Ein Brief von Bertold Brecht an die VEB Radeberg Exportbierbrauerei

9 Aug

Der vergrößerten Analysemöglichkeiten wegen bitte anklicken

Nur vier Monate vor seinem Tod wandte sich Bertold Brecht in einem dramatischen Hilferuf an die VEB Radeberg Exportbierbrauerei und schilderte ihr seine Notsituation. Starb der berühmte Dichter und Dramatiker nur kurze Zeit darauf, weil sein Hilfsappell von den Brauereiverantwortlichen ignoriert – oder gar erhört wurde?

Um herauszufinden, was nun was ist, arbeitet der renomierte Kriminalbiologe und Spezialist für forensische Entomologie Dr. Mark Benecke im Auftrag des Bundesministeriums für Kunst und Kultur an einem Verfahren, die Qualität des damaligen VEB Radeberger Pils originalgetreu zu rekonstruieren.

Falls sich herausstellen sollte, daß das an den Schriftsteller gelieferte Bier von gesundheitsschädlicher Art und Güte gewesen sein sollte, so wird die Bundesregierung den Rechtsnachfolger der DDR, also die Partei Die Linke, gehörig auf Schadenersatz verklagen. Gregor Gysi erklärte jedoch bereits, daß man einer solchen Schadensersatzklage gelassen gegenüberstehe, da der Rechtsnachfolger der DDR niemand anderes als die Bundesrepublik Deutschland selbst sei.

Egal: Dr. Benecke versucht die brenzlige Situation zumindest punktuell zu entschärfen, indem er in den Siedekessel der erhitzten Gemüter ein paar informative Eiswürfel gibt: «Es stimmt schon recht bedenklich, wenn man sieht, wie der interpunktionssichere Brecht beispielsweise seinem letzten Satz, der eine Frage darstellt, das obligatorische Fragezeichen vorenthielt. Außerdem trennte er nicht die beiden Worte mir und vielleicht voneinander. Das alles deutet daraufhin, daß Brecht möglicherweise bereits zu diesem Zeitpunkt mit gesundheitlichen Problemen kämpfte.

Es kann allerdings auch sein, daß für diese Verschlechterung seines gesundheitlichen Allgemeinzustandes das andere Bier in der Deutschen Demokratischen Republik verantwortlich war, das Brecht in seinem Schreiben an die VEB Radeberg Exportbierbrauerei bereits kritisierte; und er also durch ein von ihm avisiertes verändertes Bierkonsumverhalten, also zukünftig nur noch das gute oder bessere VEB Radeberger Pils trinken zu wollen, eine vollständige oder zumindest teilweise Wiederherstellung seiner Gesundheit anstrebte.

Wenn man jedoch den oben rechts am Brief angebrachten Aufkleber untersucht, so kann man leicht zu der Überzeugung gelangen, daß es sich bei 762 / 57 um einen postalischen Vorgang aus dem Jahre 1957 handelt. Und da Bertold Brecht zu diesem Zeitpunkt bereits tot war und außerdem seine Unterschrift auf dem Brief fehlt, ist ebenfalls die Annahme erlaubt, daß es sich bei diesem Schriftstück möglicherweise auch um eine Fälschung handeln könnte. Es ist», so fügt Dr. Mark Bencke abschließend hinzu, «schon eine ziemlich verzwickte Angelegenheit.»

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***