Tag Archives: Dada

Fluxus-Dada-Dokumente unserer Zeit: Letter from «Raoul Hausmann to Wolf Vostell» | und ein Brief von «Wolf Vostell an Hans Alexander Baier» (1967)

11 Aug

Click to enlarge happeningedly

***

20th February 1967
Raoul Hausmann
6 rue Neuve St.Etienne
87 Limoges | France

Dear Wolf Vostell,
Thank you so much for your kind letter. I am very happy that you are such a clever boy. But you must know; I am not in good terms neither with Hulbeck, nor with Hoech, who have distributed false news about my work and me.

I send you herewith a very bad photograph from two of my posters from the Internationale Dada-Messe, Berlin 1920. They have had 70 x 90 cm and have been partly dé-collages. I send you my article “Synthetisches Cino der Malerei”, which I wrote in April 1918 and that had at first the title “Das neue Material in der Malerei”.

I shall send you texts in some time.

Last week the Hessische Rundfunk turned here with me a documentary about my work and my means concerning Dada.

heartiliest yours
Raoul Hausmann

P.S.:
I invented 1) Fotomontage
2) Decollage (*1)
3) Sound (letter) poem
4) Optophone

***

 

Click to enlarge happeningedly

***

26.2.67

Lieber H. A. B.
(1) Hier noch eine Fotokopie von einem neuen Hausmann Brief. Der Abdruck würde ihn, glaube ich, verärgern; er ist halt alt und senil (*2). Es ist ja auch ein persönlicher Brief, den ich Ihnen aus Vertrauen zeige.

(2) Es erschien ein Desinformationsblatt (*3) für die Presse von Stünke. Rywelski hat es leider verlegt, – er hat sich bemüht bei Stünke, aber es gibt keine Blätter mehr. Es waren aber nur 18 Galerien aufgeführt, die Sie ja aus der Zeit kennen. Im Stadtanzeiger stand jedoch 20. Es sind aber nur 18 bis jetzt. Journalist Rywelski, 5 Köln, Lützowstr. 33 könnte genauer darüber berichten (Termin etc.) oder recherchieren. Die Mühlheimer Stadthalle ist große Klasse für eine Gegenausstellung und wahrscheinlich umsonst, da immer irgendwelche Ausstellungen dort sind.

(3) Anbei eine kleine Partitur, die meinem New Yorker Buch beiliegt.

(4) Künstlerisch würde ich alles für eine Mappe bei Ihnen hergeben – 10 Blätter; das wäre toll. Die Sache muß aber vorfinanziert werden, d.h. Papier, Buchbinderei, Drucker, Arbeitshonorar. (*4)

Ganz herzlich
Ihr Wolf Vostell

P.S.:
Ich mache zur Kunstmesse ein Manifest über die Avantgarde in Köln, die nicht von den Galerien vertreten wurde. Stockhausen etc. (Mary) Bauermeister, (Haro) Lauhus, Vostell, Schmit etc. Dank FLUXUS.

 

***
Erläuternde Fußnoten
***

(*1) Raoul Hausmann wird von der Kunstgeschichte mit der «Décollage» tatsächlich nur peripher in Verbindung gebracht.

(*2) Raoul Hausmann schrieb den hier gegenständlichen Brief an Wolf Vostell ca. vier Jahre vor seinem Tod. Der österreichisch-deutsche Dadaist war bekannt dafür, die letzten Jahre seines Lebens am Mittagstisch rohe Hühnereier und kleine quadratische Seifenstückchen aus der Rue St. André des Arts mit entsprechend wiederkehrendem Ergebnis abwechselnd zu stapeln. Möglicherweise bezog sich Wolf Vostells Hinweis «alt und senil» auf diesen Umstand.

