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Die Sterntaler

9 Dec

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Geboren, gefroren vor den Toren einer Welt aus Eis und Schnee ernährst Du mich täglich mit Sternenpüree. Im Négligée wir treiben und reiben uns und schreiben das Jahr eins. Keins wird so werden wie das andere, ich wandere mit Dir und Du mit mir. Den Herden auf Erden sind wir lange schon entkommen, benommen, verschwommen seh’ ich blau und doch so grau den Planeten, der einst unser Zuhause war. Raketen brachten uns der Ferne nah. Sterne blinken, winken, versinken im Mondenschein und wir trinken süßen Neptunwein. Er wird uns munden, wir erkunden jetzt den Mars, geben Gas, erleben soeben das Schweben neben uns. Während wir ihn umrunden, haben wir uns gefunden, einen Sternenstrauß gebunden – und so es dann geschah: Unser Märchen, mein Gummibärchen, wurde wahr.

Pegasus’ Hufe leiten die Kufen von Schlitten, sie gleiten und reiten, beschreiten die Pfade neuer Breitengrade, erklimmen inmitten endloser Weiten und Felder die Stufen wie gerufen zu neuen Sternenwäldern. Stimmen erschallen, verhallen im Raum, und mit Dir, mit Dir wird es zum Traum. Kaum glüht der Baum, den Du Dir gewählt mit all seinen Früchten, züchten wir uns den zweiten, bereiten die Tafel, darauf eine Schale und mit einem Male ist der Apfel geschält, in der Mondscheinkathedrale haben wir uns vermählt, uns kosmisch gereinigt, vereinigt, uns unsere Liebe bescheinigt, beten wir zu den Kometen, sie trompeten – und so es dann geschah: Unser Märchen, mein Gummibärchen, wurde wahr.

Wir stellen die Weichen für die Zeichen der Zeit. In Jupiters Teichen erste Frösche laichen, wir vergleichen den Zustand, die Saat, die Brut, und wissen urplötzlich: Alles wird gut! Nichts kann uns erweichen, erschüttern, wenn wir Ohne Gleichen an Sterne verfüttern, sie hegen, pflegen, unser Schicksal in ihre Hände legen, wir bewegen den Gral an die Lippen und nippen am Dope: Ein Himmelsstroboskop am Blinken – Unser Horoskop. Sterne blinken, winken, versinken im Mondenschein, so rein ist unser Glück allein – und so es dann geschah: Unser Märchen, mein Gummibärchen, wurde wahr.

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Schneeflöckchen

2 Dec

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Schneeflöckchen, Weißröckchen, so hüpft es und tanzt,
Es muß heut‘ zur Schule und ist gut beranzt.
Es hat was zum Schreiben und Lesen dabei
Und Zählen ist einfach, das geht schon bis zwei.

Es tanzt durch die Winde geschwinde und schnell,
Es tanzt wenn es dunkel und auch wenn es hell.
Es tanzt wie wir denken und lenken und sind,
Es tanzt uns ins Auge und ist noch ein Kind.

Die Flöckchen von weitem sind gleich anzuseh’n,
So niedlich und lustig sie sich um uns dreh’n.
Doch nimmt man die Lupe und bestaunt man ihr Fell,
Dann sieht man den Unterschied wirklich sehr schnell.

Ein jedes ist anders, so einzig, so schön,
Doch willst Du es ärgern, so gebrauche den Fön.
Dann weint es und schmilzt’s und schon ist’s gescheh’n:
Nie wieder wirst Du dieses Flöcklein seh’n.

Drum streichle den Schnee und liebe ihn nur,
Er erfrischt Deine Seele und auch die Natur.
Die Flöckchen sind fleißig und schneien sehr viel,
Denn vollständige Weißheit, das ist ihr Ziel.

Sie schuften und schwitzen und placken sich ab:
Überall Flöckchen und das nicht zu knapp.
Sie kommen meist heimlich, in dunkler Nacht,
Extra für Euch, für Eure Schneeballschlacht.

