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ADC-Festival 2012: «Ils sont passés notre rédaction virtuelle»

17 May

Das ADC-Empfangspult. Nadelöhr und Helpdesk. Wer es schafft, hier durchzukommen, ist richtig gut!

Gute Kommunikationsarbeit, so referiert die Körpersprache, will wohl überlegt sein.

Einer der richtig guten Nadelöhrbezwinger ist Oliver Hesse, der zudem einen ausgeprägten Nerv für dynamische Bewegungsabläufe hat.

Vor der Kamera ist immer auch irgendwie vor der Kamera. Wohl dem, der mit diesem Umstand umzugehen weiß: Arthur Potts Dawson betreibt in London die beiden Restaurants «Acorn House» und «Water House», sowie den genossenschaftlich geführten «The people’s supermarket». Die Verwendung regionaler und saisonaler Lebensmittel und damit die Verringerung von food miles sind seine Themen. Und ganz nebenbei sieht er Mick Jagger irgendwie ähnlich. Also mit ein bißchen Phantasie jedenfalls. Ob das daran liegt, daß er sein Neffe ist?

Schmackhaftes Catering auf dem ADC-Holodeck.

Er zu ihr: Kennst Du den Film «Theo gegen den Rest der Welt»? Sie zu ihm: Nein. Aber ich hab es flüstern hören, daß Du heute abend «Gold» bekommst. Ist doch auch was, oder?

Das corpus delicti: Diese Kaffeetasse stand kurz vor der Entgegennahme einer großen Auszeichnung, nämlich durch Herrn Prof. Günther Klein beehrt geleert zu werden. Dann aber streifte unser Rucksack sein Trinkgefäß, es entstand ein kleines Fußbad, welches wir, mittlerweile besagtes Trinkgefäß samt Untersetzer mit beiden Händen fest umklammernd haltend, und in Begleitung der verbalen Anmerkung «Friedrich Dürrenmatt sagte mal: Je genauer man plant, desto härter trifft einen das Schicksal» auch noch ordentlich durchschüttelten, wodurch sich das hier gegenständliche Fußbad erheblich vergrößerte, was wiederum dazu führte, daß der Herr Professor unsere spontan geäußerte Offerte «Oh, vielleicht ist es besser, wenn wir uns dieser Tasse jetzt annehmen» durchaus positiv und gelassen lebenserfahren auf- und annahm.

Allerdings war der Kaffee von solch abscheulicher Machart, daß wir den Herrn Professor umgehend via Voicemailboxaufzeichnung davon im Kenntnis setzten, daß es sehr gut möglich gewesen sein könnte, völlig uneigennützig gerade sein Leben gerettet zu haben.

Im richtigen Leben zeichnet Günther Klein als Regisseur u.a. für diese ungemein hochwertigen Geschichtsproduktionen verantwortlich, durch die Maximilian Schell moderierend führt. Sie werden u.a. von arte und dem ZDF-Kultur-Kanal ausgestrahlt.

Zwei uns unbekannte Cuties, von denen eine auf den sweeten Namen Ulrike Krämer vom (Institute Of Design – Hamburg*Berlin*Düsseldorf) hört.

Wenn Werbe Weischer nicht gerade in Sachen Cannes Rolle busy ist, dann fällt das Unternehmen allein schon rein optisch mit seinem Minikino aus dem Rahmen.

Typisch DDC: Eine gesunde Atmosphäre kann nur unter einem gesunden Claim-Dach gedeihen. Von beidem hat der Deutsche Designer Club reichlich zu bieten.

Zwei runde Tische im konstruktiven Dialog.

Die beiden ADC, quatsch, DDC-Vorstände Gregor Ade und Michael Eibes.

Prof. Gregor Krisztian (HSRM + DDC) zusammen mit Studierenden von der Hochschule RheinMain am DDC-Stand. Der nachfolgende Link führt zu unserer Rezension seines Buches «Wie visualisiere ich einen Bestseller?»

Wäre die Hammer-Skulptur im Hintergrund dem italienischen Künstler Enzo Cucci, der der italienischen Transavantgarde zuzuordnen ist, zuzuordnen; und würde diese Arbeit zudem während der kommenden ART | Basel von Bruno Bischofberger präsentiert, so läge der Verkaufspreis ohne zu übertreiben bei mindestens einer halben Million Euro. Aber sooo?

Aber sooo wartet der kreativ-geniale Leuchtkopf Rüdiger Pichler immer noch auf die adäquate Synchronisation seiner Leistungen mit den unerklärlichen Gesetzmäßigkeiten des internationalen Kunstmarkts. Aber mußte Louise Bourgois nicht auch eine kleine Ewigkeit warten, bis man ihr die ihr längst zustehenden Lorbeeren zugestand? Und ist das Warten sowie das Warten-Können nicht ein Ausdruck purer Romantik? Und ist richtig verstandene Romantik nicht die Grundlage einer minimalistischen Lebensführung? Und steht eine minimalistische Lebensführung nicht im direkten Zusammenhang mit dem Gebrauch eines Hammers? Und wo steckt eigentlich Paul Waztlawick? Ach ja, unter der Erde. Aber seine Geschichte mit dem Hammer lebt weiter!

Anja Henningsmeyer von der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA).

Immer mehr Menschen praktizieren auch im realen Leben ganz entspannte Online-Kommunikation.

Mittagspause auf dem Holo-Holodeck der beiden hessischen Ministerien für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung sowie für Wissenschaft und Kunst.

Prof. Jörg Waldschütz von der Hochschule RheinMain ist zugleich ADC-Mitglied und ausgewiesener Spezialist für Online-Kommunikation. Stolz präsentiert er uns gerade seine beiden neuen USB-Anschlüsse.

Will man Dietmar Henneka tief in die Augen blicken, so wird man feststellen müssen, daß das mitunter ein ganz schön beschwerliches Unterfangen sein kann.

Zwei hoffnungsfrohe Designtalente praktizieren regelkonformes form follows function acting: Der Löffel steckt vorbildlich im Latte-Glas, während sich die Gabel im Begriff befindet, die Außenhaut des Käsekuchenstückchens ohne größeren Widerstand zu durchdringen – und nicht etwa umgekehrt. Prädikat: Sehr vorbildlich!

Im Gespräch: Jochen Rädecker, Präsidiumssprecher des Art Directors Club für Deutschland (ADC) (Bildmitte) und Claus Fischer, Mitglied des ADC-Präsidiums (rechts).

Über den eigenwilligen TV-Sender Rhein-Main-TV gäbe es einiges zu sagen. Hier beschränken wir uns darauf, daß es schön ist, diese Wahnsinnigen mal aus nächster Nähe beobachten zu können.

Eye catching moment: James Hilton erfüllt den Jugendtraum zweier seiner Groupies – und fotografiert sie.

Ulrike Krämer (Institute Of Design – Hamburg*Berlin*Düsseldorf) in das Gespräch mit einem runden Tisch vertieft.

Zwei Kommunikationsgenies im Gespräch: James Hilton und Michael Volkmer.

(…) und da kramte also mein Freund Henk in der Mercer Street mitten in der Nacht in irgendwelchen Pappkartons, die da zuhauf rumlagen, herum und zieht am Ende eine Schachtel mit alten Umatic-Bändern hervor; und was soll ich Dir sagen, da war auch ein Showreel von Albert Watson dabei. Klar, daß wir unbedingt wissen mußten, was da drauf war. Am nächsten Tag also eine Edit-Suite angemietet, Du kannst Dir ja vorstellen, was das in New York bedeutet, und einen tiefen Blick in die Arbeitswelt von Albert Watson genommen. Hammer, sage ich Dir. Der glatte Hammer! Obercooles Zeug! Also, die Schwarzweiß-Spots, die er für einen großen Papierhersteller gemacht hat, also soo feinfühlig, wie er da mit dem Thema und den jungen Setzlingen umgegangen ist, also da können die sich von heute locker noch eine ordentliche Scheibe von abschneiden (…)

Where ever you are, people are celebrating their communication skills: «People who look for the best coffee you can get in Messehalle 5, this is the place they know they have to come to!» Also wir wären an der Brühe fast verreckt.

Die beiden Damen wollten unbedingt fotografiert werden. Das haben sie jetzt davon: ganz blau im Gesicht!

