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Museum Angewandte Kunst Frankfurt: «100 Jahre Neue Typografie Frankfurt»

31 May

Cover: 100 Jahre Neue Typografie Frankfurt im Museum Angewandte Kunst Frankfurt; fotografiert von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier.
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Wenn es um Gestaltung und Typografie geht, so ist unser Redaktionsfotograf kaum zu bremsen. Haben ihn Zeitgenossen, die nachts nicht schlafen können, nur weil sie noch nicht soo ganz genau wissen, an welcher Stelle sie auf ihrem Plakatentwurf das kleine «e» plazieren sollen, schon immer ganz besonders fasziniert. Und als eingefleischter und darob überaus verantwortungsbewußter Hypochonder ist ihm dies zudem «genau das Krankheitsbild, mit dem ich persönlich längerfristig zu tun haben will», so unser Mann fürs grobe Korn.

Seine komplette Bildstrecke über die Eröffnungsfeierlichkeiten zu «100 Jahre Neue Typografie Frankfurt» kann hier eingesehen werden.

Publikum: 100 Jahre Neue Typografie Frankfurt
im Museum Angewandte Kunst Frankfurt.

Nach dem Ersten Weltkrieg entstand in Frankfurt am Main ein einzigartiges Modernisierungs- und Gestaltungsprojekt, das als «Das Neue Frankfurt» vor allem in die Architekturgeschichte eingegangen ist. Es handelte sich dabei jedoch um ein sehr viel umfangreicheres Vorhaben, das politische, gesellschaftliche und gesamtkulturelle Dimensionen besaß und keinen geringeren Anspruch hatte, als eine neue Stadt und eine neue Gesellschaft zu erschaffen.

«Alles Neu!»: 100 Jahre Neue Typografie Frankfurt
im Museum Angewandte Kunst Frankfurt.

In der Ausstellung «Alles neu!» wird erstmalig eine systematische Aufarbeitung dieser Epoche für den Bereich Typografie und Grafikdesign vorgenommen.

Am Rednerpult: Prof. Dr. Klaus Klemp.

Die Schau stellt die 1920er Jahre ins Zentrum, spannt den zeitlichen Bogen weiter über die Nachkriegszeit bis in die 1980er Jahre und wird durch Spotlights auf die lebendige Designszene heute ergänzt.

 

1920er Jahre: Neue Typografie in der Sammlung Philipp Albinus

Blick in die Ausstellung: Sektion Philipp Albinus.

Ausgangspunkt der Ausstellung ist eine rund 7.000 Stücke umfassende Sammlung von Geschäfts- und Privatdrucksachen aus dem Nachlass des Buchdruckermeisters und Schriftsetzers Philipp Albinus, einem der wichtigsten Vertreter der «Neuen Typographie».

Bis in die 20er Jahre wurden in Drucksachen gebrochene Schriften verwendet, die noch auf die Zeit der Erfindung des Buchdrucks zurückgingen. Mit der «Neuen Typographie» zog die Gestaltungsmoderne innerhalb weniger Jahre in den Bereich der gedruckten Schriften ein.

Wichtige Akteure waren zudem die ansässigen Schriftgießereien, die das Rhein-Main-Gebiet zum wichtigsten Standort für die Reform der Typografie machten. Die Gießereien vertrieben die neuen Schrifttypen und beförderten die Durchsetzung der «Neuen Typographie» damit entscheidend. Hierzu zählt auch die erste populäre Reformschrift Futura; sie wurde zu einer der erfolgreichsten Schriften des 20. Jahrhunderts.

 

Nachkriegszeit

Nach 1945 war Frankfurt nicht zuletzt durch die Ansiedlung US-amerikanischer Werbeagenturen, durch Verlage wie Suhrkamp und S. Fischer und den Einfluss der Kasseler Plakatschule ein Hotspot des typografischen und werbegrafischen Geschehens der Zeit, wofür die Ausstellung «Alles neu!» zahlreiche Beispiele zeigt.

In den 1980er Jahren entstand entlang der ehemaligen Industriezone Hanauer Landstraße eine Art Kreativmeile mit neuen kleinen Agenturen und Künstlerateliers. An der HfG Offenbach brachte der Fachbereich Visuelle Kommunikation zahlreiche junge Gestalter hervor. Durch die Möglichkeiten des digitalen Gestaltens und der Computertypografie begann eine neue Phase der Frankfurter Designgeschichte, die nicht mehr auf Einfachheit und Reduktion beruhte, sondern in der nun auch konstruktive Verstörungen und Irritationen in den Vordergrund traten:

Temporäre visuelle Irritationen.

