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Alternative Fakten: Vincent Van Goghs «Selbstportrait mit verbundenem Ohr und Pfeife»

6 Feb

Vincent van Gogh: «Selbstportrait mit verbundenem
Ohr und Pfeife» aus dem Jahre 1889

Es war eines der spannendesten Coups der Kunstgeschichte, als sich Vincent van Gogh in fast buchstäblich letzter Minute dazu entschloß, es sich für «die perfekte Naßrasur» (seine Wortschöpfung) vor dem Spiegel bequem zu machen. Vielleicht wurde er aber auch von Paul Gaugin, einem Pinguin oder schlicht dem Mistral barbiertechnisch auf Vordermann gebracht. Die Kunsthistorikerin Marianne von Werefkin ist sich da leider nicht mehr so sicher. Ist aber eigentlich auch egal.

Deutlich zu erkennen ist jedoch das Ergebnis seines frühmorgendlichen Wirkens: Auf der rechten Seite hängt sein versehentlich abgetrenntes Ohr schlaff herunter. Es ist traurig, trägt schwarz und versucht, sich ein letztes Mal an der Brustwarze des Meisters zu stärken. Leider gibt sie keine Milch mehr. Ganz im Gegensatz zum Ohr auf der linken Seite: Zwar gibt es vor, genauso langgezogen und abgeschlagen zu sein wie sein Pendant auf der Straßenseite gegenüber, macht aber insgesamt einen viel frischeren Eindruck, weshalb davon ausgegangen werden muß, daß pure Empathie das linke Ohr beinahe so traurig aussehen läßt wie das rechte. Gab es unter van Goghs Ohren möglicherweise eine Geheimsprache mittels derer sie sich von der Außenwelt unbemerkt verständigen konnten? Die erfahrene Kunsthistorikerin Marianne von Werefin, die früher während der Semesterferien bei «Q-Tips» am Fließband stand, meint ja. «Ohren», so die Expertin, «neigen oft dazu, in ihrem Unterbewußtsein Fragen zu stellen, die sie sich dann selbst beantworten. Die dabei entstehenden Schwingungen, wir sagen ‹Schallwellen› dazu, übertragen sich dann auch auf die nähere Umgebung. Das führt dann oftmals zu gleichgeschalteten Verhaltensweisen.»

Aber auch die sonst so rabiat harte und unbeugsame Pfeife zeigt Mitleid und sich geschmeidig, legt sich anschmiegsam, einem Halstuch gleichend, schützend um den fragil-verletzlichen Nacken Vincent van Goghs – vermutlich, um als Verband weiteres Blut aufzusaugen.

Und was ist mit van Gogh selbst? Beinahe sieht er so aus, als würde er hinter dem sich selbst malenden Maler ein schönes Stück Kottelett hängen sehen, dessen Aussicht auf ein baldiges Verzehrtwerden die Sonne nicht nur in seinem Herzen sondern auch in seinem Gesicht aufgehen läßt. Dieses Bild ist Zeugnis der wenigen glücklichen Tage der ihm verbleibenden eineinhalb Lebensjahre.

Nun hängt das Bild wieder dort, wo es hingehört: in Murnau. Der erste Vorsitzende der «PSM Privatstiftung Schloßmuseum Murnau», Professor Dr. Hans-Peter Keitel, ist stolz darauf, in quasi letzter Minute dieses Meisterwerk für den Betrag von 115.704,- € aus dem Nachlaß Marianne von Werefkins erstanden zu haben. Dabei ist noch eine Finanzierungslücke von derzeit 30.000,- € zu schließen. Die Stiftung bittet höflichst um den Vollzug entsprechend notwendiger Handlungsmaßnahmen – und sich vertrauensvoll mit ihr in Verbindung zu setzen.

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Das Selbstbildnis im Wandel der Halbzeit

3 Jun

Jean Baptiste Simeon Chardin

Abbildung via: Journal für Kunst, Sex und Mathematik

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Andy Warhol

Self-Portrait, 1963/64
Andy Warhol, Self-Portrait, 1963/64
© The Estate and Foundation of Andy Warhol/VBK, Wien 2009
Privatsammlung
Courtesy Thomas Ammann Fine Art AG, Zürich

Abbildung via: Universalmuseum Joanneum

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Albrecht Dürer

Abbildung via: MYPICASSO

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Egon Schiele

Abbildung via: Academic dictionaries and encyclopedias

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«Ein Selbstbildnis oder Selbstporträt ist eine Selbstdarstellung der Physiognomie eines bildenden Künstlers mit den Mitteln der Malerei, Grafik, Plastik oder Photographie.

Die ersten Selbstbildnisse soll es bereits in der Antike gegeben haben. Der berühmte griechische Bildhauer Phidias soll sich etwa auf dem Schild der von ihm geschaffenen Statue der Athena Partenos selbst abgebildet haben.

