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Ritter Knitter

1 May

************Gewidmet Moses P.************

Wenn es deppert und scheppert und kracht in der Nacht, dann ward ich um den Schlaf gebracht, gewacht hab‘ ich die ganze Zeit, die Schlacht, den Streit um Dich zu gewinnen und binnen einer Stunde ward die Kunde rundgegangen, daß Ritter Knitter grad auf seiner Runde, Besitzer großer Häuschen, Schlitzer süßer Mäuschen bangen muß um sich und seinen guten Ruf. Mein Beruf ist Ritterjäger, Träger schräger Ritterjägerorden. Im Morden dieser Blechgespenster bin ich einsame Spitze in allen Klassen. Aus dem Fenster warf ich sie in Massen; stopfte sie in Klo, verbrannte sie mit Stroh – lichterloh. So zieren die Gepeinigten, dank meiner Hände, im ganzen Lande Schlösserwände; all die Burgen, die Gereinigten von Schurken, plötzlich zickt Gewitter, hör‘ ich Dein Gejammer, Dein Gewimmer – und mir kommt der Schimmer: Ritter Knitter fickt Dich grad im Bernsteinzimmer.

Hookline

Der Päderast in Stahl gefaßt ist schier am Schnaufen, Schwitzen, Augen blitzen durchs Visier, wie ein Stier in Action, die pure Satisfaction, ganz der Schloßherr, ganz der Captain, fingert er und fummelt rum wie Clapton, als ob die Rüstungsteile rapten; sie stepten und stampften, schleppten sich dampfend durch den Raum und die Zeit; im Traum schien er breit, Schaum vor seinem Munde und im Grunde schrie es längst nach Gerechtigkeit, wie ein Hengst in seiner Mächtigkeit, Prächtigkeit, ganz allein auf dem Prüfstein seiner Tatsächlichkeit werd‘ ich ihn angreifen, er reifen Pläne, sie streifen die Zähne in seinem Maule stark, etwas wird gleich faul sein im Staate Dänemark. Bitter für Knitter: Die Spähne, die Splitter seiner Zähne verabschieden sich jetzt. Nichts wird er mehr blicken und für immer und ewig ficken wir im Bernsteinzimmer, denn darauf steh‘ ich.

Hookline

Und in den Flitterwochen werden wir uns was Hübsches aus Ritter Knitters Knochen kochen.

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747 – Eine Hommage an den guten alten Jumbo-Jet sowie Sex im Flugzeug

30 Jan

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Wir sitzen auf den Wolken und treiben übers Meer.
Wir laufen auf dem Wasser, verwandeln Salz in Teer.
Wir bleiben uns erhalten, denn wir lieben uns so sehr.
Wir schalten wie wir wollen, für uns ist das nicht schwer.
Was immer auch da unten jetzt geschehen mag,
wir besiegeln heut‘ hier oben beide den Vertrag,
der uns berechtigt, unsere Zweisamkeit zu finden
und zu fliegen in allen Himmelswinden – yeah!
Reich sind wir beschenkt mit innerer Ruhe,
sie paßt wie angegossen, wie handgemachte Schuhe.
In der Truhe liegt das Gold zum Glückaufwiegen.
Laß uns zu zweit die Zeit verschieben
und uns lieben an Bord einer 747.

Wir spreizen unsere Flügel, heben ab.
Wir fliegen über Hügel, schweben zum Kap.
Wir leben ab und zu von Luft allein
und auch vom Wolkenduft im sanften Sonnenschein.
Wir schließen unsere Augen und spüren das Licht.
Zwei riesengroße Tauben küren unsere Sicht,
als sei es ein Gedicht von Pablo Picasso,
Dein Gesicht wirkt wie ein Lasso und fängt mich innerlich.

Wir schweben durch den Kosmos, erleben Zweisamkeit.
Wir streben nach dem Big-Boß, der uns nun befreit.
Wir reichen uns die Hände, was uns Frieden gibt.
Wir streichen durchs Gelände, ham am Glück genippt.
Schwerelosigkeit ist mehr als nur ein Wort.
Wir gewähren unserer Zeit ‘ne Pause vom Akkord.
Wir leben so, als wäre jeder Tag der letzte.
Wir wissen ganz genau, wer uns durchs Leben hetzte,
uns versetzte und bedenklich schwer verletzte.
Wir baden in den Wellen, die uns Bewegung schenken,
sie laden uns zum grellen Fest, an das wir denken.
Wir wiegen uns im Glanz, um die Angst zu besiegen
und lieben uns im Schwanz einer 747.