Kreativer Generationenkonflikt: Digitales Laptop gegen analoges Laptop. Welches Gerät, welche Lebensphilosophie macht das Rennen? Der junge Mann mit dem Zweifel im Gesichtsausdruck scheint sich seiner Sache nämlich gar nicht so sicher zu sein…

Der zentrale Dreh-, Angel- und Treffpunkt ist und bleibt nunmal das Holo-Holodeck der beiden hessischen Ministerien. Mit sicherem Gespür für die richtige Lichtsetzung entsteht hier eine lockere Gesamtatmosphäre die entspannte Gespräche ermöglicht.

Ganz im Mittelpunkt: Dr. Stephan Vogel, seines Zeichens Chief Creative Officer (CCO) im Hause Ogilvy & Mather.

Pure iPad-Meditation vom Feinsten!

James Hilton ist einer der am meisten geachtetsten und respektiertesten Kreativdirektoren der Welt. Schon kurz nach der Gründung von AKQA im Jahr 1995 ist das Unternehmen an die Spitze der Branche gestiegen und inzwischen die weltweit größte unabhängige Agentur. AKQA verfügt über Niederlassungen in London, Paris, Berlin, Amsterdam, New York, Washington DC, San Francisco und Shanghai.

Leider war bis zu Redaktionsschluß nichts über die Identitäten der vier hier abgebildeten Gentlemen in Erfahrung zu bringen. Gerne würden wir wissen, welche Kindheitserlebnisse für Ihre spätere Berufswahl verantwortlich waren. Wie sie mit dem Studentenleben klargekommen sind. Worüber sie gerade reden. Und warum nur einer der drei Herren einen Hut trägt. Wer mehr weiß, der mag sich gerne bei uns melden.

James Hilton gehört zu den führenden Kreativen und hat eine Vielzahl von globalen Auszeichnungen, darunter den Grand Prix und Gold Cannes Lions, gewonnen. Außerdem war er Juror für die Cannes Lions, Webby Awards, D & AD und Vorsitzender der Jury für die Clio Awards und Eurobest.

Michael Schirner fotografiert.

Michael Eibes fotografiert.

Redaktionsfotograf Andreas Baier fotografiert.

As we already pointed out: the ADC-Holodeck is always a nice place to be.

Steven Spielberg schreibt in seiner Autobiografie, daß er schon als Schüler ständig bemüht war, möglichst ungewöhnliche Kameraeinstellungen zu finden. So habe er auch Menschen durch Armbeugen hindurch fotografiert. Heute, so Spielberg, würde er das nicht mehr tun. Aber dafür wir. Im Zentrum des Bildgeschehens: Michael Volkmer.

James Hilton wurde vor kurzem, neben Jonathan Ive von Apple, in die „Creativity 50“ aufgenommen, eine Liste der 50 most influential and inspiring creative personalities of the world. Er ist Redner bei internationalen Veranstaltungen und Gastdozent an weltweit anerkannten Kreativschulen. Das Campaign Magazin ernannte ihn zu Englands Number One der Digital Creative Directors der letzten zwei Jahre.

Diese Kreative haben wir bis Redaktionsschluß nicht identifizieren können. Allerdings unterhielt sie sich eine halbe Ewigkeit am Telefon angeregt mit George Clooney, was, wie wir finden, eine nachahmenswerte Attitude darstellt.

Diesen Kreativen haben wir bis Redaktionsschluß nicht identifizieren können. Allerdings unterhielt er sich eine halbe Ewigkeit angeregt mit James Hilton, was, wie wir finden, eine gesunde Attitude ist.

Warum dieser Irrsinnskalender keinen Preis bekommen hat, werden wir wohl nie verstehen.

Und wie war die Preisverleihung? Also, das DFB-Pokal-Finale zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Bayern München ging 5:2 aus. Es war ein sagenhaftes Spiel. Die im Hotel «Maritim» kredenzten Nürnberger Rostbratwürstchen waren hingegen weniger sagenhaft, viel mehr von solch abscheulicher Machart, daß sie auf der stark ins Minus gerichteten Geschmacksskala selbst den von uns zuvor angeprangerten «besten Kaffee in Messehalle 5» locker in den Schatten stellten.

Aber die letzten zehn Minuten ADC-Preisverleihungsfestlichkeit haben wir dennoch mitgenommen. Schön voll, nicht?

Wer wissen will, wie Werbung wirklich funktioniert, der braucht sich nur mal ein halbes Stündchen lang mit Dörte Spengler-Ahrens zu unterhalten – danach weiß er es. Versprochen.

Einer der begnadetesten Konstrukteure und Autobauer war zweifellos André Citroën. In jedem anderen Auto wäre Charles de Gaulle seinen damaligen Attentätern zum Opfer gefallen. Nicht jedoch in einem Citroën DS Présidentielle. Mit keinem anderen Auto wäre die Flucht bei Vollgas und mit einem zerschossenen Reifen möglich gewesen. Die Hydropneumatik ist bis zum heutigen Tage das weltweit beste Federungssystem für Automobile. Schön, daß Citroën sie immer noch einsetzt!

V. l. n. r.: Jennifer Gauselmann, Felix Glauner und Martin Breuer mit Frau Eva (Euro RSCG).

The Gruppenfoto.

Diese beiden Gentlemen finden David Ogilvys Puerto-Rico-Anzeigen nach wie vor am besten. Wir können das nachvollziehen.

Das hat es bisher so auch noch nicht gegeben: Zwei Sieger aus demselben Kreativteam geben sich unmittelbar nach der Preisverleihung vor laufender Kamera das Ja-Wort. Sen-sa-tio-nell!

Laura Fischer von kempertrautmann.

Das ADC-Holodeck-Büffet.

Unermüdlich und bis zur letzten Sekunde sind die hFMA-Netzreporter im Einsatz.

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Michael Weber – WSP Design, Heidelberg

Auf dem diesjährigen ADC-Festival war Geld das ganz große Thema. Befindet sich die Kreativität im Würgegriff international agierender Finanzhaie? Oder sind es einfach nur mal wieder die Mandeln? Meerschweinchenreport geht dieser Frage auf den Grund.

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Nachtrag vom 2. Juni 2012:

Wer unseren Meerschweinchenreport kennt und liest und genießt und verbrennt, der weiß auch, daß wir besonders zu huldigende Persönlichkeiten immer etwas hervorgehoben ehren. Genoß Christian Daul in unserem ADC-Bericht aus dem Jahre 2010 den Vorzug, als Tischkärtchen in Erscheinung zu treten, so belegt er in unserer diesjährigen ADC-Abschlußweinprobe naturgemäß den besten Platz, nämlich diesen hier.

Wir präsentieren seine Kurz-Vita: Christian Daul ist seit September 2009 Geschäftsführer der Agentur Scholz & Volkmer und betreut unter anderem den Bereich Campaigning. Nach einer Lehre zum Bankkaufmann studierte er Werbewirtschaft an der FH Pforzheim. Im Anschluss arbeitete er als Texter bei den Frankfurter Agenturen Michael Conrad & Leo Burnett und Lowe & Partners, die er ab 1998 außerdem als Geschäftsführer Creation leitete. In diesem Jahr verzeichnete Christian Daul auch das einschneidenste Erlebnis seiner bisherigen Kreativlaufbahn: Ein intensives Gespräch mit unserem Chefreporter und damaligen Creative Director (hamster&james) Hamlet Hamster in der Bar-Martinez. Das brachte ihn selbstredenderweise weiter, führte ihn schnurstracks als Creative Director von Jung von Matt an die Alster und wurde im Anschluß Geschäftsführer Creation bei McCann-Erickson in Hamburg und Frankfurt. 2003 übernahm er als Chief Creative Officer die kreative Führung von Y&R Germany.

Christian Daul ist Mitglied des ADC Deutschland und im Vorstand des Deutschen Designer Clubs. Er war in zahlreichen nationalen und internationalen Jurys tätig, darunter bei den Cannes Lions, New York Festivals und Golden Hammer.

Während seiner geistigen Freizeitphasen widmet sich Christian Daul gerne den surrealen und fluxusesken Aspekten des Lebens sowie (siehe Foto: links und rechts von CD) dem Prinzip der «Dualität des Paradoxen». Hier wirkt er übrigens leibhaftig in einer Performance des Fluxus-Künstlers Ben Patterson mit, die dieser anläßlich der Wiesbadener Designtage 2010 «Access All Areas» realisierte.

