Inhouse Hilger & Boie: «Peter Zizka referiert über das Projekt SYMBIOSIS»

24 Jul

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Nicht nur Nashörner haben es in ihren Heimatgebieten mit dem Problem sogenannter Small Arms zu tun sondern auch Menschen – vorwiegend in afrikanischen Ländern –, die damit sowohl besagte Dickhäuter als auch sich selbst gegenseitig über den Haufen schießen. Im Hause Hilger & Boie steht der Dickhäuter unter Naturschutz – und außerdem fest gemauert auf dem Sockel, in der Erden und ist so schön aus Lehm gebrannt …

Auf dieses Paradies blickt unser Titeltier tagtäglich, erlebt das Gebäudeensemble in den unterschiedlichsten Lichtstimmungen, den Straßenverkehr in manigfaltigen Variationen. Doch mit dieser Idylle ist es im Rahmen des Vortrags von Peter Zizka schnell vorbei, denn auch unser benashornter Spender feingeriebenen Aphrodisiakums weiß genau: «Wo rohe Kräfte sinnlos walten, da läßt kein Frühstück sich gestalten…»

Afrika im Würgegriff der Small Arms. Ein gesellschaftsrelevantes Kunstprojekt von Peter Zizka und Matthias Rettner für die Veränderung des Status Quo.

Auf der Website Symbiosis steht erklärend über das Projekt: «Gewalt, Macht und politischer Einfluss definieren von jeher das Gegeneinander und Miteinander unserer Gesellschaft. Territoriale Abgrenzungen werden mit diversen Werkzeugen erreicht. Das extremste Werkzeug aus dieser Reihe ist die Waffe, deren wehrhaftes Epizentrum der Machtanspruch im Kopf des Benutzers ist. Jedes Projektil reisst dabei Löcher in die Gesellschaft, definiert Grenzen neu und findet erst im Moment der Zerstörung seine perverse energetische Neutralisation. Diese Neutralisation ist jedoch nur ein von Omnipotenz geprägter Traum, der in der Tradition steht, den Menschen als Nukleus der Welt zu betrachten und ihm finale Entscheidungsfähigkeit bei essentiellen Prozessen zugesteht.»

Über das Projekt «Symbiosis» berichtete Meerschweinchenreport vor gut einem Jahr bereits hier.

Peter Zizka und Elmar Becker bereiten den Beamer vor.

Peter Zizka mit iPhone

Wir zitieren wieder von der Symbiosis-Website: «Small Arms sind ein hinreichend in der UN bekanntes Problem. Restbestände und Produktionskapazitäten aus den ehemaligen Warschauer-Pakt-Staaten, China, aber auch aus den Lagern und Fabriken Europas landen trotz Ausfuhrbeschränkungen in Spannungsgebieten und ermöglichen hier erst die Prolongation der Gewalt ins Unendliche. Wir wollen mit dem Projekt SYMBIOSIS versuchen, Waffen konkret unschädlich zu machen und gleichzeitig durch Ästhetisierung einen gesellschaftsrelevanten Prozess anzustoßen, der den Diskurs zur Problematik Small Arms auf einer breiten Kommunikationsebene erfahrbar macht.»

Das Startbild.

Clemens Hilger führt die geladenen Gästen kurz in das Wirken des Konzeptkünstlers Peter Zizka ein.

Zu den Gästen zählen ebenfalls (v.l.n.r.) Prof. Olaf Leu, Malte Kindt und Patricia Eibes.

Hier erläutert Clemens Hilger Peter Zizkas virtuelles Minenfeld über das auf der zugehörigen Website wesentlich mehr in Erfahrung zu bringen ist. Unter der Überschrift «600 x Bewegung schaffen – Räumt die Mine» steht auf der Startseite zu lesen: «Unter diesem Motto haben sich die Hilfsorganisation medico international und der Konzeptkünstler Peter Zizka zusammengetan, um auf die Bedrohung aufmerksam zu machen, die von Minen und Blindgängern in vielen Ländern der Welt ausgeht. Dafür hat Peter Zizka die Kunst-Bodeninstallation “Das virtuelle Minenfeld” geschaffen, die fotografisch genaue Abbildungen von Minen zeigt. Wer darüber geht, wird sich der bizarren Schönheit erfreuen, die dem Muster aus vielfältigen Formen und Materialien innewohnt. Erst auf den zweiten Blick offenbart sich der schreckliche Gegenstand.»

Das Bild vom virtuellen Minenfeld, das Clemens Hilger in den Händen hält, läßt sich im Netz hier wesentlich genauer begutachten.

Wir zitieren abermals von der Symbiosis-Website: «Obwohl die Waffe als Omnipotenzinterface in ultimativer Form physikalische Prozesse abbildet und benutzt, ist sie antiwissenschaftlich und antiempirisch – sie ist imperialistisch. Die gesellschaftliche Betrachtung der Small-Arms-Problematik schwankt entsprechend widersprüchlich zwischen Tabuisierung und Statussymbol. Faszination und Schrecken liegen nahe beieinander und changieren. Betrachtet man jedoch die individuelle Existenz als eine in die Menschheit eingebundene Momentaufnahme, so richtet sich jedes Projektil auch automatisch gegen die Quelle.»

