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DOCUMENTA12 – Die Wanne(n) von Ricardo Basbaum

11 Jul

Das ist der erste vernünftige Documenta-Beitrag (und vermutlich einzige), wobei der Applaus eindeutig folgenden Herrschaften gilt: Tao Te Ching © 2007 battlecommand.org; Footage, Music, Voiceover by Sebastian Hartmann (W.A.Mossad of Wertstahl); Edited by Videomacht. Der wannenzurverfügungstellende “Künstler” Ricardo Basbaum hat damit nicht viel soo zu tun. Wie auch?

Die Karstadt-Verschwörung!

3 Jul

Hier Nachlesen!

Buergelmaschine über Marcel Duchamp:

20 Jun

Marcel Duchamp

Marcel Duchamp Fountain, 1916-17

Roger Maschine Buergel spricht:
“Eine Musealisierung der Kunst ablehnend versucht Marcel Duchamp, die eigenen Subjektivitäten zu beschönigen und neue Formen der Organisation als Teil einer potenziell planetarischen Gesellschaft bereitzustellen. Immanente Ursache der mit der Lorenzettischen Kordel(*) vergleichbaren Arbeit ‘Fountain’ ist nach Bazon Brock ein völlig beliebiges Sammelsurium dritter Klasse ohne Sinn und Verstand.”

Information about Dada.

(*) aus FAZnet: Lorenzettis Kordel
“Alle ziehen an einem Strang. Dieser Strang ist eine Kordel, die, vermittelt durch die Figur der Concordia, von Justitia an die Bürger weitergereicht wird. Bei Lorenzetti ist der Nadelkopf im Sinne einer modernen Demokratie entschärft. Setzt man Lorenzettis Kordel zu Gowdas frei schwebender, frei ausgelegter Kordel in Beziehung, kann auf der Grundlage formaler Korrespondenzen wieder eine neue Bedeutungsebene, ein neuer Kontext entstehen. Genauer gesprochen, entsteht ein Möglichkeitsraum, der nach Akteuren sucht.”

DOCUMENTA12 – Mr. Sandman’s Finest Funerals – Sepulkralkultur

20 Jun

Wenn man als weltoffen Kunstinteressierter dieser Tage den langen, beschwerlichen – und wenn man sich dazu entschlossen hat, per Bahn anzureisen -, oftmals auch dornigen Weg nach Kassel zurückgelegt hat, um in den sinnlichen Genuß erfahrbaren Genußes zu kommen, so wird man nicht nur herbe enttäuscht, nein, es beschleicht einen auch das Gefühl, sich am besten gleich einsargen zu lassen. Identische Gefühlswelt sollte ebenfalls durchlaufen, wer völlig zu Recht als künstlerischer Direktor nicht nur der dreisten Anmaßung, der ideologieorientierten Bauernfängerei, sondern auch der kompletten Unfähigkeit überführt wurde – überführt in ein Reich der Stille und Geborgenheit, der Ruhe und ewigen Andacht: in das Reich der intellektuellen Beleuchtung. Ist man schon einmal in Kassel, so trifft es sich günstig, obwohl die meisten es nicht wissen, oder diesen Umstand geflissentlich verdrängen: das Museum für Sepulkralkultur liegt quasi gleich um die Ecke; es feiert dieses Jahr am 22.Juni sein fünfzehnjähriges Bestehen.

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Für die letzte Reise ist es nicht nur wichtig, daß sie angetreten wird, sondern wie man sich auf sie vorbereitet, wie man sie antritt: es hängt viel davon ab. Mit Reisfeld im Kopf und Giraffe im Bauch? Wohl kaum. Mit Giraffe im Hirn und Reisfeld im Magen? Schon eher, aber so richtig befriedigend ist auch das nicht, es fehlt die affirmative Sinnlichkeit, das onkologisch Besondere, die ovomaltineeske Bewußtseinserweiterung unter Heranziehung moderner Energiesparlampen, denn “da unten” kann es ganz schön dunkel sein, möchten auch Kunstwürmer wie wir hin und wieder ganz gerne den Weg, den rechten Pfad der Tugend gewiesen bekommen, schließlich sind wir ganz besondere Kunstwürmer: einerseits zwar ahnungslos, aber andererseits welche mit ganz, ganz, ganz viel Eiweiß in der Lendengegend; und Eiweiß – das wissen wir noch aus unserer Schulzeit – ist der Grundstein eines jeden nahrhaften, besinnlichen, genußvollen Lustfrühstücks: A U F S T E H E N !!!!!!!!!!!

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Aber so einfach, wie es sich hier liest, ist das alles nicht, denn wie heißt es doch so konglomerativ treffend: “So ein Sarg muß schon was taugen, denn auch Würmer essen mit den Augen!” Was wie ein zusammenhanglos in die fröhliche Runde fröhlich agierender Wurmdebattierer geworfene Werbeslogan wirkt, ist in der Tat ein zusammenhanglos in die fröhliche Runde fröhlich agitierender Wurmdebattierer geworfene Werbeslogan – da sollte und darf man sich nicht täuschen, schließlich sind wir alle schon genug getäuscht worden, und zwar von Roger M. Buergel und Ruth Noack höchstpersönlich, die immer noch glauben, der uns durch ihren beschränkten Horizont aufgezwungene Zweite Kunstbildungsweg täte uns gut, sei wichtig und richtig, wesentlich mehr als nur einfach ein geschmäcklerisch interdisziplinärer Kunstkuß, die damit verbundenen Schmerzen fester Bestandteil dieser wohltuenden Maßnahme, denn: alles wird schon gut – so irgendwie jedenfalls. Hauptsache man ist barfuß über sinnlich vertrocknete Reis- und Mohnfelder unterwegs, denn Hauptsache – so will es scheinen – ist alles: “Hauptsache. Ein unschlagbares Trendgefühl.”

