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Fondation Beyeler: «Carl Laszlo im Gespräch mit Hans Ulrich Obrist»

4 Aug

Foto von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Am 7. Mai 2012 vollzog sich im Hause der Fondation Beyeler einer der seltenen öffentlichen Auftritte Carl Laszlos. Im Gespräch mit Hans Ulrich Obrist, dem derzeitigen Co-Director der Serpentine Gallery in London, gewährt der gebürtige Ungar einen tiefen Einblick in seine faszinierende Lebensgeschichte als Kunstsammler, Galerist, Verleger und Philosoph.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der damals 20-jährige Carl Laszlo deportiert. Seine Familie wurde zum großen Teil ermordet. Er selbst überlebte Auschwitz, Buchenwald und den Weitertransport nach Dachau. Über diese Zeit berichtet er in seinem Buch «Ferien am Waldsee», das seinen Titel dem Umstand schuldet, daß alle Deportierten vom Konzentrationslager aus ihren Verwandten eine Postkarte zu schicken hatten, die den Poststempel «Ferien am Waldsee» trugen.

Nach Kriegsende, im Herbst 1945, zog Laszlo zunächst nach Basel, später dann nach New York, auch reiste er quer durch Asien. Er schloß Freundschaften mit Künstlern wie Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg; aber auch mit dem Dalai Lama sowie mit dem Schriftsteller William S. Burroughs, in dessen Bunker sie beide gemeinsam mit Warhol eine Woche lang bizarre Schießübungen jener Gestalt vollzogen, bei denen einst William S. Burroughs seine Ehefrau am 6. September 1951 in Mexiko-Stadt aus Versehen erschoß, als er im Zustand vollkommener Trunkenheit die Apfelszene aus Schillers Drama Wilhelm Tell nachstellte. An diesem Orte (im Bunker) drohte Laszlo zudem, an einem unglücklich verschluckten Fleischstückchen zu ersticken. Sein Privatsekretär rettete ihn jedoch in letzter Sekunde. Später notierte er, daß es sich in seinem weiteren Leben wahrscheinlich nie wieder eine bessere Gelegenheit finden werde, in einer solch’ illusteren Runde und formvollendeter Weise den Löffel abzugeben, als es hier der Fall gewesen wäre.

Außerdem ließ er es sich nicht nehmen, bei dem berühmten Psychoanalytiker Léopold Szondi die Geheimnisse der Psychoanalyse zu studieren.

Er baute sich eine Sammlung auf, die u.a. Werke von René Magritte, Otto Dix, Andy Warhol und Salvador Dalí umfaßt. Seiner legendären Kunstzeitschrift Panderma lagen immer wieder signierte Originalarbeiten damals junger unbekannter Avantgardisten bei, so zum Beispiel auch ein jeweils signiertes Stück Tapete von Piero Manzoni; serielle Unikate, die es inzwischen vermögen, auf dem internationalen Kunstmarkt fünfstellige Verkaufserlöse zu erzielen.

Als Pressefoto für sein Gespräch entschied sich Carl Laszlo für eine Aufnahme, die unser Redaktionsfotograf Andreas Baier von ihm Mitte der 1980er Jahre während der Art|Basel an seinem Stand machte. Hier ist besagte Presseerklärung inklusive Foto vom Portal der Fondation Beyeler herunterladbar. Carl Laszlo war auch jahrelang der Mentor unseres Redaktionsfotografen, von dem er gerade auch in Bezug auf gesellschaftliche Verhaltensmechanismen sehr viel lernen konnte. Für diese Wissensvermittlung ist er ihm auch heute noch sehr dankbar.

