnter Blick geradeaus: Prof. Olaf Leu und Frank Wagner im Gespräch.

Prof. Olaf Leu sieht kurz und gekonnt «das gute Licht» und fotografiert ebenso kurz und gekonnt unseren Redaktionsfotografen.

Der erste Einblick in den Konferenzraum. Deutlich ist der Aufmacherschriftzug «Die Neue Amerikanische Schule» zu erkennen, schließlich ist gute Lesbarkeit erste Schriftschnittpflicht.

Sich nicht auf Anhieb mit der Funktionalität eines kabellosen Bedienelementes für die Technik auszukennen, gehört überall auf der Welt unter Referenten zum guten Ton. Und so auch hier.

Die besten Bedienelemente sind jedoch nach wie vor die zehn körpereigenen USB-Anschlüsse, mit denen Prof. Olaf Leu es immer wieder versteht, neue Informationen aufzusaugen, um sie nach geistiger Überarbeitung wieder an seine ihm zuhörenden Mitmenschen abzugeben.

Inhaltlich sind wir auf «Die Neue Amerikanische Schule» von Prof. Leu bereits hier eingegangen, vorgetragen im Wiesbadener Designbüro Hilger & Boie. Die nachfolgenden fünf Aufnahmen bleiben unkommentiert.

Ein guter Typograf muß immer irgendwie auch ein guter Jedi-Ritter sein. Prof. Olaf Leu demonstriert: «Seht Ihr, wie ich mit meinen Fingerspitzen exakt auf der Höhe der Laufleiste des hinter mir hängenden Rolos entlangfahre, ohne mich dabei umdrehen zu müssen? Das ist der typografische Yoda-Faktor.»

«Denn», so fährt Prof. Olaf Leu fort, «wenn ich meine Hand nur leicht anhebe, also die Formation meiner Finger nur etwas verändere, so gewinnt das gesamte Bild deutlich an Farbigkeit; und zum anderen werden nun im Hintergrund die nicht mehr benötigten Utensilien meiner gestrigen Bilanz-Lesung abgeholt. Summa summarum läßt sich also feststellen, daß unterschiedliche Schriftschnitte auf unterschiedliche Art und Weise kommunizieren. Aufgabe eines guten Gestalters ist es also, zu jeder individuellen Kommunikationsaufgabe die jeweils passende Schrift zu finden – und einzusetzen.»

Ein visuelles Plädoyer gegen die nachträgliche Verzerrung von Buchstaben mittels der Möglichkeiten, die einem moderne Grafik- und Layoutprogramme bieten: Zwar mögen die Ränder der Projektionsfläche parallel zu den Rändern des Fotos verlaufen (womit nun alles schön ordentlich aussieht), aber dafür wirken die menschlichen Proportionen der beiden jungen Herren merkwürdig deformiert. Auch wenn sich solche Effekte in der Typografie in den meisten Fällen subtiler zeigen, so sollte man doch die Schriftschnitte in der praktischen Anwendung so belassen, wie sie vom Schriftgestalter einst ersonnen wurden.

Eine Nahaufnahme, die sich unserer Redaktionsfotograf von Prof. Leus Kommunikationswerkzeugkasten nicht entgehen lassen konnte.

Manchmal fragen wir uns schon, was unseren Redaktionsfotografen da reitet, beziehungsweise in diesem Falle geritten hat. Investigativ wie Meerschweinchenreport nunmal ist, haben wir bei ihm nachgefragt. Seine Erläuterung: «Das sind gelbe, grüne und natürlich auch rote Blutkörperchen. Oben rechts ist eine mikroskopische Detailansicht zu sehen. Auch ein kleines weißes Blutkörperchen, das sich im direkten Dialog mit den grünen und gelben Blutkörperchen befindet, die da – und das wissen sie selbst ganz genau – eigentlich nichts verloren haben. Mit dieser Bildbearbeitung wollte ich ja nur verdeutlichen, daß Kommunikation auf den unterschiedlichsten Ebenen und Metaebenen stattfindet.»

Von dieser These hinreichend fasziniert, beschließt Prof. Olaf Leu sich zum Mittagessen eine möglichst blutkörperarme Portion Gnocchi in Salbeibutter mit Parmesan einzuverleiben. Unser Redaktionsfotograf begleitet ihn. Zum Dessert eine Cohiba.

Im Anschluß gemeinsam mit Frank Wagner Besuch der von Thomas Weski zusammengestellten Thomas-Ruff-Übersicht im Haus der Kunst. Da von uns, unsere Stammleser wissen das, keine Kunstinterpretationen zu erwarten sind, möchten wir auf eine Rezension der Ausstellung von Andrian Kreye in der Süddeutschen Zeitung verweisen.

Erhabenen Schrittes bewegt sich Prof. Olaf Leu durch die Ausstellungsräume mit einer geschätzten Deckenhöhe von zwanzig bis dreißig Metern. Nur hier können Ruffs Werke ihr volles Aroma so ungestört entfalten, wie es vom Künstler von Anfang an geplant war. Frank Wagner hält dieses Ereignis mit seinem iPhone kurz und gekonnt fest.

Besteht etwa ein Zusammenhang zwischen Frank Wagners Körperdrehung um 90° und dem plötzlichen Auftreten seltsamer Pünktchen?

Wie Andrian Kreye in seiner SZ-Kritik bereits ausführt, so sind nicht alle mit Ruff-Werken bestückte Räume für Minderjährige geeignet. Gerade der fachgerechte Umgang mit Architektur ist ein typisches Erwachsenenthema.

Auf dem Rückweg ins Hotel gibt es kein Taxi – aber dafür viel Licht.

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***