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Stilleben mit Käse

3 Feb

Joris van Son

Die Geschichte des «Stillebens mit Käse» ist eine lange und traditionsreiche. Dennoch gibt es Zeitgenossen, die gerne mehr dahinter vermuten, als dies ursprünglich anzunehmen wäre. Für Meerschweinchenreport Grund genug, der Sache endlich einmal auf den Grund zu gehen. Fangen wir also an: Das obere Bild zeigt einen schönen und alten niederländischen Käse in ovaler Form. Das nachfolgende Gemälde tut dies übrigens auch. Und damit er möglichst lange hält, der schöne und alte niederländische Käse in ovaler Form, ist er gemalt – und hängt häufiger im Museum wohltemperiert an der Wand.

Floris Claesz Van Dyck, c. 1610-1620

Ein solches Museum besuchte der spätere spanische Maler Pablo Picasso, der sich beim Anblick der beiden flämischen Käsegemälde vermutlich genau das dachte, was sich viele Kinder in seinem damaligen Alter beim Anblick zweier flämischer Käsebilder für gewöhnlich denken, nämlich: «Das kann ich auch!» Und siehe da, er konnte:

Pablo Picasso

Das ganz große künstlerische Gesamtverdienst Pablo Picassos war und ist es – darin ist sich die Fachwelt einige – dem Käse ab Entstehung vorstehenden Gemäldes seine allgemeingültige Erscheinung auf künstlerischen Bildnissen gegeben zu haben: als Dreieck mit zwei langen und saftigen und überaus schmackhaften Schenkeln von gleicher Länge. Oval goes triangle.

Es dauerte nicht lange und Bildnisse mit vielen verschiedenen Käsesorten, sogenannte Käsevariationen, machten es sich überall auf der Welt in der Kunstgeschichte möglichst publikumswirksam gemütlich. Auch ging man dazu über, den Käse mit verschiedenen, kleingehackten Keksen und Früchten anzureichern:

James Hunicke

Wie in der Automobilproduktion ist auch in der Käsegemäldeindustrie alles auf Fortschritt gebürstet. Malte man früher Motoren und Milchprodukte anständig analog mit dem Pinsel auf die Leinwand und brachte die Ergebnisse anschließend auf der Straße bzw. in den Mägen der Gourmets zum Laufen, so passiert das heutzutage alles weitgehend digital: «Let’s dream our own world in order to make the most out of it!» ist die jüngste Losung Abraham Lincolns – und nicht eben wenige Kreativzeitgenossen huldigen ihr bedingungslos, wie nachfolgendes 3D-Gemälde von JJLudemann beweist:

JJLudemann

Den letzten und entscheidenden Schritt für den gemalten Kunstkäse, die lang ersehnte Freiheit zu erhalten, vollzieht der Künstler Eike Rojahn, indem er gleich zwei Hemmnisse beseitigt: a) er ebnete den Weg zurück in die analoge Realität; b) er verläßt mit und für ihn den geschlossenen Innenraum und präsentiert ihn unter freiem Himmel, dort wo er einst gezeugt. Es gehört eine gehörige Portion an Lebensenergie und – erfahrung dazu, so gekonnt und eloquent mit Käse umzugehen, wie Rojahn, der Stilsichere, es versteht zu tun:

Eike Rojahn

Fazit: Der Käse hat seine Schuldigkeit getan und die letzte Ebene seines ganz persönlichen Videospiel des Lebens erfolgreich gespielt. Auf der Bühne der Kunstgeschichte hat er lange genug gestanden, er dominiert nun die Kühlregale in den Supermärkten dieser Welt. Möge es ihm dort weiterführend gut gehen.

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