Hans Ulrich Obrist gilt in Kennerkreisen als der Grundsteinleger des heutzutage weltweit agierenden Kuratorenwesens. Bereits als damals 18-jähriger kuratierte er viel beachtete Ausstellungen. Obrist ist ebenfalls für seine Interviews mit Kunstschaffenden, Schriftstellern, Architekten, Musikern und Wissenschaftlern bekannt, die er in «Interviews: Vol. 1 & 2» veröffentlichte. Im Rahmen seiner Bücherserie «The Conversation Series (Hrsg. Walther Koenig)» kam es beispielsweise auch zum qualifizierten und auf intellektueller Ebene durchaus unterhaltsamem Meinungsaustausch mit Yoko Ono, Zaha Hadid, Jeff Koons und Philippe Parreno. Vor seiner Tätigkeit an der Serpentine Gallery war Obrist Kurator beim Musée d’Art moderne de la Ville de Paris und beim museum in progress in Wien. Über 250 Ausstellungen hat Obrist co-kuratiert. Er wurde für seine Arbeit mehrfach ausgezeichnet. 2011 erhielt er den Bard College Award for Curatorial Excellence.

Von dem hier gegenständlichen Gespräch zwischen Carl Laszlo und Hans Ulrich Obrist kann man sich zwei Ausschnitte vom Portal der Fondation Beyeler herunterladen (1 + 2), oder sie sich hier auf dieser Seite nachfolgend gestreamt zu Gemüte führen:

Desweiteren gibt es auf myspace (ja, dieses Portal gibt es tatsächlich noch) zwei Tom-Gomor-Filmchen über den heute 89-jährigen Carl Laszlo zu sehen: 1 + 2.

Einen wahrlich lesenswerten Artikel über Carl Laszlo gibt es im art-magazin nachzuschlagen. Ein kleiner Auszug: «Carl Laszlo läßt sich ein neues Glas kalorienfreien Himbeersaft servieren und zündet sich seine zwölfte Havanna in Folge an. Nach ein paar tiefen Zügen springt er unvermittelt auf und bahnt sich – vorbei an Gemälden und Skulpturen – einen Weg zum Garten. “Ich habe eine wahnsinnige Idee“, sagt er und lehnt sich an ein altes Honda-Motorrad, das in einem nachgebauten burmesischen Tempel aufgebockt ist. “Wenn ich kein passendes Museum finde, werde ich in Ungarn ein großes Gebäude kaufen und meine komplette Sammlung darin einmauern lassen. Dieses mit Wachhunden und Alarmanlagen gesicherte Kunstmausoleum darf erst in 50 Jahren wieder geöffnet werden.“»

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Yousuf Karsh: «I could even make a roaring lion stand still to be photographed.»

2 Aug

When Winston Churchill stepped out of the Parliament of Canada (December 1941) in order to be photographed by Yousuf Karsh he said to him: «You’ve got 30 seconds.» In return Karsh removed Churchills cigar immediately and without permission; and pressed the button of his camera. First shot. Yousuf Karsh made a second exposure on which Churchill smiles.

When Winston Churchill saw the result of the first shot he was completely pleased: «Excellent. Now, my enemies will fear me more than ever.» However, Yousuf Karsh had to promise the Prime Minister that he will never ever publish the second exposure on which he smiles – for public relation reasons.

Later, Winston Churchill said about Yousuf Karsh: «He could make a roaring lion stand still to be photographed.» In return, the photographer entitled his portrait of Churchill The roaring lion.

Needless to say that Yousuf Karsh met Winston Churchill a second time – and it seems that Churchill’s public relation rules were still activated:

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When our photographer Andreas Baier had the opportunity to photograph Bill Gates he remembered what Yousuf Karsh did to Churchill’s cigar and had in mind to do something similiar. The circumstances were on his side:

After the shooting Andreas Baier sent Bill Gates this picture and asked him kindly to give him a short review of his performance. He was so kind: «When I met Andreas Baier he had a Microsoft-mouse to be dangled in front of my face, teasing me: ‘Billy! Mousy, mousy!’ Normaly I have my bodyguards handling such a situation but in his case I thought: ‘What a lovely thought I have been just introduced to.’ The best part, however, whenever I take a look at my picture I know that there is nothing to regret about my decision.»

