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Rückblick: «Die große Bambi-Verleihung 2011 im Wiesbadener Kurhaus bzw. in den Rhein-Main-Hallen»

3 Jan

Alle Fotos von unserem Redaktionsfotografen Andreas Baier

Das neue «Wiesbaden-Magazin» lag im Dezember letzten Jahres bundesweit der FAZ bei. Das oben abgebildete Titelbild durfte unser Redaktionsfotograf Andreas Baier beisteuern. Er freut sich darüber sehr.

Der rote Teppich führt direkt durch das Kurhaus hindurch. Der frühere Sprintweltmeister und FLUXUS-Künstler Lennox Lewis schaffte die Strecke einst in unter zehn Sekunden. Heute gilt jedoch: «Wie schaffe ich es, mich so lange wie möglich auf dem roten Läufer zu halten?»

Der rote Teppich aus der Vogelperspektive. Unten sieht man gerade wie der Moderator Kai Pflaume den Teppich einläuft. Auf dem Podest versetzt sich das Kamerateam in Schwingung.

Auf dem großen Display im Foyer des Wiesbadener Kurhauses kann man gut erkennen: Soeben ist der hessische Landesvater, Ministerpräsident Volker Bouffier, gemeinsam mit seiner Frau eingetroffen.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier im Interview.

Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller (links) und Frau Bouffier (rechts).

Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller auf dem Display eines iBooks im Gespräch.

Oberbürgermeister Dr. Helmut Müller, Verleger Dr. Hubert Burda im Radio-FFH-Interview.

Gruppenbild der vorstehend bereits erwähnten Stadt- und Landesoberhäupter.

Der Verleger Dr. Hubert Burda beantwortet Fragen zur Ausrichtung der Bambi-Verleihung coram publico.

Einen erstklassigen Verleger erkennt man an seinem überproportional mit Terminen gefüllten Kalender. Da bleibt niemals nie viel Zeit. Schon ist er auf dem Weg zur nächsten Verabredung.

Der Verleger Dr. Hubert Burda läßt dezent durchblicken, daß er sich trotz selbstgefertigtem Bambi für erfolgreich verlaufende Zahnbehandlungen nur bedingt zuständig fühlt.

«Fällt man vor einem anbetungswürdigen Menschen auf die Knie und fotografiert ihn unmittelbar aus der Froschperspektive, so erhält man ein anbetungswürdiges Gesamtkunstwerk – sofern man die Aufnahme weiterführend künstlerisch nachbearbeitet.» (Zitat von James Joyce)

«Wie schwierig war es denn für Sie, Ihren richtigen Style für den heutigen Abend gefunden zu haben?»

FOCUS-Chef Helmut Markwort und BUNTE-Chefin Patricia Riekel.

Monsieur Le Sky duMont gemeinsam mit seiner Tochter im medialen Kreuzverhör: «Wann haben Sie das letzte Mal etwas gegessen?»

Diese beiden Gentlemen bekommen auch einen Bambi verliehen. Leider konnten wir vor Redaktionsschluß nicht in Erfahrung bringen, um wen es sich handelt.

Warten auf Sky duMont.

Monsieur Le Sky duMont – ganz Kavalier – winkt den Mantel in einer leichten körperlichen Schräglage (für die er weltberühmt ist) für seine weibliche Begleitung herbei.

Und nun richten sich die Blicke auf Christine Neubauer.

Christine Neubauer tut alles, um die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten ihres Preisverleihungsoutfits ergonomisch in Szene zu setzen. Hier: Der doppelte Schleppeneinschlagwurf aus der halboffenen Handumdrehung. Ist auch der hessische Ministerpräsident von dieser Vorführung beeindruckt?

Ja, auch der hessische Ministerpräsident ist von dieser Vorführung beeindruckt.

Im Friedrich-von-Thiersch-Saal des Wiesbadener Kurhauses wird die Bambi-Verleihung live aus den Rhein-Main-Hallen übertragen. Gerade zu sehen: Lady Gaga.

Die personifizierte Form des lateinischen Lichts.

Atmosphärisch begeisternde Randnotiz.