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Aber was ist mit dem unschlagbaren Trendgefühl Tauziehen? Mit Sackhüpfen? Mit Tantra? Mit geschundenen Negerleinchen, die “zu lange nicht als individuelle Künstler anerkannt waren” – nur weil glückliche und zufriedene Negerleinchen nicht in die klischeebesessene Vorstellungswelt nichts(be)sagender ZeitgenössInnen passen? Mit spirituellem Ausdruckstanz? Mit Backmischungen von Dr. Oetker? Gibt es sie auch “da unten”, diese wertvollen Momente künstlerischer Selbsterfahrung im Raum der unbegrenzten Möglichkeiten? Und falls ja, wozu soll das gut sein? Um Dinge zu erfahren, die es auf jeder Esoterikmesse zu “erfahren” gibt? Dinge, die mit dem gleichen minderwertigen Gedankenmüll (“Nieder mit Goethe! Es lebe Dorothee Sölle!”) behaftet sind, mit dem die ersten Vertreter einer CS-Gas-geschädigten Lehrerspezies während meiner Schulzeit meinten, nicht nur mich sondern eine ganze Schülergeneration unisono ideologisch tyrannisieren zu müssen? Sind Roger M. Buergel und Ruth Noack das Opfer einer verfehlten Schulbildungspolitik der 68er? Es spricht vieles dafür. Man hätte ihnen niemals 19 Millionen EURO anvertrauen dürfen.

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Additionals via boschblog.de

Finally the full Miss-Cellania-Package about DEATH: 1+2. Take you time and check out her links. It’s worth it!

DOCUMENTA12- Damien Hirsts Weltfrauentag!

18 Jun

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Die apodiktisch-emanzipatorische Buergelmaschine sagt:
“In der multimedialen Praxis ermutigt Damien Hirst, zwischenmenschliche Beziehungen zu schaffen und Bilder gesellschaftlicher Gemeinschaft als Interpretationswissen vergessen zu machen. Bildungsmythos der konsumistischen Arbeit ‘Weltfrauentag’ ist die Unverzichtbarkeit der Integration.”

Nun aber mal Spaß beiseite: Wie lange wollen wir es eigentlich noch dulden, daß wichtige Wegputzmittel, deren Zugang ausschließlich der modernistischen Frau von heute vorbehalten bleiben sollte, immer noch bedenkenlos im öffentlichen Raum diskriminierend dargestellt, kommuniziert und letztlich auch konsumiert werden, wie dies Damien Hirst mit seiner Arbeit ‘Weltfrauentag’ auf der diesjährigen Sächsischen Katholikenwoche (einer Außenstelle der DOCUMENTA) eindrucksvoll, aber auch einfühlsam, zumindest andeutungsweise anprangernd unter Beweis stellt: Damien Hirst will uns in Versuchung führen – das allein reicht in der heutigen Zeit nicht aus, ist nichts Ungewöhnliches -, uns aber auch relativ zeitnah wieder vom Bösen erlösen, ein subtil visual, eine subtil-artikulierte Botschaft, deren widersprüchlicher (aber eben auch völkerverständigender) Kern einem erst gewahr wird, wenn man für sich selbst herausgefunden hat, wer man eigentlich ist – und: wieviel Durst man hat.

Durst, diese peinigene Selbsterfahrungsmöglichkeit, von der immer noch viel zu wenige MitchristInnen Gebrauch machen, dieser göttliche Andachtsmechanismus, dem auch Jesus Christus nicht hatte widerstehen können, und der IHN, unseren Herren Jesu Christi, einst am Kreuze hatte (ver)trocknen lassen – und zwar für uns. Durst bedeutet aber auch, die freie Entfaltung der eigenen Persöhnlichkeit zu fördern, wenn man ihn regelmäßig stillt, ihn auch mal dort zur Ruhe kommen läßt wo er gerne zur Ruhe kommen möchte; und schließlich – als belohnender Nebeneffekt sozusagen – so in den sinnlichen Genuß seiner gesamten regenerativen Schlagkraft kommt. Einerseits. Andererseits erscheint es zwingend geboten – die Ausstellungsbesucher höheren Semesters werden mir auf Grund ihrer erweiterten Lebenserfahrungswelten zustimmen müssen: muß der Durst auch mal mit britisch-hirstischer Härte rangenommen werden, er muß trainiert werden, und zwar für Olympia. Bleibt nur zu hoffen, daß die beiden Vertreter unseres Bildungsgiraffenpärchens Roger M. Buergel und Ruth n’Oack brav, artig und fleißig mittrainieren, auf daß nach Ablauf der 100 Tage nicht nur die “Documenta tot ist” (Zitat Buergel).