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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FernsehKrimi-Festival 2011 der Landeshauptstadt Wiesbaden im Caligari – vom 9. bis 12. März

9 Mar

Bildunterschrift: Mystische Krimiszene mit Rainer Hunold, der in der ZDF-Serie «Der Staatsanwalt» den Staatsanwalt spielt und Regisseur Martin Kinkel; von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier sorgfältig im «Hotel Schwarzer Bock» in Wiesbaden inszeniert. Da er, also unser Redaktionsfotograf, sich jedoch nicht hatte entscheiden können, welches der beiden obenstehenden Bilder er besser findet, sind beide Alternativen zur Abbildung gekommen.

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«Vom 9. bis zum 12. März 2011 findet zum siebten Mal das FernsehKrimi-Festival in der Wiesbadener Caligari FilmBühne statt. Die zehn besten Krimiproduktionen des vergangenen Jahres konkurrieren um den Deutschen FernsehKrimi-Preis 2011, der am 12. März um 20.00 Uhr verliehen wird. Er ist mit 1.000 Litern Wein des Wiesbadener Weinguts Udo Ott dotiert. Neben dem Hauptpreis werden auch zwei Sonderpreise für herausragende Einzelleistungen und der Preis der Publikumsjury vergeben.» Zitat aus offizieller Pressemeldung des Kulturamtes der Landeshauptstadt Wiesbaden.

Kontakt:
FernsehKrimi-Festival (9.-12.03.2011)
Kulturamt der Landeshauptstadt Wiesbaden
Festivalleitung:
Barbara Dierksen / Christine Kopf
Festivalorganisation: Ines Bayer
Mitarbeit: Laura Hollingshaus
Schillerplatz 1-2
65185 Wiesbaden
Tel: 0611-313608
Fax: 0611-313961

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Die besonders abenteuerliche Designagentur

14 Feb

Homage to Alfred Hitchcock entitled
«My goodness, they are going to eat my toilets!»

Irgendwie ergab es sich, einerseits Nicky von nebenan etwas besser und intensiver kennenzulernen, und gleichzeitig die Agentur, mit der er häufiger zusammenarbeitete. Vorher begegneten wir uns nur sporadisch – auf der Straße; waren wir einerseits irgendwie voneinander fasziniert, so wie man von einer exotischen Südseefrucht fasziniert sein kann, ohne sie je gegessen zu haben, konnten uns aber sonst gegenseitig nicht so richtig einordnen: Er mit seinem mintfarbenen Herrhausen-Kübel, einem Knochen von Funktelefon und einer Plattenkiste, die mit den seltsamsten Musikproduktionen ausgestattet war, die man sich nur vorstellen kann; und ich mit meiner selbstgebastelten Pickup-Ente und einem quietschblauen Teddybärmantel von Yohij Yamamoto, den ich mir mal in New York Citys Grand Streeet gekauft hatte. Daß der Vorbesitzer von Nickys Kübel tatsächlich der von der RAF ermordete ehemalige Chef der Deutschen Bank Alfred Herrhausen war, wußte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber ich sah darin immer Nickys Frau mit einem gleichfarbenen und breitbändrigem Stirnhaarband fröhlich und lebensbejahend in den Innenhof des Nebengebäudes fahren. In Nickys Familie wurde in bestimmten Lebensfragen schwer auf das Detail geachtet. Dafür in anderen wiederum überhaupt nicht.

«Ich spiele Barschel, weil meine Grappaflasche leer ist!»
Dr. Uwe Barschel gespielt von Jakob Bundesbein

