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Wim Wenders: «Der gelbe Hochgeschwindigkeitseimer im vierten Bild»

7 Nov

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Sie sind längst in die Hall Of Fame der internationalen Filmklassiker eingegangen: Das Fenster zum Hof (Alfred Hitchcock); Die heiße Katze auf dem Blechdach (Richard Brooks); Vom Winde verweht (Victor Fleming) oder Paris, Texas (Wim Wenders).

Nun sind sie (die Informationen) und ist es (das Geheimnis) endlich gelüftet und am Tageslicht: Vier Standbilder des neuen Wim-Wenders-Films Der gelbe Hochgeschwindigkeitseimer im vierten Bild. Eigentlich sollte das Werk im letzten Jahr auf dem Filmfestival in Cannes seine Premiere feiern, aber durch den plötzlichen und unerwarteten Tod des Produzenten Bernd Eichinger lag nicht nur dieser sondern auch das gesamte Vorhaben vorübergehend auf Eis.

Umso stolzer macht es unseren Redaktionsfotografen und zugleich Kameramann des besagten Films, vom Regiemeister himself die Genehmigung zur Vorabveröffentlichung jeweils eines Standbildes aus den vier entscheidenden Schlüsselszenen erhalten zu haben.

Im Wesentlich geht es Wenders darum, auf sublim-subtile Weise die scheinbar letzte und irgendwie zart undurchsichtige Reise eines unheilbar an Hautkrebs erkrankten Putzeimers aufzuzeigen. Das Werk überzeugt durch seine hübschen Krankenschwestern und atemberaubenden Reisebilder, die so fast unmerklich aber doch eindrucksvoll in ihrer ganz persönlichen Sichtweise von der schonungslosen Einsamkeit eines hart arbeitenden Hochgeschwindigkeitszuges berichten. Eine gelungene Metapher auf unsere zur Entschleunigung unfähige High-Speed-Gesellschaft.

Am Schluß verschmelzen beide Lebensläufe, sowohl der des Zuges als auch der des Eimers, harmonisch miteinander und werden – literally – ein Herz und eine Seele. Gerade als sich Der Gelbe Eimer im Zugbistro bis zur Oberkante mit Bier abfüllen läßt, um sich sodann aus dem fahrenden Zug zu stürzen, betritt Oberschwester Nastassja Kinski erstmals die Szene und entfernt umgehend und gekonnt mit ihrem Taschenmesser das Krebsgeschwür von der Außenhaut des Eimers. Durch das so entstandene Loch kann ebenfalls das Bier abfließen, das nun stehenden Fußes von einer lasziv knieenden Nastassja Kinski durstig und mit weit geöffnetem Mund beinahe gierig in Empfang genommen wird. Gemeinsam stimmen sie das bekannte Volkslied Ein Loch ist im Eimer an.

Ein begnadetes Lebensgleichnis, das bis auf vorstehend skizzierte Ausnahme ausschließlich mit der Musik Ry Cooders auf der Dobro-Gitarre einmal mehr seine kongenial-begnadete Würzmischung erhält.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Mysteriöses UFO

16 Sep

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Einmal mehr können wir über eine sensationelle UFO-Sichtung berichten. Geschah es das letzte Mal am helligten Tage über der wunderschönen Innenstadt Wiesbadens, so begleitete uns nun dieses uns abermals unbekannte Flugobjekt ein ganzes hübsches Weilchen auf unserer Zugreise.

Nach reiflicher Überlegung und dem sorgfältigen Ausschluß verschiedener anderer auf den ersten Blick verlockend erscheinender Möglichkeiten war uns klar, daß es sich nur um eine Galapagos-Schildkröte auf ihrer Reise in die Zeit Charles Darwins gehandelt haben konnte.

Und genau so war es auch: Sie beschleunigte, stieg am nächsten Bahnhof zu, setzte sich zu uns ins Abteil, ließ sich noch kurz des Schaffners Fahrkartenentwertungszange genüßlich im Maule zergehen – wobei das, was mit besagter Fahrkartenentwertungszange tatsächlich geschah, mit der Verwendung des Verbs zerhäckseln wesentlich treffender beschrieben wäre –, seufzte noch kurz «Leute, Leute, Ihr habt ja gar keine Ahnung, was man als zeitreisende Riesenschildkröte so alles mit- und durchmachen muß», zog sich die Schuhe aus und den Unterkiefer gerade, machte es sich bequem – und schlief ein.

Der Zug fuhr Richtung Salzburg, wir jedoch stiegen in Mainz aus und wissen deshalb nichts über den weiteren Verbleib unseres exotischen Reisebegleiters zu berichten.

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Nachtrag vom 21. September 2012: In Salzburg, so erfuhren wir nun, kletterte unsere Ex-Reisebegleiterschildkröte coram publico während der berühmten Festspiele im schönsten Rampenlicht Don Giovanni beherzt in die Unterhose, wo sie sogleich als Mitarbeiterin der Firma Diggdigest, die sich auf die Erstellung individueller Motivationskonzepte für gesellschaftlich bessergestellte GesangeskünstlerInnen sowie deren erfolgreiche Umsetzung spezialisiert sieht, ihre neue Arbeitsstelle engagiert antrat – und zudem nach erfolgtem Erstzugriffsbiß ihren notwendigen Verdauungsschlaf in der ihr zustehenden und nahe dem eigentlichen Arbeitsplatz gelegenen Dienstwohnung wohltemperiert vollzog.