(*3) Hieraus entwickelte sich eine klar strukturierte Meinungsverschiedenheit zwischen dem Kölner Galeristen Hein Stünke und dem Mainzer Verleger Hans Alexander Baier. Der Spiegel schrieb: «Dem deutschen Kunsthandel, so fürchtet der Mainzer Verleger und Galerist Hans Alexander Baier, 31, droht die Herrschaft eines Kartells. Ein Richterspruch soll das Unheil abwenden. Beim Verwaltungsgericht Köln beantragte Jurist Baier letzte Woche, den ‹Verein progressiver deutscher Kunsthändler› aus dem Vereinsregister streichen zu lassen. Begründung: Das Ziel des Zusammenschlusses laut Satzung ‹die Förderung des Interesses an zeitgenössischer … Kunst und die Förderung des Handels mit solcher Kunst› – sei nur vorgeschoben, um einen in dieser Rechtsform unzulässigen ‹wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb› zu tarnen. Gesetzwidrige Camouflage traut Baier, der einst in seiner Geburtsstadt Bremen ‹die Sitten ordentlicher Kaufleute kennengelernt› hat, einem Kollegenbund zu; die Mitglieder des beklagten Vereins, der im November letzten Jahres eingetragen wurde, sind 18 mit moderner Kunst handelnde Galeristen aus der Bundesrepublik und West-Berlin. Vorsitzender: der Kölner Hein Stünke, 53 (Galerie ‹Der Spiegel›)». Der komplette SPIEGEL-Bericht.

Im Zuge dieser Auseinandersetzung protestierten auch Joseph Beuys, Klaus Staeck und Wolf Vostell gegen die Zulassungsbeschränkungen der Kölner Messe für zeitgenössische Kunst. Am Eröffnungstag der Messe klopften sie lautstark gegen die Glastüren der Josef-Haubrich Kunsthalle, die Rudolf Zwirner kurz zuvor mit einem Balken verschlossen hatte, und begehrten Einlass. Die Aktion richtete sich gegen die Exklusivität der Kunstmesse und konnte diese am Ende auch brechen. Der Kölner Kulturdezernent Kurt Hackenberg öffnete selbst die Tür, und Joseph Beuys sagte: «Ein neues Zeitalter hat begonnen.» Die Aktion lautete «Wir betreten den Kunstmarkt».

In letzter Konsequenz war das Kölner Kunstmarktkartell spätestens durch die Art|Basel, die nur wenige Jahre später ihre Pforten öffnete, auf ganzer Linie gebrochen. Der Galerist Max Magenbrodt ließ sich sogar von Beuys eigens einen Sarg an den linken Fußknöchel nageln – was Uecker wiederum sauer aufstieß. Außerdem gelang es dem Kartell nicht, ihren Sammlern vorzuschreiben, in welcher Galerie sie einkaufen sollen – und in welcher nicht. Rubrik: Was Menschen eben so alles anstellen, wenn der Tag lang ist.

(*4) Es wurden dann insgesamt drei Grafikserien je vier verschiedener Blätter. Darunter «Olympia I-IV» und «Vietnam Sinfonie». Meerschweinchenreport berichtete hier.

***
Kommentarmöglichkeit deaktiviert.
***

Klaus Staeck: «Arte Postale in Pirmasens»

22 May

Click to enlage postmanly
Die Bilder zum Vergrößern bitte anklicken

Am Sonntag, den 18. Mai 2014, eröffnet Akademie-Präsident Prof. Klaus Staeck im Forum ALTE POST in Pirmasens die Ausstellung «Arte Postale – Bilderbriefe und Künstlerpostkarten». Die Akademie stellt in Pirmasens nicht nur Kostbarkeiten aus ihren Archivbeständen und Mail Art aus ihrer Kunstsammlung vor, zu sehen sind zudem Künstlerpost aus der Sammlung Staeck, etwa von Joseph Beuys, James Lee Byars, Daniel Spoerri, Christo, Hanne Darboven, Rupprecht Geiger, Keith Haring, A. R. Penck, Sigmar Polke, Emil Schumacher, Wolf Vostell und Andy Warhol. «Arte Postale» bietet mit rund 300 Exponaten ein weites Spektrum und präsentiert, teils in ungewöhnlichen Formaten, sowohl klassische Bilderbriefe als auch Mail-Art-Sendungen aus aller Welt sowie Postkartenentwürfe von zeitgenössischen Künstlern.


Die von Dr. Rosa von der Schulenburg kuratierte und durch die Deutsche Post DHL geförderte Ausstellung war vom 30. August bis zum 8. Dezember 2013 in der Akademie der Künste, Berlin, zu sehen. Sie wandert nun in reduzierter Form nach Rheinland-Pfalz und wird dort durch eine Auswahl an Text- und Zeichenbotschaften des Pfälzer Dada-Literaten Hugo Ball aus dem Besitz der Stadt Pirmasens ergänzt gezeigt.

Für die auch unter intellektuellen Gesichtspunkten fordernde musikalische Umrahmung zeichnet der Schweizer Alphornist Balthasar Streiff (Abbildung oben) verantwortlich.

