Gottschalk + Ash Int’l: «Gazzetta» aus dem Hause ProLitteris

28 Mar

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Bu: Wie sieht eine excellent gemachte Key-Visualisierung des Themas «Übersetzungen» aus? Fritz Gottschalk und Sascha Lötscher aus dem Hause «Gottschalk + Ash Int’l» bringen einmal mehr, wie üblich, die Sache diszipliniert und themenrelevant auf die beiden Ü-Pünktchen. Hier im Auftrag von «ProLitteris», der «Schweizerischen Urheberrechtsgesellschaft für Literatur und bildende Kunst» mit Sitz in Zürich.

Bu: Die mit dem Thema «Übersetzungen» einhergehenden Aufgabenstellungen werden auch in diesem visuellen Gleichnis ebenso dezent wie kraftvoll reduziert verdeutlicht: «O» ist nicht gleich «O» ist gleich «O». Genauso ist das auch mit Übersetzungen: Es gibt inhaltliche Parallelen und kulturelle Eigenheiten in ihrem jeweiligen Ausdruck. Beispiel: «Es hat Sinn» ist (nicht ganz) gleich «It makes sense».

Bu: Jede «Gazzetta»-Ausgabe ist einem bestimmten Thema gewidmet. Sie beinhaltet Textbeiträge verschiedener etablierter Autoren, angereichert mit einer opulente Bildstrecke, die jeweils von einem einzigen Bildautoren kongenial begleitend umgesetzt wird, wie beispielsweise hier von Hans Hansen. Noch ein «O»? Oder der visuelle Ausdruck für «Top!»? Oder der bildsprachlich reduzierte Aufmacher für ein schmackhaftes Hasenrücken-Rezept? Es geht, wie bereits ausgeführt, um das Thema «Übersetzungen» und auch um die damit verbundenen «Fußangeln», mit denen Übersetzer immer wieder konfrontiert sind…

Es ist aus der Sicht der Schweizern mehrheitlich immanenten Qualitätsvernarrtheit eine geradezu zwingende Notwendigkeit als «Urheberrechtsgesellschaft für Literatur und bildende Kunst» eine Mitgliederzeitschrift zu etablieren, die sowohl formal als auch inhaltlich höchsten Ansprüchen gerecht wird. Mit «Gazzetta» wird dieses Anliegen von Ausgabe zu Ausgabe durch und durch gelungen verwirklicht.

Dennoch: «Swiss Design ist nicht schweizerisch.» Dieser Ansatz wuchs rasch über europäische Grenzen hinaus und gilt heute als Standard für die internationale Betreuung von Marken- und Unternehmensidentitäten. Dahinter steht eine spezifische kulturelle und ästhetische Haltung, die weltweit Beachtung findet: Vernetzt, ehrlich, nachhaltig – handwerklich präzise, strategisch gedacht, visuell verdichtet. Mit der Überzeugung, daß Kommunikation zumeist über das Auge seinen Weg zum menschlichen Gehirn bahnt, sind die gestalterischen Resultate auf geistiger Ebene überraschend pointiert und treffend vereinfacht, sowie die zum Beispiel in «Gazzetta» den Inhalt begleitende Bildstrecke visuell auf die Bedürfnisse des Auffassungsvermögens entsprechend aufmerksamkeitssteigernd zugeschnitten.

Das zweifelsfrei seit mehreren Jahrzehnten zur Design Champions League gehörende Büro «Gottschalk + Ash Int’l» fühlt sich mit Leib und Seele vorstehend genannter strategischer Überlegungen verpflichtet. «G + A Int’l» betreibt heute Büros in Zürich und Toronto.

Bu: Die aktuelle Ausgabe «Hereditas Relica» widmet sich der Handhabung «zurückgelassener Erbschaften», die in Archiven verwaltet werden. Der auf dieses Thema passend zugeschnittene Scherz artikuliert sich auf Seite 88 des insgesamt 104 Seiten starken Heftes in Form eines Inserates der Gemeindeverwaltung Langrickenbach: «Häckseldienst – Sie haben am Freitagnachmittag, 25. Oktober und Samstag, 26. Oktober, die Möglichkeit, das Grüngut aus dem Garten mit dem Häcksler zum Kompostieren für den Eigenbedarf aufbereiten oder abtransportieren zu lassen.»

Wie wichtig ein adäquater Umgang mit den in Archiven lagernden Werken ist, zeigt exemplarisch zudem aktuell der Fall «Sammlung Gurlitt», speziell jener Teil, der jahrzehntelang in einem schlecht klimatisiertem und hinreichend verwittertem Häuschen ganz in der Nähe Salzburgs aufgefunden wurde. Kunsthistoriker und -restauratoren sind ob des schlechten Zustandes der Bilder schlicht entsetzt.

Bu: Das Thema «Übersetzungen» ist übrigens bei jeder Ausgabe ein fixes Thema, denn der Dreisprachigkeit der Schweiz ist stets Rechnung zu tragen.

Bu: Die wundervolle Bildstrecke dieser Ausgabe wurde komplett von dem Fotografen Michael Lio erstellt. Er besuchte u.a. das Rolf-Brunner-Archiv, das Archiv des Kirchner-Museums, das Zentrum Paul Klee, das Max-Frisch-Archiv, oder, wie auf vorstehendem Foto zu sehen: den Josephsohn-Nachlaß.

ProLitteris selbst schreibt: «Mit ‹Gazzetta› betreibe man einerseits Kulturförderung und behandele andererseits stets Themen, die mit der Tätigkeit unserer Mitglieder in Beziehung stehen. Zudem umfasse die Zeitschrift auch eine Sparte, welche Informationen über die Tätigkeit der ProLitteris enthalte.»

Wir sind zusätzlich der Ansicht, daß die extrem hohe Wertigkeit des Mitgliedermagazins «Gazzetta» allen an die Verwertungsgesellschaft «ProLitteris» angeschlossenen Mitgliedern auch dahingehend zu Gute kommt, als daß besagtes hohe Qualitätsverständnis in der Außenwirkung direkt auf jedes Mitglied abstrahlt und ihm somit ebenfalls einen guten Stand gegenüber seinen eigenen Klienten verschafft.

Vor diesem Hintergrund ist von einer Unternehmens- bzw. Gesellschaftskultur mit hohem Durchsetzungsvermögen zu sprechen, die sich mit einem durchdachten Konzept Kraft eines charmant gemachten Mitgliedermagazins von Kopf zu Kopf transportiert – und dort etabliert.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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