DOCUMENTA12 – Die Buergelmaschine

17 Jun

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Björn Masselasse: “Weniger ist mehr” (120cm/178,5cm; Cibachrome), 1978

Roger M. Buergel ist wirklich nicht zu beneiden. Da muß sich der ahnungslose Kunstautodidakt (Hermann-Nitsch-Trauma) einerseits mit ignoranten Kritikern rumschlagen, andererseits der restlichen, wesentlich willigeren Welt die gesamte Weltkunstgeschichte auf einmal erklären. Und dafür hat er nur 100 Tage Zeit. Selbst wenn Roger M. Buergel James Bond hieße und seine Frau Ruth Noack Miss Moneypenny, so würde es das Duo in diesem kurzen Zeitrahmen dennoch nicht schaffen, was keine Schmach wäre, weil wir aus Niederlagen immer wieder Kraft für neue Siege erwirtschaften können – wenn wir es denn nur wollten. Dennoch: so richtig befriedigend ist diese Vision letztlich nicht, aber dafür möglicherweise diese: Und wenn Du denkst es geht nichts mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her! Und dieses Lichtlein trägt einen Namen, nämlich: Buergelmaschine. So affirmativ-apokalyptisch die formmigrative Klangfarbe in ihrer Namensbezogenheit, so assoziativ-konglomatyptisch kündigt sich die Wirkungsweise der Buergelmaschine an. Zur eingangs abgebildeten Arbeit von Björn Masselasse stellt die Buergelmaschine treffend fest:

“Trotz der Partydekadenz des Kunstmarktes beschwört der schwedische Künstler Björn Masselasse, die globale Bourgeoisie zu verderben und eigene Wahrnehmungsgewohnheiten als typische Linearität dem Vorstellungsraum zu entziehen. Komplexer Bezugsrahmen der als Hommage an Gilles Deleuze konzipierten Arbeit ‘Weniger ist mehr’ ist die Umkehr des Kunstgedankens.” Na bitte, wer sagt’s denn.

Wer die Buergelmaschine selbst einmal für sich ausprobieren, oder gar zum neuen Lebensinhalt machen möchte, der kann – und sollte – das hier tun!

via Six Percent Recall

DOCUMENTA12 – Nam June Paik schlägt Brücke zur zwischenmenschlichen Versöhnung!

17 Jun

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Was im Diesseits nur wenig bis gar nicht möglich scheint (zu viele Kriege, erhöhte GEZ-Gebühren, Neid und Mißgunst für 99,- Mark am Tag, allenthalben vorgetäuschte Orgasmen), ist für Nam June Paik, den medial-meditativen Fluxus-Meister aller Künstlerklassen, aus der Tiefe des unerledigten Jenseits heraus offensichtlich überhaupt kein Problem bzw. Thema: Brücken schlagen, Brücken bauen, Gräben überwinden, Hände reichen – vorausgesetzt sie sind nicht bereits muselmanistisch abgehackt; aber selbst wenn: Nam June Paik würde auch hier noch eine gesellschaftsrelevante Lösung finden, zumindest einen Lösungsansatz vorschlagen, der unter bildungspolitischen Aspekten vor den allzu gestrengen Sanfthirnen Roger M. Buergels und Ruth Noacks Gnade fände. Eine Art (ART Basel?) Gnade vor Recht sozusagen. So ist es schon verwunderlich, daß Nam June Paik nicht auf der diesjährigen Documenta vertreten ist, wahrscheinlich deshalb nicht, weil seinen Arbeiten durch die Verwendung von vielen, ja sehr vielen Bildschirmen eine unerträglich hohe Dosis an Medienlastigkeit anlastet; die das (hip)kompetente Kuratorenehepaar Roger M. Buergel und Ruth Noack unter bildungspolitischen Aspekten keinesfalls dulden darf und kann, obwohl Nam June Paik u.a. von 1958 bis 1963 mit Karlheinz Stockhausen auf dem Gebiet der elektronischen Musik intensiv zusammenarbeitete; aber vielleicht war das alles zu kommerziell, oder zu wenig sinnlich, oder was weiß ich… Vielleicht aber, und das erscheint mir wesentlich wahrscheinlicher, haben Roger M. Buergel und Ruth Noack noch nie etwas von Nam June Paik gehört.

Und jetzt, da ich es soeben niedergeschrieben habe, erscheint es mir ganz logisch: Klar, wenn man nur unbekannte Künstler nimmt, von denen man bei vielen noch nicht einmal weiß, ob sie tatsächlich Künstler sind; belanglose Reis- und Mohnfelder, eine ausgestopfte (belanglose) Palästina-Giraffe, Häkel- und Strickzeug (ebenso belanglos) aus Persien, usw. usf. pseudoideologiegesteuert für Kunst erklärt, dann fällt auch niemandem auf, daß unsere beiden übergeschnappten DocumentamacherInnen in Wirklichkeit von Kunst nicht die geringste Ahnung haben. Das erklärt auch, warum sie sich mehr für die Form und weniger für die Inhalte der ausgestellten Arbeiten interessieren. Und wenn man darüber hinaus noch nicht mal die angestrebten Formen erreicht (siehe Aue-Pavillon), dann ist man unter PR-technischen Gesichtspunkten natürlich gut beraten, etwas von “Migration der Formen” oder ähnlich Sinnunbehaftetes daherzufaseln, zusätzlich den aus aller Welt angereisten Journalisten mal eben zur Ablenkung “Ignoranz” vorzuwerfen – und keiner merkt was. Allerdings sind 100 Tage eine lange Zeit; und die sommerliche Sauregurkenphase der Presse gilt es ebenfalls zu überstehen. Vielleicht wird zu gegebener Zeit ja doch mal in diese Richtung journalistisch ermittelt. Das wäre dann in der Tat eine sinnliche Erfahrung. Oh ja!

DOCUMENTA12 – Buergels zärtliche Quälereien!

13 Jun

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DOCUMENTA-Fiffikus Roger M. Buergel machte lange Zeit ein riesen Geheimnis um den Zustand und die Zusammensetzung der ellenlangen Künstlerliste. Hierzu stellte er vor wenigen Stunden erhellend fest: „Indem man den Kunstmarkt wie einen Husky behandelt, und die unter Verschluß zu haltende Künstlerliste wie seine Zunge, und ihm diese (Künstlerlisten-)Zunge zwar nicht herausreißt, sie ihm aber immerhin beherzt verlängert und für den weiteren Gebrauch vorübergehend stillegt, kann man den Husky ein bißchen quälen. Ich quäle natürlich zärtlich, denn ich will ja für alle – insbesondere den Husky – nur das Beste.” Mehr über Roger M. Buergels heimliche Sado-Maso-Phantasien gibt es hier nachzulesen. Quatsch, hier natürlich! Und: hier!

