Tag Archives: Franz Kafka

Bukowski als Kafka wiedergeboren (oder umgekehrt) erzählt sein schönstes Ferienerlebnis

15 Dec

»Als ich während der Sommerferien meine Großmutter versehentlich in den Bergen eine Klippe runterstürzte, nach einem halben Tag und drei ganzer Nächte auf der Flucht schließlich von einem evangelischen Schloß gefaßt und von ihm in einem aufregenden Prozeß zu einem Tag Arbeitslager hinter den Riegel gebracht wurde, war ich gerade erst 16 Jahre alt. Der Tag im Straflager war hart, wenngleich es mir gelang, mich schnell und harmonisch in das Lagerleben zu intergrieren. Ich arbeitete viel und schwitzte wie ein Schwein. Am Abend zog ich mich in einen Raum zurück, der den Eindruck erweckte, als habe in ihm das letzte halbe Jahrhundert keinerlei Sex stattgefunden, legte mich auf ein prächtiges Himmelbett und holte mir einen runter. Ich explodierte. Am nächsten Tag wurde ich entlassen und ging zum Strand.«

***

Enthalten ist diese Kurzerzählung einerseits im dtv-Gedichtesammelband mit dem Titel »Nackt bei 33 Grad« von Charles Bukowski in der Übersetzung von Carl Weissner, der diesen Band ebenfalls herausgibt:

Andererseits läßt sich das hier gegenständliche Werk selbstverständlich auch im Œvre von Franz Kafka nachweisen, und zwar in Der Proceß, u.a. handschriftlich erschienen 1998 im Reclam-Verlag:

Außerem möchten wir diese wundervolle Gelegenheit beim Schopfe ergreifen, um noch auf eine 15-bändige kritische Sonderausgabe aus dem Taschenbuchhaus Fischer hinzuweisen:

Auf der Verpackung wird Franz Kafka mit den Worten zitiert: »Ich suche immerfort etwas Nicht-Mitteilbares mitzuteilen, etwas Unerklärbares zu erklären…« Der passionierte Routinier und Chefinspektor Colombo hätte, so er mit der Causa Kafka betraut gewesen wäre, wie folgt darauf geantwortet: »Das erklärt es natürlich!«