Im Gespräch: Der Oberbürgermeister der Stadt Pirmasens Dr. Bernhard Matheis mit Ingeborg Karst-Staeck und dem Präsidenten der Akademie der Künste, Berlin, Prof. Klaus Staeck (v.l.n.r).

Dem Alte Post-Kurator und Leiter des Kulturamts der Stadt Pirmasens, Jörg Meißner, gelang es, die wertvollen Postkarten-Exponate aus Berlin nach Pirmasens zu holen.

Bestand die musikalische Eingangsliturgie (Bild 1) aus einer gelungenen Verschmelzung der beiden kompositorischen Grundausrichtungen Georg Philipp Telemanns einerseits sowie Karl-Heinz Stockhausens andererseits, so werden die Ausstellungsbesucher nun mit nicht nur gefühlten sondern höchstwahrscheinlich auch tatsächlichen 2000 bis 2500 Vokabeln bombardiert, konfrontiert, vertraut gemacht, umworben, beschossen, geistig bemuttert und bewürzt, kompromitiert, umgarnt, geschult, oder gar zwangsverkenntnist, die überall auf der Welt und in den unterschiedlichsten Sprachen für das Wort «Alphorn» stehen.

Schließlich unterweist der Schweizer Alphorndadaist Balthasar Streiff sein Publikum in die hohe Kunst der Beschaffung adäquater Alphornmundstücke, werden diese doch bevorzugt aus den Oberschenkelknochen tibetanischer Mönche gefertigt, weshalb es immer mal wieder «zu dramatischen Lieferengpässen kommen könne».

Klaus Staeck wuchs in der Industriestadt Bitterfeld auf, wo er den Volksaufstand vom 17. Juni 1953 hautnah erlebte. Konsequenterweise wechselte er in den Westen, wo er von 1957 bis 1962 sowohl in Heidelberg, in Hamburg als auch später in Berlin Jura studierte. Ausgelöst durch die Spiegel-Affäre organisierte Klaus Staeck in Heidelberg 1962 seine erste politische Demonstration. 1968 erhielt Staeck seine Zulassung als Rechtsanwalt in Heidelberg und Mannheim. Seit Anfang der 1970er Jahre ist er auch als Grafiker im Bereich der Politsatire in der Tradition John Heartfields tätig. Nach Wikipedia umfaßt sein Hauptwerk bislang rund 300 Plakate, die größtenteils aus Fotomontagen sowie eigenen ironischen Textergänzungen bestehen. Zur Bundestagswahl 1972 kreierte er beispielsweise sein Plakat «Deutsche Arbeiter! Die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen». Es erreichte eine Druckauflage von 75.000 Exemplaren.

Eine seiner durch diese besondere Form des kontinuierliches Arbeitens entstandene Erfolgsbilanzen: Bis heute wurde insgesamt 41mal erfolglos versucht, Plakate und Postkarten aus seiner Feder juristisch verbieten zu lassen.

Die in dieser Ausstellung gezeigten Künstlerpostkarten sind in vielen Fällen nicht nur Kunst um der Kunst willen. In der DDR und den südamerikanischen Diktaturen waren sie, als Mail-Art bezeichnet, eine wichtige subversive Kommunikationsform, um staatliche Kontrollinstanzen effizient zu unterlaufen und politische sowie soziale Solidargemeinschaften erfolgreich zu bilden. Daß staatliche Überwachungseinrichtungen mit diesen inhaltlich offensichtlich sinnlos erscheinenden Postkarten ihre Deutungsprobleme hatten, belegen entsprechende Auszüge aus Stasi-Akten, die den ausgestellten Exponaten beigestellt sind.

Dr. Rosa von der Schulenburg, Leiterin der Kunstsammlung der Akademie der Künste, betont wie wichtig für Fluxus- und Konzeptkünstler und viele andere Kunstschaffende die Postkarte als künstlerisches Medium und von welcher generellen kommunikativen Bedeutung für Künstler der Austausch von Bildern und Worten per Post war und ist.

Aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts sind u. a. Werke von Lyonel Feininger und Max Pechstein zu sehen. Die Darstellung der Geschichte der Künstlerpost setzt sich in chronologischer Folge und thematisch geordneten Kapiteln fort. Zu den zahlreichen gezeichneten, gemalten, collagierten, druckgrafisch oder typografisch bemerkenswerten Postsendungen zählen ebenso Briefe berühmter Architekten, Literaten und auch Regisseure. Darunter finden sich aquarellierte Briefkarten von Sarah Kirsch, Farbholzschnitte von HAP Grieshaber, einfühlsame Liebesbriefe von Paran G’Schrey, Bildnotizen mit Grüßen von Einar Schleef oder des begnadet gestörten Robert Wilson.