DOCUMENTA12 – Aufklärerischer Gesamtexpressionismus im Kommen!

12 Jun

Es war lediglich eine Frage der guten, alten Tante Zeit, bis sie sich unter Anwendung moderner, digitaler Kommunikationstechniken herumgesprochen und etabliert hat, die neue Kunstgattung: Aufklärerischer Gesamtexpressionismus! Und wie man es von einem echten Avangarde-Blog (meerschweinchenreport.de gehört, weil Mitinitiator des Aufklärerischen Gesamtexpressionismus’, eindeutig mit dazu) zurecht erwarten darf, war es nicht nur fester Bestandteil dieser erst vor kurzem ins Leben gerufenen Bewegungsspitze, sondern gehört nach wie vor mit dazu! Eine Dazugehörigkeit, die verpflichtet, aber auch nachdenklich stimmt, ebenso die Beobachtungsgabe trainiert. Das ist, zugegebenermaßen, ziemlich viel Holz auf einmal:

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Deshalb zunächst ein kurzer Blick in die nahe Vergangenheit: Mark McGowan, Lee Paige, sowie der diesjährige Arnold Bode Preisträger 2007 Chang Po-yu gehören, klicken Sie nur die Links an, so werden Sie realisieren: meerschweinchenreport.de berichtete bereits zu einem Zeitpunkt über diese großartigen Künstler, da noch kein anderes Presse- und Messeorgan etwas von ihnen wissen wollte. (Eine neue Kunstrichtung ist immer dann eine neue Kunstrichtung, wenn es dem Verfasser gelingt, sich trotz unvollständiger Satzgebilde, sooo verständig zu machen, daß der Leser unmißverständlich wird nachvollziehen können, worum es dem Verfasser eigentlich geht. Gelingt ihm dies nicht auf Anhieb, so steht ihm immerhin noch das Stilmittel der Wiederholung zur Verfügung, denn merke: Wiederholungen wirken normsetzend!)

Das ist aber nur die eine, weil kleine Seite dieser umfangreichen Medaille. Die andere – und wesentlich schlagkräftigere: Immer mehr Weblogs und andere Berichterstatter wollen nicht mehr ihre Augen vor der unumstößlichen Wahrheit verschließen, nämlich: der Aufklärerische Gesamtexpressionismus ist doch am besten, tollsten und nicht zuletzt: am schönsten! So schreibt beispielsweise modabot – Nachrichtenagentur für Avangarde Mode einen gelungenen Artikel über das Bundesamt für Bekleidung auf der documenta 12. Ebenfalls wartet das Blog Missing in Germany mit einer feinen Hinterfragung der drei von Ruth Noack und Roger M. Buergel wohl mehr aus einer Laune heraus in die Runde geworfenen Leitmotive Ist die Moderne unsere Antike?, Was ist das bloße Leben? und das lenineske Was tun? auf. Zwar vermißt meerschweinchenreport.de die im direkten Kontext zum Aufklärerischen Gesamtexpressionismus zwingend vorgeschriebenen Selbstverletzungen der Künstler, aber eingehende Reflexionen über die Gleichschaltung der Mode sowie zerfallende Wohnblockhäuser aus den 50ern können – zumal besagte Kunstgattung noch dabei ist, sich zu entwickeln und am Markt zu etablieren -, als eine solche künstlerische Selbstverletzung erachtet werden. Dies sei hiermit geschehen!

meerschweinchenreport.de bittet im Sinne eines durchsetzungsstarken Aufklärerischen Gesamtexpressionismus’ auch weiterhin um akkurate und zahlenstarke Berichterstattung!

DOCUMENTA12 – Anita Skåmægøs friedliche Körperkunstspiralen!

11 Jun

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Anita Skåmægøs friedliche Körperkunstspiralen sind in der internationalen Kunstszene schon längst kein Geheimtip mehr, der jedoch noch immer nicht von Roger M. Buergel und Ruth Noack wahrgenommen wurde, sonst wäre diese überaus sympathische Skandinavierin auch gar nicht mit von der Partie; ergo: vor dem Hintergrund einer raumübergreifenden Völkerverständigung wird sie auf der DOCUMENTA 12 überall und zugleich nirgends zu sehen und anwesend sein. Dazu Prof. Dr. Dieter Honisch: Anita Skåmægøs friedliche Körperkunstspiralen sind eine sensationelle Errungenschaft des menschlich-modern gesteuerten Kunstbetriebs, weil sie sich in gleich mehrfacher Hinsicht gegen den üblichen Kunstkommerz auflehnen: einerseits vereinen sie in ihrer meisterlich ausdefinierten Formensprache migrationsassimilierte Sondersystematiken mit bereits kognitiv hinreichend Verinnerlichtem: Picasso, Miró, Delaunay, Dalí, Hilton, usw. usf. … bis hin zu scharfer Kritik am indischen Kastensystem, andererseits sind Anita Skåmægøs friedliche Körperkunstspiralen unverkäuflich. Hierin liegt wohl ihr größter Reiz, ein Reiz, der sich geldgeilen Galeristen nur schwer wird vermitteln lassen: Man muß sich schon persönlich auf das Ausstellungsgelände der DOCUMENTA 12 bewegen, um sie live zu erleben, ihre Einzigartigkeit zu erfahren, und im Geiste abzuspeichern – wie einen Duft, den man mal in jungen Jahren auf einer Klassenfahrt vernahm, und danach (leider) nie wieder.”

