Tag Archives: Photonews

Happy Birthday «PHOTONEWS»!

6 Dec

Click to enlarge photonewsedly

Das Online-Portal des Goethe Instituts schreibt: «PHOTONEWS ist eine großformatige Zeitschrift, die über das aktuelle Geschehen in der Fotografie mit Berichten zu Ausstellungen, Künstlerporträts, Buchrezensionen, Hinweisen auf Preise und Wettbewerbe informiert. Europäische Fotografie bildet den Schwerpunkt, wobei andere Länder ebenfalls Beachtung finden. Neben den rein künstlerischen Aspekten der Fotografie finden sich hier auch anwendungsbezogene Reportagen und Berichte sowie Werbefotografien. Zudem wird jede Ausgabe mit einem Ausstellungkalender für Deutschland, die Schweiz und Österreich ergänzt. Viele farbige und Schwarz-Weiß-Fotos sorgen für visuelle Eindrücke. Im Technikteil werden Neuerungen für professionelle Fotografen vorgestellt.»

Das ist eine schöne, sachlich richtige und somit treffende Beschreibung. Einerseits. Andererseits natürlich auch. Dazwischen jedoch, also zwischen den Zeilen, sey aber noch einiges anzumerken: Beispielsweise, daß nicht eben wenige Textbeiträge von essayistischer wenn nicht gar literarischer Güte sind. Ein Qualitätsumstand, der von Anbeginn des Bestehens von «PHOTONEWS» ein eher beiläufiges Durch-oder-gar-mal-eben-Weglesen konsequent zu verhindern wußte. Die unmißverständliche Botschaft an den Leser: «Entweder nimmst Du Dir Zeit für mich und beschäftigst Dich ausführlich mit mir – oder Du läßt es besser sein».

Mit einem solchen Anspruch sind schon so einige den menschlichen Intellekt stark beanspruchende Publikationen an den Start gegangen, aber das 25-jährige Bestehen feiern zu können, ist in diesen Kreisen eine bemerkenswerte Ausnahme – und spricht zweifellos für sich, für die Redaktion und das von ihr erstellte PHOTONEWS-Konzept, das sich seit nunmehr einem Vierteljahrhundert beinahe unverändert Ausgabe für Ausgabe widerspiegelt.

Zum Themenkomplex Bildsprache beziehungsweise Heftoptik sei herauszustellen, daß es «PHOTONEWS» ebenfalls gleich zu Beginn erfolgreich gelungen ist, für eine gleichwertige Präsentation von Bildergebnissen zu sorgen, die ihrerseits unterschiedlichen Darstellungsdisziplinen im Bereich der Fotografie zuzuordnen sind. Salopp gesagt: Völlig egal, ob es sich um künstlerische, werbliche oder um Reportagefotografie handelt, jede einzelne Fotografie bekommt in der Zeitung ein Plätzchen zugewiesen, auf dem sie gut wahrnehmbar ihr volles Aroma verströmen kann.

Zum Jubiläum läd «PHOTONEWS» seine Weggefährten, also alle Lesende, Schreibende und Fotografierende, die dieser Zeitung 25 Jahre lang treu zur Seite gestanden haben, ein, nicht nur sich selbst und die hier gegenständliche Zeitung für Fotografie zu feiern, sondern insbesondere das, was alle Beteiligten miteinander verbindet: die Fotografie.

«PHOTONEWS» schreibt: «Daher wünschen wir uns als Glückwunsch zum Geburtstag ein Bild, eine Fotografie: d a s  gute Bild  – versehen mit einem Kurztext zur Fotografie, zu 25 Jahren PHOTONEWS oder einfach zum guten Bild. Wir setzen dieses Projekt über das ganze Jubiläumsjahr 2014 fort und freuen uns auf viele spannende Bilder und Kommentare. Wer sich beteiligen möchte kann ein Bild mit Text per E-Mail an 25jahre@photonews.de senden. (Bitte nur 1 selbst fotografiertes Bild, frei von Rechten Dritter, im Format RGB in einer Breite von 1000 px mit 72 dpi Auflösung). Danke!»

Unser Redaktionsfotograf Andreas Baier wurde bereits 1989 in «PHOTONEWS», also im ersten Jahr ihres Erscheinens, in der Ausgabe Nummer 8 mit seinem Text- und Bildbericht über seine «Kur in St. Peter-Ording» ausführlich vorgestellt. Selbstredenderweise hat er sich bereits mit oben abgebildetem Beitrag beteiligt – und wünscht auch an dieser Stelle «PHOTONEWS» alles Gute und viel Erfolg für die nächsten 25 Jahre Fotografie, Fotografie und Fotografie.