Peter Zizka berichtet von seinen Erlebnissen in Burundi. Zusammen mit seinem Partner Matthias Rettner wollten sie ursprünglich an elf Tagen Small Arms, zu denen nicht nur Handfeuerwaffen sondern beispielsweise auch die AK 47 gehören, zerlegen und unschädlich machen. Es blieben ihnen jedoch nur zwei Tage für die Umsetzung ihres Vorhabens. Die restliche Zeit ging für Verhandlungen mit den örtlichen Behörden drauf, die Schwierigkeiten hatten, sich das Konzeptkunstprojekt in realiter vorzustellen.

Außerdem, so war zwischen den Zeilen zu verstehen, lassen sich die vor Ort mit der Zerstörung der Small Arms Betrauten sehr viel Zeit, weil sie ihre sicheren und sehr gut bezahlten Jobs so lange wie möglich behalten wollen. Es ist wohl ein bißchen mit der Situation in deutschen Kinderheimen vergleichbar: Man sagt, daß das Adoptionsgesetz nur deshalb nicht gelockert werde, weil sonst nahezu sämtliche Arbeitsplätze in diesem Bereich wegfielen. Die Irrungen und Wirrungen des menschlichen Gehirns streben fast immer einheitlich in Richtung Geld…

Clemens Hilger verfolgt den Vortrag.

Weiterführend heißt es auf der hier gegenständlichen Projekt-Website: «Soll das ganze Projekt aber gesellschaftsimmanent funktionieren, darf es nicht bei der Ästhetisierung des Bestehenden stagnieren, sondern muss aus sich heraus die Veränderung des Status Quo anstoßen. Das bedeutet: die durch SYMBIOSIS enstehenden Objekte werden verkauft. Der Erlös wiederum wird von SYMBIOSIS an die NGO oder direkt an eine Institution vor Ort gespendet, die diese Problematik bekämpft. (…) Nach Beendigung der Ausstellungsreihe können die Aktionsrelikte zu einem Mindestpreis von 2.500.- Euro erworben werden. Der dabei erzielte Erlös fließt direkt in Projekte in Burundi, die um Opfer und Leidtragende des Bürgerkriegs kümmert. Dieser Aspekt der Aktion ist essentieller Bestandteil des Gesamtkonzepts.»

Clemens Hilger verfolgt die nun einsetzende Diskussion.

Malte Kindt berichtet über seine Kriegserlebnisse.

Peter Zizka in der Diskussion mit Gästen.

Eine lebhafte Diskussion entbrennt. Die diversen These: 1. Feuer läßt sicht nicht mit Feuer vertreiben; 2. Legt man die Mechanismen der Paradoxen Interaktion zu Grunde, so ist das genau der richtige Kommunikationsansatz; 3. Die Frage ist, ob die Ästhetisierung nicht einer Verharmlosung des Themas gleichkommt.

Trotz des ernsten Themas gilt die alte Regel: Diskutieren macht hungrig. Matthias Boie ist mit der Qualität der gereichten Nahrungsmittel sichtlich zufrieden.

Im Gespräch: Clemens Hilger und Peter Zizka.

Über die Macht des Scherzes, auch wenn er sich im denkbar unpassendsten Moment die Gehirnwindungen emporschleicht und im Oberstübchen seines armen Opfers so lange und so intensiv rumort, bis er trotz größten Widerwillens von des Opfers Munde der Freiheit übergeben wird, ist schon viel philosophiert worden. So weiß sich der Autor dieser Zeilen gerade noch zu beherrschen, wenngleich er seine Leserinnen und Leser nicht daran hindern kann, sich selbst einen solchen zusammenzuschrauben, der a) zu diesem Bild paßt und b) etwas mit dem Thema Small Arms zu tun hat…

Isabel Seiboth, Malte Kindt, Clemens Hilger, Peter Zizka, Prof. Olaf Leu, sowie im Hintergrund Mitarbeiter des Hauses Hilger & Boie.

Blick über die Schulter Malte Kindts hinweg in die Tiefe des Raumes.

Peter Zizka im Gespräch mit Prof. Olaf Leu.

Michael Eibes diskutiert mit Peter Zizka (nicht im Bild).

Peter Zizka diskutiert mit Michael Eibes (nicht im Bild).

DDC-Vorstandssprecher Michael Eibes.

Peter Zizka begutachtet den Einladungsentwurf von Kitty Kahane für den aktuellen DDC-Kreativwettbewerb «Gute Gestaltung 13», den Michael Eibes (Bildmitte) mitbrachte. Rechts im Bild: Prof. Olaf Leu.

Es verabschiedet sich Patricia Eibes. Clemens Hilger mogelt sich noch schnell ins Gruppenbild.

Ein Close-Up von Prof. Olaf Leu.

Im Gespräch: Prof. Olaf Leu, Oliver Wagner und Elmar Becker.

Peter Zizka und Prof. Olaf Leu

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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