Tag Archives: Joseph Beuys

Fluxus-Dada-Dokumente unserer Zeit: Letter from «Raoul Hausmann to Wolf Vostell» | und ein Brief von «Wolf Vostell an Hans Alexander Baier» (1967)

11 Aug

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20th February 1967
Raoul Hausmann
6 rue Neuve St.Etienne
87 Limoges | France

Dear Wolf Vostell,
Thank you so much for your kind letter. I am very happy that you are such a clever boy. But you must know; I am not in good terms neither with Hulbeck, nor with Hoech, who have distributed false news about my work and me.

I send you herewith a very bad photograph from two of my posters from the Internationale Dada-Messe, Berlin 1920. They have had 70 x 90 cm and have been partly dé-collages. I send you my article “Synthetisches Cino der Malerei”, which I wrote in April 1918 and that had at first the title “Das neue Material in der Malerei”.

I shall send you texts in some time.

Last week the Hessische Rundfunk turned here with me a documentary about my work and my means concerning Dada.

heartiliest yours
Raoul Hausmann

P.S.:
I invented 1) Fotomontage
2) Decollage (*1)
3) Sound (letter) poem
4) Optophone

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26.2.67

Lieber H. A. B.
(1) Hier noch eine Fotokopie von einem neuen Hausmann Brief. Der Abdruck würde ihn, glaube ich, verärgern; er ist halt alt und senil (*2). Es ist ja auch ein persönlicher Brief, den ich Ihnen aus Vertrauen zeige.

(2) Es erschien ein Desinformationsblatt (*3) für die Presse von Stünke. Rywelski hat es leider verlegt, – er hat sich bemüht bei Stünke, aber es gibt keine Blätter mehr. Es waren aber nur 18 Galerien aufgeführt, die Sie ja aus der Zeit kennen. Im Stadtanzeiger stand jedoch 20. Es sind aber nur 18 bis jetzt. Journalist Rywelski, 5 Köln, Lützowstr. 33 könnte genauer darüber berichten (Termin etc.) oder recherchieren. Die Mühlheimer Stadthalle ist große Klasse für eine Gegenausstellung und wahrscheinlich umsonst, da immer irgendwelche Ausstellungen dort sind.

(3) Anbei eine kleine Partitur, die meinem New Yorker Buch beiliegt.

(4) Künstlerisch würde ich alles für eine Mappe bei Ihnen hergeben – 10 Blätter; das wäre toll. Die Sache muß aber vorfinanziert werden, d.h. Papier, Buchbinderei, Drucker, Arbeitshonorar. (*4)

Ganz herzlich
Ihr Wolf Vostell

P.S.:
Ich mache zur Kunstmesse ein Manifest über die Avantgarde in Köln, die nicht von den Galerien vertreten wurde. Stockhausen etc. (Mary) Bauermeister, (Haro) Lauhus, Vostell, Schmit etc. Dank FLUXUS.

 

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Erläuternde Fußnoten
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(*1) Raoul Hausmann wird von der Kunstgeschichte mit der «Décollage» tatsächlich nur peripher in Verbindung gebracht.

(*2) Raoul Hausmann schrieb den hier gegenständlichen Brief an Wolf Vostell ca. vier Jahre vor seinem Tod. Der österreichisch-deutsche Dadaist war bekannt dafür, die letzten Jahre seines Lebens am Mittagstisch rohe Hühnereier und kleine quadratische Seifenstückchen aus der Rue St. André des Arts mit entsprechend wiederkehrendem Ergebnis abwechselnd zu stapeln. Möglicherweise bezog sich Wolf Vostells Hinweis «alt und senil» auf diesen Umstand.

