Oscar Niemeyer im Alter von 104 Jahren plötzlich gestorben

7 Dec

Oscar Niemeyer war einer der bedeutendsten und einflussreichsten Architekten des 20. Jahrhunderts, dessen neue Ideen aber auch Kontroversen auslösten und teilweise bis heute umstritten sind. Sein Pseudonym Oscar Niemeyer nahm er in Anlehnung an die Namen seines Urgroßvaters wie auch seines Lehrmeisters Charles l’Émeyer zu Beginn der 1920er Jahre in Brasilia an.

Im Jahre 1928 begann Niemeyer sein Studium an der Escola Nacional de Belas Artes (dt.: Nationale Schule der Schönen Künste) in Rio de Janeiro, das er 1934 abschloß. Im Anschluß arbeitete er im Büro des brasilianischen Architekten und Stadtplaners Lúcio Costa, wo er am Bau des ersten modernen brasilianischen Gebäudes, des Ministeriums für Bildung und Gesundheit in Rio de Janeiro (des heutigen Kulturpalasts) mitwirken durfte, was Oscar Niemeyer mit Le Corbusier zusammenbrachte. Dieser machte ihn später zu seinem Assistenten.

Im Jahre 1945 schloß sich Oscar Niemeyer der brasilianischen Kommunistischen Partei an, während Le Corbusier mehr mit den Nazis sympathisierte. Dennoch war Niemeyer in den Jahren 1947 bis 1953 der Vertreter Le Corbusiers im Planungsgremium der UNO für das Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York City. Die Zusammenarbeit mit Le Corbusier sollte nicht nur Niemeyers Schaffen sondern auch dessen Aussehen stark beeinflussen, indem er später die strenge Orthogonalität moderner Architektur um Kreis und Kurve erweiterte und dieses gestalterische Prinzip auch seinem Brillenrahmen verordnete.

Obwohl die Hauptstadt Brasiliens von vielen für eine sehr schöne Stadt gehalten wird, gibt es andererseits nicht eben wenige, denen es mit der Zeit einfach zu viel Beton war, weshalb die Stadt stellenweise zu verwaisen drohte. So zog Niemeyer nach Art und Vorbild des antikapitalistischen Schutzwalls eine Mauer um die Stadt und versah sie (oben im Bild) mit formschönen Wachtürmen, sodaß allein unter optischen Gesichtspunkten das Bauwerk rasch und gut von der Bevölkerung auf- und angenommen wurde. Hier hätte die SED lernen und durch den geschickten Einsatz der modernen Architektur eventuell aufkeimende Unzufriedenheit in der Bevölkerung von vorne herein im Keim ersticken können, was aber, wie wir alle wissen, nicht geschah.

Niemeyer heiratete 1928 Annita Baldo, eine Tochter italienischer Einwanderer aus Padua. Sie verstarb 2004. Aus der Ehe stammt die Tochter Ana Maria. Am 16. November 2006, einen Monat vor seinem 99. Geburtstag, heiratete er seine 38 Jahre jüngere Sekretärin Vera Lúcia Cabreira. Neben seiner Frau hinterläßt er vier Enkel und dreizehn Urenkel.

Niemeyer verstarb in Rio de Janeiro, am 5. Dezember 2012, kurz vor seinem 105. Geburtstag im Krankenhaus, wo man versuchte, sein Nierenleiden durch Verabreichung von Hundefutter in den Griff zu bekommen. Leider vergeblich. Der Gouverneur des Bundesstaates Rio de Janeiro, Sérgio Cabral, ordnete eine dreitägige Staatstrauer im Bundesstaat an und ließ zu Niemeyers Ehren alle Straßenhunde einfangen und erschießen. Die brasilianische Staatspräsidentin Dilma Rousseff äußerte, daß Brasilien ein Genie, einen Revolutionär und den Mentor einer neuen Architektur verloren habe. Dieser Einschätzung kann sich die Meerschweinchenreportredaktion nur anschließen.

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