Tag Archives: Ogilvy & Mather

Louis Vuitton

23 Jan

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Werbung und ihre assoziative Glaubwürdigkeit sind meistens zwei Paar Schuhe, die selten genug den Eindruck erwecken, als seien sie in ein und derselben Werkstatt gefertigt worden. Während obige Anzeige ja noch mit «Hey, das ist ja gar kein richtiger Fußballplatz; also bloß weg hier!» die plötzlich überkommende Reiselust der drei Fußballprofis erklärt, sieht es mit nachfolgend abgebildetem Printmotiv schon um einiges problematischer aus: Ein flüchtiger Blick auf das Inserat – und die meisten Blicke auf Anzeigen geschehen nur flüchtig beim Weiterblättern – ermöglicht die Annahme, daß die Dame auf der verrosteten Motorhaube des verkehrsun- aber wohl immer noch weltalltüchtigen Fahrzeugs in einem schicken Designerrollstuhl sitzt. Die Louis-Vuitton-Tasche wird assoziativ zum Wheelchairwheel. Sehnt sich deshalb die ehemals erste Frau im Weltraum nach der Schwerelosigkeit im Universum? Außerdem ist es schlicht unglaubwürdig, sich mit einer Mode-Label-Reisetasche Richtung Mond aufzumachen.

Unser gut gemeinter Ratschlag an Ogilvy & Mather pour la prochaine fois: Präsentationspappen sorgfältig knicken – und nochmals von vorne anfangen. Das einzig Positive an der Kampagne: die herausragende Fotografie von Annie Leibovitz.

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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David Ogilvy: The Original Mad Man

29 Jan

David Ogilvy, the master of long and short copy, the master of celebrating a self-disciplined lifestyle, the master of founding an advertising agency at the age of 38 and expanding it to a world-wide operating firm. He is now been honoured by «Ogilvy One» with this ad.

By the way: Ogilvy’s best remembered ad containing his most legendary headline was for Rolls Royce «At 60 miles an hour the loudest noise in this new Rolls-Royce comes from the electric clock». Here it is:

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More about David Ogilvy’s magic rules of successful advertising on Marching Against Philip.

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Sensitive topic. Therefore comments off.
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HSRM: Blow-up Your Experience

16 Dec

Es gehört schon lange zum guten Ton, ist fester Bestandteil der akademischen Ausbildung an der HSRM, ist darüber hinaus Tradition: Studenten des Studiengangs Kommunikationsdesign an der Hochschule RheinMain legen Zeugnis von ihrem sechsmontatigen Praktikum in einer möglichst angesehenen Kommunikations- oder Werbeagentur in Form eines Plakates ab: Umfangreich Erlebtes, dargeboten als inhaltliche Kompressionsnahrung im Blow-up-Format, und das alles im Rahmen einer schönen Ausstellung. Erfahrene Juroren jurieren – und Euer Hamster war zur Abwechslung mal wieder mit von der Partie. Außerdem gehörten der Jury Mathias Henkel, Text CD Saatchi & Saatchi (im Schnee stecken geblieben); Jochen Kürschner, Geschäftsbereichsleiter Leifheit AG (im Schnee stecken geblieben); sowie Prof. Rüdiger Pichler (anwesend) an. Trotz des insgesamt hohen Niveaus waren die drei Siegerarbeiten schnell ermittelt. Alle drei Beiträge verfügen über ein gemeinsames Merkmal, was auf eine bestimmte identische Grundhaltung bei ihren Urhebern schließen läßt. Dazu Prof. Rüdiger Pichler: »Die Regeln gekonnter Plakatkommunikation wurden sämtlichst mißachtet – und sind deshalb so überzeugend, weil sie gekonnt mißachtet wurden.«

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Alexeij Dobschinskij kommuniziert nach dem Prinzip »Verwirrung ist die Basis der Verführung« und löst inhaltlich mit dem Angebot, »in der Stimme von Bruce Willis zu lesen« auf. Christina Mendach, Personalabteilung von Saatchi & Saatchi, wird es freuen, denn einen Bruce Willis hatte sie bisher mit Sicherheit noch nicht in der Mangel. Plakat zur Vergrößerung bitte anklicken.