(*3) Hieraus entwickelte sich eine klar strukturierte Meinungsverschiedenheit zwischen dem Kölner Galeristen Hein Stünke und dem Mainzer Verleger Hans Alexander Baier. Der Spiegel schrieb: «Dem deutschen Kunsthandel, so fürchtet der Mainzer Verleger und Galerist Hans Alexander Baier, 31, droht die Herrschaft eines Kartells. Ein Richterspruch soll das Unheil abwenden. Beim Verwaltungsgericht Köln beantragte Jurist Baier letzte Woche, den ‹Verein progressiver deutscher Kunsthändler› aus dem Vereinsregister streichen zu lassen. Begründung: Das Ziel des Zusammenschlusses laut Satzung ‹die Förderung des Interesses an zeitgenössischer … Kunst und die Förderung des Handels mit solcher Kunst› – sei nur vorgeschoben, um einen in dieser Rechtsform unzulässigen ‹wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb› zu tarnen. Gesetzwidrige Camouflage traut Baier, der einst in seiner Geburtsstadt Bremen ‹die Sitten ordentlicher Kaufleute kennengelernt› hat, einem Kollegenbund zu; die Mitglieder des beklagten Vereins, der im November letzten Jahres eingetragen wurde, sind 18 mit moderner Kunst handelnde Galeristen aus der Bundesrepublik und West-Berlin. Vorsitzender: der Kölner Hein Stünke, 53 (Galerie ‹Der Spiegel›)». Der komplette SPIEGEL-Bericht.

Im Zuge dieser Auseinandersetzung protestierten auch Joseph Beuys, Klaus Staeck und Wolf Vostell gegen die Zulassungsbeschränkungen der Kölner Messe für zeitgenössische Kunst. Am Eröffnungstag der Messe klopften sie lautstark gegen die Glastüren der Josef-Haubrich Kunsthalle, die Rudolf Zwirner kurz zuvor mit einem Balken verschlossen hatte, und begehrten Einlass. Die Aktion richtete sich gegen die Exklusivität der Kunstmesse und konnte diese am Ende auch brechen. Der Kölner Kulturdezernent Kurt Hackenberg öffnete selbst die Tür, und Joseph Beuys sagte: «Ein neues Zeitalter hat begonnen.» Die Aktion lautete «Wir betreten den Kunstmarkt».

In letzter Konsequenz war das Kölner Kunstmarktkartell spätestens durch die Art|Basel, die nur wenige Jahre später ihre Pforten öffnete, auf ganzer Linie gebrochen. Der Galerist Max Magenbrodt ließ sich sogar von Beuys eigens einen Sarg an den linken Fußknöchel nageln – was Uecker wiederum sauer aufstieß. Außerdem gelang es dem Kartell nicht, ihren Sammlern vorzuschreiben, in welcher Galerie sie einkaufen sollen – und in welcher nicht. Rubrik: Was Menschen eben so alles anstellen, wenn der Tag lang ist.

(*4) Es wurden dann insgesamt drei Grafikserien je vier verschiedener Blätter. Darunter «Olympia I-IV» und «Vietnam Sinfonie». Meerschweinchenreport berichtete hier.

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Art|Basel|2015: «Großer Luxusbildbericht!»

4 May

Jan Delay in der «Art Collectors Lounge» auf der «Art|2015|Basel».
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Alle Fotos von Andreas Baier

Etwas mehr als sehr spät veröffentlichen wir die Supersonderluxusbilderfibel unseres Redaktionsfotografen Andreas Baier über die weltbeste Mutter aller Kunstmessen: die «Art|Basel» in – natürlich – Basel. Aber nicht nur gut Ding will Weile haben, sondern auch ein mit viel Liebe hergestellter Rotwein möchte nicht einfach hinuntergeschüttet werden. Wenigstens sollte man nämlich vorher noch die Flasche geöffnet haben – bevor man sie sich fachgerecht an den Hals setzt; wobei der gut informierte Kenner der Materie längst weiß: Ohne Korkenzieher gehen da manchmal schon ein paar Jahre ins Land. In die Toscana? Auch.

Die Art|Basel ist nicht nur die weltbeste Kunstmesse, sondern auch ein exklusiver Ort der Ruhe, Besinnung und Entspannung.

Was erwartet unsere Meerschweinchenreportleserinnen und Meerschweinchenreportleser? Zum einen ziemlich viel Kunst. Klar. Zum anderen scheinen die Grenzen zwischen Sammler und Künstler, zumindest was das Äußerliche angeht, zu verschwimmen. So wird manches Baier-Bild die berechtigte Frage aufwerfen: Sammler oder Künstler?

Ganz inkognito und immer ein besonderes Highlight:
Gilbert & George beim Messerundgang.

Zusätzlich erhalten Sie einen schönen Einblick in den exklusivsten Teil des Messegeländes: die «Art Collectors Lounge» (siehe Titelbild). Dort versüßen u.a. Promotiongaben von schmackhaftem Mövenpick-Eis den millionenschweren Kunsterwerb. La vie est une Pralinenschachtelle, n’est-ce pas? Und wer meint, diesen Sachverhalt kritisieren zu müssen, der mag sich vergegenwärtigen, daß ausgewiesene Kapitalismuskritiker, beispielsweise namens Lenin, Ho Chi Minh, Che Guevara oder Mao Tse-tung allesamt Diktatoren und Massenmörder waren.