Drum liebe das Weiß und ehre den Schnee,
So kommt auch zum Tanze die Zuckerfee.
Sie heißt Dragée, ist scheu wie das Reh,
Hört nur wie lieblich ihr Schwung und ihr Dreh!

Doch wird es ihr kalt, so reichet ihr Tee,
Das erwärmt ihr zum Tanzen den großen Zeh!
Schneeflöckchen, Weißröckchen, so laße Dir sagen:
Genieße die Freude in allen Arten.

Bewahre das Kindsein, dies sei Dein Streben,
Auch wenn ich Dir sage: Es wird Regen geben.
Denn nur mit Humor und kindlicher Freiheit
Gerät Dir fast alles zum prächtigen Highlight.

Schon lauert der Frühling, der Schnee bald erlischt,
Die Karten des Lebens werden so neu gemischt.
Doch verheilen die Narben, es sprießen die Farben,
Sie laden Dich ein, sich an ihnen zu laben.

Im Herbst welken Blätter, sie werden ganz braun,
Die Zeit ist gekommen, gen Himmel zu schau’n.
Das Jahr fast vorüber, es schließt sich der Kreis,
Denn Dragée kommt zum Tanze, wenn alles ganz weiß!

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The copyrightholder of this great image is David Merrigan.

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Der rote Stuhl

21 Oct

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Auf in den Kampf mein roter Stuhl,
Mit Siegeslust in der Brust ist das cool.
Ehemals mit schmiergelglatten Kanten
Galt er als Sitzgenuß für Kaffeetanten.
Gebeugt vor Gram und Scham steht er da in seiner Ecke,
Doch bringt er bald den Schöpfer straight zur Stecke,
Denn gut gepolstert und vernäht
Taugt er noch als Kampfgerät.
Den Tischler reizt der Rotstuhl seht,
Er beizt und schmiert ihn ein mit heißem Teer.
Er federt ihn – und mehr – er wird ihn wiegen:
Als stolzer Stier hat er zu siegen!
Der Meister schreit, er gibt Kommando,
Den Stuhl stärkt Teer wie guter Fango.
Er bäumt sich auf und tritt zurück:
Zu Boden fällt ein Tischlerstück!

Der Meister merkt: Da geht was schief
Mit seinen Geistern, die er rief!
Ganz tief spürt er den Schmerz im Magen:
Der Stuhl kämpft gut, das muß man sagen.
Er zeigt Stolz und keine Träne,
Denn wo gehobelt wird, da fallen Späne.
Und so vollendet er besonnen,
Sein hehres Werk, das er begonnen.
So ist der letzte Hieb dann auch der beste,
Er definiert die Überreste:
Torrero tot, zerlegt und bleich
In sieben Teile auf einen Streich!
Sodann ißt er des Gegners Bohnen
Und beschließt in dessen Haus zu wohnen.
Ein Rülpserchen verhallt im Raum,
Er flickt ein Stück von seinem Saum.

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Mozarts Hornkonzert

30 Sep

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Mozart war ein Komponist,
Und jetzt, da Ihr das wißt,
Hört Ihr nun sein Hornkonzert.
Ich denke, die Mühe ist das wert.
Ganz weit vorn und unbeschwert
Spielt hier – genau! – das Horn.
Das heißt: Hier spielt ein Solist,
In diesem Falle nennt man ihn Hornist,
Jeden Ton nimmt er aufs Korn.

Er ist sehr gut in seinem Fach
Und er hat viel geübt,
Denn ist man schlecht, gibt’s was aufs Dach
Und das macht betrübt.
Doch irgendwann platzt bei jedem mal der Knoten
Und gekonnt spielt man alle Noten.
Es sei betont, daß sich das lohnt
Und man thront im Rampenlicht:
Für Solisten ist das Pflicht.

