Tag Archives: Fußball

Sat 1!

20 May

In Deiner gestrigen Fußballliveübertragung vom Championsleaguefinale zwischen dem 1. FC Bayern München und dem 1. FC Chelsea hattest Du einen höchst seltsamen, hinreichend unqualifizierten und ausdauernd blöden Fußballmoderatoren am Start, der dank Deinerselbst seine verkorksten Klassenkampf- und -feindattitüden ungehindert via Mikrophon ausleben und weiterverbreiten durfte: «Ja, Herr Abramowitsch, Erfolg kann man eben nicht kaufen!», so schwadronierte er dumpfbackengegärt bei einem Spielstand von 1:0 für den 1. FC Bayern nur wenige Minuten vor Ende der regulären Spielzeit in Richtung Reichtum einerseits und deutschem Neidhammeltum andererseits.

Deinem Mann fürs Ghettogrobe scheinen die Morddrohungen, denen sich ein Dietmar Hopp über einen längeren Zeitraum ausgesetzt sah, wohl nicht auszureichen, wie? Ist Dir, Sat 1, in dieser Sache bisher zu wenig Blut geflossen? Willst Du diese «Angelegenheit» deshalb jetzt forcieren?

So sei Dir, Sat 1, samt Deinem geistig minderbemittelten Helfershelfer ein bißchen was in Heft geschrieben: 1: In keiner anderen Fußballliga auf der Welt werden so viele Fußballspiele erst in den letzten Minuten entschieden wie auf der britischen Insel. 2: Es gehört zur ureigenen britischen Kampfestaktik, zunächst den Gegner kommen und sich austoben zu lassen. Erst kurz vor Schluß wird der Hahn aufgedreht. 3: Vor diesem Hintergrund war die Mannschaft von Bayern München auch nicht das «klar bessere Team». Es hat nur anders gespielt und außerdem eine Torchance nach der anderen versemmelt. Chelsea brauchte hingegen nur eine einzige Chance, um zu treffen.

Honey, at least it’s all about efficiency, isn’t it?

Und schließlich: Erfolg kann man sich eben doch kaufen. Und das ist gut so! Was ist bloß los mit Euch Losern? Dietmar Hopp hat seinem alten Fußballverein, in dem er früher als kleiner Junge gespielt hat, ein bißchen helfend unter die Arme gegriffen. Na und? Er hat Geld in die Hand genommen und der gesamten Region ein riesiges Fußballstadion hingestellt. Es steht für neue Arbeitsplätze und einen neuen starken emotionalen Bezugspunkt. Und er führt dadurch sein Geld wieder dem Geldkreislauf zu. Das ist vorbildlich.

Bei Roman Abramowitsch verhält es sich bis auf den Umstand, daß er in seiner Jugend nicht für den FC Chelsea gespielt hat, ebenso.

Also wo ist das Problem? Ach so, früher in der Schule nicht richtig aufgepasst und jetzt andere für sein eigenes Elend verantwortlich machen? In der deutschen Geschichte hatten wir das schon mal. Damals lautete der Spielendstand: 20 Millionen Tote.

Immerhin, Sat 1, wirst Du nicht von deutschen Qualitätsfernsehgebühren finanziert. Wenngleich ein nur schwacher Trost.

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Louis Vuitton

23 Jan

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Werbung und ihre assoziative Glaubwürdigkeit sind meistens zwei Paar Schuhe, die selten genug den Eindruck erwecken, als seien sie in ein und derselben Werkstatt gefertigt worden. Während obige Anzeige ja noch mit «Hey, das ist ja gar kein richtiger Fußballplatz; also bloß weg hier!» die plötzlich überkommende Reiselust der drei Fußballprofis erklärt, sieht es mit nachfolgend abgebildetem Printmotiv schon um einiges problematischer aus: Ein flüchtiger Blick auf das Inserat – und die meisten Blicke auf Anzeigen geschehen nur flüchtig beim Weiterblättern – ermöglicht die Annahme, daß die Dame auf der verrosteten Motorhaube des verkehrsun- aber wohl immer noch weltalltüchtigen Fahrzeugs in einem schicken Designerrollstuhl sitzt. Die Louis-Vuitton-Tasche wird assoziativ zum Wheelchairwheel. Sehnt sich deshalb die ehemals erste Frau im Weltraum nach der Schwerelosigkeit im Universum? Außerdem ist es schlicht unglaubwürdig, sich mit einer Mode-Label-Reisetasche Richtung Mond aufzumachen.

Unser gut gemeinter Ratschlag an Ogilvy & Mather pour la prochaine fois: Präsentationspappen sorgfältig knicken – und nochmals von vorne anfangen. Das einzig Positive an der Kampagne: die herausragende Fotografie von Annie Leibovitz.

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