Website PHOTONEWS – Zeitung für Fotografie
via 25 Jahre PHOTONEWS

***
Religiöses Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
***

Advertisements

Von Mäusen und Lobstern, Fotografen und Parties.

23 Dec

Click to enlarge photographically

Bildunterschrift mit Didaktikteil I: Um Aufnahmen mit dem gewissen Etwas zu erhalten, ist es unumgänglich zunächst auf die dem Shooting beiwohnenden Moderedakteure, das Modell und natürlich auch auf sich selbst einen latent unbeholfenen Eindruck zu machen. Verwenden Sie beispielsweise ein Teleobjektiv in einem Nahbereich (siehe Foto), der es Ihnen verunmöglicht, technisch scharfe Bilder zu erzeugen. Sagen Sie euphorisch: Retrolook sowie Out of Focus sind derzeit der letzte Schrei. Dann schreien Sie so laut Sie nur können. Herzlichen Glückwunsch: Vom unausgesprochenen Vorwurf, in Starallüren zu baden, haben Sie sich gerade erfolgreich befreit. Die Studioatmosphäre ist auf dem Siede- und Höhepunkt, der Rest ein Kinderspiel.

***

***+Teil 1+***

Dschungelcocktail auf den Toiletten einer 747

Fotograf zu sein ist schon was Feines. Der Ruf Desperado der Presseempfänge, Liebhaber von Sonnenuntergängen oder notorischer Beischlafbeglücker von mindestens zwei Models gleichzeitig zu sein, eilt ihm voraus wie der Blitz dem Donner. Darüber hinaus machen ihn seine Weltreiseerfahrungen, seine Menschenkenntnis sowie seine endlos lange Liste von bereits fotografierten Eiffeltürmen zur beliebten Anlaufstation, um sich mit ihm bei einem Glas Dschungelcocktail über die unmöglichen Lebensbedingungen auf den Toiletten einer 747 zu unterhalten. Ist es da nicht reizvoll, sich so einen Paradiesvogel mal auf eine Party zu holen? Und ganz im Vertrauen: die kaputte Instamatic, die schon seit Jahren auf dem Dachboden liegt, kann er ja nebenbei gleich mitreparieren, schließlich ist er ja Fachmann.

Windmühle in Öl

Steht der Fotograf dann schüchtern im Türrahmen, irgendwie nicht so, wie Sie ihn sich eigentlich vorgestellt hatten, dann bereiten Sie ihm eine endlos große Freude, wenn Sie die Rolle unter seinem Arm an sich reißen, mit dem Bild freudestrahlend zu Ihren Gästen rennen und brüllen: »Seht mal! Seht mal! Das hat er selbst gemacht! Das hat er selbst gemacht!« und es anschließend sofort mit Reißzwecken auf Ihrer Schlafzimmerblümchentapete, direkt am Kopfende neben einer Windmühle in Öl, befestigen. Dann wird er vor Glück strahlen, denn er weiß, sein Foto ist gut angekommen.

Champagner, Lobster und Baummaden

Hat er dann endlich Platz genommen, umgeben von Ihnen und all den anderen süßen Mäusen, in der einen Hand ein Glas Champagner, in der anderen einen Lobster – Fotografen trinken und essen ausschließlich Champagner und Lobster, es sei denn, sie müssen sich im Urwald gerade von Baummaden ernähren –, dann fallen Sie ihm am besten gleich um den Hals und fragen mal so ganz dezent an, ob er nicht noch ein paar Models braucht. Sagen Sie ihm auch, daß Sie schon immer einmal mit einem Toaster in der Hand in die Kamera grinsen wollten, es ist ein alter Jugendtraum von Ihnen, sagen Sie ihm das. Das macht bestimmt Eindruck!

Click to enlarge photographically

Bildunterschrift mit Didaktikteil II: Eine gesunde Portion Dilettantismus verbreiten Sie ebenfalls, wenn Sie Ihre Kamera mitten in der Fotosession so anschauen, als käme sie direkt vom Mars. Zuvor bitten Sie Ihren Assistenten während eines unbeobachteten Augenblicks, zeitgleich die selbe Show mit dem Blitzbelichtungsmesser (auf dem Foto das Gerät mit dem weißen Knopf) zu veranstalten. Damit aktivieren Sie die Helfersyndromfunktion im Kopf Ihres Modells, das – nach Möglichkeit – ein bißchen wie Lady Diana Spencer (war damals in den 1980ern sowie 1990ern quasi Pflicht) aussehen sollte.