Geht man abends ins Konzert ist man gut gekleidet,
Das ist das, worin sich Kino unterscheidet.
Die Damen kramen in den Taschen,
Manch ein Mann trägt auch Gamaschen.
In der Pause trinkt man Sekt aus Flaschen,
Solche Dramen kann man dort erhaschen.
Doch kein Geläster über das Orchester,
Wer hier spielt ist einfach Bester
Und mit Sicherheit kein Notentester.

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Forellenquintett

22 Sep

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An den Schwellen der Wasserquellen
Schnellen fünf Forellen in die Höhe:
Als hätten sie die Flöhe.
Einfach nicht zu glauben,
Wie sie sich in die Lüfte schrauben:
Als seien sie von Haus aus Tauben.
Nur der Unterschied ist der,
Daß ihr Flug nicht lange dauert,
Denn Forellen sind sehr schwer
Und danach ganz ausgepowert.
Aufgelauert hab‘ ich ihnen an dem See:
Mit grünem Klee ist er umgeben,
Daneben steht ein Reh
Und im Winter liegt dort Schnee.

Die Wasserfläche ist ein Wellenbett:
Wir hören das Forellenquintett.

Das ist schon ein Leben!
Auf der Oberfläche kleben, laufen Mücken
Gleichsam über sieben Brücken.
Forellen schlucken sie in ganzen Stücken,
So wird stets ihr Frühstück glücken.
Sie regen und bewegen sich in 5er Gruppen,
In der Sonne funkeln ihre Schuppen:
Richtig silbern ist ihr Glanz
Und das beflügelt ihren Tanz.
Das Wasser ist fürwahr ihr Element
– And Fisherman’s Best Friend.

Ihr Tummeln liegt im Trend.
Und wieder spielt für Euch die Band
Adrett und nett:
Das Forellenquintett.

Ja, an Nahrung ist der Teich reich,
Denn manchmal sitzt an dieser Stelle
Auch eine Katze. Mit Ihrer Tatze
Schlägt sie in aller Schnelle
Der Forelle eine Delle in die Fratze –
Oder krault ein wenig ihre Glatze:
Und das besticht,
Denn frische Fische sind der Katzen Leibgericht.

So schreib‘ ich Euch ins Heft:
Grüßt mir die Forellen wo immer Ihr sie trefft:
Ob im See oder im Fischgeschäft.

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Mit den besten Wünschen für den weiteren Lebensweg!

9 Sep

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Liebe Meerschweinchenreportleserinnen und liebe Meerschweinchenreportleser!

Ungefragt geboren zu werden, ist nicht immer mit Honigschlecken und anderen Annehmlichkeiten verbunden: Zunächst ist man zwar noch jung und sieht standesgemäß das Leben rosig, sodann aber wird man älter, sieht das Leben mehr und mehr rostig und zwischendurch schaut auch immer mal wieder der kleine Hunger vorbei – und man selbst pausenlos auf die Uhr. Gerechtigkeit geht anders.

Und wenn dann auch noch der eigene Lebenslauf einen Purzelbaum nach dem anderen schlägt, schlägt nicht selten die berühmte Zahl 13 voll auf die 12. Immer und immer wieder – was gleichbedeutend ist mit: Begeben Sie sich in das Ereigniskartengefängnis, verhandeln Sie ein möglichst gutes Arbeitszeugnis, legen Sie sich flach auf den Fußboden (aber nur, wenn Ihnen danach ist) – und besinnen sich auf Ihre vormals so exzellenten Fähigkeiten: Das Herstellen von Toast Hawaii in der Mikrowelle sowie hübsch gereimten Texten.

Meerschweinchrenreport versteht sich primär als les- und eßbare Lebens- und Berufswahlberatung im Vier- bis Fünfsternesegment. Das heißt: Wir geben keinen komplett gefertigten Text zum bequemen Copyandpasten vor, sondern diverse Refrainfragmente, die zum Vervollständigen animieren und einladen sollen. Das Gefühl, weiterhin gebraucht zu werden, ist in Krisensituationen wichtig und soll sich beim Betroffenen möglichst umgehend einstellen.