Darauf haben Kunstsammler überall auf der Welt lange warten müssen: Das genüßliche Ausruhen in der sozialen Hängematte wird für gefühlte € 2,5 Millionen pro Stück endlich gesellschaftsfähig. Endlich.

Doch zurück zum herrlich gepflegten Sandkasten für erfolgreiche Erwachsene und damit zum hinreichend avisierten Bilderkompendium der «Art|Basel 2015»: hier. Enjoy! Und: Möchten Sie auch dieses Jahr wieder zur «Art|Basel»? In der Zeit vom 16. bis zum 19. Juni haben Sie einmal mehr Gelegenheit dazu!

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Johann Joseph Wolfgang Beuys von Goethe: «FLUXUS geschieht nicht auf glatten, gewšöhnlichen Wegen – OCCUPY FLUXUS!»

28 Jul

Foto von Andreas Baier
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Weitere Fotos von dieser schönen Veranstaltung gibt es hier zu sehen.

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Tate: «Magazin KUNST – Joseph Beuys»

16 Jul

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The magazine Magazin KUNST was published quarterly by the Alexander Baier Presse in Mainz.

Artist
Joseph Beuys 1921–1986

Title
Magazin KUNST

Medium
Print on paper

Dimensions Image
297 x 209 mm

Collection
Tate / National Galleries of Scotland

Acquisition
ARTIST ROOMS

Acquired jointly with the National Galleries of Scotland through The d’Offay Donation with assistance from the National Heritage Memorial Fund and the Art Fund 2008.

via Tate.

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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ZKM: «Beuys Brock Vostell»

28 Jun

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«Dampfender Eiscafé mit zart angedeutetem Bärchengesicht auf der Crema». Dies ist keine künstlerische Arbeit der drei rubrizierten Herren sondern ein schickes Schmuckbildchen, welches auf den besonders schmackhaften Kaffee des ZKM-Cafés verweisen möchte.

Zensur? Ja! Sogar Selbstzensur? Sogar sehr: Ja! Und der Grund hierfür trägt auch einen Namen: Eva Beuys. Es kann mit einiger Berechtigung durchaus angenommen werden, daß der Eröffnungsbesucher, rechts im Bild, mittels Gebärdensprache bemüht ist, sich mit seinem Kommunikationspartner über die Größe sowie die Art und Beschaffenheit der legendären «Holzpostkarte» von Joseph Beuys auszutauschen. Die Gefahr, daß bei der visuellen Übermittlung der formalen Feindaten ein Fehler unterlaufen sein könnte und somit Eva Beuys darin wegen ungenau wiedergegebener Größenverhältnisse eine eklatante und keineswegs hinzunehmende Urheberrechtsverletzung am Werk ihres verstorbenen Mannes Joseph erkennen könnte, ist zu groß, um die von uns Abgebildeten einem solchen Prozeßrisiko grob fahrlässig auszusetzen. Wir bitten unsere Leserinnen und Leser höflich um Verständnis!

Das Beuys-Werk «Dreifaltigkeitsübung: Reden – Hören – Sagen» dürfen wir hingegen gefahrlos zeigen, weil es sich glücklicherweise dann doch nicht um ein Beuys-Werk handelt.

Auf diesem Foto könnte Eva Beuys im dominierenden Bildvordergrund den leicht unscharf abgebildeten Geist Hannah Arendts erkennen, der nach Ansicht der Künstler-Witwe im Werk ihres verstorbenen Mannes möglicherweise so rein gar nichts verloren oder gar zu suchen habe, weshalb wir vorsorglich den im rechten Teil der Aufnahme abgebildeten Kunstsammler und zugleich Leihgeber sicherheitshalber wegzensiert haben.

Auch ist es nicht restlos auszuschließen, daß sich gemäß der Beuys-Doktrin «Jeder Mensch ist ein Künstler» die Künstler-Witwe Eva Beuys selbst zur Künstlerin erklärt und auch, daß expresis verbis alle Besucherinnen und Besucher, die sich hic et nunc gemeinsam mit ihr im ZKM-Atrium aufhalten, aus diesem Grunde und ganz automatisch zu einem festen Bestandteil eines künstlerischen Adhoc-Happenings geworden sind, weshalb Eva Beuys sämtliche hieraus resultierenden Verwertungs- und Urheberrechte für sich reklamieren und gegebenenfalls prozessual durchsetzen könnte.