Aus der mittelalterlichen Kunst sind kaum Selbstbildnisse überliefert.

Seit der Renaissancezeit jedoch hat sich der selbstbewusste Künstler, der nun nicht mehr bloßer Handwerker war, sondern sich den Philosophen, Literaten und Wissenschaftlern der Zeit gleichwertig erachtete, im Selbstporträt ein Denkmal gesetzt. Neben der Auseinandersetzung mit der eigenen Physiognomie als allgegenwärtigem und billigem Modell zeugen viele Selbstbildnisse auch von der inneren Auseinandersetzung des Künstlers mit sich selbst, mit den eigenen sich wandelnden Stimmungen und der eigenen Vergänglichkeit.» Zitat von hier.

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Wolf-Roberto Schimpf | Selbstportrait mit Eichenblättern

Abbildung via: Kunstnet

Ähm, um Mißverständnisse zu vermeiden: Dieses Selbstbildnis von Wolf-Roberto Schimpf halte ich für schlicht großartig, wenngleich sich leichte Parallelen zu einem Selbstbildnis von Paula Modersohn-Becker auftun, das nachfolgend gezeigt wird. Bei meiner weiterführenden Recherche im Netz habe ich jedoch feststellen müssen, daß die übrigen mir auf diesem Wege zur Kenntnis gelangten Bilder des noch sehr jungen 26-jährigen Künstlers sämtlichst nicht besonders sind – um es höflich zu formulieren. Er mag dies bitte als Einladung verstehen, weithin an sich zu arbeiten; und zwar hart.

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Lucas Cranach Der Ältere

Abbildung via: AltertuemLiches.at

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Paula Modersohn-Becker

Titel: Selbstporträt
Künstlerin: Paula Modersohn-Becker
Zeit: 1906
Technik: Öltempera auf Pappe
Maße: 62,2 × 48,2 cm
Sammlung: Ludwig Roselius, Bremen

Abbildung via: Weltum

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Robert Mapplethorpe

Also, liebe AIDS-Hilfe, ich habe ja keine Ahnung, in welch’ übemenschlich selbstlosem Universum Du Dich da gerade mal wieder wähnst und gähnst, aber wäre es Dir vielleicht möglich, zukünftig einfach mal korrekte Urhebervermerke an urheberrechtlich geschütztes Bildmaterial anzubringen? Auch wenn Dein selbstgewähltes Thema «Radikale Darstellung von Sex und Nacktheit» lautet, und Du Dir von Robert Mapplethorpe nun ausgerechnet ein Selbstbildnis ausgesucht hast, auf dem alles gezeigt wird, nur keine radikale Darstellung von Sex und Nacktheit. Oder war Dir in diesem Falle jegliches Nachdenken viel zu anstrengend und eh nicht so wichtig, weil Robert Mapplethorpe ohnehin «gerechterweise» (siehe auch «dümmliche Volksmeinung») an der Schwulenpest AIDS verstarb? Denn so, wie sich das jetzt liest, könnte man meinen, daß eine Christine Hoepfner (die mit Martha Hoepffner hoffentlich nichts gemein hat), die das Werk am 2. Februar 2011 auf Deiner Seltsam-Site veröffentlichte, die Autorin des Werkes ist – was, wie Du vielleicht gar nicht weißt, gar nicht stimmt. Änder das mal!

Abbildung via: Deutsche AIDS-Hilfe Blog

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Pierre Auguste Renoir

Abbildung via: Weltum

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Harfenengel

Well, you know, eigentlich könnte das Bild von Helmut Newton sein, oder Irving Penn, oder Richard Avedon, oder, oder, oder – in gewisser Weise zumindest. Ist es aber nicht. Es ist das Selbstbildnis der Harfenistin Simonetta, die, so habe ich den Eindruck gewonnen, in den Pausen ihrer Auftritte die Waschräume aufsucht, um sich mit einer kleinen Kamera im Spiegel zu fotografieren. Hier ist noch so eines ihrer Selbstportraits. Der zugehörige Blogeintrag «Winter-Reise» liest sich sympathisch – auch wenn die Dame Vegetarierin ist. Glücklicherweise macht sie mir aber nicht den Eindruck, als würde sie nachts heimlich Metzgern die Schaufensterscheiben einwerfen. Zurück zur Qualität ihrer Selbstbildnisse: Ich sollte mir unbedingt mal einen ihrer Harfe-Auftritte genehmigen.

Abbildung via: Harfe-Harfenistin in Berlin

Wer so richtig wichtig und in fast ausschließlich wortkarger Manier das Thema Selbstbildnis ausführlichst konsumieren möchte, der ist mit diesem Beitrag bestens bedient!

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Sensibles Thema. Deshalb keine Kommentarmöglichkeit.
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