 

Heute

Die intensive Spurensuche in der Vergangenheit wird in «Alles neu!» ergänzt durch aktuelle gestalterische Positionen, die auf die neu entstandenen urbanen Erlebniswelten in der Rhein-Main-Region und Frankfurt seit den 1990er Jahren reagieren und dabei neue Strategien und Alternativen im Umgang mit Typografie und Grafik als Kommunikationsdesign entwickeln. Dass sich dabei Schnittstellen bilden, an denen unterschiedliche Designkonzepte aufeinanderprallen und es knirscht und kracht, ist durchaus beabsichtigt:

Konstruktiver Widerspruch: «Less Is A Bore».

Es applaudieren u.a.: Prof. Dr. Felix Semmelroth und Matthias Wagner K.

Gut lesbare Platzzeichen.

Selbstgebautes Kult(ur)objekt als Grundlage
für ein Plakat von Gunther Rambow.

Stefan Weil kommuniziert technoesk.

Was viele nicht wissen: Für die ersten drei Ausgaben des legendären Magazins «frontpage» zeichnet Stefan Weil verantwortlich. Das erklärt das kongeniale Lichtgleichnis an dieser Stelle.

Pixelgarten-Fingerzeig: Maybe Yes|No.

Ausstellungsrundgang mit Prof. Dr. Klaus Klemp,
Prof. Dr. Felix Semmelroth und Dr. Petra Kiedaisch.

Das legendäre Magazin «Instant» von Franz Aumüller und James Nitsch.

Arbeitsproben von Wolfgang Schmidt.

Ausführlich gewürdigt wird ebenfalls das komplexe und gleichzeitig stets nach Vereinfachung strebende Werk des ausgewiesenen Existentialisten Wolfgang Schmidt. Dazu gehören u.a. seine Theaterplakate, seine Buchgestaltungen für Wendelin Niedlich (Meerschweinchenreport berichtete hier zum Thema «Zwei Lebensläufe mit Niedlichs Buchladen als Schnittstelle»), seine «Zeichensysteme»; oder auch die grafische Gestaltung des Magazins «KUNST» von 1964 – 1968 sowie die Entwicklung von Kommunikationskonzept nebst Logo für die Mainzer «Galerie Baier» (beides in der Vitrine im Vordergrund).

Eines der beiden Titelbilder ist ebenfalls in dem SCHIRNMAG-Artikel «Intermezzo an der Isar – Pop in deutschen Städten, Teil 4: in München bleibt die Pop Art trotz ihrer Vielstimmigkeit ein Intermezzo» abgebildet:

Mehr ist über die Arbeit Wolfgang Schmidts für das Magazin «KUNST» sowie die «Galerie Baier» in einem Digital-Booklet auf der issuu-Plattform zu erfahren.

Die für diese grandiose Ausstellung verantwortlichen Kuratoren sind: Prof. Dr. Klaus Klemp und Prof. em. Friedrich Friedl, Peter Zizka und Matthias Wagner K (zeitgenössische Positionen).

The link to the «Museum Angewandte Kunst Frakfurt» comes here.

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Jonathan Ive: «Apple’s Industrial Design Guru Talks About His Work»

26 Oct

After featuring Dieter Rams recently on Meerschweinchenreport we think it’s only fair enough to highlight an interview with Apple’s design guru Jonathan Ive who strongly relies on Dieter Rams’ design philosophy.

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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Dieter Rams: «Cold War Modern»

20 Oct

50 years ago, record players didn’t look like machines. They looked like old-fashioned, brown wood furniture. But in 1956, Dieter Rams’s SK4 record player, nicknamed Snow White’s Coffin, changed all that.

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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Lieber Dieter Rams! Herzlichen Glückwunsch zum 79. Geburtstag!

20 May

via: Bibliothèque Design

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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Bärenstarker Experte

17 Oct

Wir alle kennen die Szenen aus hunderten von Nachkriegsfilmen in schwarzweißer Farbe und aus deutscher Produktion: Der Boss (Peter Alexander) schawenzelt um seine Hauptkundin (Lieselotte Pulver) im Büro herum, während sich draußen im Vorzimmer die brünette Bärendame Brunhilde an der mechanischen Chefsekretärinnenschreibmaschine abmüht, auf (fast) verlorenem Posten unermüdlich gegen Tipfehler ankämpft, weil ihre Pranken einfach nicht den geistigen Designschemata der Vertreter der damaligen Design- und Produktgestalterelite (Dieter Rams, Dieter Rams und Dieter Rams) entsprachen. Und wenn man schon mal das Pech gepachtet hat, so gesellt sich weiteres dieser Art überaus gerne und unaufgefordert hinzu: am Schluß wird dann die brünette Bärendame Brunhilde von der Förstersfrau (Heidi Kabel) fach- und sachgerecht mit dem Nudelholz erlegt.