Deshalb haben wir nicht nur sämtliche Personen auf vorstehenden Fotos unkenntlich gemacht sondern insbesondere darauf verzichtet, mittels Übersichtsaufnahmen die tatsächliche Füllmenge an Eröffnungsbesuchern zu dokumentieren, um ihnen pauschal jegliches eventuell entstehende Risiko, von Eva Beuys auf was auch immer verklagt zu werden, zu ersparen. Unserer Beobachtung und Schätzung folgend, dürften es zur Eröffnung gefühlte und wohl auch tatsächliche 500 bis 600 Besucher gewesen sein.

Alle nachfolgenden Bilder können und wollen wir jedoch unzensiert zeigen, weshalb wir für nicht eben wenig Geld diese Aufnahmen von der international anerkannten Geistheilerin Gesine Gürtelfräckler digital haben entbeuysifizieren lassen.

Und bevor unser eigentlicher kleiner «Beuys Brock Vostell»-Bericht startet, möchten wir noch einen uns in diesem Zusammenhang quälenden Gedankengang loswerden: So wie man den alljährlich wiederkehrenden Konsum sieben- bis neunstündigen intergalaktischen Kampfgejaules auf dem Bayreuther Festspielhügel unseres Erachtens als nichts anderes als eine besonders seltsame Form von gesellschaftlicher Mutprobe einstufen muß; so wie die in die Filmgeschichte eingegangene zwanghafte Zusammenarbeit zwischen Werner Herzog und Klaus Kinski durchaus auch als eine Art Kräftemessen zweier qualitätsvernarrter Egomanen zu bezeichnen ist, so sehr fragen wir uns, ob das Planen nebst der Durchführung einer Ausstellung, die Werke von Eva, quatsch, Joseph Beuys beinhaltet, und durch das damit zwingend verbundene und stets klagefreudig über der ganzen Veranstaltung drohend baumelnde Damoklesschwert, das auf den Namen «Einstweilige Verfügung» hört, den verantwortlichen Kuratoren nicht ebenfalls jenen Kick verschafft, der Bergsteiger ereilt, wenn sie erfolgreich einen Achttausender ohne Sauerstoffmaske erklommen haben?

Auf jeden Fall kann das Lob an die Ausstellungsmacher, die sich trotz vorstehend grob skizzierter Widrigkeiten nicht davon haben abschrecken lassen, diese richtige, wichtige, großartige und längst überfällige Ausstellung auf die Beine zu stellen, gar nicht groß genug sein.

Der Leiter «ZKM | Museum für Neue Kunst», Andreas Beitin, eröffnete den Redereigen im akustischen Retro-Look: Gefühlte und wohl auch tatsächliche 250 bis 300 Verantwortliche, die in irgendeiner Weise und Form am Zustandekommen der Ausstellung beteiligt waren, wurden namentlich einzeln genannt und gewürdigt. Großes Kino!

Der Übersichtsplan zur Ausstellung «Beuys Brock Vostell», für dessen architektonisches Erscheinungsbild das Architekturbüro «Holzer Kobler Architekturen» verantwortlich zeichnet. Da sich das ZKM auch und gerade um die interaktiven Aspekte des Lebens und in der Kunst kümmert, also um jene Merkmale, die mit den Besuchern des ZKM ab dem Betreten des Gebäudes visuell kommunizieren, ist es nicht verwunderlich, daß bereits der bloße Anblick dieses Übersichtsplans bei unseren Redaktionsmitgliedern starke Erinnerungen an das gute, alte Asteroids-Computerspiel hervorruft.

Die Fachbereichsleiterin Bildende Kunst der Kunststiftung NRW, Dr. Barbara Könches, erklärte die fraglos besondere Förderungswürdigkeit der Ausstellung «Beuys Brock Vostell».

Hier entstand ein Bazon Brock to go. Vielleicht sogar als App?

Barbara Holzer (Architekturbüro «Holzer Kobler Architekturen») wurde nach der Eröffnung zu der gelungenen Gestaltung des Ausstellungsraumes beglückwünscht.

