Ausstellung «Abstrakte Maler der inneren Emigration»; Bonn Bundeskanzleramt 1984

17 Jul

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Im Jahre 1984 wurde eines schönen Tages im Bonner Bundeskanzleramt durch den damaligen Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl die Ausstellung «Abstrakte Maler der inneren Emigration» feierlich eröffnet. Trotz gründlicher Vorbereitung platze der Raum aus allen Nähten. Selbst auf der «Zubringertreppe» drängten sich die Besucher.

Organisiert und kuratiert wurde die Ausstellung von Dr. Berthold Roland, dem damaligen Direktor des Mittelrheinischen Landesmuseums Mainz.

Als einer der wenigen damals noch lebenden Künstler und Zeitgenossen wohnte der Künstler Georg Meistermann zusammen mit seiner Frau Edeltrud Meistermann-Seeger den Eröffnungsfeierlichkeiten bei.

Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl hielt seine Eröffnungsrede.

Anderer Blickwinkel: Im Vordergrund links und rechts im Anschnitt sind Georg Meistermann und seine Frau Edeltrud Meistermann-Seeger zu sehen.

Noch ein anderer Blickwinkel. Diesmal durch die Linse des Kollegen Camillo Fischer.

Vorbereitungen für die offiziellen Pressebilder.

V.l.n.r.: Dr. Berthold Roland, Frau Menuhin, Sir Yehudi Menuhin, Georg Meistermann, Dr. Helmut Kohl, Frau Edeltrud Meistermann-Seeger.

Sir Yehudi Menuhin, Georg Meistermann, Dr. Helmut Kohl, Frau Edeltrud Meistermann-Seeger

Georg Meistermanns «Soloshow».

Zu den Gästen gehörte ebenfalls François Lachenal, der damals u.a. das Kulturprogramm der Firma Boehringer Ingelheim verantwortlich gestaltete. In frühen Jahren war er während des 2. Weltkrieges Mitglied der Résistance und Gertrude Stein schrieb über ihn: «…that a young member of the Swiss legation in Lyon, François Lachenal, a friend of Tavernier’s, arranged in February 1944 for Stein and Toklas to obtain a Passeport de Protection. This document declared them to be temporary residents in France and therefore entitled to enter Switzerland».

Der damalige Direktor des Mittelrheinischen Landesmuseums sowie Organisator und Kurator dieser Ausstellung Dr. Berthold Roland im Gespräch mit dem Sammler, Kunstmäzen und Schokolandenfabrikanten Dr. Peter Ludwig. Mit der kurzen Erläuterung: «Das ist der Sohn vom Baier» war die erforderliche Atmosphäre sofort hergestellt.

Kunst kennt bekanntlich viele Ausdrucksformen und mit einer dieser Ausdrucksformen befand sich gerade der Künstler Gerhard Hoehme im Gespräch vertieft.

Das damalige Arbeiten mit ausschließlich vorhandenem Licht (available light photography) im 3200ASA-Modus war mit gelegentlichen Überraschungen verbunden: Hier sieht es beispielsweise so aus, als würden die Ausstellungsbesucher über einen Teppich aus geraspelter weißer Schokolade laufen.

Unser Redaktionsfotograf war von der übergeordneten Ernsthaftigkeit, mit der der hier portraitierte Kollege Camillo Fischer bei der Sache war, regelrecht fasziniert. Konrad Adenauer nannte ihn wegen seines Vornamens und seines schelmischen Naturells «Don Camillo».

Im Netz haben wir leider nur sehr wenige Arbeitsproben von Camillo Fischer finden können, aber diese wenigen Bilder sind von hoher Qualität. Bei Amazon ist derzeit eine gebrauchte Ausgabe des Buches «Camillo Fischer – Zum 75 Geburtstag mit einer Würdigung von Klaus Honnef» erhältlich. Wir empfehlen, zuzugreifen!

Das Portrait des damaligen Botschafters der Sowjetunion in der Bundesrepublik Wladimir Semjonowitsch Semjonow (Владимир Семёнович Семёнов) entstand ursprünglich im Mittelrheinischen Landesmuseum Mainz wo vom 15. August bis 16. September 1984 seine Ausstellung «Russische Kunst aus der Sammlung Semjonow» gezeigt wurde. Während der Ausstellung «Abstrakte Maler der Inneren Emigration» traf unser Redaktionsfotograf ihn wieder und bat ihn, das hier abgebildete Portrait von ihm höflicherweise zu signieren – was er auch tat.

Die Sammlung Semjonow umfasst circa 40 Werke russischer Kunst, die vor allem um 1919 entstanden sind. Darunter befindet sich eine Tuschzeichnung von Wassily Kandinsky, von Natalia Gontscharowa vierzehn Lithographien aus dem 1914 entstandenem Zyklus «Der Krieg», eine suprematistische Komposition von Iwan Kljun, sowie Arbeiten von Robert Rafailovich Falk. Wladimir Semjonowitsch Semjonow war nach seiner Pensionierung als Botschafter auch als Berater und Vermittler für den Kunstmäzen Peter Ludwig tätig.

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Ein paar Monate nach Erstellung dieser Reportage trat unser Redaktionsfotograf eine zweijährige Fotografenlehre an.