Eines Tages führte mich meine Akquisetour in die Abenteuerliche Designagentur. Dort lernte ich den Inhaber Jakob Bundesbein kennen und zeigte ihm ein paar meiner Sachen – so dies und das – auch meine dreiteilige «Hommage an Alfred Hitchcock mit dem Titel: My goodness, they are going to eat my toilets.» (siehe oben) Auch meine «Hommage an Romulus und Remus aus der Sicht zweier Mayonnaisetuben» war darunter. Wir wurden sehr schnell Freunde und Nicky gehörte mit dazu. Jakob Bundesbein! Seltsamer Name. Seltsame Agentur. Dieser Laden bestand bereits zu einem Zeitpunkt aus einem Netzwerk, als noch niemand über Netzwerke sprach. Auf Nickys Agenturvisitenkarte stand Creative Director. Ich selbst mußte mich mit Creative Consultant – was auch immer das zu bedeuten hatte – begnügen. War mir aber egal, denn schließlich war ich ja bereits Creative Director meiner eigenen Agentur hamster & james in London; sogar Executive Creative Director. Ich fühlte mich wie Winnetou, Häuptling der Apachen, der immer und überall in geheimer Mission unterwegs war und nie Zeit hatte, sich um die Belange seines eigenen Stammes zu kümmern. Jedenfalls nicht so, wie andere diese Doppelverpflichtung gehandhabt hätten. Ok, das eine oder andere ist in London schon noch unter meiner Regie gelaufen. Zum Beispiel ein Werbespot für das Bestattungsunternehmen Mr Sandman’s Finest Funerals; oder ein Don’t-drink-and-drive-Spot, der den plötzlichen Unfalltod von Lady Diana Spencer thematisiert und der mir einen besorgten Anruf aus dem Hause Buckingham Palace sowie einen «total ban» im Vereinigten Königreich einbrachte.

Wir begriffen uns untereinander als Netzwerkverbündete, Brüder im Geiste, alle ausgestattet mit einem untrüglichen Sinn für großartige Projekte, die einerseits mit einem hohen Budget sowie dem unauslöschlichen Feature ausgestattet waren, daß wir hinterher immer mit etwas weniger Geld dastanden als vorher. Das trieb den Laden slowly but surely in den Ruin. Ein schleichender Prozeß, der nicht aufzuhalten war. Aber wen interessierte das? Der Spaß, den wir bei der Akquise und Umsetzung dieser Projekte hatten, war uns das x-fach wert. Übrigens auch heute noch, auch wenn einige von uns unter finanziellen Gesichtspunkten immer noch mit der Zeit von damals zu tun haben. Schließlich bedeutet Leben, die Erinnerungen an vergangenen Leistungen zu akkumulieren, um daraus neuen Lebenssinn zu schöpfen. Oder so ähnlich… Die große Besonderheit, also das, was uns wirklich auszeichnete, waren unsere Kontakte und unsere individuellen Fähigkeiten, in Personalunion alle möglichen kreativen Disziplinen gleichzeitig ausüben zu können.

DJ Nicky Sprenger analysiert seinen Plattenteller

Nicky war DJ, Texter, Konzeptionist und Musiker in einem. Jakob war Texter, Grafiker und Kontakter. Ich war Fotograf, Texter und Konzeptionist. Die beiden Bereiche Musik und Grafik gesellten sich bei mir gerade hinzu. Für den typischen Durchschnittskreativen in einer dieser international agierenden Durchschnittsagenturen hatten wir nichts übrig. Uninteressante und komplett talentfreie Kreaturen, die irgendwann einmal bei Überschreitung der Altersgrenze völlig zu Recht gefeuert werden würden. Kein Hahn würde nach ihnen krähen. Aber wir? Wir waren etwas ganz besonderes, die Elite jeder erdenklichen Kreativelite. Wir legten erfolgreich Wert auf äußerste Diskretion. Keiner kannte uns! Wir arbeiteten von spät nachts bis in den frühen Morgen hinein: Die Harald Schmidt Show war für uns ebenso obligatorisch, wie die sich daran anschließenden Erkundungstouren durch das Internet. Es war die Zeit, da gab es im deutschsprachigen Bereich vielleicht ein paar tausend Netzseiten – mehr nicht. So entdeckte Nicky beispielsweise eine Site, die nach Auffassung des Betreibers die zehn wichtigsten Punkte des Lebens behandelte. Punkt 1 war: «Wenn Sie die Welt zerstören möchten, dann klicken Sie auf DIESEN Knopf!» Eine Einladung, die wir gerne annahmen. Immer und immer wieder. Überall auf der Welt explodierten plötzlich Bomben und wir waren felsenfest davon überzeugt, daß diese Geschehnisse mit uns und dieser Website in direktem Zusammenhang standen. Ein weiterer Link gab einem die Möglichkeit, sich mit Viren zu versorgen, sofern einem danach war. Dann war dort noch eine mehrteilige Konstruktionszeichnung abgebildet, die einem verdeutlichte, wie man einen PEZ-Brausebonbonbehälter fachgerecht nachfüllt. Außerdem übten Nicky und ich uns in den Grafikprogrammen Freehand und Illustrator. Ich entwickelte Illustrationen, die an verhinderte Twomblys erinnerten. Er stand mehr auf Plakate, u.a. für ein fiktives VOKUHILA-Treffen. In lupenreinem Siebzigerjahreretrodesign. So saßen wir da, tauschten unseren regen Kreativoutput aus und warteten darauf, daß mal wieder einer unserer Kontakter einen netten Job ins Haus brachte.