Prof. Bazon Brock, (Fluxuskünstler, Ästhetikprofessor sowie Direktor des Himmels) hielt eine faszinierende, frei vorgetragene, großartige und zudem druckreife Rede, die ihm das Publikum konsequenterweise mit stehenden Ovationen quittierte.

Einer der Punkte in seinen Ausführungen betrafen die Aspekte der unbedingten Freiheit des Künstlers. Diese eigentlich selbstverständliche Position kann gerade in Bezug auf das Werk und Wirken Joseph Beuys’ jedoch gar nicht oft genug repetiert werden. Nehmen wir beispielsweise die Beuys-Schilderung, mit der er versuchte, seinen Drang und Hang zur Verwendung von Fett und Filz als Arbeitsmaterialien zu erklären: Er sei während des zweiten Weltkrieges über Russland abgeschossen worden. Krim-Tataren hätten ihn gefunden und zum Schutz vor der entsetzlichen Kälte mit Fett eingerieben und in Filzdecken gehüllt. Das habe ihm das Leben gerettet.

Nicht schlecht! Und, wie wir spätestens seit Veröffentlichung der Beuys-Biografie von HP Riegel im aufbau-Verlag wissen: frei erfunden. Aber das ist vollkommen in Ordnung, denn freie Künstler sind keine Organe der Rechtspflege. Es geht nicht, einerseits Antoine de Saint-Exupérys kleinem Prinzen die Schaffung einer eigenen Traumwelt zuzugestehen, andererseits dieses Recht einem Joseph Beuys oder welchem Künstler auch immer abzusprechen.

Die künstlerische Leiterin des «Consorcio Museo Vostell Malpartida» Mercedes Guardado Vostell war mit der Laudatio auf das Werk ihres verstorbenen Mannes Wolf Vostell zufrieden.

(V.l.n.r.): Marina Sawall, Monika Hoffman-Brock and Corry Müller-Vivil.

Intellektuelles Fingerhakeln mit Bazon Brock.

Hier war selbst Gesine Gürtelfräckler machtlos: Werner Schmalenbach gewährt seinem digitalen Notizbuch Kraft entschlossenen Fingerkuppendrucks ausnahmsweise ein Autogramm. Da jedoch das Verhältnis zwischen Joseph Beuys, Werner Schmalenbach und nicht zuletzt auch zu Johannes Rau nicht immer zwingend als harmonisch zu bezeichnen war, könnte die Beuys-Witwe eventuell auch hier gesteigerten Klagebedarf sehen, weshalb wir dieses Foto vorsorglich und in einem (fast) unerklärlichen Anfall von vorauseilendem Gehorsam ergebnisorientiert zensiert haben.

Chairman and CEO of the ZKM, Prof. Dr. h.c. Peter Weibel and Corry Müller-Vivil honouring Duane Michals’ «Self Portrait Shaking Hands With My Father» from 1973.

Ein Blick in die Ausstellung.

Ein Blick in die Vitrine.

Da wir es in diesem Kontext ohnehin nicht lassen können: Unser Redaktionsfotograf schwört Stein und Bein, daß er weder kurz vor noch kurz nach dieser Aufnahme irgendetwas von einer Gliedmaße bemerkt haben will, die «da so komisch im Bild rumhängt». Schlußfolgerlich kann es sich eigentlich nur um den verlängerten Arm von Künstlergottvater Joseph Beuys höchstrichterlichselbst handeln, der urplötzlich in Erscheinung trat, um uns allen über diese happeningeske Momentaufnahme unmißverständlich zu verstehen zu geben: «Dieses Bild da! Ja, genau das da! Sofort abhängen!» Restlos auszuschließen ist das jedenfalls nicht.

***Über den Autoren***

Andreas Baier wurde direkt in die Kunstszene hineingeboren. Seine Eltern publizierten Anfang der 1960er Jahre die Zeitschrift «KUNST», für dessen grafisches Erscheinungsbild Wolfgang Schmidt verantwortlich war. In dieser Zeit war «KUNST» IVW-geprüft die größte Zeitschrift für zeitgenössische Kunst im deutschsprachigen Raum. Ab 1970 wurde sie in «MagazinKUNST» umbenannt. Der an ihre Galerie angeschlossene Grafikkreis brachte jeden Monat limitierte Editionen bekannter Künstler heraus. Vorstehend abgebildetes Titelbild befindet sich auch in der Tate Collection.