Mit Blick auf den momentanen Zustand unseres bundesdeutschen Gesundheitssystems, bieten wir zunächst folgenden Zweizeiler an:

Der Hund tobt heiß in seinem Zwingo.
Es lobt der Greis: «Gesundheitsbingo».

Wer lieber Gesundheitsdiesel Marke «E10» tankt und/oder an einem übertriebenen Putzfimmel leidet, der sollte vielleicht mit diesem Refrainangebot liebäugeln:

Beim Lappenwischen wrangt man wringo
Und tankt dazu ‘nen Tee zum Bingo.

Möchte man hingegen die beiden Themengebiete Wissenschaft und Arbeitsamt harmonisch miteinander verquicken, so mag dieser Reimvorschlag adäquat erscheinen:

So packt er seinen Wissenskrempel in den Twingo
Und ruft befreit: «Stempelkissenbingo!»

Egal welche inhaltliche Richtung man einschlagen möchte, so sei doch stets und überall der Begriff Bingo als starke Metapher einzuarbeiten. In der Geschmacksrichtung absurder Retro-Look wäre deshalb die Verwendung des folgenden Zweizeilers ernsthaft in Erwägung zu ziehen:

Die Kurzform von «Sinalco» lautet Singo,
weil, klar: Beduinenbingo.

Weitere Bingo-Reimpaar-Begriffe wären beispielsweise: Klingo (Klingonen), Ingo (männlicher Vorname), Stringo (String-Tanga), Gingko (Baumsorte), Blinko (Angelköder), uvm …

Auch wir von Ihrer und Eurer Meerschweinchenreportredaktion steckten mal in einer tiefen Sinnkrise, aus der uns nur die Fertigung eines Gedichtes im Bingo-Modus flugs wieder herauszuführen vermochte: Der Zapfhahn Bingo.

Ihre Meerschweinchenreportredaktion wünscht Ihnen und Euch nicht nur alles Gute für den weiteren Lebensweg sondern ebenfalls viel Vergnügen beim Bewältigen individueller Lebensproblemstellungen durch das gekonnte Verfassen lebensbejahender Reime!

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Der heutigen großen Hitze gewidmet: «Holzklepper»

19 Aug

Bildquelle: Zoccoli-Style.com

Dein Geklapper und Geschepper machte mich umdrehend
und Deine Holzklepper mich Dich anflehend.
Deine nackten, zarten Füße, so schön und so vollendet,
Du trafst mich wie der Blitz, ich war wie geblendet.
Ich habe mich gewendet, zu Dir und meinem Fetisch,
als Rapper find ich Klepper super schön, ästhetisch,
besonders an den Füßen oder Solo auf dem Drehtisch,
nicht nur visuell, nein, gerne auch phonetisch…

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Den Salzburger Festspielen ein gebührend Requiem

12 Aug

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Sprecher:
Der Nebel steigt, die Ampeln leuchten rot,
In solcher Zeit ist nicht zu spaßen:
Erneut schleicht sich der Touri-Tod
Durch Salzburgs dunkle Gassen.

Freitag, der 13., kurz nach acht,
Niemand an etwas Böses denkt.
Ein Mann sich auf den Heimweg macht
Und seine Schritte durch die Altstadt lenkt.

Durch die altehrwürd’ge Getreidegasse
Sein durst’ger Weg ihn führt.
Alles fand er «Grosse Klasse!»
Als von hinten ein Hand ihn kalt berührt.

Tourist:
Sag an, wer bist Du dunkler Mann?

Touri-Tod:
Was? Du kennst mich nicht?

Sprecher:
Da kündigte der Geist ihm strafend an:

Touri-Tod:
Dafür kommst Du vors Jüngste Gericht!