Kurdirektor und Geschäftsführer der «Kurhaus Wiesbaden GmbH» Henning Wossidlo bestellt routiniert «Fünf Bier für die Männer vom Sägewerk!»

Das Bambi-Maskottchen auf die Fassade des ehemaligen «R+V Gebäudes» projiziert.

Konzert- und Veranstaltungsbeleuchter Jan Kyritz macht es möglich: Eine in gleißendes Rotlicht getauchte Wilhelmstrasse.

Die Rhein-Main-Halle ist der höchst gelegene Punkt Wiesbadens und war schon immer ein besonderer Wallfahrtsort gesellschaftlich Bessergestellter. Sageundschreibe 6500 Treppenstufen (traditionell mit buntem Kerzenlicht beleuchtet) sind auf den Knien und dem Weg nach oben zu bewältigen – will man alles richtig machen. Zum Vergleich: Das Niederwald-Denkmal im Rheingau liegt nur 15 Meter höher. Anläßlich der Bambi-Verleihung durften die Stars jedoch ausnahmsweise mit der Limousine vorfahren, da man verhindern wollte, daß die teure Garderobe Schaden nimmt.

So wie einst der Schriftsteller Heinrich Böll von der Fotografin Barbara Klemm während einer Demonstration in Mutlangen als mahnender Denker malerisch in den emotionalen Mittelpunkt ihres Bildes gerückt wurde, so unterstützt nun der in Speckstein verewigte Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe die breite Masse der Bambiverleihungsinteressierten bei ihrem noblen Anliegen, sich auch ein kleines Scheibchen vom Medienkuchen abschneiden zu wollen: «Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten, die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt. Versuch ich wohl, Euch diesmal festzuhalten?

Wie vorstehend, diesmal jedoch mit mehr musealem Charakter.

Überpünktlichkeit hat einen Namen: Lady Gaga: Gestützt von ihrem Leibwächter macht sie vor den Objektiven der Weltpresse einen gesunden und selbstbewußten Eindruck.

Hier sehen Sie die «Besten der Besten der Besten, Sir!». Nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch eine gesunde Portion Demut ist gefragt, will man sich zur Elite der Elitefotografen zählen: Leicht nach oben geknickte Lackschuhspitzen zeugen von der unbedingten Bereitschaft, vor jedem Star sofort auf die Knie zu sinken – und abzudrücken. Dicke Akkupakete ermöglichen es den Bildbeschaffern zudem, bis zu 48 Stunden gegebenenfalls sogar bei klirrender Kälte vor den Empfangstüren unserer bunten Preisverleihungswelt ausharren zu können, ohne zum lästigen Nachladen wärmere Räumlichkeiten aufsuchen zu müssen.

Das Spiel «Wer verläßt mit welcher Strategie das Auto?» wird in den unterschiedlichsten Variationen durchgespielt. Hier entsteigt die Sängerin Jasmin Wagner, vormals Blümchen, die Limousine auf der Passivseite – und leitet somit geschickt zur Grünfeld-Verteidigung über.

Die Moderatorin Sylvie van der Vaart in ihrem falbalaesken Fischnixenkleid.

Das orgiastische Justin-Bieber-Probekreischen setzt bei jeder eintreffenden Limousine reflexartig ein, denn: Sicher ist schließlich sicher.

Möglicherweise Bill Kaulitz, möglicherweise aber auch nicht.

Er ist geboren, um zu leben: Der Graf von Unheilig.

Die aufgeweckte Jugend von heute leidet an bestechender Beobachtungsgabe: «Schwulenhass ist keine Integrationsleistung» stellt sie treffend fest. Bushido bekommt trotz heftiger Bedenken genau jenen Integrationsbambi von Burda Media ausgehändigt, worauf beispielsweise der große Ausnahmekünstler Heino seinen goldenen Bambi wiederum zurückgab, ein Ereignis, das rückblickend betrachtet die Bambiverleihung an Bushido unter bestimmten intellektuellen Voraussetzungen dann doch irgendwie rechtfertigt.

Der Starmoderator Thomas Gottschalk zeigt sich ungebrochen honneckeresk: «Es lebe der Sozialismus mit seiner integrativen Gummibärchenkraft für alle!». Nach dieser klaren Ansage betritt er gemeinsam mit seiner Frau das Preisverleihungsgebäude.