Sprechen wir von «begnadet gestört», so ist dies eine kreative Eigenschaft, die mit einiger an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch bei dem Schweizer Alphorndadaisten Balthasar Streiff festzustellen sein wird. Wer auch immer für die Idee, diesen «Irren» für seine kongeniale Performance einzuladen, verantwortlich zeichnet, dem ist mit dieser Maßnahme ein kleiner Geniestreich gelungen.

Klaus Staeck steht den zahlreichen Vertretern der Presse Rede und Antwort.

Die Ausstellung ist auch räumlich in zwei große Bereiche aufgeteilt. Im Poissy-Saal bekommt die «Arte Postale» auch einen regionalen Bezug mit Postkarten und handschriftlichen Dokumenten von Hugo Ball und Emmy Ball-Hennings, die aus dem Fundus des Ball-Archivs stammen.

Der Rheinberger-Saal beherbergt die mit Mail-Art bezeichnete Post von Konzeptkünstlern und dem Umfeld des Fluxus, einer Kunstrichtung, die sich ähnlich wie der Dadaismus in der Literatur als Angriff auf die etablierte Kunstwelt versteht. Darunter finden sich auch Entwürfe und Postkarten der Herren Joseph Beuys, Jonathan Meese oder Dieter Roth, die Klaus Staeck in seiner Postkarten-Sammlung zusammengetragen und editiert hat.

Zu vielen Exponaten gibt es Erläuterungen zum Umfeld ihrer Entstehung. Etliche werden in speziellen Vitrinen präsentiert, sodaß sie beidseitig betrachtet werden können. Der Katalog zur Ausstellung, kuratiert von Dr. Rosa von der Schulenburg unter Mitwirkung von Jörg Meißner, ist zum Preis von 20 EUR im Museumsshop des Forums ALTE POST erhältlich. Daneben gibt es eine eigene Postkarten-Edition mit Reprints ausgewählter Motive aus der Ausstellung inklusive einer hierfür von Klaus Staeck gestalteten Postkarte.

Öffentliche Führungen (ohne Anmeldung):
Jeden 1. Sonntag im Monat, 11.00 bis 12.00 Uhr
Jeden 3. Dienstag im Monat, 16.00 bis 17.00 Uhr

Öffnungszeiten:
Di. bis So. von 11.00 bis 18.00 Uhr

Ein entspannter Blick aus dem Zugfenster während der Rückreise? Restlos auszuschließen ist das nicht.

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***

Interessante Dialogstruktur

20 Dec

Neues aus dem derzeit höchsten Hochhaus der Welt:

Mädchen 1: «Ich sehe zwei liebe Flugzeuge, die auf riesigen Wolkensesseln sitzen und sich einen Film mit George Clooney ansehen. Cool!»

Mädchen 2:«Und ich sehe eine Schildkröte, die gerade ihren Kopf durch die Decke in unseren Raum gegraben hat, um uns zu fragen, ob wir noch etwas zu trinken haben wollen. Auch cool!»

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***

Gutes Essen

9 Aug

Das Memorandum geistert durch
Die süße Schornsteinethik.
Dessen wohl bewußt ist sich der Lurch;
Schönes Wetter hilft beim Pressen.

Auf die Bretter warf es Mais und Linse,
Die, die es nicht konnten.
Dessen wohl bewußt ist sich die Minze;
Es bleibt die Frage: Wessen

Geist sich hier nach Künsten wohl versuchte?
Ist es denn vergebens?
Nein, denn ein Leben als «Der Gutbetuchte»
Beinhaltet halt eben: gutes Essen.

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***

Kurt Schwitters – Christopher Butterfield – Music For Klein And Beuys

4 Apr


Song: Ursonate | Music For Klein And Beuys
Artists: Kurt Schwitters – Christopher Butterfield
Genre: Art
Filename: Butterfield-Christopher_01_Music_for_Klein.mp3
Duration: 5m 0s Bitrate: 192 Kb/sec
File Size: 8.23MB

Falls das Streaming nicht funktionieren sollte, so ist hier der direkte Link zu Datei.

***
Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***