Auf dem diesjährigen ADC-Festival präsentierte er James Hilton.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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ADC-Festival 2012: «Kriegsberichterstattung aus dem Land des knappen Geldes»

15 May

Auf dem diesjährigen ADC-Festival ist Geld das ganz große Thema. Befindet sich die Kreativität im Würgegriff international agierender Finanzhaie?
Oder sind es einfach nur mal wieder die Mandeln?
Meerschweinchenreport geht dieser Frage auf den Grund.

Gerade mal ein Jahr ist es her, seit dem letzten ADC-Spitzenkräftegipfeltreffen – und nun folgt schon das nächste. In einer immer schnelllebigeren Zeit nur allzu konsequent. So bewegen auch wir uns einmal mehr in Richtung Halle 5 des Frankfurter Messegeländes, um allen zu zeigen, daß sich der unbeschreiblich unbestechliche Meerschweinchenreport nach wie vor regt und seine Texte pflegt.

Zu selbstreferentiell? Nein. Wer sich auf Blick-, Sprach- und womöglich sogar Körperkontakte mit waschechten Vollblutwerbern vorzubereiten hat, der sollte sich vorab mit ihrem Selbstverständnis aus der intellektuell unbequemen Ich-Perspektive hinreichend auseinandersetzen. Wir tun das.

Durch immer knapper bemessene Topkreativenhonorare droht die Unterernährung. Das Gegenmittel: Meditieren, meditieren, meditieren – bis die Tischplatte durch das Gehirn gewachsen ist. Nur fünf Minuten auf dem ADC-Holodeck und die Patienten fühlen sich anschließend wie neugeboren.

Und zwar mit dem größten Vergnügen. Denn wie stellt das Vorstandsmitglied Hans-Peter Albrecht (ADC) doch so hübsch und treffend fest: «Der ADC ist eine unglaubliche Institution. Er vereint 560 Egoisten – und es funktioniert.» And, most importantly: Er trägt dasselbe T-Shirt, das er schon anläßlich der President’s Lecture von Sir John Hegarty im Hause Berlin School of Creative Leadership trug. Professionell wie wir sind, sprechen wir ihn darauf an. Versuchsergebnis: Der Mann ist glücklich, hat Spaß mit sich selbst; bei ihm ist von Schmerz weit und breit nichts zu spüren.

Damit hatten wir nicht gerechnet. Hm. Gibt es etwa einen unterbewußten und somit unfühlbaren aber dennoch existenten Schmerz, der die ADC-Themenwahl «Geld» trotzdem legitimieren würde – so wie Gottfried Benn etwa über die Existenz des unterbewußten Glücks nachdachte? Falls ja, so dürfte Geld doch überhaupt kein Thema sein. Ist es aber. Und über Glück wird seit einiger Zeit auch an jeder Ecke philosophiert. Gibt es also doch kein unterbewußtes Glück? Oder ist das unterbewußte Glück in persona so unglücklich über seine Schattenexistenz, daß es in das Unterbewußtsein des Menschen immer und immer wieder eindringt und es dazu nötig, in aller Öffentlichkeit über das Glück nachzudenken, damit es sich selbst auch mal im Lichte der Medien sonnen – und endlich auch mal glücklich sein darf? Und schließlich: Besteht zwischen Glück und Geld möglicherweise doch ein noch genauer zu definierender Zusammenhang? Wir werden es herausfinden. Vielleicht nicht heute. Aber wir werden es.

Die wahren Avantgardisten sind die, die ihrer Zeit so weit hinterherhinken, daß sie ihr schon wieder meilenweit voraus sind: So wie Diogenes einst in seiner Tonne, so macht es sich dieser Kreative auf einem Sitzsack im Schutze einer sorgfältig verarbeiteten Tischplattenunterseite gemütlich – und beobachtet verständnislos das geschäftige Treiben. Diogeneses Idee war denkbar einfach: Wenn alle Menschen arbeiten, um so viel Geld zu verdienen, daß sie nie wieder würden arbeiten müssen, so sei es doch wesentlich konsequenter – und auch effizienter –, von vorne herein nicht zu arbeiten.

So kritzelte es denn auch konsequenterweise ein Ideengeber- und -brütler auf die ADC-Ideenwand: «Geld ist die Idee von gestern.» Aber ist sie das wirklich?

Kein Wunder, daß den Regierenden seit Diogenes der Gedanke, daß das Volk genug Zeit zum Nachdenken haben könnte, mehr als nur einfach ein Dorn im Auge war. Die Nazis propagierten erfolgreich: «Müßiggang ist aller Laster Anfang.» Ein seltsamer Sinnspruch, der sich erfolgreich bis in die meisten Gehirne der heutigen Generation durchgefräst hat. «Ora et labora» nannte die Kirche bereits ihr Haltet-die-Schäfchen-vom-Denken-ab-Programm. Und falls solche einfachen Rezepte nicht ausreichten, wurde mal eben ein fremdes Land unter Beschlag genommen, um von innenpolitischen Problemchen abzulenken.

Die ADC-App kommuniziert mit seinen geldkranken Patienten durch vom menschlichen Auge kaum wahrnehmbare Leuchtintervalle. «Das Leben ist schön. Das Leben ist rosa. Das Leben ist ADC!» morst das Hightech-Taschentelefon – und der zu Gesundende genießt die heilende Wirkung plötzlich aufkeimender Regungslosigkeit.

Auch auf dem Holo-Holodeck der beiden hessischen Ministerien für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung sowie für Wissenschaft und Kunst sind die Festivalsbesucher der Wirkung einer kontinuierlichen Glücksbehandlung in wohltuender- und kostenloser Weise ebenfalls konsequent ausgesetzt.

Aber wie hält man Menschen vom Nachdenken ab, wenn Sie mit Arbeiten nicht mehr ruhig zu stellen sind, weil es immer weniger Arbeit zu verteilen gibt? Und wie fällt man in fremde Länder ein, wenn das In-fremde-Länder-einfallen für Staatschefs auch immer risikoreicher wird? Richtig! Eine neue große mediale Beruhigungspille Marke iPhone mit seinen Millionen von Apps muß her. Das große Gesamtziel: Dem Menschen sämtliche Tätigkeiten, für die er normalerweise sein eigenes Gehirn einsetzt, durch den Ersatz sogenannter App-Funktionen abzunehmen.

Erste Erfolge konnten bereits verbucht werden: So fuhren mehrfach Trucker mit ihren Vehikeln in den Straßengraben oder sogar in einen parallel zur Straße verlaufenden Fluß, nur weil sie ihr Navigationsgerät aus einer nicht nachvollziehbaren Laune heraus dazu aufforderte: «Jetzt rechts abbiegen!» Der Endsieg wäre erreicht, wenn dem Menschen der Gebrauch des eigenen Gehirns so fremd geworden ist, daß er es sich aus eigenem Wunsch herausnehmen läßt, um den freigewordenen Platz sinnvoller zu nutzen, beispielsweise als Aufbewahrungsort für sein neues iPhone: No brain, no pain.

Wie? Sie können mit unserer düsteren Prognose nichts anfangen? Unter uns: Wir auch nicht. Aber es schreibt sich so schön. Und was den Erfolg von Prognosen angeht, so hat kürzlich die großartige Redaktion von «hr2 – Der Tag» eine sagenhaft gute Sendung mit dem Arbeitstitel «Es wird böse enden: Vom Unfug der Prognosen» kreiert. Wir sprechen explizit eine Download-Empfehlung aus.

Kein Zweifel: Die gesamte Weltbevölkerungsgesellschaft steht vor einem riesigen Umbruch. Nur der Club of Rome nicht. Der düsterlt munter weiter vor sich hin, so als ob es kein Morgen gäbe. Um zu eroieren, welchen «Morgen» es diesmal betreffen könnte, finden überall auf dem ADC-Kongress eilig einberufene «Mobile Runde-Tisch-Gespräche» statt. Meerschweinchenreport tipt auf die Montag- möglicherweise aber auch Freitagmorgende, die in absehbarer Zeit aufhören werden zu existieren. Schade eigentlich.

