Flo Service: «30. Geburtstag»

9 Apr

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Alphörner werden inzwischen mehrheitlich aus Carbon gefertigt. Diese wiegen im Gegensatz zu ihren hölzernen, gut 24 Pfund schweren, Kollegen lediglich anderthalb Kilogramm. In der Bundesrepublik Deutschland gilt dabei das Fertigungsgebot: F-Dur. In China werden sie zu Zahnstochern verarbeitet und bei der Firma «Hubert Hense» transformiert man sie gelegentlich auch zu Handläufen für Treppenaufgänge. Doch dazu später etwas mehr.

Der Künstler Patrick Beiling aka «Aaden» eröffnet mit seinen einfühlsamen Balladen das Fest zum dreißigjährigen «Flo-Service»-Bestehen. Wir möchten als Hörtip sein Stück «A Miracle» auf You Tube empfehlen. Seine persönliche Website mit weiteren Informationen sowie Tourkalender ist hier besuchbar.

Die beiden Gechäftsführer Tim Sandrock und Thomas Spanier geben ihren Gästen einen kleinen Ein- und Rückblick über den Werdegang ihres Unternehmens «Flo Service». Angefangen vor dreißig Jahren mit einem VW-Bus (Bully) und einigen Beschallungsgeräten, so läßt Flo Service inzwischen – hinreichend salopp formuliert – die Sau raus.

Energy Drink? Energy Drink.

Zum aktuellen Dienstleistungsangebot gehören mittlerweile ebenfalls schnell auf- und abbaubare Konzertbühnen mit allem erdenklichen Zubehör fürs Drum und Dran. «Flo Service» betreut mit seinen Mitarbeitern pro Jahr so um die eintausend Veranstaltungen, sodaß der selbstbewußt klingende Slogan «Right In The Heart of Europe» seine Berechtigung hat, insbesondere vor dem Hintergrund, daß sich immer mehr international etablierte Künstler der Flo-Service-Dienste vergewissern.

Bei einem Kick-down-and-go-for-it-Programm dieser Art wäre es eigentlich kein Wunder, würde Flo Service, in vielleicht zehn Jahren oder so, eine mobile Konzertbühne entwickelt haben, die sich per Knopfdruck vom Mars direkt auf einen bestimmten Erdpunkt schließen ließe, auf deren Spielfläche kurz nach ihrer vollständigen Selbstentfaltung in Windeseile ein Künstler – vorzugsweise Michael Jackson oder so – von der befruchteten Eizelle bis hin zur Auftrittsreife entstünde; und dieses Konzertwerkzeug sich nach Gebrauch publikumswirksam auf die Größe eines schmackhaften Kaugummis reduzierte, um schließlich von einem Lateinamerikanischen Ureinwohner mittels seines Blasrohres wieder zurück auf den Mars geschossen zu werden.

Isabernursongedanke…

Zum Abschluß ihres Referates löschen die beiden Geschäftsführer das dreißigjährige Licht – um im Kalender Platz für weitere dreißig Jahre zu schaffen. Die Flammen, der Kerzenrauch, sowie die dizzygillespieeske Blasebacke von Thomas Spanier hat unser Redaktionsfotograf mit viel Liebe fürs Detail nachträglich digital hinzugefügt.

Und nun zu den Blasebacken der vier freundlichen Blaseröhrenherren vom «Alphornsportverein Falkenberg» oder so, deren digitale Heimseite hier zu besuchen ist. Die wohltuenden Vibrationen der Alphörner vermögen es, Drinks zu schütteln (nicht zu rühren), Fußreflexzonenmassagen zu verabreichen sowie das Ambiente des Atriums mit einer Lichtfarbauswahl einzukleiden, die sich nach den Vorgaben der allseits beliebten Almyuveda-Heilmethode richtet:

Enzian Polka? Enzian Polka. Und den «Paula Walzer» gibt es auch zu hören.

Zu den Gästen gehört ebenfalls Johannes Klein.

Was wird die Zukunft bringen? Ein Blick in das digitalisierte Gesicht eines Glückskeksboten verrät es: Disko, Party und sicherlich auch etwas mehr Testbild im TV. Außerdem wird gleich Vitold Rek auftreten:

Was der jüngst mit dem Hessischen Jazz-Preis ausgezeichnete polnische Kontrabaß-Virtuose Vitold Rek auf und mit seinem Instrument veranstaltet, das ist schlicht als Wahnsinn zu bezeichnen.

