Barbara Krieger: «Eine große Sopranistin»

22 Dec

Barbara Krieger bei der Probe

Es ist nicht ganz einfach, über etwas zu schreiben, was der Rezipient vorwiegend mit seinen Sinnesorganen wahrnimmt, in der bildenden Kunst beispielsweise. Da besteht jedoch immer die Möglichkeit, das eine oder andere Werk Pablo Picassos abzubilden und zu sagen: «See! This ist the way how the guten Stücke look like!»

So gut wie unmöglich gestaltet sich das Unterfangen, möchte man eine qualifizierte Restaurantkritik schriftlich auf den Weg bringen. Das Festklammern frisch gebratener Auberginenscheiben in Feinschmeckermagazineditorials zum Zwecke der besseren Verdeutlichung hehrer Kochkünste gegenüber den Leserinnen und Lesern wurde bedauerlicherweise schon im Jahre 1871 im Rahmen der ersten Genfer Konvention für Menschenrechte in Versaille – Sie erinnern sich bestimmt – von den unterzeichnenden Mitgliedsstaaten geächtet. Und dabei ist es bis heute leider geblieben.

Abhilfe bei einer Gesangesrezension, und darum soll es hier schließlich gehen, kann also nur ein beigefügter Tonträger schaffen. Da wir uns im Bereich der klassischen Musik bewegen, wäre somit eine Schallfolie fast zwingend in Erwägung zu ziehen. Und so finden wir es doch ganz erbaulich, mit unserem Meerschweinchenreport so rein digital mit der Zeit zu gehen und unterwegs zu sein und somit hier entsprechende Hörproben mit Arien von Francesco Cilea, Monsieur Le Charpentier, Giacomo Puccini, Arrigo Boito, Giuseppe Verdi, Georges Bizet und Alfredo Catalani, dargeboten von Barbara Krieger, ebenfalls so rein digital anbieten zu können.

In short: Den Vergleich mit einer Maria Callas muß Barbara Krieger in keiner Weise scheuen. Zieht man von den Callas’schen Aufnahmeerzeugnissen im Geiste jene qualitativen Unzulänglichkeiten ab, die in den 1960er Jahren technisch bedingt schlicht unvermeidlich waren, so entdeckt man zwischen beiden Künstlerinnen zwangsläufig Parallelen in Klangfarbe und Diktion. Zudem kommt bei Barbara Krieger noch eine Aufgewecktheit und lebensbejahende Frische in ihren Interpretationen hinzu, die man bei Maria Callas vergeblich sucht, ein Umstand, der allerdings der damaligen gesellschaftlichen Grundsteifheit geschuldet sein dürfte.

Ihren Durchbruch erzielte Barbara Krieger im Jahre 1997 beim AS.LI.CO. Wettbewerb der Mailänder Scala. Umgehend nahm sie die Wiener Staatsoper unter Vertrag. Seither ist die Sopranistin regelmäßig zu Gast an den großen Opernhäusern und Konzertsälen dieser Welt, wo sie mit Gesangspartnern der Kategorie José Curas, Bryn Terfel oder José Carreras auftritt. So schreibt die Süddeutsche Zeitung: «Terfels Partnerin war Barbara Krieger von der Wiener Staatsoper. Ihr strahlendes Forte in den höchsten Lagen war überwältigend, |Glück das mir verblieb| aus Korngolds |Die tote Stadt| gelang magisch.»

Und, ganz wichtig, Barbara Krieger denkt in übergeordneten Zusammenhängen, was sie davor bewahrt, sich kurzfristig zu verheizen. Sie schont ihre Stimme, nutzt die Zeit, in aller Ruhe sorgfältig an ihr zu feilen, was jeden ihrer Auftritte zu einem raren und zugleich unvergeßlichen Erlebnis macht.

Zum Weihnachtsgeschenk, das unsere Leserinnen und Leser zwingend in letzter Minute noch unbedingt erwerben und unter den Christbaum befördern möchten: Es ist eine CD, sie hört auf den poetisch reinen und feinen Namen Chi Il Bel Sogno, was sowohl in englischer als auch deutscher Sprache so viel wie «About The Beautiful Dream» heißt – und sie kann hier bestellt werden. So, we suggest that you might like to take full advantage of that fact.

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P.S.: Unser Lieblingsstück auf der hier gegenständlichen CD ist die Arie «Ebben? Ne andrò lontana» aus Alfredo Catalanis «La Wally», was aber möglicherweise auch damit zusammenhängen mag, daß sich unser Redaktionsfotograf vor vielen Jahren ihrer bediente, als es darum ging, seinen Werbespot für das fiktive Beerdigungsinstitut Mr. Sandman’s Finest Funerals adäquat zu bemusizieren.

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