Doch weiter im Kontext: Steuert unsere globale Gesellschaft tatsächlich einer Lebensform entgegen, so wie sie H.G. Wells in seiner Zeitmaschine beschrieb? Oder doch mehr so, wie es eine Sequenz aus dem Walt-Disney-Streifen WALL-E darstellt: Überfettete Menschen, die jegliche Körperbewegung unfähig zu Vollziehenden, schweben auf aufblasbaren Gummi-Donuts über das Deck eines Gigakreuzfahrt-Liners, vertilgen Super-Size-Me-Portionen an Fastfood; und der einzige emotionale Höhepunkt des Tages besteht darin, daß «Rot ist jetzt blau» über die Lautsprecheranlage erklingt, worauf sich alle rote Flächen in blaue verwandeln. Brauchen solche Kreaturen eigentlich noch Geld? Und wer wäre in einer solchen Welt für die Werbung verantwortlich? Oder wird es doch eine Mischung aus den literarischen Prognosen der beiden Herren George Orwell und Aldous Huxley geben, nur alles noch viel bunter, noch viel toller und noch viel spaßiger? Wenn man sich das Treiben der Herren Facebook, Google & Friends ansieht, so ist auch das durchaus vorstellbar. Oder, und auch das ist unserer Ansicht nach nicht gänzlich auszuschließen: Bleiben wir zukünftig alle zu Hause, weil ein revolutionäres Gen-Patent entwickelt wurde, das es uns erlaubt, morgens zum Frühstück unsere eigenen Gliedmaßen zu verspeisen, weil sie noch am selben Nachmittag wieder vollständig nachgewachsen sein werden? Well, zumindest das wird ein engagierter EU-Kommissar rechtzeitig zu verhindern wissen…

Der ADC sagt: «Ideen sind das Geld von morgen. Deshalb wird ein Tragebeutel, in dem Ideenprodukte spazieren geführt werden, automatisch zu einem Geldbeutel» Die Polizei vertritt jedoch immer noch die Auffassung, daß es ganz schön fahrlässig ist, sein Geld so offen und ungeschützt mitsichzuführen. Vielleicht sollte man beide Parteien mal zu einer Podiumsdiskussion einladen…

Mal was Grundsätzliches zum Thema Geld: Wir alle kennen das Spiel Monopoly? Klar. Es geht so aus, das am Schluß einer immer alles hat, und alle anderen nichts. Dann wird ein neues Spiel angefangen – und alle haben wieder dieselben Startvoraussetzungen. Solche Vorgänge hat es auch schon in der ganz realen Menschheitsgeschichte mehrfach gegeben, nur daß dabei unangenehme Begleiterscheinungen mit einhergingen; beim letzten Mal waren beispielsweise zwanzig Millionen Tote zu verbuchen. Wäre es also nicht schön und sinnvoll, zur Abwechslung mal zu einem möglichst frühen Zeitpunkt unvermeidbare Entscheidungen zu treffen und die daraus resultierenden Maßnahmen einzuleiten, da es dem gros der Bevölkerung noch nicht nötig erscheint, sich dabei auch noch gegenseitig die Fresse polieren zu müssen?

Wir fragen das ideologisch ganz unverbohrt, haben weder sozialistische, kommunistische oder imperialistische Thesen als hehre Ideale im Sinn. Grundsätzlich ist Geld etwas sehr Schönes. Man kann sich davon einen Kühlschrank kaufen. Oder ein neues Lattenrost fürs Bett. Außerdem sähe unsere Redaktionsyacht mit einem Mahaghonifußboden konsequent schicker aus. Ohne Geld lassen sich solche Anschaffungen erfahrungsgemäß leider nicht realisieren. Allerdings ist es auch nicht so schön, als Wohlhabender zum Einkauf weite Teile des Stadtgebietes mit einem Helikopter überfliegen zu müssen, weil man andernfalls Gefahr liefe, überfallen, ausgeraubt oder gar gelyncht zu werden.

Schon John F. Kennedy wußte: «Wenn wir den Ärmsten in unserer Bevölkerung nicht eine Mindestmaß an Einkommen zusichern, das ihnen erlaubt, ein ganz normales Leben zu führen, so werden die Reichen weder ihr Eigentum noch ihr Leben mit keinem Geld dieser Welt schützen können.» Was auch immer die Kennedys waren, oder auch nicht waren, mit Sicherheit waren sie jedoch keine Kommunisten.

Sind Wolken die geldgesegneten Segel der kreativen Vernunft von morgen?
Eine Frage, die uns zur Abwechslung mal nicht interessiert.

Irgendwie sind «Gott, Hammer & Co.» dieses Jahr das ganz semi-große Thema: In einem aufwendigen Hornbach-Spot im Look der (goldenen) 1920er Jahre baut Noah seine Arche und die Hochschule RheinMain textet martialisch in direkter Nachbarschaft von möglicherweise noch zu zertrümmernden Paradiesäpfeln und unter der akribischen Aufsicht von Prof. Rüdiger Pichler: «Du mußt herrschen und gewinnen», «Du mußt steigen und sinken» bzw. «Du mußt zuschlagen und heulen». Vielleicht haben wir nur deshalb noch keine ernstzunehmende Revolte auf der Straße, weil die vielen Unzufriedenen ihre Aggression und ihren Frust heimlich beim Eigenheimfreislern abbauen und wegflennen. Aber, ähm räusper, wollten wir nicht eigentlich mehr weg vom Krieg und dafür mehr hin zur hippen, schicken Üper-Hüper-App mit eingebauter Glücksgarantie?

Der Referent auf dem ADC-Holodeck weiß ganz genau: «Über Geld spricht man nicht. Geld hat man.» Aber er sagt es nicht. Stattdessen reflektiert er darüber, daß der Mensch mit ca. 20 Jahren körperlich ausgewachsen sei, diese Körpergröße bis etwa zu seinem 65. Lebensjahr beibehalten werde – und dann langsam zu schrumpfen beginne. Aber, so führt der Weitsichtwissenschaftler aus, auch da fühle sich der Mensch noch mächtig und prächtig. Und so verhalte es sich – das ist seine begnadete Schlußfolgerung – derzeit mit unserer globalen Wirtschaft auch. Grund zur Panik gäbe es also keine.

Wer so viel durchreflektierte Weißheit zu versprühen weiß, dem bleibt das Schicksal, in seinem nächsten Leben als Spraydose wiedergeboren zu werden, schlicht erspart.

Was uns ein bißchen am diesjährigen ADC-Festival irritiert, ist, das ein Thema gewählt wurde, das man in dieser Form eigentlich nicht öffentlich thematisieren sollte, es sei denn es geht um die Erhöhung des Entwicklungshilfe-Etats der Bundesregierung: Geld. Denn wer öffentlich über mangelnde Bezahlung klagt, der ordnet sich selbst der Gruppe von Erfolglosen zu. Und mit denen will niemand etwas zu tun haben. Jedenfalls keine vom Erfolg Gesegneten. Und: Darf man von Führungskräften, die immer noch ihre geschätzten 30.000,- bis 40.000,- Euro im Monat an Gehalt einstreichen, nicht erwarten, daß sie in der Lage sind, ihren Kunden klar zu machen, daß Qualität immer noch anständig zu bezahlen ist? Oder müssen wir erst George Bernhard Shaw bemühen? Er stellte fest: «About quality you are worried only once – when you pay. About mediocrity every day.»

Mit der Qualität und dem Geld ist das allerdings schon immer so eine Sache gewesen. War die KLF-Aktion, am 23. August 1994 auf der schottischen Insel Jura genau eine Million Pfund Sterling verbrannt zu haben, eine qualitativ gehaltvoll Performance – oder eher weniger? Fakt ist, daß es eine Menge Wohltätigkeitsorganisationen gegeben hätte, die genau gewußt hätten, wo man das Geld sinnvoller hätte einsetzen können. Fakt ist aber ebenso, daß es Bill Drummond und Jimmy Cauty zunächst um eine Geldausstellung ging, die jedoch von verschiedenen Ausstellungshäusern, u.a. auch von der Tate Gallery, abgelehnt wurde, wodurch sich die beiden Egozentriker möglicherweise emotional in die Enge getrieben fühlten – und eine der bemerkenswertesten Trotzreaktionen in der Geschichte menschlicher Trotzreaktionen durchführten: sie verbrannten tatsächlich ihr letztes Geld: eine Million Pfund Sterling. Jeder spätere Versuch, die aschlichen Überreste zu einem einzigen Ziegelstein zusammengefaßt und komprimiert für eben jene eine Million Pfund Sterling als Kunstobjekt an einen potenten Sammler zu verkaufen, schlug fehl.