Auch das ist eine Form hochwertigen Jazzes: Virtuoses Schuhdesign mit dem mutmaßlichen Arbeitstitel «Captain America meets Mary Poppins». Wer solche Zuhörer hat, der muß sich über die Qualität des eigenen Spiels keinerlei Gedanken machen.

Der Konzertsaal des Mainzer «Frankfurter Hof» in der Augustinerstrasse ist gerammelt voll. Auch hier hat sich, wie es scheint, ein Almyuveda-Botschafter erfolgreich im Rampenlicht des allgemeinen Bewußtseins – zumindest kurzzeitig – etabliert…

Der Anblick der Farbe Blau erinnert an Yves Klein, an Pablo Picassos «blaue Periode» und die Musik der Band Shantel & Bucovina Club Orkestar sowie an Urlaub auf dem Balkan mit gebratenen Tauben, die einem unaufgefordert in den Mund fliegen. Auf dem Bild sogar mit Gewürzblättern im Schnabel unterwegs.

Shantel hat es nach vielen Jahren hartnäckiger Basisarbeit in Europa zur wohlverdienten internationalen Prominenz gebracht, mit über 1.000 gespielten Shows ist er mit seinem Bucovina Club Orkestar Garant für ein Live-Spektakel der absoluten Spitzenklasse und eine traumwandlerisch enge Kommunikation mit seinem Publikum.

Viele der Stücke sind nach den Prinzipien der Pentatonik aufgebaut. Normalerweise wird die Melodieführung bei solchen Kompositionen von Streichinstrumenten oder Gesangsstimmen übernommen. Hier jedoch werden sie, unterfüttert von SKA-Rhythmen, von einem Bläsersatz, bestehend aus zwei Trompeten und einer Posaune, gespielt – und das kommt fett.

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Das Konzert entwickelt im Saal und bei den Fans eine solche positiv heiße Atmosphäre, daß sich das gesamte Gebäude stetig ausdehnt – und so zur amtlichen Super-Konzerthalle mutiert.

Noch nie haben wir einen Schlagzeuger mit solch ausgeprägen Rampensau-Qualitäten erlebt, wie es bei ihm der Fall ist. Er verläßt sein Instrument, hüpft am Bühnenrand herum – und bringt das gesamte Publikum wortlos dazu, tief in die Hocke zu gehen – um dort gemeinsam bis zum erlösenden Luftsprung zu verharren.

Well, the exciting concert is over. Glücklich, zufrieden und irgendwie auch etwas abgekämpft verlassen die Besucher den Konzertsaal.

Zum Release der Shantel-CD Anarchy & Romance erscheint das von ihm herausgegebene und streng limitierte «ALRIGHT MAGAZIN» – ein Kompendium für Politik, Musik, Kunst und Lifestyle, mit Beiträgen über das berühmte Frankfurter Rotlichtviertel und seine Beat-Clubs der 50er und 60er Jahre, einen Zeitzeugenbericht über das Hanau der 60er Jahre und wie dabei zufällig Punkrock erfunden wurde, ein Essay über die Geschichte des Rock’n‘Roll in Deutschland und wie indonesische Rock-Bands dabei Entwicklungshilfe leisteten, eine Fotostrecke von Horst A. Friedrichs zum Thema «The Kiez is alright – so verschwendete ich meine Jugend».

Finally, so müssen wir sagen, ist es ein sehr schönes, ausgewogenes und abwechslungsreiches Fest, das auch Kraft seines Caterings mit schmackhaften Produkten aus der Region zu überzeugen weiß.

Und natürlich auch mit Gästen aus der Region…

Wir gehören einer Jahrgangsstufe an, da bringt man zum Kauf von Schuhen noch frische Socken mit ins Geschäft. Nicht so die Vertreter der jüngeren Generation. Ihre Wirkungskraft ist in eine Dynamik von ergebnisorientiertem Pragmatismus eingebettet, die es beispielsweise akzeptiert, frische Merchandising-T-Shirts einfach vor Ort mal eben kurz unter Realbedingungen anprobieren

Und mit diesem subtilen Abschlußgedanken lassen wir unsere geschätzten Leserinnen und Leser jetzt alleine.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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