Prof. Dr. Hanno Higgins: «Über die Bedeutung der Sprache und ihre Auswirkung im täglichen Leben»

1 Oct

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John Chamberlain: «Nutcracker, 1958»

Sprache ist ein Muß. Ohne Sprache kein kommunizierter Sinn. Ohne kommunizierten Sinn kein Geld. Ohne Geld kein Leben. Jedenfalls nicht dieses. So einfach ist das. Wirklich? Ja, wirklich!

Theoretisch zumindest. Im praktischen Leben sieht das aber oftmals anders aus. Ganz anders. Da benutzt man die Sprache, um zu verschleiern, sich mittels einer gezielten Falschaussage aus der Klemme zu bringen. Manchmal bringt man sich aber erst dadurch in eine solche. Die Steinzeitmenschen hatten es da noch vergleichsweise einfach, obwohl neueste wissenschaftliche Studien eindeutig belegen, daß zum Beispiel das Prinzip Desinformation auch bei den Affen Anwendung findet. Doch zurück zur Steinzeit: Faustkeil auf den Kopf hieß: Du bist böse und gleich tot! Faustkeil nicht auf den Kopf bedeutete hingegen: Du bist lieb und darfst in meiner Nähe bleiben. Dazwischen gab es wenig, jedenfalls nicht die FAZ mit ihren vielen Stellenanzeigen und der damit verbundenen Möglichkeit, einen freundlich dotierten Platz in einem Mobbingkindergarten zu ergattern.

Interessant ist, daß es den menschlichen Fortschritt ohne schwammig anmutende Formulierungskünste gar nicht geben würde. Zumindest nicht in dieser Form. Auf der anderen Seite stehen genau diese ihm zur Weiterentwicklung erheblich im Wege. Denken Sie nur an die Emser Depesche, deren Fälschung der Chefintrigant Fürst Otto von Bismarck vornahm, bevor er sie an den deutschen Kaiser weiterleitete und die somit den deutsch-französischen Krieg 1870-1871 auslöste. Diese Dualität des Paradoxen, wie Sigmund Freud, bzw. Karl Popper es einmal nannte, spiegelt sich in einem anderen Umstand viel drastischer nieder: in der Geburt und im Tod eines jeden Menschen. «Die Geburt ist eine Lüge, die Wahrheit der Tod», wußte schon Johann Wolfgang von Goethe zu berichten. Der da schon senile und ehrfürchtig geschätzte Geheimrat war von der fixen Idee beseelt, daß die Erde, die Natur in ihrer ganzen Echtheit falsch sei und der Tod somit die einzig gültige Wahrheit darstelle. War ihm die Theorie der Matrix bereits bekannt? Darüber können wir nur spekulieren.

Falls es so etwas wie die Matrix geben sollte, hat die Sprache dann ihre eigene? Falls ja, dann würde das die Extistenz und den Mechanismus der Lüge erklären. Und auch, daß der Tod die Wahrheit ist, weil der Tod den Menschen aus der Lüge herausführt. Sind somit Selbstmörder in Wahrheit Wahrheitssuchende? Oder stellt die Sprache an sich bereits eine Lüge dar? Sind Fragen ein Mittel zur Sinnsuche, oder lediglich ein Produkt unpräziser Überlegungen? Das alles sind Fragen, die hinterfragt werden müssen, weil uns vorgefertigte Antworten, so wie sie unser Gehirn für uns parat hält, hier nicht weiterbringen.

Nehmen wir einmal Lessings Ringparabel und stellen uns vor, daß es drei verschiedene Wahrheiten gäbe, deren Erscheinungsbild absolut identisch ist, aber nur eine davon auch in Wirklichkeit echt ist. Was würde das bedeuten? Nichts! Denn was hat eine identische Identität gegenüber einer wahrhaftig und wirklich wirklichen Identität nicht, was die wahrhaftig und wirklich wirkliche Identität hat? Nichts! Und genau das ist es! Das ist der springende Punkt.

Vor diesem Hintergrund sollten sich viele Fragen, die sich uns automatisch stellen, gar nicht erst stellen, weil sie fast alle überflüssig bzw. längst parallelexistent sind, ohne daß wir es so richtig mitbekommen beziehungsweise wahrnehmen.

Beeinflußt die Sprache somit unsere Wahrnehmung? Ja! Genauer gesagt: Nichts beeinflußt unsere Wahrnehmung mehr, als unsere Sprache. Diesen Mechanismus macht sich zum Beispiel die BILD-Zeitung zu nutzen. Aber nicht nur sie, wir alle tun es und so auch ich. Was ist zum Beispiel mit meinem Namen? Prof. Dr. Hanno Higgins? Klingt gut, nicht? Aber ist er auch echt? Außer mir weiß das keiner, möglicherweise noch nicht mal höchstrichterlich ich selbst? Wie hätten Sie den Inhalt des bis jetzt Gelesenen aufgenommen, wenn darüber gestanden hätte: «Ein Beitrag von der angehenden Sozialpädagogin Magdalena Dinckelkißen?» Wie? Sie möchten wissen, worum es in meinem Beitrag geht? Ganz einfach: Es geht um die Unfähigkeit, eine klare Sprache zu sprechen.

Prof. Dr. Hanno Higgins unterrichtet an der «Wall Street University of Economic Research And Mystery Sciences».

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Religiöses Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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