Hat man als Rezipient erst einmal die verschiedenen Stadien der Kunstreflexion in dieser Sache durchlaufen, so steht am – zumindest unserem vorläufigen –Kunstreflexionsendergebnis fest, daß diese Performance eines verdeutlicht: Die einen sehen in Geld lediglich ein Mittel zum Zweck, für andere wiederum ist Geld nichts als Selbstzweck.

Und so sind wir dem Art Director’s Club dann doch dankbar für die Themenwahl, da sie es uns erlaubt, nicht vorwiegend über Werbung oder Gestaltung sondern primär über das Pekuniäre nachzudenken. Deshalb interessiert uns eigentlich nur die Beantwortung einer einzigen Frage: Warum war dem vorstehend beschriebenen «Geldbeutel» eigentlich kein auf das Haus des Hauptsponsors bezogenes Sparbuch mit einem Startguthaben von, sindwirmalgroßzügig, Euro 100,- pro Kopf und Nase beigefügt? Oder war es das tatsächlich? Wir haben den Beutel nicht untersucht, geschweige denn einen angefordert. Aber jetzt, da uns der Gedanke kommt: Wir hätten gerne auch so einen «Geldbeutel»! Falsch: zwei!! Nein, drei!!! Quatsch: vier!!!! Wobei: Sind wir nicht fünf Redaktionsmitglieder? Unter Miteinbeziehung unserer ehemaligen Lieblingsvermieterin sind wir sogar zu sechst!!!!!!

Es ist das Vorrecht rebellischer Jugend, in der Öffentlichkeit als gelduninteressiertes, widerspenstiges Etwas wahrgenommen zu werden. Hier das Kommunikationsprinzip Totale Verweigerung im Schafspelz der vorgespiegelten Systemkritik: «Schaut nicht auf das, was Euch kaputt macht!» Vielleicht ist es aber auch mehr die hinterfragende Nummer: «Hat nicht jeder Mensch irgendwie einen Balken im, am oder zumindest vorm Kopf?» Möglicherweise handelt es sich aber auch um einen Appell an das menschliche Unterbewußtsein, zukünftig weniger Bäume zu fällen. Wir wissen es, ehrlich gesagt, nicht so genau.

Verkaufsförderung aktiv: Wer ein Nobelautomobil an einen Nobelkunden verkaufen möchte, der kann sich besonders glücklich schätzen, wenn er dabei ein Mannequin zum Einsatz bringen kann, dessen kraftvolle Körpersprache überzeugend zu vermitteln vermag, daß es beim Erwerb eines fahrbaren Untersatzes eigentlich um ganz andere Dinge geht.

Durch die sich weltweit verändernden Finanzsituationen im Sekundentakt drängt es viele in den Kunstmarkt, auch wenn sie dafür nie studiert haben. So beispielsweise auch den schweizer Ausnahmekünstler Josef Ackermann, der mit seiner intellektuell gehaltvollen Skulptur «Anton Stankowski meets Ellsworth Kelly» brilliert. Sotheby’s schätzt den Wert des kürzlich erst entstandenen Exponates auf mehrere Millionen Pfund Sterling. Damit blieb die Einschätzung der Kunstsachverständigen allerdings deutlich hinter der Erwartung Ackermanns zurück, wobei dieser es gelassen nimmt, konnte er doch schon in der Vergangenheit souverän zeigen, daß er Schicksalsschläge dieser Art gut wegstecken kann.

Bleiben wir noch für den Hauch einer Zeiteinheit bei der Kunst: Jüngst ging «Der Schrei» von Edward Munch in New York bei Sotheby’s für sageundschreibe $ 120m über die Theke. Das beeindruckt die kreative Jugend von heute natürlich schon irgendwie – und so fühlt sich verständlicherweise manch einer von ihnen zur Nachahmung eingeladen. Ob die hier dargebotene Arbeit «Der Geld-Schrei» allerdings eine ähnlich hohe Summe zu erzielen vermag? Das Gesicht des Auktionators (rechts neben der Arbeit) scheint die Antwort bereits zu kennen.

Während unserer Recherche begegnen wir auch dem Jury-Vorsitzenden Hartmut Esslinger von der legendären Designschmiede Frogdesign bzw. von design mind. Er möchte aber nicht zwingend und schon gar nicht gerne fotografiert werden. «Da sind zu viele Fältchen unterwegs» sagt er und grinst vielsagend. Entgegen seiner eigentlichen Erwartung beherzigen wir seine Bitte und verwickeln ihn stattdessen in ein kurzes Gespräch:

Hamlet Hamster
Wie? Ist Ihnen etwa Ihre Hormocenta ausgegangen?

Hartmut Esslinger
Wie? Placenta? (er grinst)

Hamlet Hamster
Hor-mo-cen-ta! Marika Rökk machte einst Werbung für sie. Eine Antifaltencrème. Außerdem sang sie «Ich brauche keine Millionen. Mir fehlt kein Pfennig zum Glück. Ich brauche weiter nichts, als nur Musik, Musik, Musik, Musik.» Eigentlich DIE große ADC-Festivals-Hymne für dieses Jahr. Ma-ri-ka Rökk! Das müßte so Ihre Generation sein. Erinnern Sie sich nicht mehr?

Hartmut Esslinger
(dann doch etwas irritiert)

Hamlet Hamster
Mal was ganz anderes: Auf einer der vielen Schrifttafeln steht zu lesen: «Gestalter sind die Vitamine der Zukunft». Bisher sind wir immer felsenfest davon ausgegangen, daß der Gestalter so eine Art Freinrippunterhemd in einer barock anmutenden Waschmaschinenladung darstellt, also, um es konkreter zu formulieren, daß das Feinrippunterhemd sozusagen als der Otl Aicher unter den barocken Unterhemdbekleidungsmöglichkeiten für Herren anzusehen ist – womit im logischen Umkehrschluß der Gestalter bzw. speziell Otl Aicher in Gleichnissen eher als Feinrippunterhemd denn als Vitaminpille zu bezeichnen wäre. Haben wir in der Vergangenheit da etwas falsch verstanden, oder sind die Zeiten, in denen wir jetzt leben, schlicht andere geworden?

Hartmut Esslinger
Sehen Sie, ich habe es eilig. Verstehen Sie mich nicht falsch. Das ist ein interessanter Gesprächsansatz. Ich muß aber jetzt weg. Können wir uns übermorgen wieder treffen. Nach der Preisverleihung vielleicht? Das käme mir sehr entgegen.

Hamlet Hamster
Herr Prof. Esslinger, alles, was wir in Erfahrung bringen wollten, haben wir in Erfahrung gebracht. Wir bedanken uns bei Ihnen recht herzlich für das spontane Kurzgespräch und wünschen Ihnen für die Zukunft nur das erdenklich Beste!

Mit den Gestaltern ist es doch immer wieder das Gleiche: Kaum einer von ihnen ist bereit, sich spontan auf pseudo-logisch klingenden Schwachsinn einzulassen. Und von denen, die es tun, haben am Markt die meisten bedauerlicherweise keinen Bestand. Hätte er doch wenigstens «Wenn das so ist, dann ist aber Max Bill viel mehr Feinripp als es Otl Aicher jemals gewesen ist», oder so, vor sich hin gemurmelt, wir wären entzückt gewesen, ihm die vollen 100 Punkte zuzugestehen. Aber so?

Aber so können sich Herr Prof. Hartmut Esslinger entspannt zurücklehnen, da das vorstehende Gespräch in Wahrheit nie stattgefunden hat.

Wo waren wir eigentlich nochmal stehen geblieben? Ach ja, beim lieben Geld. Gab es eigentlich jemals eine einzige Situation in der Geschichte der Menschheit, da es sich in letzter Konsequenz nicht um das geschätzte Zahlungsmittel drehte? Und wird es jemals eine Situation in der Menschheitsgeschichte geben, in der das nicht der Fall sein wird? Hm?

Auch ein Weg, eine sparsamere Lebensweise zu propagieren.