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Peer Wierzbitzki war bei Ogilvy & Mather; die formale Einhaltung der knallroten Ogilvy-CI auf seinem Plakatentwurf zeugt davon. Aber dann: Typographie klitzeklein. Die Neugier wird eingeladen zu forschen. Ergebnis: In der Mitte des Posters sehen wir die faksimilierte Wiedergabe einer zerknautschten Jean-Remy-von-Matt-Visitenkarte, denn der war ja auch mal Texter im Hause O&M. Dazu die Kernaussage: »Große Karrieren haben einen Anfang«. Plakat zur Vergrößerung bitte anklicken.

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Und dann liefert Christian Urbanski (ebenfalls Saatchi & Saatchi), der sich während des Rundgangs auch für das im Kommunikationsdesigntrakt ausliegende und excellent gemachte Linotype-Magazin No. 7, das die überarbeitete Times Modern von Luke Prowse zum Gegenstand hat, begeistern konnte, eine unter, quatsch, überirdische Arbeit ab. Kernaussage: »Manchmal ist es weit bis zur großen Idee.« Eine dreidimensionale Kommunikationsmaßnahme mit ziemlich viel Papierkorb. Und wie weit und wie schwierig es ist, eine große Idee zu produzieren, verdeutlicht Christian Urbanski konsequenterweise ebenfalls mit der an den Verfasser dieser Zeilen übersandten JPG-Datei, die unschärfer kaum hätte sein können. So erarbeitet man sich entspannt den 1. Preis und bleibt nachhaltig im Gedächtnis. Herzlichen Glückwunsch!

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So, und eigentlich wäre Euer Hamster mit der Berichterstattung jetzt fertig, hätte er da nicht noch einen Satz fürsorglich zu verabreichender Ohrfeigen an einen Studenten zu vergeben, dessen Name in seinem ureigensten Interesse hier nicht genannt werden soll. Er absolvierte sein Praktikum in Berlin bei DDB. Dieses verlief wohl nicht ganz so, wie sich das unser Praktikant ursprünglich vorgestellt hatte. Zudem geriet er in ein Zeitfenster, in dem er mitansehen mußte, wie einigen Werbern bei DDB in Berlin die Zusammenarbeit aufgekündigt wurde. Völlig willkürlich – aus der Sicht unseres noch Lernenden. Das ist natürlich alles obergrausamst. Fürwahr.

Nun, seinem Team sei gekündigt worden, aber er, er sei tapfer bis zum bitteren Ende geblieben. Dann verwandte er noch Formulierungen wie beispielsweise »Werbehitler«. Die mit dieser unmißverständlichen Bezeichnung bezeichnete Person sei hier namentlich ebenfalls nicht genannt, obwohl nun jeder halbwegs gut Informierte weiß, um wen es sich handelt. Und das ist bereits einer der springenden Punkte: Man kann nicht im vollen Bewußtsein, einen Pakt mit dem Teufel eingegangen zu sein, sich später, wenn sich der Teufel dann tatsächlich als ein solcher zu erkennen gibt, darüber beklagen, daß der Vertragspartner ein Teufel sei. That doesn’t make sense, does it? Das Geschäftsgebaren besagten »Werbehitlers« ist übrigens allseits bekannt. Basiswissen, über das ein Student der Kommunikationswissenschaften an einer solch’ ausgezeichneten Hochschule im 8. Semester zwingend verfügen sollte.

Und das Grundsätzliche: Wenn jemand so jammert und jault und nachtritt, nur weil ihm der Weihnachtsmann vorübergehend mal ein kleines Mürbeteigplätzchen weggenommen hat; also, was soll man eigentlich von so jemandem erwarten, wenn ihn das Schicksal mal so richtig in die Zange nehmen sollte? Was? Nichts.

Allerdings steckt unser Protagonist noch in der Ausbildung, und so soll ihm eine wichtige Lebensregel, wie sie einst Andy Warhol für sich selbst formulierte, mit auf den steinigen Lebensweg gegeben werden, aufdaß ihm emotionale Gesundung widerfahre: »Wenn Du glaubst, daß sich alles gegen Dich verschworen hat, daß Du weder ein noch aus weißt, dann sollst Du Dich niemals beklagen, sondern Dich der Annahme hingeben, daß es offensichtlich sehr viele Menschen gibt, die Dir extra ein Drehbuch auf den Leib schneidern, um Dir das Leben zur Hölle zu machen. Freue Dich, daß Du in einem Film die Hauptrolle spielen darfst, der eigens nur für Dich gedreht wird. Ein größeres Kompliment kann man Dir gar nicht machen. Du bist ein Star – und wirst es noch weit bringen.«