***

***+Teil 2+***

Helmut Newton, Christian Lacroix und eine parfümierte Hutfeder

Sie haben jetzt eine solide Gesprächsatmosphäre geschaffen, in der Sie Ihre Fotoalben auspacken und ihm auf den Schoß legen können, mit dem angenehmen Nebeneffekt, daß er jetzt nicht mehr weglaufen kann. Denken Sie bitte unbedingt daran, auch ein paar Alben Ihrer Groß- und Urgroßmutter beizufügen, denn das erleichtert dem Fotografen festzustellen, ob das Talent zum Model in der Familie liegt. Während er sich dann von spaghettiverschmierten Kindergesichtern über krebsrote Haut auf weißem Sand – das erinnert ihn an seinen Lobster, den er im Moment nicht weiterssen kann – bis hin zu Panoramen von Gebirge, Meer und Wüste durcharbeitet, sollten Sie in einem Anflug von geistiger Genialität darüber reflektieren, daß Sie Modefotografie wahnsinnig geil finden und Helmut Newton natürlich auch und daß Sie einen seiner Assis fast ins Bett bekommen hätten, wenn diese blöde Privatsekretärin von Christian Lacroix nicht so raffiniert mit ihrer parfümierten Hutfeder direkt unter seinen Nasenlöchern rumgespielt hätte. Dabei bitte elegant eines Ihrer unvergleichlich schönen, netzstrumpfbehosten Beine – welche voguelesende Partysmalltalkdame hat keine unvergleichlich schöne, netzstrumpfbehoste Beine? – vom Lackschuh befreien und ihm damit zwischen dieselbigen gehen, aufdaß der Champagner schäume. Das erhöht nicht nur die Spannung, sondern auch die Chance vielleicht doch noch zur Toaster-Miss-Piggy-des-Jahres gewählt zu werden. Sollte der Champagner allerdings nicht schäumen, auch nicht des Lobsters Scheren klappern, dann, so fürchte ich, haben Sie etwas falsch gemacht. Aber was denn nur?

Fishing for Delle im Halsfleisch

Nur nicht aufgeben! Ein letzter Versuch: Fishing For Compliments! Setzen Sie sich ein Messer an die Kehle, verkünden sie den Selbstmord, weil Sie so völlig unfotogen sind, ihre Haare nie richtig liegen und Sie deshalb hier niemand so richtig beachtet. Drücken Sie das Messer jetzt fester, sagen wir, bis eine starke Delle im Halsfleisch entsteht. Das erhöht die Glaubwürdigkeit. Also, nur mal angenommen, Sie sind so schätzungsweise einhundertzwanzig Jahre alt und Ihr Gesicht sieht wirklich danach aus, als hielten die Grand Canyons just und exakt an diesem Ort ihr Weltjahrestreffen ab, dann sollten Sie sich reiflich überlegen, ob nicht der ideale Zeitpunkt für einen taktvollen und gepflegten Abgang gekommen ist…

Tangoschritt und Filzpantoffeln

Aber wirklich passieren wird nichts, Sie wissen das. Der Fotograf wird fassungslos die Alben quer durch den Raum werfen, entsetzt aufspringen, Ihnen das Messer entreißen, Sie in den Tangoschritt zwingen und sagen: »Lady, Sie sind mit Abstand die schönste, attraktivste und begehrenswerteste Dame, die ich in meinem Leben je kennengelernt habe! Ich möchte Sie heiraten, ein Haus bauen, Filzpantoffeln tragen und mindestens fünf Kinder von Ihnen haben.« Und Sie werden es glauben, Sie müssen es glauben. Und nachdem der Fotograf Ihnen Ohr und Geist so lieblich vollgeflüstert hat, nur damit der Gastgeber nicht auch noch seinen Teppich reinigen lassen muß, er sich so gerne mal mit dem Arzt unterhalten möchte, der für ihn freundlicherweise die Wiederbelebungsversuche an der Instamatic übernahm, wird er Sie an die Hand nehmen, auf die Toilette zerren, mit der Gold-Credit-Card ein geheimnisvolles, weißes Pülverchen auf dem Klodeckel zerstoßen, zwei feine, saubere Linien legen, Ihnen ein zum Röhrchen gedrehten Tausender in die Hand drücken, verwegen grinsen und fragen: »Baby! Do you wanna take off?«

***

Dieser Text wurde erstmals vor Unzeiten, also irgendwann zwischen 1986 und 1990 in der damals noch erscheinenden Fachzeitschrift foto scene veröffentlicht.

***