Schließlich und endlich kommen wir nicht umhin, festzustellen: Wenn die derzeit angebliche Geldknappheit dazu führen sollte, daß Werbeleute von bestimmten Unarten aus dem Reich der unbestimmten Lebensführung endgültig Abschied nehmen, so hätte das möglicherweise genau den Vorteil, daß mit den dadurch wiedererlangten Zugängen zu längst totgeglaubten Gehirnregionen und -kapazitäten die Qualität von Kommunikationsvorschlägen steigen wird. Vorstellbar ist das.

Einerseits. Andererseits sollte aus dieser Annahme kein Automatismus erwachsen, denn der hier gegenständliche Entwurf ist nur scheinbar gut, so wie Seniorenprodukte, die von so-called Twenty-Somethings entwickelt wurden, die man zuvor (hoffentlich gegen ihren Willen) in einen sogenannten Alterungssimulationsanzug gezwängt hat, eben nur bedingt gut sein können. Auf dem Titelbild sind beispielsweise keine Krücken sondern ganz normale Spazierstöcke abgebildet, die von Vertretern quer durch sämtliche Altersgruppen, beispielsweise bei Gebirgswanderungen, genutzt werden.

Außerdem ist das Magazin «Die Krücke» so in den Gehstock eingespannt, daß es auf dem Kopf hinge, würde das Gesamtwerk dem potentiellen Leser korrekt am Haken hängend präsentiert. Dem Prinzip «Form Follows Function» folgend, können Produkte für Senioren nur von Senioren entwickelt und gestaltet werden. Das hat u.a. etwas mit der entsprechenden Lebenserfahrung zu tun, die in den Produkten mitzuschwingen hat. Auch würden von Senioren gewöhnliche Spazierstöcke sprachlich nicht mal eben zu Krücken umgeformt werden.

Alles in allem war es ein nützliches und informatives Werbe-Festival, wobei wir es lieber gesehen hätten, der ADC würde sich mehr für die Interessen von Erdbeeren engagieren, damit diese in ferner oder naher Zukunft nicht irgendwann einmal vom Aussterben bedroht sein werden. Wobei wir Birnen und Kirschen als ebenso schützenswert erachten. Keine Frage. Wir erwarten, daß der ADC mal in diese Richtung denkt und uns in absehbarer Zeit unaufgefordert ein entsprechendes Exposé mit zu ergreifenden Maßnahmen vorlegt. Schließlich sind wir ja gar nicht so, man kann mit uns über alles reden.

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ADC Abschlußparty

28 Jun

Alle Fotos von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier.
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Was gestern war, das hätte auch heute gewesen sein können; aber was vor ein paar Wochen gewesen war, das hätte nicht zwingend heute gewesen sein müssen. Der Unterschied? Der Unterschied ist der Unterschied. Und eine arbeitsreiche Festivalswoche – vor ein paar Wochen – war es auch. Und eine erfolgreiche noch dazu. ADC? Art Directors Club.

Zum Vergrößern Bilder bitte anklicken.

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ADC-Kongress 2011: «Die hfma-Netzreporter drehen den Hahn jetzt richtig auf!»

13 Apr

Naturgemäß wird jeder Mensch von Haus aus mit jeweils zwei «Hähnen» (siehe Bild), die sich nach Herzenslust in alle erdenkliche Himmelsrichtungen aufdrehen lassen, geliefert. Die hFMA-Netzreporter betreiben mittels dieses Features volle Vorteilsnahme. Bildmitte: Prof. Rüdiger Pichler.

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Letztes Jahr fiel der Startschuß. Dieses Jahr wird das Terrain der engagierten Berichterstattung über den «ADC-Kongress 2011» von den hFMA-Netzreportern zunächst nach den Richtlinien der Senfer Kreativenrechtskonvention gesichert und anschließend suksessive ausgebaut. Ça veut dire: Jeder und jede, der und die über die Highlights des diesjährigen Kreativentreffens zeitnah informiert sein möchte, sollte das Weblog der hfma-Netzreporter im Festivalzeitraum vom 4. bis zum 8. Mai täglich mehrmals besuchen; und sich – noch besser – in den Feedreader packen. Ach ja, gezwitschert wird auch.

Keine Lust, die Katze im Sack zu kaufen? Well, hier sind ein paar sweete hFMA-Netzreporter-Appetithappen vom letzten Jahr:

Die Kreativ-Brille: Wer in der Werbebranche bestehen will, kommt um diese Brille nicht herum. Ob mit oder ohne Dioptrin, keine Kundenpräsentation ohne. Die hFMA-Netzreporter erhalten erstaunlich überraschende Antworten.

Hat Wladimir Klitschko Angst vorm Zahnarzt? Eine gute Frage, die nicht gestellt wurde. Ein entspanntes Gespräch mit dem Weltklasseboxer, der ganz genau weiß, was «Welpenschutz» in der praktischen Interviewsituation bedeutet.

Der rege Sascha Lobo an der regungslosen DollyBar. Ein Gleichnis? Für den aufgeklärten Geist stellt die Beantwortung dieser Frage keine große Hürde dar…

Wer sind die hFMA-Netzreporter? Die hFMA-Netzreporter sind ein Verbund von Studierenden folgender hessischer Hochschulen: Hochschule RheinMain | Wiesbaden, Hochschule für Gestaltung Offenbach, Hochschule Darmstadt, Philipps-Universität Marburg und Justus-Liebig-Universität Giessen.

Unterstützt und gefördert wird dieses Projekt durch die «Hessische Film- und Medienakademie» (hFMA).

You Tube Kanal: hfmakademie

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ADC-Festival 2010 in Frankfurt am Main

29 May

Jeder, der schon einmal versehentlich einen Nagel, vorzugsweise einen rostigen, in den Schädel, vorzugsweise seinen eigenen, gerammt bekam, weiß, daß er dieses Happening nur auf zwei Arten bewerten kann: entweder als widerlichen Schicksalsschlag – oder als unheimliche Auszeichnung der besonderen – wenn nicht gar der 3. Art (Basel)!

Das www.adc-hilfe.de-Notfallhilfenagelsystem verringerte dieses Jahr die Selbstmordrate unter unausgezeichnet gebliebenen Kreativseelchen drastisch. Die Festivalsleitung sprach von einem absoluten Glücksfall, der sich ruhig wiederholen dürfe.

Doch alles hübsch der Reihe nach, was so viel heißt wie: wir begeben uns an die Quelle, an den Ort des Ursprungs, dort wo alles anfing und alles ausgedacht wurde: an die Wiesbadener Hochschule RheinMain (HSRM), die sich in Kooperation mit der Kunsthochschule Kassel, der HfG Offenbach sowie der Hochschule Darmstadt einige kleine und weniger kleine, aber dafür gänzlich feine Projekte für das diesjährige ADC-Festival ausgedacht haben. Können Hochschulen denken? Nicht ganz, aber dafür die vielen Studenten und Professoren, die ein Hochschulgebäude mit Leben zu erfüllen vermögen. Gerät mein Schreibstil außer Kontrolle? Nicht ganz, aber dafür fast.

In diesem Raum saßen bis eben noch jene Studierende und Studierendinnen, die just in diesem Moment an die Projektionsleinwand stürmten, um kollektiv festzustellen: „Hilfe, ich habe Excel!“ Dafür gibt es den ersten goldenen ADC-Notnagel!

Doch wie jeder angehende Arzt im zweiten Semester weiß, folgt auf Excel Ernüchterung, FDP, DFB oder ADC, wobei ADC, darin sind sich alle Hochschulabsolventen einig, das weitaus angenehmere Krankheitsbild darstellt. 

Verkehrte Welt: Auch Prof. Jörg Waldschütz (HSRM) setzt sich ganz bewußt den gefährlichen Excel-Strahlungen aus – und profitiert von ihnen. Sogar sein iPhone funktioniert wieder. Seine Mine verrät seinen Gedankengang: „Werden wir auf einen Außerirdischen treffen?“ 

Voilà, Wir sehen John Carpenters Starman aus dem Jahr 1984, der noch einen Tag zuvor im Fernsehen als Film zu sehen war, und nun ganz real auf einer der vielen Vortragsbühnen des ADC-Festivals steht und ganz andächtig ein ADC-Wasserfläschchen gleichsam massierend umklammert. Wer hätte das gedacht? Eine kleine Sensation, aber Sensationen sind ja seit je her ein fester Bestandteil des ADC-Festival-Fahrplans.