Einmal mehr überschlugen, übertrafen und übertrumpften sich die Kritiken der internationalen Leitartikelmedien gegenseitig. Insbesondere der irrsinnige Regieeinfall, einem fest im Libretto implementierten Bassbariton urplötzliche Kreischlaute der Gestalt zu entlocken, daß sie es mit ihrem kolloratureskem Charme vermochten, selbst die gesanglichen Spitzenleistungen einer Edda Moser (fast!) in den Schatten zu stellen, wurde einhellig als «hyperübergenialisch» bezeichnet. Und das will was heißen!

Wie sie von dort aus jedoch den Sprung auf Lord Nelson’s «Victory» schaffte, ist zur Stunde abermals ungeklärt, aber wir bleiben ebenso abermals dran. Versprochen!

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Außerdem möchten wir diese einzigartige Gelegenheit nutzen, um auf das Standardwerk aller UFOlogen hinzuweisen. Wir zitieren von der Verlagswebsite: «Just landed! The ultimate picture bible for every UFO fan, the most sensational and encompassing photodocument of the UFO century». And: «Over 300 “never before published” pictures of UFO’s, scenes, contacts, evidence…..Fantastic !!! -Joe Meierson, NY».

Im Klartext: Der international anerkannte UFOloge Richard Brunswick schaffte es immer wieder, unerkannt in die Spezial- und Geheimarchive diverser konspirativ agierender Bundesbehörden im In- und Ausland einzudringen und dort sensationelles Bildmaterial im Interesse des öffentlichen Informationsbedürfnisses sicherzustellen.

Selbst dem FBI blieb beispielsweise nach Veröffentlichung der spektakulären Bildersammlung nichts anderes übrig, als sich der Sichtweise Richard Brunswicks in wesentlichen Punkten anzuschließen.

Link zum UFO-Buch aus dem Goliath Verlag.

Liefernachweis:
Richard Brunswick Collection

English / Deutsch / Francais / Espanol / Italiano

size: 5,5 x 7,5 inches

320 pages / 300 photos

ISBN 3-9805876-3-0

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Das Nachtzugerlebnis

14 Dec

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Ich mache ja keinerlei Geheimnis aus meiner Unfähigkeit, einen sauber geführten Terminkalender zu unterhalten. Nein, ich empfinde es nicht mal ansatzweise als Schmach; ganz im Gegenteil: Insgeheim bin ich sogar etwas stolz auf besagtes Unvermögen. Außerdem stellte bereits Friedrich Dürrenmatt so schön und treffend fest: »Je genauer man plant, desto härter trifft einen das Schicksal«. Ihm zu huldigen, das sei mir stets ein übergeordnetes Anliegen.

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Auf einer geschäftlichen Reise nach München blieb ich mit meiner Pick-Up-Ente kurz vor München durch Getriebeschaden liegen, das heißt, ich schaffte es gerade so zur Rampe der Autonachtreisezugverladestation (übrigens ein Wort mit 31Buchstaben). Dort blieb das gute Stück bis zum Rückreiseantritt geparkt. Als es dann soweit war, begegnete mir auf dem Bahnsteig Richtung Köln – denn dort wollte mich der Erbauer meines herrlichen Vehikels am nächsten Tag mit seinem Hänger in Empfang nehmen – ein torkelnder Finsterling Marke besoffener Prolet entgegen, der sich, ich verfolgte neugierig die Stilistik seines Ganges, zu meinem großen Erstaunen und Entsetzen die kleine Leiter des Führerhauses ausgerechnet jener Lok hochhangelte, die meinen Zug durch die Nacht ziehen sollte. So bat ich einen Bahnmitarbeiter um eine spontane Unterredung, die mit jenem Satz endete, der mir einen bis dato unerreichten Einblick in das überaus entspannte Betriebsklima bei der DB gewährte, nämlich: »Ich kann mir nicht vorstellen, daß irgend jemand bei uns trinkt, jetzt so kurz nach Eschede!«

Der Nachtzug setzte sich in Bewegung und ich verständigte über Mobilfunk die Polizei. Irgendwo, so Höhe Ingolstadt, wurde der Zug außerplanmäßig gestoppt und zwei hilfsbereite Polizisten, Zivildienstleistenden gleichend, schleiften den Lokführer auf ihren Schultern gestützt zum bereitstehenden Krankenwagen. Eine viertel Stunde später notierten die Herren von der Polizei meine Personalien und eine Kurzaussage. Nach schätzungsweise einer weiteren Stunde kam dann ein neuer Lokführer des Weges. Beim Schlafwagenschaffner stieg ich im Ansehen, so daß er mich in ein Ersterklasseeinzelzimmerschlafwagenabteil (übrigens ein Wort mit 41 Buchstaben) umquartierte. Schön mit Holzvertäfelung und gebügeltem Leinenbettbezug und so. Das volle Gedeck!