DOCUMENTA12 – Gordon Matta-Clark meets Richard Wilson bzw.: vice versa!

10 Jun

“Eigentlich”, so Roger M. Buergel, “haben wir uns für Richard Wilson als einen der auf der DOCUMENTA 12 ausstellenden Künstler entschieden, weil mich diese kreisrunde Gebäudescheibe irgendwie assoziativ, ohne aber jetzt zu sehr ins Detail zu gehen, an Gordon Matta-Clark, quatsch, Walter De Marias Erdkilometer erinnert, womit ich nicht sagen will, daß die Erde immer noch eine Scheibe ist, denn Ruth und ich wollen diese – nicht ganz uninteressante – Ansicht dann doch lieber durch die Kreationisten-Kretins vertreten wissen; das ist ungefährlicher, denn die Dinge und ihre Zusammenstellung werden dem Betrachter erlauben, etwas zu denken, worauf er sonst nie gekommen wäre.”

Und Ruth Noack fügt geheimnisvoll hinzu: “Es ist auch sehr praktisch, das mit der Arbeit von Richard Wilson, denn das Gebäude, das wir hier in Kassel ausstellen, steht immer noch in Liverpool; dort, wo es hingehört; dort, wo es sich wohlfüht; und dort, wo es für die gesamte Ausstellungsdauer der DOCUMENTA 12 auch verbleibt, denn die Versand- und Verpackungskosten – gerade für dreidimensionale Arbeiten, sprich: Skulpturen – sind ganz schön teuer, wie Sie hier nachlesen können!Und genau das macht die Meerschweinchenreportredaktion doch glatt und gerne. Wobei: hat sie ja schon längst.

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Nachtrag vom 11.6.2007

Ich freue mich ja immer über Leser, die sich an meinen Beiträgen erfreut oder unerfreut zeigen, oder weiterreichen oder nicht weiterreichen, usw. usf.. Aber dieses Prinzip verstehe ich nach wie vor nicht…

DOCUMENTA12 – Dr. Ruth Westheimer kocht ihre schönsten Nuß-, Frucht- und Fußkuchen!

6 Jun

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Nachdem der katalanische Starkochkünstler Ferran Adrià sein Erscheinen zur DOCUMENTA 12 plötzlich als „nicht mehr sicher“, „unwahrscheinlich“ oder gar „wenig vorstellbar“ bezeichnete, weil er lieber doch hinterm heimischen Herd bleiben möchte, disponierten die beiden unversierten aber dennoch rührigen Ausstellungsmacher Roger M. Buergel und Ruth Noack spontan um, und ersetzten den hitzblütigen Südländer ruckzuck durch Frau Dr. Ruth Westheimer, von der die Weltöffentlichkeit schon lange nichts mehr gehört hat – jedenfalls nicht so richtig -, und deshalb „auch mal wieder dran ist“, wie das Kuratorenehepaar mit unbestechlichem Selbstgerechtigkeitgefühl, nebst einer erstaunlichen Vorliebe für kalorienhaltige Fußgebete, ausführt. Von Frau Dr. Westheimer sind sicherlich keine löffelweise verabreichten Speisen à la Algenkrokant, Tabakblättersud, mit Bärenblutwurst gefüllte Giraffenhälse aus Palästina oder gar Marshmallows zu erwarten. Nein, sie arbeitet feiner, elitärer, sublimer, nicht zuletzt: muslimer. Das ist das, was sie ausmacht, das ist das, was wir an ihr schätzen: ihre Vorliebe für eine klare, unmißverständliche Kochsprache im Kontext einer attraktiven Körperansprache, die man nur sprechen kann, wenn man weiß, wie man am besten auf sich aufpaßt und sich so wenig wie möglich die Finger verbrennt.

Wer keine Zeit hat, nach Kassel zu fahren, der kann sich die wichtigsten Kochkunst-Aspekte Dr. Ruth Westheimers nach Hause holen. Ihr Buch “Fruits, Nuts & Cakes – Die Geheimnisse religiöser Fußmassagen” ist just als Multiple im Kölner Sahnefuß-Verlag erschienen und kostet ca. 87,50 EURO.

100 Tage DOCUMENTA12 – 100 Artikel meerschweinchenreport.de (Das sagt alles!) – 100 Tage ohne Paris Hilton, erster Tag Google-Pole-Position, alles in allem: keine schlechte Zwischenbilanz, nicht wahr?

6 Jun

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Untitled (donkey), 2003 by Paola Pivi. Collection of Florence and Philippe Segalot, New York. Courtesy Galleria Massimo De Carlo, Milan. Photo by Hugo Glendinning. © The artist 2005.

Meine lieben Leserinnen und Leser!

Es mußte ja irgendwann so kommen: der 100ste Beitrag für das ergebnisorientierteste Weblog, nämlich meerschweinchenreport, steht vor der Tür, wahlweise kurz davor, veröffentlicht zu werden. 100 Tage dauert bekanntlich ebenfalls die weltwichtigste DOCUMENTA aller Zeiten an, ergo: ein kraftvoller Schulterschluß zwischen zwei Institutionen, die vom sternenbehafteten Kunsthimmel gar nicht mehr wegzudenken sind, steht folgerichtig an: DOCUMENTA 12 und meerschweinchenreport.de reichen sich die Hände! Die Redaktion beglückwünscht beide Parteien schon jetzt herzhaft zu diesem sensationellen Megaerfolg!

