‪Schirn: «The Kingqueen of Glam At Night!‬»

8 Sep

Have you never seen the Ever-Queen?
Petting the stage, setting the scene?
Parsley, sage and Mr. Bean;
Cute red wine, rosemary and Mrs. Thyme:
It’s the Queen that makes the rhyme:
A settled scene: supposed to shine…

Juhuhuu! Im Hause Schirn ward einmal mehr der Bär nebst – Whow! – die Sau rausgelassen. Klar +: fürwahr! Die Kunst des Checkens: «Sieh die Smarties!» Des coolen Aneckens – auf Parties. Und irgendwie auch alles gratis… Straßenklassen unterwegs zum Massenanfassen: «Der große Keks!» «Wassendas?» «Wie geht’s?» «Solala, wie Treets eben» «Wie steht’s? Was macht das Streben?» «4:0 für Bayern» «Kein Grund zu Feiern»…

Well, well, well, … wie auch immer jeder einzelne seine Jugend in der hier gegenständlichen und fraglichen Zeit im nachhinein meint, verbracht zu haben, in realiter wird es nur halb so wild gewesen sein, wie man es sich selbst und aus heutiger Sicht zwanghaft einreden möchte. Täte man dies nicht, so käme dies einer glatten Selbstaufgabe gleich – und bedeutete zwangsläufig: 1:0 für die Pharmaindustrie.

Eine hinreichend pillenfreie Alternative auf dem rückbesinnlichen Weg in die emotionale Glückseligkeit zeigt einmal mehr das Frankfurter Ausstellungshaus Schirn auf, als es zu einer ebenso begleitenden wie bemerkenswerten Veranstaltung der ganz besonderen Art lud: «‪Schirn at Night. The Kingqueen of Night!‬».

Doch Zurückmarschmarsch: Worum geht es eigentlich? Es geht um «GLAM!» und um die damit verbundene Visualisierung jener seltsamen Geisteshaltung, die sich die «respektlose Verbindung von Hoch- und Subkultur sowie der Infragestellung gesellschaftlich tradierter Begriffe wie Identität und Geschlecht» in den frühen 1970er Jahren auf die Fahnen schrieb. Salopp gesagt: David Bowie spritzt sich sein Heroin nicht etwa auf der Straße oder auf einem Bahnhofsklo sondern eingewickelt in einem teuren Nerzmantel, breitbeinig auf einem riesigen antiken Holztisch im Foyer des Arts, quatsch, des Savoy liegend, während ihm eine von Mick Jagger leihweise zur Verfügung gestellte Marianne Faithfull wolllüstig ein Sprühsahnehäubchen nebst zugehöriger Cocktailkirsche von der Stirn schlabbert. Ach ja, und der Künstler Richard Hamilton vertritt zur Abwechslung mal die Ansicht, «daß alle Kunst gleichberechtigt sei». Was man als junger Mensch eben so daherredet, wenn man an den Fleischtopf möchte…

Und was man als inzwischen etwas gereifterer Mensch so alles tut, um damals Erlebtes einer Frischzellenkur zu unterziehen, das zeigt das oben eingebettete Filmchen, dessen Produktion übrigens in den «most capable hands» der ebenfalls in Frankfurt ansäßigen Agentur FIELD lag.

Und da das Ganze im Kontext zu einer Ausstellung geschieht, dürfen sich alle Besucherinnen und Besucher, die gleichsam als Teilnehmerinnen und Teilnehmer dieser Performance-Party fungieren, als echte und quicklebendige Exponate einer temporären und gelungenen Ausstellung begreifen – was sie, wie man besagtem Filmchen entnehmen darf, auch freudvoll tun.

Zurück zur Ausstellung: Neben rund 150 Werken von u. a. Guy Bourdin, Gilbert & George, Peter Hujar, Derek Jarman, Ray Johnson, Allen Jones, Jürgen Klauke, Ed Paschke, Sigmar Polke, Cindy Sherman und Andy Warhol runden Fotografien insbesondere von einem großartigen und von der Kunst- und Fotografiegeschichte leider immer noch unterbewerteten Mick Rock sowie umfangreiches Dokumentationsmaterial den «Themenpark» ab.
 Am 22. September 2013 ist letzter Besuchstermin.

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