Dann sehen wir ebenfalls Oliviero Toscani, das wohl berühmteste Werbe-A(I)DS-Opfer der Welt, das nur noch per You-Tube-Mundschutz zu uns sprechen darf. Alles nur ein sensationeller Werbetrick? Vorstellbar (wie alles andere auch) ist das natürlich.

Außerdem sehen wir noch jemanden, der aus purer Freude an der eigenen digitalen Leistungskraftbereitschaft zum Mond fliegen möchte, aber möglicherweise nicht so richtig weiß, welchen Knopf es zu drücken gilt; sowie….

… einen der erfahrensten deutschen Langzeitwerbeastronauten (Norbert Herold als Charles Wilp bzw. umgekehrt), der für unseren Fotografen noch einmal kurz demonstriert, wie durchgeschüttelt er sich damals nach seinem Mondwerbejungfernflug fühlte.

Aber ist das schon alles gewesen? Nein, denn die Stadt Frankfurt zahlte dem ADC eine gerührte Antrittsgebühr von EURO 500.000,-, damit er seine Jahrestagung im kreativen Karnutenwald diesmal nicht in Berlin, sondern im sweeten Frankfurt abhält. Das evoziert die Frage: „Ist Frankfurt der neue Mond Deutschlands?“

„Wann haben Sie das erste Mal den Verdacht gehabt, an ADC erkrankt zu sein?“ Da wurde es manchem unter der Fleischmütze ganz schön heiß (Amir Kassaei, Oliver Voss, Hermann Vaske und Heinz-Rudolf Kunze), andere dachten wiederum, sie kämen ins Fernsehen (Amir Kassaei, Oliver Voss, Hermann Vaske und Heinz-Rudolf Kunze) und legten ihr Sonntagsgesicht auf. Das Leben schreibt eben die besten Drehbücher.

Bei so viel Erfolg kann es eben nur heißen: Dran bleiben! „Wann waren Sie das letzte Mal auf dem Mond?“ Und: „Sehen Sie meine Energiekreise auf der Wand, also etwas überhalb der Fußleiste? Ja? Was sagt Ihnen das alles?“ 

Auf jeden Fall sagt uns das: Näher ran an die Geschichte!

Und zum anderen, daß nachfolgendes Handymondpoetenmännchen ziemlich ganz genau das darstellt, was das nachfolgende Handymondpoetenmännchen in aller Tatsächlichkeit darstellt, nämlich ein kerngesundes Handymondpoetenmännchen mit eingebautem Heinz-Rudolf-Kunze-Zusatznutzeneffekt, das es sich nicht nehmen ließ, unseren Meerschweinchenreportchefredakteur mit seinem neusten Werk „Handymondpoeten sind Refrainfragmente“ erfrischend ungebeten zu versorgen:

Heinz-Rudolf Kunze

Handymondpoeten sind Refrainfragmente

Es spricht zu Dir,
mein süßes Rosenschätzchen,
mein allerliebstes Hosenlätzchen.

(…)

In Deinen Armen will ich friedlich ruhen:
Mit Handyphone und pinkenen Schuhen.

(…)

Kraftvoll wälzt sich Stahlgewitter
Durch die Flure und die Breite,
Lebenslänglich mit Schwertleite:
Lebenslänglich schmeckt schon bitter.

Nicht nur Stahl zerfetzt das Sein,
Auch Sperma sprudelt reichlich.
Ein strammer Fiesling macht auf „weichlich“,
Betäubt mit feinem Riesling-Wein.

(…)

Durchdrungen bin
und ist mein ICH!
Du gibst mir Sinn
mein Herzensstich!

(…)

Das Leben birgt gar manche Last,
Drum acht’ ich drauf, daß alles paßt.

 

Wenn Ihr uns fragt, so riecht das ganz und gar nach dem ganz großen Comeback von Heinz-Rudolf Kunze. Keine Frage. Eine andere Frage: „Wer ist eigentlich wer? Und vor allen Dingen: Warum?“ Zwei wirklich gute Fragen.

Niko Gültig (DDC-Vorstand) und Michael Eibes (DDC-Vorstand) im Paparazzi-Style auf dem ADC-Festival unterwegs.  (Patricia Eibes gelang es noch rechtzeitig, sich mit einem beherzten Hechtsprung aus dem Bild zu retten.)

Peter „Starkstromhirn“ Zizka (DDC-Vorstand) absolviert seinen diesjährigen Karibikurlaub ganz entspannt in Messehalle 5. 

Im Hintergrund der weltberühmte Hermann Vaske (leicht unscharf) im Bild. (Foto: Michael Eibes)

Joseph Beuys Torte

Unverkennbar: Im Vordergrund die weltberühmte Joseph-Beuys-Torte mit wertvoller Blattgoldverrandung. Schmolz der Meister aller Künstlerklassen früher noch das Replik einer massivgoldenen Zarenkrone ein, um daraus einen goldigen Osterhasen zu gießen, so verlagert der inzwischen auch immer zahnlosere Filz-und-Fett-Künstler sein Wirken geschickt in den für ihn so untypischen Bereich der leicht zerkaubaren Nahrungsmittel. Meerschweinchenreport meint: Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!

Prof. Rüdiger Pichler (HSRM) im Gespräch über Lichtdesign mit dem ehemaligen BRAUN-Chefdesigner Prof. Dieter Rams. Location: Museum für Angewandte Kunst unter der Ausstellungsleitung von Prof. Dr. Klaus Klemp.

Wenn der Schöpfer des weltberühmten Schneewittchensargs kommt und spricht, so bleibt kein Stuhl, mag er so gut oder so schlecht gestaltet sein wie er will, unbesetzt, bleibt kein Quadratzentimeter Teppichboden, mag er so gut oder so schlecht gepolstert sein wie er will, unbesetzt. Hier: Prof. Dr. Klaus Klemp im Gespräch mit Prof. Dieter Rams im Museum für angewandte Kunst.

Wenn der ADC ruft, dann springen und sitzen die Teilnehmer; alles konzentriert sich auf die front row: Mögen die vorne aufgenommenen Informationen von der dortigen Hörmuschel (gelber Kopf) zuverlässig bis in die hinterste Reihe (Kamera) weitergeleitet werden. 

Der Herr Henkel ist Texter und Creative Director bei Saatchi&Saatchi in Frankfurt und wird nicht müde, jedem zu erklären, warum man nicht nur in Ausnahmefällen einem Helikopter die Landung auf einem „absoluten Halteverbotszeichen“ gestatten sollte.

Kleine Zwischenfrage: „Herr Severin, leiden Sie zufälligerweise an ADC? Möchten Sie auch mal auf die ADC-Notfall-Couch? Oder benötigen Sie vielleicht einen attraktiven ADC-Notnagel?“ Herr Severin: „Darf ich mir mal Ihre Brille ausleihen?“

Versuchen wir also, uns jenen anzunähern, die für diese und andere investigativen Fragen verantwortlich zeichnen und begeben uns direkt ins Hauptquartier der Netzreporter, wobei die Wege dieser Herren auch hier unergründlich erscheinen.

Das Hauptquartier der Netzreporter: Hier wird besprochen, nachgedacht und umgesetzt. Echte Entscheiderqualitäten sind gefragt und vorhanden.  Teamgeist dominiert, kocht Kaffee und sorgt für professionelle Ergebnisse. Und wer kocht nebenan?

Nebenan kocht die max-Redaktion vorzugsweise im eigenen Saft. Auf die spontan in den Raum hinein gerufene Frage: „Hey, gibt’s Euch immer noch?“ herrschte Schweigen im Walde. Meerschweinchenreport meint: Souveränität geht anders.

Zurück bei den Netzreportern. Jugendlicher Scharfsinn macht sich breit. Auf die spontan in den Raum hinein gerufene Frage: „Gibt’s bei Euch eigentlich auch was zu gewinnen?“ erfolgte eine spontan in den Raum hinein gerufene Antwort: „Ja, diesen herrlich zusammenklappbaren Regiestuhl. Er paßt bequem in jede Brieftasche und zum typischen deutschen Abendessen; bestehend aus mehreren Vollkornbrotscheiben und einer gesund gemischten Aufschnittplatte.“ Meerschweinchenreport meint: Na bitte, es geht doch!

Summa summarum sind das genügend schmackhafte Informationen, um sich komplett durchinspiriert noch mal auf die Suche nach unseren Netzreportern im tückischen Einsatz vor Ort zu begeben.