Doch bleiben wir noch ein bißchen beim Zahlenspiel: 100 Beiträge in 25 Kategorien, von denen bisher nur 21 sichtbar sind. Das macht 4 Kategorien in Reserve. Teilen wir die Zahl 100 durch die Zahl 4, so erhalten wir abermals 25. Das ist aber noch nicht alles: Multiplizieren wir die Zahl 25 mit der Anzahl der bisher veröffentlichten Artikel, so ergibt das (fast) genau die Menge an Seitenzugriffen, die meerschweinchenreport.de seit seiner Gründung vor 3 Monaten erzielen konnte, nämlich: 25.000,- EURO. Sagen Sie selbst: Ist das nicht genial?

Meine lieben Leserinnen und Leser, Sie sehen: das sind eine ganze Menge Kreise, die sich da auf einmal schließen – und Sie sind live mit dabei! Daß nicht nur die Redaktion von meerschweinchenreport.de des richtigen Rechnens fähig ist, mag Ihnen auch nachfolgendes Filmchen verdeutlichen, denn die Wege Adam Rieses sind nicht nur unergründlich, sondern auch leicht nachvollziehbar: Kommen wir nun zur intelligenten Keyword-Plazierung, die es so auch nur bei meerschweinchenreport.de gibt: Kein DSDS, kein ZNS, keine DNA, kein Dieter Bohlen, kein GNTM, keine Barbara, Heidi, Jessica, Paris, oder andere Damen, die im Bedarfsfalle nicht in der Lage wären, vorstehend ausgeführtes Rechenexempel zu wiederholen. Nein, das können und wollen wir unseren Leserinnen und Lesern auch zukünftig nicht zumuten. Es gilt, barfuß über und durch Reis- und Klatschmohnfelder zu wandeln, ausgestopfte Giraffen anzuhimmeln, oder vergleichbar Hehres bewußtseinserweiternd auf sich einwirken zu lassen. Nur so wird ein Schuh draus, der, wie gesagt, multipliziert um die Zahl 2 vor Betreten der heiligen Hallen in Kassel zu entfernen ist. Was ist also ein gutes Keyword, das seinen Job macht und dennoch mit dem Thema behaftet ist, wie es nur mit dem Thema behaftet sein kann? Der “Arnold Bode Preis 2007” der Stadt Kassel zum Beispiel:

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Wärend sich die offiziellen Kuratoriumsmitglieder immer noch in kryptisches Schweigen hüllen und Gefahr laufen, vom Leben bestraft zu werden, ging die Redaktion von meerschweinchenreport.de gnadenlos einer vernünftigen Recherche nach, und voilà: Chang Po-yu ist Arnold Bode Preisträger 2007 der Stadt Kassel. Sie sehen, meine lieben Leserinnen und Leser, es ist doch alles gar nicht soo schwer – man muß nur wollen und am Ball bleiben! Genießen wir gemeinsam diesen Moment innigen Glücks, denn wenn erst mal die anderen, die Großen, die Zugriffsstarken von Presse&Co. auf den Trichter kommen, dann ist es vorbei mit unserer Google-Pole-Position.

Und weil es gar zu schön ist, hier nochmal der Screenshot im Fullsize-Anklick-Automatismus:

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In diesem Sinne verbleibe ich wie immer
mit freundlichen Grüßen aus dem Laufrad:

Euer Hamlet Hamster

Und was wäre ein Editorial ohne P.S.? Richtig, kein Editorial mit P.S.. Deshalb: PS: Wer von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, erstklassige Kunst sehen möchte, der kann sich eine Fahrt nach Kassel, so wie es derzeit aussieht, getrost sparen, sollte sich aber auf jeden Fall die gerade eröffnete Emil Schumacher Retrospektive im Hessischen Landesmuseum Wiesbaden ansehen!

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Emil Schumacher; Wangrin 1986

DOCUMENTA12 zeigt Sonya Kapstadts “Nachdenkzyklus Fischparkett”

5 Jun

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“Soziale Systeme, die das Leben auf vorgeschriebene Wahrheiten und verordnete hierarchische Systeme festlegen wollen, brauchen daher Formen der Tyrannei, die wiederum langfristig soziale Instabilität erzeugen.” (Siegfried J. Schmidt, Der radikale Konstruktivismus)

DOCUMENTA12: „Ich mag den Heiligendamm und der heilige Damm mag mich!“ (Joseph Beuys über Damm- und Schlammschlachten)

5 Jun

via brentter.com

Un autre monde est possible

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Nachtrag vom 6.6.2007

Das ist der bisher intelligenteste G8-Kommentar!

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Nachtrag vom 8.6.2007

Ich habe keine Ahnung, was das bedeuten soll…

DOCUMENTA12 – Arnold-Bode-Preis für Chang Po-yu!

4 Jun

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“Reicht man einem Nilkrokodil den kleinen Finger, so nimmt es gleich den ganzen Unterarm…” Was auf diesem Bild wie ein Szenario aus einem schlechten Horrorfilm aussieht, ist in Wirklichkeit Teil einer sorgfältig inszenierten Kunstperformance des taiwanesischen Aktionskünstlers Chang Po-yu, der dieses Jahr mit dem Arnold-Bode-Preis ausgezeichnet wird. Bildnachweis: (AP/Steve Chen)