Am nächsten Morgen erreichten wir mit entsprechend ordentlicher Verspätung eine Seitengleisanlage des Kölner Hauptbahnhofs. Einige Anschlußzüge waren schon weg oder wichtige Verabredungen verpaßt. Die Mitreisenden unterzogen mich einer kollektiven Ächtung, so als wollten sie sagen: »Danke, Du Idiot! Wegen Dir ist meine gesamte Tagesplanung obsolet geworden«. Die meisten von ihnen hätten obsolet ohnehin für den Markennamen einer nicht sonderlich raffiniert zubereiteten Obstsalatspeise gehalten. Nicht, daß diese abgehalfterten Existenzgeschädigten mir hätte schlabbernd um den Hals fallen müssen, denn es war nichts als purer Egosimus, der mein Handeln steuerte, aber ein paar zufriedene Gesichter hätte ich dann doch schon gerne gesehen.

Da ich mal wieder in meiner Geldnotphase steckte, sprang ich über meinen Schatten und setzte mich mit dem damaligen BILD-Chef in Verbindung und fabulierte so kryptisch wie möglich über den Vorfall. »Mein Honorar ist zweihundert!«,sprach ich selbstbewußt und er erwiderte »Kein Problem, zweihundert Mark sind für uns absolut kein Problem«. »Ich dachte mehr an Zweihunderttausend Mark« korrigierte ich ihn – ich hatte ja nicht die geringste Ahnung, was eine solche Geschichte wert sein könnte, worauf er antwortete: »Das ist viel zu viel. Kein Mensch bezahlt Ihnen so viel Geld!«

Aus meiner Sicht machte er mir einen hinreichend verlegenen Eindruck! Wir verblieben so, daß wir es uns beide überlegen würden. Ich spielte auf Zeit. Eigenartigerweise hörte ich nichts mehr aus Hamburg und am nächsten Tag war meine Geschichte im Überbruch auf Seite 1. Ein anderer Fahrgast hatte sich zwischenzeitlich ebenfalls bei der BILD-Zeitung gemeldet und alles suppenbrühwürfelwarm erzählt. Ich fühlte mich wie ein Verteidiger, der ganz allein und mit hängender Zunge den Ball über das Spielfeld gebracht hatte, doch letztlich von einem Mitspieler aus der eigenen Mannschaft im gegnerischen Strafraum mutwillig zu Fall gebracht wurde. Und das Schlimmste: Nur 0,8 Promille hatte der Lokführer laut Schlagzeile angeblich im Blut. Dieses mickrige Ergebnis empfand ich als die wahre Niederlage.

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»Möchten Sie Tee oder Kaffee zum Frühstück?« »Beides. Und beides bitte doppelt!« gab ich zur Antwort. »Croissants brauche ich keine, die hole ich mir gleich auf der Rue St. André Des Arts« fügte ich ergänzend hinzu. »Na dann viel Vergnügen«, sagte der Schlafwagenschaffner und händigte mir wieder meinen Reisepaß aus. Hatte ich das etwa alles nur geträumt?

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Vor drei Jahren veröffentlichten wir oben stehende Kurzerzählung leicht modifiziert als Podcast, gehostet von einfallsreich.tv. Nun unterliegen die Macher von einfallsreich.tv den gleichen genetischen Veränderungen wie wir es tun, was heißt, das alles im Fluß ist, manches sogar im Fuß, manches wiederum im Kopf; wer will von uns schon so genau sagen können, was am morgigen Tage alles auf dem Acker wächst. Mit anderen Worten: das Podcast gibt es derzeit nicht mehr, der Text jedoch ist geblieben. Ist das nicht eine schöne Bestandsaufnahme?

Ach ja, ein gelegentlicher Besuch von einfallsreich.tv lohnt sich nach wie vor.

Reisefieber+Requiem=?

18 Mar

Im Reisefieber steht der Mensch
und er begeht, das weiß der Biber,
dann doch viel lieber, seine Ruhe-
pause (wie geht es weiter?)

Doch ein Bild weiter,
sitzt und schwitzt
ein wenig unheiter,
ein Produkt aus der Natur gepflückt –
die Partitur gezückt – und zart
verrückt auf seinen Knien:
man hatte ihn geliehen samt Bart
und ungeschickt verschickt
in einer Kiste, die so hart
und ungefedert,
deshalb ward er abgeledert,
innerlich gerädert und auch geteert;
irgendwie: es war verkehrt
und auch die Welt, die ihn gemacht,
genormt, geformt und ausgelacht:
ein unmerklich Zerhackter
samt seltsamen Charakter.

(Frage: Von wem ist hier die Rede? Antwort: Mozart. Vorstehendes Foto dient nur der Sinnestäuschung meiner Leserinnen und Leser. Sie sind routiniert genug, um zu wissen, daß die abgebildete Person, die im wirklichen Leben vermutlich ein Sachbearbeiter ist, mit dem Text nichts zu tun hat. Meistens jedenfalls nicht.)