Den Salzburger Festspielen ein gebührend Requiem

12 Aug

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Sprecher:
Der Nebel steigt, die Ampeln leuchten rot,
In solcher Zeit ist nicht zu spaßen:
Erneut schleicht sich der Touri-Tod
Durch Salzburgs dunkle Gassen.

Freitag, der 13., kurz nach acht,
Niemand an etwas Böses denkt.
Ein Mann sich auf den Heimweg macht
Und seine Schritte durch die Altstadt lenkt.

Durch die altehrwürd’ge Getreidegasse
Sein durst’ger Weg ihn führt.
Alles fand er «Grosse Klasse!»
Als von hinten ein Hand ihn kalt berührt.

Tourist:
Sag an, wer bist Du dunkler Mann?

Touri-Tod:
Was? Du kennst mich nicht?

Sprecher:
Da kündigte der Geist ihm strafend an:

Touri-Tod:
Dafür kommst Du vors Jüngste Gericht!

Tourist:
Gericht? Ihr meint doch wohl nicht mich?
Oder war ich etwa zu vermessen:

Sprecher:
Als eine leise Ahnung ihn beschlich…

Tourist:
Hab ich von Eurem Leib zu viel gegessen?

Touri-Tod:
Genau! Und deshalb wirst Du büßen!
Dein eig’nes Requiem soll es sein!
Drum, diese Köstlichkeit, mit meinen Grüßen,
Verleibst Du Dir jetzt schleunigst ein!

Tourist:
Gnade! Das kann kein Mensch ertragen!
Doch nicht ganze 1000 Stück!
Denkt doch bloß an meinen Magen!
Lieber spring ich von der Brück!

Touri-Tod:
Was? Du möchtest nicht?
Hab Dich doch gestern davon naschen seh’n!
Und jetzt übst Du Verzicht?
Friß, sag ich! Da hilft kein Fleh’n!

Sprecher:
Samstag, der 14. war es
Fand man in jener Getreidegasse
Schon wieder eine Leiche – und ohne ihr Bares:
Gebettet auf kugelnder Schokoladenmasse.

Die Zeitung mittlerweile schrieb:
«Schon wieder Freitod durch Schokolade!
Handelte der Unglückliche aus Trieb?
Wann endet diese Trauerballade?
»

War es, daß hier einer lachte?
Denn niemand konnt’s sich recht erklären,
Was die Menschheit dazu brachte
Auf diesem Wege Mozart zu verehren.

Drum, lieber Leser, nehmet dies Gedicht:
Wenn grinsend Wolferls Geist
Durch die Gassen schleicht
Und bei seinem Anblick meist
Der Fremde glatt erbleicht,
Dann ich die Moral von der Geschicht:
Kultur geht durch den Magen nicht –
Kultur ist auf Moral erpicht!

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