Wie soeben bekannt wurde, geht der Arnold Bode Preis 2007 an den taiwanesischen Aktionskünstler Chang Po-yu, der ebenfalls wie der Amerikaner Lee Paige – Meerschweinchenreport berichtete bereits über ihn – zur relativ neuen Kunstrichtung des aufklärerischen Gesamtexpressionismus zuzuordnen ist. Chang Po-yu wurde der Weltöffentlichkeit bekannt, als er in der Rolle eines Tierarztes in das Krokodilgehege des Shaoshan Zoos in Kaohsiung stieg, dort einem siebzehnjährigen Prachtexemplar von Nilkrokodil seine Hand zum alsbaldigen Verzehr anbot, und dieses auch gar nicht daran dachte, jenes Angebot, das es nicht ablehnen konnte, abzulehnen: eben besagt großzügig offerierte Künstlerhand abzuzwacken und zu verspeisen. So weit, so aufklärerisch und gesamtexpressionistisch gelungen – und in Ordnung. Nun aber, und hier scheiden sich die Geister, wurde das Krokodil kurzer Hand von Sicherheitskräften erschossen (oder eben auch nicht), die abgebissene Hand eingesammelt, in einer Kühlbox ins Krankenhaus gefahren und dort Chang Po-yu („Ich habe sie alle ausgetrickst, auch die BILD-Zeitung, die noch immer glaubt, ich sei ein Tierarzt!) in einer mehr als sieben Stunden dauernden Operation erfolgreich wieder angenäht. Dazu der Vorsitzende des Arnold-Bode-Preis-Kuratoriums Ästhetikprofessor Bazon Brock : „Diese von Chang Po-yu meisterhaft in Szene gesetzte ‚Dualität des Paradoxen’ überzeugte die Jury restlos. Gerade in einer Zeit, in der die Weltpolitik meint, mit uns Normalbürgern auf Sandkastenniveau kommunizieren zu müssen, ist es wichtig und richtig aufzuzeigen, daß Geben im Prinzip immer noch seliger ist als Nehmen – schließlich hat das Nilkrokodil im neuronalen Sinne die Hand ja auch wieder rausgerückt, womit es auch und gerade mit Blick auf eine gute Kinderstube ein gerüttelt Maß an Takt bewiesen habe. Das fraglos Schönste jedoch: Mit dem Preisgeld von 10.000,- EURO wird Chang Po-yu in die Lage versetzt, die Kosten seines Krankenhausaufenthalts selbst zu bezahlen, denn genau wie Christo finanziert der Taiwanese seine Kunstaktionen zu 100% aus eigener Tasche. Auch das war ein Argument für das Kuratorium, hier helfend einzugreifen. Die Preisverleihung findet am 18. Juni um 18:00 Uhr in den Räumlichkeiten des Kasseler Kunstvereins statt. Es sind alle Documentaianer herzlich eingeladen, den Feierlichkeiten der Preisverleihung beizuwohnen.“ Abschließend stellten die übrigen Damen und Herren des Kuratoriums, als da wären: Prof. Karl Oskar Blase, Roger M. Buergel, Prof. Heiner Georgsdorf, Dr. Klaus Lukas, E.R. Nele sowie Alfred Nemeczek, einmütig fest: Laugengebäck wird es dieses Jahr keines geben, aber dafür etwas mehr Wein als beim letzten Mal! Humor ist eben ein Meister aus Deutschland…

Die Meerschweinchenreportredaktion gratuliert Chang Po-yu aufrichtigst und wünscht ihm für seinen weiteren Lebensweg auch weiterhin alles Gute!

Quelle + Insiderinformationen

DOCUMENTA12 entdeckt das Nichts!

3 Jun

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DOCUMENTA12 – Der Künstler Lee Paige schießt sich direkt und aufklärerisch ins Bein!

2 Jun

Eindrucksvolle Live-Performance Lee Paiges, der sich mit einer GLOCK .40 zur Abschreckung selbst ins Bein schießt – und danach vergleichsweise cool mit seinem “Kunstunterricht” fortfährt. Eine gelungene Hommage an die gute alte Polizistenregel: “Die erste Kammer bleibt immer frei”.

Der amerikanische Performance-Künstler Lee Paige, der der relativ frischen, jungen und neuen Kunstgattung aufklärerischer Gesamtexpressionismus zuzuordnen ist, gilt als eine geheime Entdeckung Leo Castellis (obwohl Castelli naturgemäß seit 21. August 1999 nichts mehr von seiner Entdeckung hat). Paige tritt in der Öffentlichkeit bevorzugt getarnt auf, und zwar als DEA-Agent: als solcher hält er Vorträge und Seminare, die gefährliche Alltagssituationen zum Gegenstand haben. Mal warnt er vor Lebensmittelvergiftungen durch mehrfach überhitzte Fettsäuren, mal vor zutieffliegenden Flugzeugen und mal vor den tödlichen Gefahren, die von unsachgemäß gehandhabten Schußwaffen ausgehen. Seine schärfste und treffsicherste Kommunikationsmethode ist dabei die punktuelle Maßregelung der Wirklichkeit durch Anbringung überzogener Wirklichkeitsapplikationen, wie beispielsweise einer Pistolenkugel, die er sich selbst coram publico ganz kalkuliert und mit größtmöglichem Selbstverständnis ins Bein jagt; diesen bedauerlichen „Zwischenfall“ jedoch regelmäßig und routiniert nach außen hin als Unfall oder auch als Versehen kaschierend darstellt. Damit erreicht der knallharte Kommunikationsprofi und Ausnahmekünstler Lee Paige gleich zwei Dinge: zum einen eine erhöhte Aufmerksamkeit bei den Angesprochenen sowie das in ihnen schnell heranreifende Bedürfnis, für den Rest ihres Lebens nie wieder und vor allem: auch keine ungeladene Waffe mehr anfassen zu wollen – und zum anderen: einen zeitlich befristeten Aufenthalt im Krankenhaus.