Nachfolgend ein Bericht über Wolf Vostell aus dem Jahre 1966 in «KUNST».

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Freddy Langer: «Sleepless Without Battle»

31 Aug

Since we still believe in the magic power of the personal Interpretationskraft, which more oder weniger everybody seems to be ausgestattet with, we do not sehen eine zwingende necessity to machen the job unserer Leserinnen und Leser: Ungefähr so oder so ähnlich dürfte man nämlich drauf sein, wenn man in 10.000 Metern Höhe von einer freundlichen Stewardess geweckt und nach dem Sinn des Lebens befragt wird…

Freddy Langers Ausstellung im Kunstmuseum Picasso Münster ist noch bis zum 23. September diesen Jahres zu sehen.

via: Die Welt.

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Joseph Beuys mittels Werbung ins Mainstreamige übersetzt: «Big Fat Sound»

5 Jan

Denn sie wussten nicht, was sie tun: Auf einer SPD-Feier im Schloß Morsbroich geriet die mit Filz, Fett und Pflaster versehene «Badewanne» von Joseph Beuys zufällig in die Hände von zwei Genossinnen. Die schrubbten den versifften Zuber, bis er glänzte. Der Zorn über den Kunstfrevel traf jedoch nicht die Täter.

Der komplette Text von Johanna Lutteroth auf einestages.

P.S.: Es wundert uns ja schon schwer, daß dieser Artikel nicht umgehend von Eva Beuys per «Einstweiliger Verfügung» vom Netz genommen wurde. Was ist los? Ist sie gerade krank? Oder hat ihr Oda Jaune inzwischen den Rang abgelaufen?

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Kurt Schwitters – Christopher Butterfield – Music For Klein And Beuys

4 Apr


Song: Ursonate | Music For Klein And Beuys
Artists: Kurt Schwitters – Christopher Butterfield
Genre: Art
Filename: Butterfield-Christopher_01_Music_for_Klein.mp3
Duration: 5m 0s Bitrate: 192 Kb/sec
File Size: 8.23MB

Falls das Streaming nicht funktionieren sollte, so ist hier der direkte Link zu Datei.

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E.T. meets Joseph Beuys: »Cut Out Your Home Phone«

22 Dec

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Joseph Beuys is back. Without doubt. Since he decided to split from his wife Eva everything went to his own good. No doubt. When he got the call from the guys from Vodafone, Beuys remembers intensively, he was prepared to set a sign again. A bold sign. An invincible sign. Without doubt.

As soon as his assignment was signed by the company he met E.T. immediately to cooperate with him on this delicate matter. They later declared: »On behalf of mankind we made a terrific move and helped Vodafone out of their teabags and their customers into new homephoning standards by simply letting their homes phone – wherever they want to. In a second step their homes could then phone to their other homes as well – worldwide. Finally, they allowed specifically people like Holmes to phone Holmes, of course.« Joseph Beuys added in their dramatic press conference: »I am not sure if this is funny but as a German as I am I think that being funny is not an option for me anyway because cutting out your beloved home phone is something you have to learn to get used to. This isn’t something which happens automatically.« Right he was. Without doubt.

via: Design You Trust

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Das Joseph Beuyssche Zarenkronenhäschen im Jeff-Koos-Look

5 Nov

via: Creative Review

Joseph Beuys ließ 1982 die Replik einer Zarenkrone einschmelzen und daraus einen goldenen Hasen gießen. So ich mich nicht gänzlich vertue, sah besagter Hase nach Gußvollendung ein bißchen so aus wie das rote Riesenexemplar auf obigem Foto. Ein bißchen.

Aber was tut man nicht alles, um dem Kunstanspruch, den dieses Blog ja auch irgendwie für sich reklamiert, gerecht zu werden.

Klimakatastrophe und ihre süßen Folgen!

19 Jul

Wir assoziieren Dieter Roth, eine Prise Joseph Beuys, einen ordentlichen Schuß Albrecht Dürer, einen Hauch von Ottmar Hörl, schalten den Fernseher ein und vernehmen ein aus dem Zusammenhang gerissenes Statement, nämlich “Ein Polizist sollte auch vom Glück geliebt werden” (Inspector Columbo), und stellen spontan fest, daß es schon wieder ein Blogeintrag kaum erwarten kann, endlich veröffentlicht zu werden.

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