Freie Designarbeit von Nicky Sprenger

So nahm einer unserer Verbindungsleute an einem Segelausflug auf der Yacht von Florian Langenscheidt teil. Mit von der Partie seine Frau Gabriele Quandt. Auf Antigua kam vorbezeichnete Gesellschaft mit dem dortigen Lokalbier namens Wadadli in Kontakt. «Wadadli. Aus entsalzenem Meerwasser.» Der Etat für die spontan geborene Idee, dieses Gebräu als Szenegesöff in Deutschland zu etablieren, ging an uns. Jede Menge Geld und jede Menge Paletten dieses Bieres waren ruckzuck auf dem Weg in unsere Gemächer. Wir mieteten einen riesigen Truck mit entsprechend riesigem Anhänger und ließen die Abdeckplane groß mit «Wadadli. Aus entsalzenem Meerwasser!» lackieren.

Damit versperrten wir an Wochenenden regelmäßig den Zugang zu den Parkplätzen von Großraumdiscos. Liebreizend gekleidete Hostessen mit hübschen Füßen liefen durch die Autoschlangen und verteilten ein Gratisfläschen nach dem anderen, verbunden mit der aufrichtigen Entschuldigung, der Truck habe eine Panne! Allein vom Anblick der Mädels hätte man betrunken werden können. Nickys Idee: Es muß wie der unfreiwillige Besuch eines Autokinos sein – nur wesentlich intensiver! In Hessen wußten innerhalb kürzester Zeit ziemlich viele Menschen etwas mit Wadadli anzufangen. Auch, daß es sich um ein Bier aus entsalzenem Meerwasser handelte. Eigentlich befanden wir uns mit diesem Projekt auf einem guten Wege. Auch Jakobs Anzeigen, die eine mit Meerwasser gefüllte Wadadli-Flasche zeigte und die Überschrift «Message in a bottle!» trug, kam bestens an. Der Grund, warum wir letztlich mit diesem Projekt scheiterten, stand mit den Unmengen an Wadadli-Paletten in direktem Zusammenhang. Jakob war von der fixen Idee beseelt, ziemlich viele Szene-Parties zu geben und das Bier kostenlos zu verschleudern. Herr Bundesbein liebte einfach Parties, bei denen er der Gastgeber sein konnte. Nach nur einem halben Jahr war die Ware weg, unser Ziel verfehlt, und eine Verlängerung des Mandates nicht in Sicht, denn Frau Quandt sah keinen Sinn darin, eine verlockend klingende Urlaubsidee weiterhin unerfolgreich zu verfolgen.

Eine Langzeitbelichtung von etwas mehr als einer Stunde. Nimmt man es mit der konsequenten Einhaltung eine pointilistisch-tachistischen Bildästhetik ernst, so grenzt die Umsetzung eines flashlight paintings an Leistungssport.