Die Arbeit “Leben ist mein Gemüse” (Acryl auf Leinwand / 4,2m – 5,8m) von Lee Paige wird im Rahmen der DOCUMENTA 12 im 12. Stock des Fridericianums auf der rechten und teilweise linken Seite gezeigt.

Hier kommt er zur Besinnung, gibt ihm die Narkose Kraft und die Gelegenheit, auch mal abzuschalten und auf andere Gedanken zu kommen, kurz: die Seele baumeln zu lassen. So entstehen während dieser Auszeiten großformatige Arbeiten, in denen sich Paiges Reflexionen über den Sinn des Lebens widerspiegeln, aber auch Statements – vernünftige Ernährungsformen betreffend – ihre Transparenz erfahren. Mit letzteren huldigt Paige auch ganz direkt Andy Warhols Krankenhausaufenthalt, der im Anschluß an das auf ihn verübte Schußwaffenattentat von den zuständigen Ärzten für nötig befunden wurde, den Warhol jedoch – und das dürfte für ihn wohl das größte Übel an dieser Sache gewesen sein – noch nicht mal hatte PR-technisch vernünftig ausschlachten können, weil zwei Tage später auf Senator Bobby Kennedy ebenfalls – diesmal tödliche – Kugeln abgefeuert wurden, womit Warhol mit seiner Story von den Titelseiten der Presse verschwand.

Wie bei nahezu allen Vertretern des aufklärerischen Gesamtexpressionismus spielt auch bei Lee Paige die ‚Dualität des Paradoxen’ eine übergeordnete Rolle. Aus diesem Grunde jongliert er meisterlich mit zweideutiger Körpersprachenelementik, die einen – in dieser Kommunikationsform Ungeübten – leicht zu dem Ergebnis kommen lassen könnte, daß Paige vor nicht allzu langer Zeit möglicherweise die eine oder andere Tüte zuviel verputzt habe. Aber das macht alles überhaupt nichts, denn so lange Lee Paige nicht vergißt, was er eigentlich will, ist alles im Lot und alles gewollt.

Und weil dem so ist, soll Lee Paige in seiner Rolle als aufklärerischer Gesamtexpressionist auf der diesjährigen DOCUMENTA 12 gleich mehreren kunstinteressierten Prominenten auf deren ausdrücklichen Wunsch hin formvollendet versehentlich ins Bein schießen: Gregor Gysi, Joschka Fischer, Manfred Kanther, Kai Diekmann und sogar Claudia Roth sollen auf der exklusiven Künstlerbeinschußgeheimliste stehen. Der Jury, die über die Qualität der applizierten Schüsse zu befinden hat, gehören u.a. Emil Schumacher, Walter Störer, Gertrude Stein, James Belushi, Hermann Nitsch und Benjamin Franklin an. So richtig geheuer scheint das aber auch dem Kuratorenpaar Ruth Noack und Roger M. Buergel inzwischen nicht mehr zu sein, wobei sich die beiden mit folgendem Gedanken zu trösten versuchen, den sie kürzlich in einem Interview mit der BILD-Zeitung äußerten: „Lee Paige wird schon wissen, was er da tut…und schließlich sind die Prominenten ja alle damit einverstanden; es zwingt sie ja niemand dazu! Na, wenn das mal nur nicht ins Auge geht…

DOCUMENTA12 – Künstler Mark McGowan verspeist Hund, oder: es gibt nichts Richtiges im Falschen…

31 May

corgie

Um Prinz Phillip zu bestrafen, verspeiste seltsamer Künstler diesen Hund. Ist er bzw. Jeff Koons noch zu retten? Bildnachweis

Um gegen Prinz Phillips Fuchsjagdvorliebe zu demonstrieren, beschloß der britische Künstler Mark McGowan, einen waschechten Corgie – seines Zeichens Repräsentant der Lieblingshunderasse der Queen –, publikums- und medienwirksam in Form von Hackfleischbällchen live in der Radioshow von Bob und Roberta Smith zu verspeisen. Der Künstler betont, daß besagter Corgie auf einer Corgiezuchtfarm in Südengland eines natürlichen Todes gestorben sei. Zugleich vertritt er die Auffassung, daß der Prinz zwingend auf diesem Wege zu bestrafen sei, weil einer der von ihm gejagten Füchse vor seinem Ableben unnötig hatte leiden müssen; wobei auch Mark McGowan litt, denn er beschreibt den Geschmack des Hundes nach Genuß als wirklich ekeleregend. Für Mark McGowan war das nicht das erste künstlerische Protestessen dieser Art: So aß er bereits einen Schwan, um seine ausgeprägte Grundhaltung gegen die Monarchie, das Reiche, die gesellschaftliche Oberschicht im Allgemeinen zu verdeutlichen; und während der diesjährigen DOCUMENTA 12 wird McGowan entweder die Mineralölkonzerne dahingehend anprangern, indem er sich über regulär geplatzte und nach einer Rezeptur des britischen Starkochs Jamie Oliver zubereitete Autoreifen „leicht schmatzend“ hermacht, wie er sagt; oder er wird sich beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte darüber informieren, inwieweit es gestattet ist, Politessen dem öffentlichen Straßenverkehr zu Verzehrszwecken zu entziehen, um notorische Falschparker auf ihr Fehlverhalten aufmerksam zu machen. So oder so: Titel der Arbeit ist ein leicht modifiziertes Zitat Winston Churchills: „If you’re tired of the universe, you’re tyred by life!“

Die Meerschweinchenreportredaktion wünscht schon jetzt viel Erfolg und – sollte es tatsächlich zur kulinarischen Reifenperformance kommen: einen guten und herzhaften Appetit!

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