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Mondscheinsonate

30 Apr


Sag mir, Mond: weißt Du, wo sie wohnt und thront? Sie verschont mich nicht mit ihrem Licht in der Nacht; ihr Gesicht belohnt mich, scheint wie für mich gemacht: sie lacht, doch ich tue es nicht. Innerlich wir längst uns fanden und ich habe verstanden, daß an und für sich ein Stich im Herzen nichts Schlechtes sein muß. Etwas Gerechtes und aus einem Guß muß es schon sein. Ich bin allein, doch bin ich es nicht. Für meine Pflicht: die Nachtwacht ist jetzt Schicht. Mein Gedicht, einst als Feuer gedacht, erlischt auf seine Weise, ich schließe meine Augen und geh‘ auf eine Reise. Leise will ich sie mit Dir umrunden; doch wohin ist sie entschwunden? Hast Du sie gefunden? Ich möchte ihr bekunden, wie sehr ihr Sein, ihr Schein mich heilte, als ich im Niemandsland der Gefühle verweilte. Kühle ereilte mich, als plötzlich sie verschwand. Ich beeilte mich, ihr meine Hand zu reichen, doch übersah sie dieses Zeichen. Oh, Mond! Weißt Du, wo sie wohnt und thront? Dann sag‘ ihr, daß ich – egal wie lang – immer auf sie warte: zum Klang der Mondscheinsonate!

Mond, ich unterstelle Dir eine gewisse Geisteshelle, die ich bei mir zur Zeit vermisse, habe Risse in meiner Gedankenwelt. Meine spirituelle Schranke fällt nicht gänzlich von allein, es sollte schon gewollt sein – das weiß ich wohl – doch wie hohl verzollt man täglich sein Herzblut, bleibt dabei redlich, doch unbeweglich, es wäre kläglich, schädlich, einfach aufzugeben, denn zum Leben braucht mein Geist im Geiste eine Weitgereiste, die erst denkt bevor sie spricht, die mich beschenkt, besingt und mir Verzicht beibringt. Es gelingt mir zur Zeit nicht, diese Sicht geschehen zu machen; einen Drachen mit ihr steigen zu lassen; in solchen Klassen zu denken, zu handeln; Wasser für sie in Wein zu verwandeln. Unter dieser Last rasten fast die Tasten, die ich mit dem Ziele, sie zu finden, spiele. Wie viele Jahre soll das noch gehen? Oh Mond, kannst du mich verstehen, in ihre Augen sehen, die Zeiger der Uhr nach vorne drehen? Ich möcht‘ Dich anflehen, ihr zu sagen, daß ich – egal wie lang – immer auf sie warte: zum Klang der Mondscheinsonate!

Als ich Deine Lichtenergie für mein Gedicht entlieh‘ ward meine Sicht wie nie; mein Herz wie Brie weich. In Deinem Reich weitet sich mein Sichtbereich automatisch, ist nicht mehr statisch, sondern flexibel, wie Stibel Eltron thermostatisch, das ist mir sympathisch, doch werd‘ ich phlegmatisch, wenn ich an sie denke, mit Verlaub mein Haupt in Nebelbänke senke, es eintauche, mich dabei schlauche, so rauche ich den Joint der Jointe. Der Tag ward mein Freund, der meine Lungen bräunte, das ist die Pointe. Ich träumte, ich hätt‘ für sie gesungen, mich aufgebäumt, meine Bude aufgeräumt, doch ich hab‘ versäumt, vor allen Dingen diese Tat auch wirklich zu vollbringen, mit Phantasie und Realität bin ich am Ringen. „Es ist zu spät!”, hat sie gesagt, doch hab‘ ich gewagt, mit schweren Schwingen über Luftklippen nochmals zu ihr vorzudringen. An ihrem Duft will ich nippen, ihre Lippen küssen: es sind ganz Zarte: setze alles auf eine Karte! Ich weiß, daß sich das lohnt. Oh Mond, sag‘ ihr, daß ich – egal wie lang – immer auf sie warte: zum Klang der Mondscheinsonate!

1998 © by Hamlet Hamster
Classical guitar performance by michaellucarelli

Und so hört sich das an, wenn sich Wilhelm Kempff der Sache annimmt.