Nicky hatte als DJ nicht nur freundschaftlichen Kontakt zu den ganz Großen in dieser Szene: zu Westbam, Snap und Jam & Spoon zum Beispiel. Er veröffentlichte selbst seine eigenen Kompositionen, oder er baute Coverelemente in Dancefloorstücke ein, so zum Beispiel «4 am», mit denen er dann bei sogenannten Major-Labels über eine Veröffentlichung verhandelte. Das Stück «4 am» war so ein richtig gut gemachtes und daher völlig überflüssiges Dancefloor-Stück. Ihm war das durchaus klar, aber von Zeit zu Zeit genoß er den Ausflug in den Kommerz. «Hamster, Kommerz ist immer ein bißchen wie Urlaub!» ließ er mich dann wissen. Wohl auch um mir zu verdeutlichen, was er mit «Urlaub» genau meinte, brachte er mich bei SONY als Fotograf für das CD-Cover ins Gespräch. Der Name seines Projektes lautete «Überschall». Zufälligerweise hatte ich bereits einen aufwendigst durchgeblitzten Learjet in meiner Mappe – und dieses Bild sollte es sein! Mein flashlight painting fand der zuständige Dance-A&R von der Plattenfirma auch ganz spannend, nicht jedoch meine nickyeske und höchst urlaubsorientierte Honorarvorstellung. However, Monsieur Le A&R machte Umschweif, sagte, er wolle höchstens die Hälfte bezahlen. Bis er in München anläßlich der Verleihung des «Bairischen Fernsehpreises» an die Filmschauspielerin Jennifer Nitsch mit ebenselbiger an einem Tisch sitzen durfte. Keine Ahnung, wie diese Null das schaffte. Vermutlich hatte Nicky da was gedreht, schließlich war der Knabe ja sein Vertragspartner. Irgendwie fiel das Gespräch dann auch auf mich und Jennifer erwiderte die entgeisterte Frage meines besagten Verhandlungspartners bei SONY «Was Du kennst Hamlet Hamster?» mit «Ja, ich war mit ihm zusammen auf dem Internat!» – was glatt gelogen war. Jennifer war echt großartig. Im Gegensatz zu mir durchschaute sie diese Leute genau und wußte, wie sie funktionieren. Damit revanchierte sie sich bei mir für die vielen flashlight paintings, die ich kurz zuvor von ihr gemacht hatte. Meine höchst urlaubsorientierte Honorarvorstellung war für SONY übrigens danach überhaupt kein Thema mehr. Wirklich schade, daß Jennifer nicht mehr lebt!

Eines der flashlight paintings von Jennifer Nitsch

Ich will nicht allzu viel erzählen, aber das war so die Ebene, auf der wir damals durchgehend unterwegs waren. Meine flashlight paintings erschienen in dieser Zeit überall auf der Welt, sogar auf vier sweeten Doppelseiten im chinesischen People-Magazine. Außerdem kamen sie bei Sotheby’s unter den Hammer. Das war vielleicht crazy! Wir waren ein veritabler Kreativmix mit einem ausgeprägten Hang zum Überschwenglichen. Theoretisch hätten wir es mit der kreativen Weltelite aufnehmen können, denn wir waren ein Teil von ihr. Theoretisch jedenfalls! Denn wir waren viel zu intelligent, als das wir jemals Gefahr gelaufen wären, uns im konservativen Sinne zu überarbeiten. Und genau hier schwamm der Hund in der Pfeffersauce, beziehungweise lag er unter ihr begraben.

Spontan in Sulden entstandenes Blitzlichtgemälde, das die beiden Hauptsponsoren «Milka» und «Volks- und Raiffeisenbanken e.V.» bauchpinselt.

Jakob schaffte es zu jeder sich bietenden Gelegenheit, seine Agentur großartig aussehen zu lassen. Ich erinnere mich da an das Skirennen, das von dem Branchenblatt HORIZONT für alle deutschen Werbeagenturen in Sulden ausgeschrieben wurde. Klar, daß wir dabei waren. In Jakobs Bekanntenkreis befanden sich zufälligerweise der letzte Hessen- und Vize-Hessenmeister im Abfahrtslauf. Er machte sie kurzerhand zu Agenturmitarbeitern und meldete sie an. Er bezahlte ihnen die Reise, die Unterkunft, das Essen – einfach alles. Sie waren seine Gäste. Im Gegenzug gewann unsere Truppe souverän in allen Disziplinen. Beim Abfahrtslauf war der Abstand zu den Zweiten sogar so groß, daß ich, der als Letzter durchs Ziel kam, mir den Luxus leisten konnte, die Ziellinie mit geschulterten Skiern zu überqueren. Bei allem, was wir taten: Wir legten immer großen Wert auf das Detail. Der Laden ging letztlich zu Grunde, als Jakob immer mehr irgend so einem seltsamen Riesendeal hinterherlief, sich uns gegenüber immer konspirativer verhielt – und dabei seine regulären Agenturgeschäfte sträflichst vernachlässigte. Wir hatten unglaublich viel Spaß in dieser Zeit; und es ist äußerst bedauerlich, daß es die Abenteuerliche Designagentur nicht mehr gibt.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Lightpaintings by Digicord / Jake & Adri Spaceman