Tourist:
Gericht? Ihr meint doch wohl nicht mich?
Oder war ich etwa zu vermessen:

Sprecher:
Als eine leise Ahnung ihn beschlich…

Tourist:
Hab ich von Eurem Leib zu viel gegessen?

Touri-Tod:
Genau! Und deshalb wirst Du büßen!
Dein eig’nes Requiem soll es sein!
Drum, diese Köstlichkeit, mit meinen Grüßen,
Verleibst Du Dir jetzt schleunigst ein!

Tourist:
Gnade! Das kann kein Mensch ertragen!
Doch nicht ganze 1000 Stück!
Denkt doch bloß an meinen Magen!
Lieber spring ich von der Brück!

Touri-Tod:
Was? Du möchtest nicht?
Hab Dich doch gestern davon naschen seh’n!
Und jetzt übst Du Verzicht?
Friß, sag ich! Da hilft kein Fleh’n!

Sprecher:
Samstag, der 14. war es
Fand man in jener Getreidegasse
Schon wieder eine Leiche – und ohne ihr Bares:
Gebettet auf kugelnder Schokoladenmasse.

Die Zeitung mittlerweile schrieb:
«Schon wieder Freitod durch Schokolade!
Handelte der Unglückliche aus Trieb?
Wann endet diese Trauerballade?
»

War es, daß hier einer lachte?
Denn niemand konnt’s sich recht erklären,
Was die Menschheit dazu brachte
Auf diesem Wege Mozart zu verehren.

Drum, lieber Leser, nehmet dies Gedicht:
Wenn grinsend Wolferls Geist
Durch die Gassen schleicht
Und bei seinem Anblick meist
Der Fremde glatt erbleicht,
Dann ich die Moral von der Geschicht:
Kultur geht durch den Magen nicht –
Kultur ist auf Moral erpicht!

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Werbejingles, die leider nie produziert wurden (1)

30 Jul

O sole mio, oh mio sol;
Das klingt nach Rio und Atom-Atoll;
Oh mio, oh mio hips:
Das klingt nach Bio und Chio-Chips.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Peripher Gestreiftes

28 Jul

Da stand er einst am Wittgenpranger (*)
Und band sich seine Schuhe zu.
Er machte gern auch Witwen schwanger,
Nur ungern gab er Ruh’.

Nun fragt sich manch ein Leser:
«Wittgenpranger? Was ist das?»
So hilft Spock mit seinem Faser
Nach – Und das kommt krass.

Ein dickes Buch schwebt durch den Raum,
Dank Warp und weil: Ionen.
Darin passiert, man glaubt es kaum:
Nichts mit grünen Bohnen.

«Wittgenprangers Essweltschrift» –
Ein Buchraumschiff mit 20 Knoten.
Wenn die Grenze auf das Denken trifft,
Dann sei dies stets hoch zu benoten.

(*) eigentlich Wittenberg

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Jamaica in 1978: «Mick Jagger And Jerry Hall»

22 Jul

Photography by Malcom McLaren

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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In Vinum Wassertass’

8 Jul

Hommage an Bob Ross

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Im Wasser kreist der Geist des Weines,
Der, der durch die Durchsicht lurcht.
Und wenn er nichts sieht, ist es keines
Wesens Wahrheit; frei von jeder Furcht.

Zerfurcht wie Haar und Antlitz schreiet,
Dies, das sich den Kamm aufhalst.
Und wenn es kämmt und Vietnam befreiet
Von des Wesens Dichtkunst; weiß es, daß Du balzt.

Das Lamm fromm schmurgelt kopfelos
In des Bräters Knoblauch angerichtet.
Und wenn es fein zerscheibelt angeschmiegt – am Topfekloß,
Ist der Wein schon längst; oh ja: vernichtet.

Bedichtet sei der Geist, das Flußebild,
Dieses, durch das das Bootchen kurvt.
Und wenn es Zeit zum roten Kuße wild
Ist grad passiert, was längst bedurft.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Das Lied der Banjowelpen

7 Apr

Herrmann von Banjo mit einer seiner beiden Welpen

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Der Sturm, er goß, er wurde Sonne,
Diogenes denkt, daß seine Tonne
Schützend weiß, geblechtelt ganz,
Hechelnd beißt in Eigenschwanz.