Daß sich ein solches Verhalten irgendwann einmal rächen würde, davon zeugt dieses Filmchen aus dem Hause Tip-Ex. Wobei: Rache?

Hochgeladen am 5. August 2010 verzeichnet es bis jetzt mehr als 26 Millionen Klicks.

via: IGNANT

Dieter Rams im Museum für Angewandte Kunst

10 Aug

Dieter Rams in seinem Arbeitszimmer / (c) All rights reserved by frantisek.kada

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Es ist nicht ganz einfach, etwas Neues über Dieter Rams zu schreiben. Die, die ihn und seine Arbeit kennen, schätzen und verehren ihn und seine Arbeit; die, die das nicht tun, interessieren sich möglicherweise mehr für Arnold-Schwarzenegger-Filme und halten Deutschländer-Würstchen gegebenenfalls (auch unter intellektuellen Gesichtspunkten) für den Inbegriff kulinarischen Genußes. Hat Dieter Rams eigentlich jemals einen Gartengrill gestaltet? Nein? Da sehen Sie’s.

Foto: Koichi Okuwaki

Das Museum für Angewandte Kunst unter der Ausstellungsleitung von Prof. Dr. Klaus Klemp widmet ihm nun eine schöne Ausstellung, die ihm nicht nur inhaltlich, sondern auch formal gerecht wird: reduziert und schön übersichtlich ist jedes einzelne Exemplar zu begutachten und die Präsentation macht aus den Exponaten nicht mehr, was sie sind: Gebrauchsgegenstände. Aber, es sind eben nicht nur einfache Gebrauchsgegenstände, sondern sie spiegeln die Geisteshaltung einer ganzen Generation wider. Zumindest die des zivilisierten Teils.

Foto: Koichi Okuwaki

Frei nach dem fragenden Sinnspruch «Na Schätzchen, heute schon zwangsinterpretiert worden?» möchte ich auf weiterführende Interpretationen und Erläuterungen auch diesmal verzichten, schließlich haben wir alle selbst Augen im Kopf.

Foto: Koichi Okuwaki

Wohl aber möchte ich kurz auf die Zeit eingehen, in der die von und durch Dieter Rams geformten und genormten Produkte ihren Einsatz fanden: Ich erinnere mich an meine Großeltern in Garmisch-Partenkirchen, die mit einem roten Ford Capri mit schwarzem Lederdach regelmäßig im Sommer an einem Sonntag in aller Frühe den Brenner in Richtung Lido di Jesolo in die Pflicht nahmen; ich erinnere mich ebenfalls an den Schnellkochtopf, der in der Küche meiner Großeltern erstmals zum Einsatz kam: Verzweifelt versuchte mein Großvater mittels einer großen Bratengabel das zischelnde Ventil vom knallheißen Topf zu angeln, was ihm überraschenderweise auch gelang, und womit er dem flüssigen Teil der Hühnersuppe freien Zugang zur Küchendecke gewährte. Die Zeiten des ungebremsten Wirtschaftswunders waren gerade vorbei und man versuchte dennoch, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln an ihm krampfhaft festhalten zu wollen. Und dann war da eben noch die Küchenrührmaschine von Braun, in der meine Großmutter immer diesen genialen Schokoladenpudding zubereitete. Einen Schokoladenpudding, den ich im späteren Leben nie wieder essen sollte und ich deshalb annehme, daß der Grund nicht nur das verlorene Rezept, sondern ebenfalls die fehlende BRAUN Küchenrührmaschine dafür verantwortlich zu machen ist.

Welche Eigenschaft ist erforderlich, um zeitlose Klassiker von hoher Funktionalität zu kreieren? Das, und das ist meine tiefste Überzeugung, hat etwas mit Kinderstube und Geisteshaltung zu tun. Vor diesem Hintergrund hat gute Gestaltung immer etwas Elitäres an sich. Und das ist angesichts der vielen ungewaschenen Weltverbesserer, die so gerne ihre Inkompetenz zum Maßstab aller Dinge erkoren wissen möchten, eine wohltuende Bonus-Erkenntnis.

———————-Materialien zum erweiterten Diskurs——————————

Museum für Angewandte Kunst

Flickr Group Dieter Rams

DesignMuseum (Dieter Rams)

Manager Magazin Interview mit Dieter Rams

Die Welt – Dieter Rams vs. Jonathan Ive

FAZ.NET – Interview mit Dieter Rams

art-magazin – Dieter Rams

uxentrisch über Dieter Rams

Vitsoe

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