Wir spreizen unsere Flügel, heben ab.
Wir fliegen über Hügel, schweben zum Kap.
Wir leben ab und zu von Luft allein
und auch vom Wolkenduft im sanften Sonnenschein.
Wir schließen unsere Augen und spüren das Licht.
Zwei riesengroße Tauben küren unsere Sicht,
als sei es ein Gedicht von Pablo Picasso,
Dein Gesicht wirkt wie ein Lasso und fängt mich innerlich.

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Intimrasur – Die Gedanken sind frei

25 Nov

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Mein Freund war ein Quadrat und konnte kein Spagat,
seine Augen war’n groß und er aß gern Spinat.
Er hatte fünf Ohren und drei dicke Nasen,
aus diesen drangen Kaugummiblasen.
Sie klangen beim Platzen wir 500 Spatzen,
die alle auf einmal beim Futtern schmatzen.
Er mochte auch Katzen, doch viel lieber Hunde.
Mein Freund war im Grunde mit dem Teufel im Bunde.
Er hatte Ideen, gesunde und kranke,
auch plagten ihn Wehen, die „Danke“ sagten.
So tagten wir schließlich an der großen Tafel
und nagten verdrießlich am Weltraumgeschwafel.
Er hob seine Hand zur großen Geste,
es war sein Verstand, der plötzlich verweste.
Er sank in den Sessel und lächelte nur
und dachte bedächtig an Intimrasur.

Intim,- Intim,- Intimrasur, was ist denn schon dabei
Nur die Gedanken, die Gedanken, die Gedanken sind frei –
Alles andre ist doch einerlei, wie Leipziger Allerlei!

Er wurde „Meister Kosmos“, denn das war klar,
er gewann gegen Cous Cous und Caterpillar.
Er stand auf den Buskuß von Kenneth Starr
und das in einem Land, das – ganz klar –
seinen Schwanz – ganz wahr – in weißen Händen hielt,
was meinem Freund ganz besonders gut gefiel!
Er drehte sich ‘nen Joint, wir rauchten ihn beide
und plötzlich standen viele Kühe auf der Weide.
Zwei Schweine auf dem Baum mit Ring durch die Nase,
als starkes Zitat einer Kaugummiblase.
Doch rauchten wir weiter, das war’n wir uns schuldig,
sein Name sei Einstein und ich fand das kultig:
E gleich m mal c – Ouadrat plus Kreis,
wir redeten und redeten und redeten uns heiß.
Ihr werdet es hör’n, jetzt fällt das Wort Kultur,
und noch immer steht mein Freund auf Intimrasur.

Intim,- Intim,- Intimrasur, was ist denn schon dabei
Nur die Gedanken, die Gedanken, die Gedanken sind frei –
Alles andre ist doch einerlei, wie Leipziger Allerlei!

Es wurde langsam abend, es dämmerte schon,
und plötzlich klingelte sein Telefon,
doch hatte er kein Bock und warf das Ding ins Klo –
eine „Huldigung an Kant“ – er war halt eben so.
Es schien sein Verstand stand in Wien an der Wand
und seine Medizin fand das allerhand.
Außer Rand und Band und gleichfalls geometrisch,
gingen wir zum Strand, es wurde dort sehr ethisch,
der Sand war unser Fetisch, das wußten wir schon
und schon wieder klingelte das Telefon,
es war sein eigner Sohn, der völlig eingeboren
anrief aus ‘nem Land, wo sie alle schon geschoren
sind und blind ihr‘m Erlöser vertrauen,
weil sie dort alle, alle Kaugummi kauen.
Er sank in die Düne und lächelte nur
und dachte bedächtig an Intimrasur.

Intim,- Intim,- Intimrasur, was ist denn schon dabei
Nur die Gedanken, die Gedanken, die Gedanken sind frei –
Alles andre ist doch einerlei, wie Leipziger Allerlei!

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Photo: Screenshot aus dem Film Brazil von Terry Gilliam aus dem Jahre 1985; via: San Francisco Citizen