«Regie!» – It should have better heißen,
«Colgate» helps beim Better-Beißen.
Schön, daß uns die Götter helpen:
Es klingt das Lied der Banjowelpen.

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Andy Warhol: «Sometimes people let the same problem make them miserable for years when they could just say, “So what.” That’s one of my favorite things to say. “So what.” My mother didn’t love me. “So what.” My husband won’t ball me. “So what.” I’m a success but I’m still alone. “So what.” I don’t know how I made it through all the years before I learned how to do that trick. It took a long time for me to learn it, but once you do, you never forget.»

3 Apr

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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Kurz-Dizz für (fast) jede Gelegenheit

28 Feb

Du bist nicht die List, die das Laster belästert, 

Nur als Optimist mit dem Zaster verschwestert.

Ein Pessimist, der im Raster verwässert,
Doch ich bin Dentist, der Deine Pasta verbessert.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Whitney Houston: «Nose’s Overdoses»

14 Feb

Photo by Alexander Kosinski

Photo via Zéro

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Hey, little Whitney:
You funky, chutney overdose.
I’ve got your smell
In my sober nose;
In my sober nose!

It is screwing like a shell bell
Into my brain
And into my mind!
It is ringing like a shell bell
In the rain;
It makes me so blind!

Hey, little Whitney:
You funky, chutney overdose.
I’ve got your smell
In my sober nose;
In my sober nose!

Website Whitney Houston.

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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Das Lumen vor der Wiesbadener Marktkirche

7 Feb

Das Lumen vor der Wiesbadener Marktkirche

Noch ist es schweinekalt, doch halt: Schon bald werden die ersten Vöglein aus dem Süden zurückgekehret sein, um uns im Sonnenschein auf einem Bein und steinig Klippen mit einem lustig Lied im Herzen, auf ihren Lippen, der Gliederschmerzen zu befreien. So dann verzeihen wir dem Kaltsein – es wird schon bald sein, ähm, sagte jemand «Kalkstein?»

Nicht immer wird’s im Wald sein, wir sagen’s gradaus: Hier, direkt am Rathaus gibt’s Bier und auch Spinatschmaus (und vieles andere), deshalb wadere ich mit meinen Worten nicht, sondern setz’ mich hin – mit Reimeslust bedeckt gut, weil: Ich bin ein Gedicht. Und es schmeckt gut.

Website Lumen

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Feingebäck mit Erdbeerquark

30 Jan

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Übel bist Du damals schon gefallen:
Deine Netzstrumpfhose ward zerrissen.
Mein Blut brachte es zum Wallen:
«Oh, was für ein Leckerbissen!»

So packte ich Dich bei den Flügeln –
Und half Dir in den Stand.
Heute hilfst Du mir beim Bügeln –
Rechnest mit dem Flaschenpfand.

Es war Liebe auf den ersten Blick:
Wild wie im Jurassic Park!
Jetzt ist noch mein höchstes Glück:
Feingebäck mit Erdbeerquark.

So steuern wir dem Ende zu:
Mit Comfort und wolln’s nicht seh’n:
«Entschlafen sanft. In süßer Ruh!»
So werd’ ich in der Zeitung steh’n.

Auf dem Friedhof dann, in aller Stille,
Versenkt man meinen roten Sarg;
Und esse innendrin – mein letzter Wille:
Feingebäck mit Erdbeerquark.

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Wie man sich die Zukunft eben immer so vorstellt

5 Jan

Als Cyrano de Bergerac die Augen wieder öffnete, mußte er feststellen, noch nicht das Zeitliche gesegnet zu haben, wohl aber erkennen, daß sowohl Farbe als auch Form seines äußeren Erscheinungsbildes ganz offensichtlich einem signifikanten Änderungsprozeß unterzogen worden waren. Auch war er sich nicht sicher, ob seine Fähigkeit, kraftvolle Monologe zu verfassen, von den beiden Kindern goutiert werden würde. Aber irgendwas mußte er schließlich tun.

