Marc Herold: «Systematisch Systemisches»

3 Nov

Marc Herold für «SZ Wissen»
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Als wir vor vielen, vielen Jahren das erste Mal den Kreativen Marc Herold in seinem Münchner Atelier besuchten, um uns seine Illustrationen anzusehen, da gab er uns zum Abschied – damals waren C90-Kassetten noch hip – eine C90-Kassette mit auf den Weg, auf der sich verschiedene seiner selbstgeschraubten Tracks befanden. Unter anderem auch ein von der reinen Laufzeit her als durchaus radiotauglich zu bezeichnendes Stück mit dem Titel «Die Quintessenz amerikanischen Filmschaffens».

Zu hören war eine Nummer, die unter musikalischen Gesichtspunkten dem Genre American Yodeling zuzuordnen ist. Über diese legte er jedoch aus unzähligen Hollywood-Spielfilmen mühsam, ja beinahe zielstrebig fanatisch herausgeschnitten, immer nur den verschiedenen Hollywood-Stars entsprungenem Ausspruch «Mein Gott» bzw. «Oh, mein Gott».

Marc Herold: Systemanalyse 1

Über eine Länge von etwas mehr als drei Minuten war also ausschließlich «Mein Gott», «Oh, mein Gott», «Oh, mein Gott», Jodeljodeldodel, «Oh, mein Gott», «Mein Gott», «Mein Gott», «Oh, mein Gott», Jodeljodeljodel, usw. usf. zu hören. «Die Quintessenz amerikanischen Filmschaffens» eben. Nichts mehr aber auch nichts weniger. Diejenigen Hörerinnen und Hörer unserer damals noch aktiven Meerschweinchenreportradiosendung werden sich an besagtes Stück mit Sicherheit erinnern.

Außerdem befand sich auf jener C90-Kassette auch ein in etwa 70-minütiges Stück, das sich in heroldtypischer Weise analytisch der Fragestellung «Warum sich Frauen und Männer einfach nicht verstehen» widmet: Typisch männliche Filmsätze setzte er typisch weiblichen Filmsätzen dialogesk geschnitten gegeneinander. Ergebnis: Kriegsführende Männer unterhalten sich mit haushaltinordnunghaltenden Frauen. Kein Wunder, daß beide Geschlechter chronisch aneinander vorbeireden. Künstlerisch wären diese vorstehend beschriebenen Werke Herolds einer Art «aufklärerischem Fluxus» zuzurodnen.

Einer inneren Eingebung folgend besuchten wir kürzlich seine Website und fanden erneut – Wie wäre es auch anders zu erwarten gewesen? – hinreichend Erfrischendes. Beispielsweise seine systemischen Systemanalysen:

Marc Herold: Systemanalyse 3

Neben seinen eigenen Werken, die Marc Herold auf verschiedenen Websites thematisch gegliedert präsentiert, unterhält er auch einen Blog, der sich «Wunderwelten des Comics» nennt. Er widmet sich der «Ästhetik in Illustration und Textübersetzung alter Comics». Das Blog zählt bislag 47 Einträge, u.a. die beiden nachfolgend Wiedergegebenen:

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Religiöses Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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