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CADORO: «Dr. Philip Rylands zu Gast im Zentrum für Kunst und Wissenschaft»

9 Mar

Dr. Dorothea van der Koelen begrüßt ihre Gäste
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Bilder von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Raffiniert ausgeleuchtete Gäste, die sich in den Stuhlreihen
sowie vor einer Arbeit des kürzlich bedauerlicherweise verstorbenen
Künstlers François Morellet versammelt haben.

In Zusammenarbeit mit dem Institut für Kunstgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz präsentiert die van der Koelen Stiftung für Kunst und Wissenschaft seit 2008 die Vortragsreihe «Experten im Kunstbetrieb» mit großen Gastrednern, wie Jan Hoet, Klaus Bußmann, Bazon Brock, Peter Raue oder Reinhold Würth.

Dr. Philip Rylands im Gespräch mit
Prof. Dr. Matthias Müller vom IKM, Universität Mainz.

Als 11. Gastdozent der Vortragsreihe war Dr. Philip Rylands, Direktor der «Peggy Guggenheim Collection in Venedig» und «Foundation Director of Italy» am Mittwoch, den 25. 01. 2017, zu Gast in der Cadoro und berichtete wie er nach dem Tod der berühmten Sammlerin und Kunstmäzenin Peggy Guggenheim dazu beitrug, aus ihrem Privathaus nicht nur einen internationalen Museumsbetrieb, sondern auch das meistbesuchte Museum für moderne Kunst in Italien zu kreieren.

Zunächst als Verwalter der «Solomon R. Guggenheim Foundation» tätig, übernahm Dr. Dr. h.c. Philip Rylands nach Peggy Guggenheims Tod im Jahr 1979 die Verantwortung sowohl für das Haus als auch für ihre Sammlung. 1986 wurde Philip Rylands zum stellvertretenden Direktor der «Peggy Guggenheim Collection» und im Jahr 2000 schließlich zum Direktor ernannt. 2009 übernahm er zudem die Direktion der «Guggenheim Foundation» für Italien.

Dr. Philip Rylands im Gespräch mit Prof. Dr. Matthias Müller vom IKM, Universität Mainz, während Dr. Dorothea van der Koelen Wasser nachschenkt.

Die Peggy Guggenheim Collection in Venedig verdankt Rylands ihr rasches Wachsen: Der Palazzo aus dem 18. Jahrhundert, in der die Sammlung beherbergt ist, erfuhr einen umfassenden Umbau sowie Restaurierung. Der Bestand der Kunstsammlung der Solomon R. Guggenheim Foundation in Venedig vergrößerte sich dabei um mehr als 200 Werke – die Zahl der Ausstellungsräume verdoppelte sich.

Dr. Philip Rylands im Podiumsgespräch mit Prof. Dr. Matthias Müller
vom IKM, Universität Mainz, eingerahmt von einer Arbeit
Günther Ueckers (links) sowie Heinz Gappmayrs (rechts).

Während der sich anschließenden Fragerunde wollte einer der anwesenden Gäste (ähm, räusper: War es etwa unser Redaktionsfotograf?) wissen, ob die von Tom Wolfe in seinem Buch «Das gemalte Wort» beschriebene Geschichte, wonach eines Abends ein stockbetrunkener Jackson Pollock auf einer hochfeudalen Party Peggy Guggenheims aufkreuzte, sich in einem Nebenzimmer nackt auszog, um sodann vor versammelter Mannschaft zum Kamin zu marschieren und ebendort hineinzupinkeln, stimmen würde, worauf Dr. Philip Rylands äußerst eloquent darauf verwies, daß sich gerade um Jackson Pollock sehr viele Geschichten ranken würden, die entweder der Wahrheit entsprächen – oder nicht. Um ein Beispiel für letztere Möglichkeit zu nennen, führte er aus, daß einem bestimmten Gemälde Pollocks unterstellt worden sei, zum Zwecke der Passendmachung (ähnlich wie bei Rembrandts «Nachtwache»), nachtäglich erheblich beschnitten worden zu sein. Dr. Philip Rylands bestätigte, daß besagtes Bild in seinem Hause auf etwaige Beschädigungen ohne entsprechenden Befund untersucht worden sei.

DDr. Philip Rylands nach über 16 Jahren von seinen beiden Ämtern als Direktor der «Peggy Guggenheim Sammlungen» sowie der «Peggy Guggenheim Gesellschaft Italien» zurücktreten wird, ist ein herber Schlag für beide Institutionen.

Zufriedene Gäste, zufrieden klatschend.

Dr. Dorothea van der Koelen im Gespräch.

Die von der van der Koelen Stiftung für Kunst und Wissenschaft ins Leben gerufene Vortragsreihe möchte dem kunsthistorischen Nachwuchs einen Einblick in mögliche Berufsfelder im Bereich der zeitgenössischen Kunst bieten und die Gelegenheit geben, Persönlichkeiten aus der internationalen Kunstszene zu erleben und mit ihnen zu diskutieren. Wenn Experten über ihre Erfahrungen und Erlebnisse mit Kunst und Künstlern berichten, wird deutlich, daß sich im Bereich der zeitgenössischen Kunst vielfältige Berufsperspektiven bieten. Die Veranstaltungen richten sich an Studierende, stehen aber auch allen anderen Kunst-Interessierten offen. Quod errat einmal mehr demonstrandum.

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