Big Brother is watching you: Während die Party in vollem Gange ist, warten draußen vor der Tür immer noch die Fans auf Justin Bieber.

So here he is. Alles jubelt, schreit, kreischt – und vollzieht unter dem Schutz des Menschengedränges stante pede den mehrfachen Geschlechtsverkehr.

Justin Bieber (roter Kreis) gibt die Marschroute vor – und alle folgen ihm. Hier auf dem Weg zu einer noch unsignierten Autogrammkarte.

Während Justin Bieber im Hintergrund der Presse Rede und Antwort steht, raucht die Verwandlungskünstlerin Lady Gaga im Bildmittelpunkt genüßlich eine Zigarette mit Mentholgeschmack, die sie umgehend in eine leichte körperliche Schräglage versetzt; jene unkonventionelle Körperhaltung, der sie ihren Weltruhm verdankt.

Die Menschentraube vor der Rhein-Main-Halle löst sich langsam auf. Im Hintergrund sind die berühmten Strickereien aus dem Erzgebirge zu sehen, die momentan zwei verschnupfte steinerne Säulen wärmen.

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Vitali Klitschko meets Francis Bacon

20 Mar

Francis Bacon’s Self Portrait Photo via: Elite Choice

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Vitali Klitschko hat eben gerade in einer für die vielen Fans und Zuschauer vor Ort, die nicht eben wenig Geld für Ihre sauteuren Eintrittskarten ausgegeben haben dürften, in einer vor diesem Hintergrund für sie nicht gänzlich befriedigenden Art und Weise innerhalb der ersten Runde seinen kubanischen Mustergegner Odlanier Solis final auf die Bretter geschickt, womit «Dr. Eisenfaust» einmal mehr seinem Kosenamen gerecht wurde.

Wer als Schwergewichtler offensichtlich so lecker, locker, leicht, unangreifbar und in Milch schwimmend aus jedem WM-Kampf hervorgeht, der sollte vielleicht für seine zukünftigen Titelverteidigungskämpfe noch einige Extras einbauen, damit seine Fans ein weiteres Erlebnis-Gebiet haben, auf dem sie sich befriedigt fühlen dürfen – auch dann, wenn der Kampf mal wieder an erwünschter Länge zu wünschen übrig läßt. «Vitali, wäre es Ihnen vielleicht möglich, Ihren nächsten Gegner exakt so zuzurichten, daß er nach Beendigung des Kampfes genau so aussieht wie auf oben abgebildeten Gemälde von Francis Bacon?», so rufe ich fragend in einer Pressekonferenz im letzten Jahr während des ADC-Kongresses in Frankfurt in die Runde, als Herr Klitschko in einer Podiumsdiskussion bestätigte, daß man auch als Boxer kreativ sein müsse. OK, das Bacon-Bild hatte ich nicht bei mir, aber Francis Bacon war Vitali Klitschko durchaus ein Begriff. Seine Reaktion: Er grinste vielsagend. Wobei: War das letztes Jahr in Frankfurt nicht sein Bruder Wladimir?

Anyway: Der Gedanke, daß sich zukünftig Weltklasseboxer bemühen, ihr Antlitz gegenseitig dahingehend zu verfeinern und optisch aufzuwerten, daß sie Portraitgemälden weltberühmter Künstler ähneln oder sogar gleichen, ist gar zu verlockend. Man stelle sich mal vor: «Einmal Lennox Lewis in der Bauhausstilistik eines Fotogramms von László Moholy-Nagy, bitte!» Oder: «Ich denke, daß wir bei Mike Tyson auch immer irgendwie an Hermann Nitsch denken sollten!» Und last but not least: «Ich wette, daß es George Foreman gelingen wird, sich von seinem Gegner Muhammad Ali so zurichten zu lassen, daß er nach erfolgreich abgeschlossener Geischtsmassage den Eindruck erwecken wird, als habe sich der spanische Künstler Pablo Picasso seiner persönlich und überaus intensiv angenommen!» Not that bad at all, isn’t it?

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