17 Nov

There is a lot of lightpainting going on on flickr. Basically it is the oldest lightening technique a photographer was familiar with. This was due to the fact that the emulisons of the early films weren’t prepared that much to respond rapidly to the action of light. A photographer was supposed to use heavy flashlight based on magnesium powder – burning with a brilliant white flame – even during daytime while the sun was shining.

Taking a photograph of the inside of a cathedral, for example, it took him hours and many, many, many magnesium flashes to enlighten in order to receive an acceptable exposure. The photographer was walking with his flashlight, while the apperture of his camera still remained open all the time, through the cathedral. That is the reason why this technique is also called “wandering light”.

Contrarily to Andreas Baier’s amazing flashlight paintings, which are part of the international art scene since the beginning of the 1990s, Jake & Adri Spaceman’s work is pretty far away from being influenced by an excessive baroque lifestyle. What they do is creating urban graffitis with light. Their tags are a composure of 3D geometrical lines, shapes and forms. And we shall not forget the human creatures burning morbidly green or heavily yellow, or being outlined as a dead body by pocket lights.

Instantly they turn urban places which are nothing but nothing special into areas that could be an open air night club, a landing place for UFOs or the entrance for all those who want to become part of TRON 3. Jake & Adri Spaceman are working digitally, so their shutter should no longer be open than 10 minutes – as I guess. Andreas Baier, however, needs several hours for just one exposure. He works strictly analogously. Unfortunately, he consequently rejects any offer doing exhibitions or being published, a fact which makes me automatically unable to show you what his great work looks like.

By Digicord / Jake & Adri Spaceman

888Monkey

21 Jul

({c} Photography by Andreas Baier; Click to enlarge dramatically)

Nowadays, connecting the right t-shirt to your body is nothing but connecting the right religion to your mind. Michael Eibes made it happen to connect the visual strenght of corporate design’s attitude with the gratitude of plain cotton shirts, which appreciate being ennobled that way. The result: happy shirts, and happy people wearing happy shirts. Best you see for yourself. Oops, this site is currently under construction.

Well, so why don’t you try it here? Get yourself expired, sorry, inspired and make your favourite choice. We have decided to go for Bad Hair Day. We’ve got seven of them. We don’t have to go to the hairdresser anymore. We don’t even have to wash them anymore. This shirt explains almost everything. Trousers without pockets as well. We’re doing nothing but saving money. The bonus: We look pretty cool in our Bad Hair Day T-shirt. And so do you! Just try! Or do you think that saving money is not a good religion?

({c} Photography by Andreas Baier; Click to enlarge dramatically)

Another shot from the 888Monkey-catalogue. This place at Hamburg Harbour is smartly and carefully dominated by some 888Monkey’s London signets enthusiastically spread all over the place. But if we wouldn’t had let you know that this place was in Hamburg you might have thought that this place is London. Are we right? Are we right? Say it! Again, the magic possibilities of 888Monkey’s optical lifestyle system has just proven its power once again.

And by the milky way: If you try to find out where to buy mint-magazine for example you will find out here. In whole Germany there are precisely only nine shops where to go to. Michael Eibes’ 888Monkey-store is one of them. This small example shall give you an idea of his standard’s exclusivity.

In short: Michael Eibes is nothing but an intellectually aligned truffle pig.

888M Catalogue
888monkey.com

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