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Wie soll ich’s halten künftig?
Mir einen mächtigen Patron entdecken
Und als gemeines Schlinggewächs dem Schaft,
An dem ich aufwärts will, die Rinde lecken?
Durch List empor mich ranken, nicht durch Kraft?
Nein, niemals! Oder soll ich, wie so viele,
Ein Loblied singen auf gefüllte Taschen,
Soll eines Hofmanns Lächeln mir erhaschen,
Indem ich seinen Narren spiele?
Nein, niemals! Oder soll ich Kröten schlucken,
Auf allen vieren kriechen, gleich dem Vieh,
Durch Rutschen wund mir scheuern meine Knie’,
Kreuzschmerzen leiden durch beständ’ges Ducken?
Nein, niemals! Soll ich einem Schäfchen gleichen,
Um selbst mir eins in Trockene zu bringen?
Soll Honig streun, um Zucker einzustreichen,
Und unermüdlich Weihrauchfässer schwingen?
Niemals! Soll ich als lust’ger Zeitvertreiber
Nach großem Ruhm in kleinem Kreise spähn,
Damit sich von den Seufzern alter Weiber
Des Dichterschiffleins schlaffe Segel blähn?
Niemals! Für meine Verse dem Verleger,
Der sie mir druckt, bezahlen runde Summen?
Niemals! In der Verbrüderung der Dummen
Gefeiert werden als der Bannerträger?
Ein einziges Sonett wie ein Hausierer
Vorzeigen, statt noch andre zu verfassen?
Niemand talentvoll nennen als die Schmierer?
Vor jedem Litteratenklatsch erblassen
Und eifrig forschen: Werd’ ich anerkannt?
Hat der und jener lobend mich genannt?
Niemals! Stets rechnen, stets Besorgnis zeigen,
Lieber Besuche machen als Gedichte,
Bittschriften schreiben, Hintertreppen steigen?
Nein, niemals, niemals, niemals! – Doch im Lichte
Der Freiheit schwärmen, durch die Wälder laufen,
Mit fester Stimme, klarem Falkenblick,
Den Schlapphut übermütig im Genick,
Und je nach Laune reimen oder raufen!
Nur singen, wenn Gesang im Herzen wohnt,
Nicht achtend Geld und Ruhm, mit flottem Schwunge
Arbeiten an der Reise nach dem Mond
Und insgeheim sich sagen: Lieber Junge,
Freu’ dich an Blumen, Früchten, selbst an Blättern,
Die du von deinem eignen Beet gepflückt!
Wenn dann vielleicht bescheidner Sieg dir glückt,
Dann mußt du nicht ihn teilen mit den Vettern;
Dann darfst du König sein in deinem Reiche,
Statt zu schmarotzen, und dein Schicksal sei,
Wenn du der Buche nachstehst und der Eiche,
Nicht hoch zu wachsen, aber schlank und frei.

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Des Hochhaussaurus strammer Biß

31 Dec

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Der Hochhaussaurus biß heut zu:
Energisch, klar, mit breiten Zähnen.
Nun geht kaum ‘ne Tür noch zu:
Dies sei wohl zu erwähnen.

Seitlich er sich rangepirscht:
So, wie er gelernt.
Das Haus betrübt, die Decke knirscht:
Schon ist es entkernt.

Warum die schlimme Tat?
Ist Abriß auch für ihn ‘ne Chance?
Oder frißt er gern Betonsalat?
Er ist Fan der Renaissance.

Bis zum Ausbruch der Vulkane
Schmeckt ihm Bauhaus wunderbar –
Und wie aller erste Sahne:

Frohes, neues Jahr!

Foto via: Zéro

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