Na bitte! Harmonisch integriert sich der versierte Netzreporter in die Messehallelandschaft und baut zur Tarnung eine Pappcouch auf, die als attraktiver Blickfang dient. Somit tritt der Netzreporter in den Hinter-, der Interviewpartner auf der angedeuteten Sitzgelegenheit hingegen in den Vordergrund. Denn wie sagte doch Hermann-Josef Abs einmal so treffend: „Understatement ist die gehobenste und feinste Form von Angeberei!“ Heute sagt man jedoch „Passion to perform“ dazu – doch dazu später bzw. jetzt gleich wesentlich mehr.

Das ADC-Festival lockte mit großen Namen: Paul Smith, Wladimir Klitschko, Albert Speer, Dieter Rams, oder Heiner Goebbels. Einerseits. Andererseits waren die offiziellen Aufenthaltsorte besagter Herren quer über die Stadt verteilt; eine Stadt, die alles andere als klein ist. So war es leider unmöglich, dem ADC-Festival mit der gebotenen Grundentspannung zu begegnen.

Selbstredenderweise war das Gespräch mit Dieter Rams, Till Schneider, Fabian Wurm und Klaus Klemp über „Gutes Design“ eine gute und gewinnbringende Veranstaltung.

Die Hochschullandschaft in der Bundesrepublik gehört in ihrer Eigenschaft als Ausbildungsinstitution nicht umsonst zu den härtesten und akribischsten in der Welt. Für alles und jedes gibt es Schautafeln und Schulungsfilme. Auch für das korrekte Beschriften einer Beschriftungstafel beispielsweise. 

Selbstverständlich werden ebenfalls präzise Bauanleitungen für das Zusammenfalten von Podiumsdiskussionsteilnehmern bzw. deren Namensschildchen bereitgehalten, die es an deutlicher Dreidimensionalität nicht missen lassen.

Doch wozu dieser unverhältnismäßig erscheinende Drill? Prof. Rüdiger Pichler von der HSRM gibt sich punktbetont: „Wer es bei uns schafft, der schafft es auch in London, Barcelona, New York oder Tokio. Das ist unser Anspruch!“

Machen wir also die Probe aufs Exempel. Verfolgen wir folgenden Wettbewerb, der auf  folgender nicht zu übersehenden ADC-Leuchtspurmunitionstafel sachlich beschrieben wird:

Und wie sieht so ein Workshop-Lab aus? Riskieren wir ruhig einen Blick hinein:

Und worum geht es? Um eine Strategie zur Markteinführung des neuen IKEA-Katalogs. And don’t forget: Catalogue is hero!

Meinen nicht sonderlich durchdachten Spontanvorschlag, ein Schwarzweißfoto, das eine in Trümmern liegende deutsche Großstadt kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs zeigt und stolz die Schlagzeile „Los Billy! Aufbauen!“ transportiert, wurde von einem hoffnungsvollen Kreativnachwuchstalent mit den Worten „Nö, ist zu sehr Hornbach“ allen routiniert reflektierten Ernstes abgelehnt. Ist es ein Wunder, daß jenes hoffnungsvolle Kreativnachwuchstalent zum Siegerteam gehörte?

Und mit dem Begriff „Siegerteam“ schließt sich der Kreis um das ADC-Notfallhilfesystemteam, das, wie eingangs bereits ausgeführt, dieses Jahr zur sichtlichen Freude der ADC-Festivalsleitung eine ganze Reihe von Suiziden unter den Nichtausgezeichneten präventiv hatte verhindern können.

Daß der Weg zum Ruhm in seinen Beschwerlichkeiten oftmals mit denen des klassischen Kreuzwegs gleichzusetzen sind, zeigt die Maßnahme von Prof. Rüdiger Pichler (HSRM), der gemeinsam mit dem Künstler Bernd Brusberg eine schöne, schwere und schön vergoldete Nagelkrone kreierte, wie nachfolgendes Pressefoto zeigt.

Die vergoldete Nagelkrone dürfte sicherlich der Star auf der diesjährigen ADC-Nagel-Award-Preisverleihung gewesen sein, stolz auf den diversen Häuptern diverser ausgezeichneter Kreativer thronend. Allein der Verfasser dieser Zeilen erledigte an diesem Tage einen Auftrag – und kann deshalb nicht authentisch darüber berichten.

Dennoch: Die Meerschweinchenreportredaktion übersendet allen Gewinnerinnen und Gewinnern unseren herzlichsten Glückwunsch!

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Und nun noch einen Nachtrag in eigener Sache: Heinz-Rudolf Kunze ist nicht Heinz-Rudolf Kunze, jedenfalls nicht jener Heinz-Rudolf Kunze, den ich im Rahmen dieses Artikels als solchen meinte identifizieren zu müssen. In tatsächlicher Wirklichkeit handelt es sich schockierenderweise um eine ziemlich heruntergekommen wirkende Ausgabe von Kai Diekmann. Deshalb hier der eigentliche Textbeitrag:

Kai Diekmann

Ganz anders als die vielen Arrivierten, die karitativ Kreativen, die vertieft so Ungenierten, kommt der bekannte Mobilfunkdichter Kai Diekmann daher – und läuft den Netzreportern direkt in die Arme. Zufall? Auf deren drängende Frage, ob er schon mal einen ADC-Nagel gewonnen habe, antwortete er „Ja, für unsere Schlagzeile ‚Wir sind Papst’“ – aber man sieht ihm deutlich an, daß ihm Ruhm und Ehre nichts bedeuten, ihm Bescheidenheit viel wichtiger ist.

Diekmann ist nur Diekmann, wenn er so tut, als wäre er Diekmann; denn privat ist er ganz anders: einfach nur Diekmann. Dann öffnet er sich und seinen obersten Hosenlatz, quatsch, Hemdenknopf, verschafft sich Luft und Erleichterung, die ihm, wenn man ganz genau hinschaut, temporär sogar ein wenig etwas bedeuten mögen. Diekmann, der bekannte Luftundbodenphilosoph ist ein Poet der einfachen Straße, von dort kommt er her; und dort fühlt er sich wohl. Seine maßgeschneiderte (Ver)kleidung ist für ihn nur Mittel zum Zweck, um so an zweckmäßige Mittel zu kommen.

Und wofür das alles? Um hoffungsvolle Talente zu fördern, die irgendwo auf ihrem Weg zum Weltstar von der Fahrbahn abgekommen sind, und denen er ganz inkognito und unter Aufbringung nicht unerheblicher Mittel und Mühen den so wichtigen charakterlichen Feinschliff verpassen läßt, ohne es an die große Glocke zu hängen. Dabei ist es ihm egal, ob die von ihm ausgewählten Schäfchen sein Programm, das er selbst gerne als „humane Zwangsqualifikation“ bezeichnet, zu goutieren wissen – oder eben nicht. Diekmann weiß um seine Bedeutung in der Welt des Culture and Character Buildings, möchte dafür jedoch nicht andauernd belobigt werden, jedenfalls nicht zwingend und schon gar nicht: coram publico. Das ist ihm – wie so vieles – hoch anzurechnen!

Eigentlich war es Diekmann anzumerken, daß er, als er dem berühmten Hamlet Hamster und seiner ebenso berühmten Meerschweinchenreportredaktion so plötzlich und unvermittelter Dinge gegenüberstand, am liebsten sofort auf die Knie gesunken wäre, um „Bitte, bitte, bitte lieber Hamlet Hamster, veröffentliche eines meiner spontanen Mobilfunkgedichte, für die ich in der ganzen Welt mindestens genauso berühmt geworden bin, wie Du für Deine Nichtmobilfunkgedichte!“ zu betteln. Und weil er es tatsächlich tat, stehen oben im Gegenzug einige Arbeitsproben seiner dichterischen Schaffenskraft. So viel Fairness sollte schon sein!

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Und hier einige Motivationsveröffentlichungen aus dem Reich der hier mitwirkenden Studentinnen und Studenten, denen Hamlet Hamster alles Gute für ihre berufliche Zukunft in der Kommunikationsbranche wünscht!

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Non scholae, sed vitae discimus.

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Nachtrag vom 31.5.2010

Die Nagelkrone fasziniert auch Sascha Lobo

gesehen auf www.adc-hilfe.de